Mit schöner Regelmäßigkeit bricht die Audioindustrie eine neue Formatdiskussion vom Zaun. Das ist seit Jahrzehnten der Brauch. Es scheint dabei nicht so als würde man in irgend einer Form dazulernen.
Es gibt nur wenige Fälle die man hier uneingeschränkt als Erfolgsstory anführen kann. So wie ich das sehe kommen für den Titel eigentlich nur 4 Formate in den letzten 60 Jahren in Frage: Die Single (45 U/min), die LP, die Compact-Cassette und die CD. Die Liste der mehr oder weniger gescheiterten Formate ist um ein Vielfaches länger und ich versuche gar nicht erst sie aufzuschreiben. Mit der Blu-Ray Audio Disc ist man gerade dabei die Liste um einen weiteren Eintrag zu erweitern.
Das Problem ist daß man mit der Blu-Ray-Technologie einen Datenträger zur Verfügung hat, den man in möglicht viele Märkte drücken will, damit sich mit der Verbreitung auch die Stückzahlen steigern. Investitionen in Fertigungsanlagen und Entwicklungskosten wollen sich rentieren, aber da kann dann schon mal die Sicht des Konsumenten aus dem Blickfeld geraten der sich fragt was er von all dem hat. Und bei Licht betrachtet hat er davon bestürzend wenig.
Der Konsument will, platt ausgedrückt, seine Mucke abspielen können, und zwar mit möglichst wenig Komplikationen. Seit der Compact-Cassette ist er es auch gewohnt, Musik zu überspielen, und das wird man ihm kaum so einfach abgewöhnen können, aller Drohkulisse und technischen Trickserei zum Trotz. Nicht umsonst sind alle Versuche der Industrie, das zu verhindern - und es gibt nicht wenige davon - übel nach hinten losgegangen. Der Blu-Ray-Versuch ist nur der nächste in der Reihe, mit dem mal wieder ein Kopierschutzsystem etabliert werden soll, und der Konsument wittert ohnehin mittlerweile in jeder derartigen Neuerung einen Kopierschutz-Trick. Ich meine zurecht.
Um dem Konsumenten-Fisch das Zubeißen zu erleichtern muß man natürlich einen Wurm an den Haken hängen. Das war schon bei der SACD und der DVD-A so. In beiden Fällen bestand der in der möglich höheren Audioqualität und der Möglichkeit von Surround-Audio. Bei der Blu-Ray-Disc ist das im Grunde immer noch das Gleiche. Aber die Frage ist was das bringt.
Zu Surround:
Die Verfügbarkeit von Surround-fähigen Anlagen hat zwar im Zusammenhang mit Heimkino stark zugenommen, aber die adäquate Wiedergabe einer Film-Geräuschkulisse ist wohl doch nicht das Gleiche wie gescheite Musik-Wiedergabe, selbst wenn die so produziert sein sollte daß sie vom Surround-System profitiert, was gar nicht so häufig der Fall ist. Blöderweise muß der Konsument nämlich hier seine verfügbare Kohle auf 5 oder 6 oder gar mehr Lautsprecher aufteilen statt auf zwei, und angesichts der Tatsache daß guter Klang hauptsächlich an den Lautsprechern hängt bedeutet das nicht selten daß die dann gekauften Lautsprecher eben die schlechtern sind, und der resultierende Klang summa summarum ebenfalls schlechter. Dazu kommt noch daß bei Surround die besten Hörpositionen im Raum noch weiter eingeschränkt sind als bei Stereo, und daß man beim Aufstellen und Einmessen noch mehr falsch machen kann. Und das wo 80% oder mehr der Mucke immer noch in Stereo daher kommt. Für viele stellt daher der Schritt zu Surround eher einen klanglichen Rückschritt dar, und es gibt etliche Leute die ihre Heimkino-Anlage strikt getrennt von der Stereo-Anlage halten. Das sollte die Industrie eigentlich alarmieren, denn das heißt daß in den Augen der Konsumenten mit Surround etwas grundsätzlich faul ist.
Zudem, wenn man Surround flächendeckend in den Markt drücken will, dann muß man dafür sorgen daß auch die Radios damit arbeiten. Sonst muß man de facto erst wieder zwei Varianten produzieren, und man kann dem Kunden mit der Surround-Version den Mund nicht wäßrig machen bevor er das Produkt kauft. Gerade das Auto als ein Ort wo viel Radio gehört wird (und auch zukünftig werden wird) wäre dafür der ideale Ort, und da ist der Kopf des Hörers noch dazu in einer sehr vorhersehbaren Position. Aber wir wissen alle daß das nicht passiert ist. Und gerade wo DAB endlich in der Hinsicht erweitert wurde daß auch Surround möglich wird (wieder so ein Format-Desaster) muß man in Deutschland und vielen anderen Ländern sein Scheitern eingestehen. Ein Armuts-Zeugnis ersten Ranges.
Zur Audioqualität:
Die wird bei den Digitalmedien schon seit Jahr und Tag in Bits und Kilohertz gemessen, und man tut so als sei mehr auch automatisch besser. Bloß, wer mag das inzwischen noch glauben? Die Masche ist dermaßen abgegriffen daß das keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Und unabhängig davon was die Audiophilen alles hören gibt's bei Beidem einen Punkt an dem einfach genug ist. Mehr bringt keinen merkbaren Mehrwert. Das was hier nötig ist wurde mit der CD vor über 25 Jahren erreicht. Seither ist zwar viel mehr möglich geworden, die Fälle in denen es auch einen Unterschied macht sind aber so dünn gesät daß man getrost darauf pfeifen kann.
Es klingt provokativ, aber ja ich behaupte hier daß 44,1 kHz Abtastrate bei 16 bit genug ist. Genug für ein Distributionsmedium wie der CD oder auch der Verteilung über Internet. Ketzerei? Vorgestrigkeit? Ich behaupte nein, und hier kommt meine Begründung:
Wieviele Audioproduktionen kennt Ihr die von mehr Wortlänge als 16 bit oder von einer höheren Abtastrate als 44,1kHz tatsächlich profitieren würden? Welche Produktionen z.B. arbeiten wirklich mit Frequenzen jenseits von 16-20 kHz, die sowieso nur ein Teil der Kunden überhaupt wahrnimmt, und die in irgend einer Form relevant für das Hörerlebnis sind? Meine Schätzung ist Null. Wie viele Produktionen gibt es bei denen ein Rauschteppich bei -95 dBFS tatsächlich stört? Ich würde sagen ebenfalls Null.
Bei der Abtastrate kann ohnehin nur jemand anderer Meinung sein der glaubt daß man irgendwie auch Frequenzen hören kann die nach konventioneller Weisheit im Ultraschall-Bereich liegen. Solche Meinungen gibt's, aber der überzeugende Nachweis dafür fehlt bisher. Und selbst dann würde das noch nicht bedeuten daß es auch relevant für den Musikgenuß ist. Bei der LP ist es das schließlich auch nicht.
Und bei der Wortlänge muß man sich klar machen daß selbst wenn die Anlage so eingestellt ist daß der Rauschteppich an der menschlichen Hörschwelle liegt, das heißt gerade nicht mehr heraushörbar ist wenn es absolut kein Hintergrundgeräusch gibt, daß dann die meisten Scheiben immer noch lauter spielen als man es normalerweise im Wohnzimmer einstellen würde. Und Hintergrundgeräusch gibt's in der Praxis immer, und zwar mehr als man meist meint.
Eine typische "vernünftige" Abhörlautstärke beträgt vielleicht 83 dB-SPL, und das bedeutet daß man noch 12 dB Headroom für Pegelspitzen hätte. So ungefähr war die CD ursprünglich mal eingepegelt, bevor der Lautheitswahn zugeschlagen hat. Das heißt schon damals, ohne die heutige "harte" und superkomprimierte Aussteuerung hatte das Medium CD einen Rauschabstand, der besser als jede praktische Abhörsituation ist. Der Lautheitswahn hat uns Scheiben beschert, die weniger Headroom und damit mehr Rauschabstand haben, und da man kaum noch Dynamik hat kriegt man zudem vom Rauschabstand gar nichts mit, außer theoretisch in den Pausen zwischen zwei Titeln. Man hat also dazugewonnen wo man eh schon mehr als genug hatte, und weggeschmissen wovon die Musik lebt.
Mehr als 16 bit würde nur völlig überflüssigerweise noch mehr Rauschabstand bringen, aber am Dynamikproblem nicht die Bohne ändern. Die Produktionen würden genauso an die Wand gefahren wie heute, denn das Problem ist nicht das Format. Käme es nur auf den besten Klang an, dann könnte man CDs herstellen die nicht merklich anders oder gar schlechter klingen als eine SACD oder DVD-A oder meinetwegen Blu-Ray-Audio-Disc. Weil eben die CD reicht. Aber auf den besten Klang kommt es offensichtlich gar nicht an, wie man sieht.
Jetzt könnte man sagen, ok die CD ist für die Massen, während die SACD (oder DVD...) für die Audiophilen ist. Auch wenn es technisch nicht nötig wäre schafft man so die Zielgruppen-Unterscheidung über eine unterschiedliche Mastering-Philosophie für die verschiedenen Medien. Bei der CD die totkomprimierte Thrash-Produktion, die einen aus dem Lautsprecher anspringt, aber spätestens beim dritten Mal nervt, und bei der SACD die gemäßigte Version für das kritische Publikum. Partiell wurde das bei der SACD auch probiert, aber nicht konsequent durchgezogen, und es wäre auch dann noch zweifelhaft gewesen ob es funktioniert hätte. Der Wurm ist einfach zu verschrumpelt als daß er den Haken "Kopierschutz" hätte verstecken können. Der blöde Konsument hat sich als nicht blöd genug erwiesen. Und in einer halsabschneiderischen Branche kann man nicht wirklich den Produktions-Mehraufwand für eine zweischichtige SACD durchsetzen und durchhalten wenn der Aufwand eigentlich gar nicht nötig wäre. Zudem war man natürlich auch nicht bereit dem Kunden reinen Wein einzuschenken. Das Dilemma ist ja das man mit der Existenz einer SACD implizit zugibt daß die entsprechende CD dann die Schrottproduktion ist. Stattdessen log man was zusammen daß die CD eben nicht mehr Klang hergibt und es die SACD (wegen mehr Bit und mehr Frequenz) brauche um guten Klang zu ermöglichen. Bullshit.
Und kaum ist man mit dem Wundenlecken von letzten Desaster fertig bereitet man das nächste vor. Auf eine Blu-Ray-Scheibe passt mehr Audio als die allermeisten Bands in ihrer ganzen Existenz an Stücken zusammen bekommen. In absolut einwandfreier Qualität, die auch durch Datenverschwendung nicht merklich besser wird. Womit füllt man also den Platz? Mit Müll?
Und wie überzeugt man den Konsumenten das er einen Blu-Ray-Player zum Musikhören anschaffen soll, der zum Einlesen der Scheibe so lange braucht daß ein CD-Spieler schon das erste Lied abgespielt hätte?
Montag, 20. Juli 2009
Samstag, 11. Juli 2009
Audiophile Meme
Seit Richard Dawkins im Ruhestand ist kann er sich voll und ganz seinem Hobby widmen, nämlich den bornierten Religiösen gehörig auf die Nerven zu gehen. Nicht daß er damit bis zum Ruhestand gewartet hätte, sein Ruhm hat ihm auch schon davor recht große Freiheiten beschert, aber jetzt sind die Verpflichtungen ganz entfallen. Der Ruhm ist nicht unverdient, hat aber mit Religion nur indirekt etwas zu tun. Der Mann war eigentlich mal Biologe, genauer gesagt Zoologe, und sein Ruhm geht zu einem bedeutenden Teil auf ein Buch zurück das er schon vor über 30 Jahren veröffentlicht hat: "The selfish gene", auf Deutsch: "Das egoistische Gen". Eine durchaus bahnbrechende Arbeit, die bis heute lesenswert ist und nicht umsonst zu einem Bestseller wurde.
Sie wurde auch prompt mißverstanden, schon der Buchtitel wurde z.B. mißverstanden im Sinne von: "Das Gen, das egoistisch macht". Daß er genau das nicht meint hat er schon im Buch selber mehr als klar gemacht, aber seine Kritiker hindert das schon seit 30 Jahren nicht, Kritikpunkte vorzubringen die man sogar durch oberflächliches Lesen seiner Texte schon als unberechtigt erkennen könnte. In den meisten Fällen kommt solche Kritik aus der religiösen Ecke, und von daher wird verständlich warum der Mann unweigerlich zum zubeißenden Atheisten werden mußte. Wer 30 Jahre lang ständig Angriffen von Leuten ausgesetzt ist, die offenkundig noch nicht einmal die einfachsten seiner Argumentationspunkte verstanden haben, und ganz offensichtlich auch gar nicht verstehen wollen, der kann - je nachdem welches Temperament er hat - nur entweder in die Resignation abtauchen, oder das Feuer erwidern. Dawkins gehört nicht zu den Leuten die man einfach so beiseite pinkeln kann, demnach mußte er zu einem Vertreter der zweiten Kategorie werden.
Das soll aber nicht mein Thema hier sein. Mir geht's um den Inhalt seines erwähnten Buches. Der springende Punkt darin ist, daß die Gene die zentralen Figuren bei der Evolution sind, und nicht die Lebewesen. Vorher war die Vorstellung sehr verbreitet, durchaus auch in der Tradition Darwins, daß der evolutionäre Kampf um's Dasein, und damit das Überleben der Besten, sich auf die Lebewesen bezieht. Dawkins stellte das auf den Kopf und vertrat die Ansicht, daß die Lebewesen nur Mittel zum Zweck sind, und die eigentliche Konkurrenz zwischen den Genen stattfindet. Die Lebewesen konkurrieren nicht darum, ihre Gene weiterzugeben, sondern die Gene bilden Lebewesen als Vehikel zu ihrer Verbreitung. Wir alle sind bloß Mittel zu diesem Zweck.
Jetzt sind Gene nur tote Speicher von Information. Eiweißmoleküle ohne eigene Lebensfähigkeit, und damit auch ohne Willen, und ohne Fähigkeit zu handeln. Im Grunde können sie damit nicht wirklich "egoistisch" sein. Der Buchtitel ist damit zugegebenermaßen nicht nur irreführend sondern auch provokant. Aber er verkauft das Buch ganz gut, und die Erklärung bleibt Dawkins ja auch nicht schuldig. Der Egoismus der Gene ergibt sich letztlich daraus daß nur diejenigen Gene erfolgreich sind und sich verbreiten, die es schaffen möglichst effektive "Kopiermaschinen" zu bauen, also Lebewesen die für die Verbreitung der Gene sorgen. Die Sprache deutet hier geplantes und willentliches Vorgehen an, aber in Wirklichkeit basiert alles auf einem willenlosen Prozeß der Mutation und Selektion. Willenlos heißt nicht zufällig. Bei der Mutation wirkt zwar der Zufall mit, aber die Selektion gibt dem Ganzen eine Richtung.
Am ehesten versteht man das vielleicht wenn man sich Viren anschaut. Viren sind keine Lebewesen. Sie sind ein bißchen Erbgut, mit einer Verpackung die den Inhalt vor allzu leichter Zerstörung schützt. Eingewickelte Gene. Wie ein Buch mit einem schützenden Einband. Information, die darauf wartet, gelesen zu werden. Und nicht nur gelesen, nein, vor allem auch kopiert zu werden. Ein Buch das auf eine geeignete Kopiermaschine wartet. Eine geeignete Kopiermaschine, das ist ein Lebewesen das das Buch liest und dann quasi begeistert anfängt, Kopien in die Welt zu verteilen.
Wenn diese Kopierbegeisterung so heftig ist daß die sonstigen Lebensfunktionen ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden, dann spricht man davon daß das Lebewesen krank ist. Eine Virusinfektion. Die harmloseren Varianten führen bloß dazu daß das Lebewesen sich eine Zeitlang mit dem Kopieren beschäftigt und so lange seine sonstigen Funktionen vernachlässigt, aber nach einer Weile wieder zum Normalzustand zurückkehrt. So wie bei einer Erkältung. Die gefährlicheren Varianten führen dazu daß sich das Lebewesen beim Kopieren so verausgabt das es dabei kaputt geht. Wenn das zu schnell geht ist das auch für das Virus nicht gut, denn dadurch wird die Kopierleistung verringert.
Mutationen verändern die Information im Virus bzw. in seinen Genen gelegentlich, und wenn das auch meistens eher schlecht für das Virus ist, so kommt es doch auch manchmal vor daß dadurch das Virus sich leichter bzw. erfolgreicher kopiert. Daß das befallene Lebewesen umso begeisterter Kopien anfertigt, oder daß andere Lebewesen für diesen Zweck eingespannt werden bei denen man vorher keinen Erfolg hatte. Die Schweinegrippe fällt mir da ein.
(Mir ist übrigens durch den Kopf gegangen ob diese Form der Grippe wohl deswegen auf den Menschen übergesprungen ist weil der schweineähnlicher geworden ist. Ich habe das aber wieder verworfen weil es dann wahrscheinlich nicht in Mexico passiert wäre.)
Wenn man wie ich von Genen als Informationsträger spricht dann liegt der Gedanke nicht fern daß sich auch andere Informationsträger so verhalten könnten. In der Richtung hat auch Dawkins gedacht, und im gleichen Buch auch den Begriff des Mems eingeführt. Ähnlich wie Gene sind Meme Informations-Schnipsel, die Lebewesen dazu bringen diese Information zu vervielfältigen und zu verbreiten.
Ein guter Witz könnte dafür als Beispiel dienen. Er bringt die Leute dazu ihn weiter zu erzählen und für seine Verbreitung zu sorgen. Schlechte Witze kommen nicht weit, während gute Witze womöglich über Jahrzehnte kursieren. Schlecht und gut sind hier übrigens nicht im Sinne von "Niveau" oder "Geschmack" gemeint. Ein (im geschmacklichen Sinne) schlechter Witz kann sich durchaus sehr erfolgreich verbreiten, und im memetischen Sinn ist er damit ein guter Witz.
Der lustigste Witz der Welt von Monty Python ist in diesem Sinn kein so guter Witz, denn er bringt jeden um der ihn liest, bevor er eine Chance hat ihn weiter zu erzählen, aber er ist auch kein ganz schlechter Witz, denn er bringt immerhin das Militär dazu, ihn zu kopieren und zu verbreiten. Ein Mem kann demnach auch von "unkonventionellen" Verbreitungsmethoden profitieren. Seine Verbreitung wurde in diesem Fall nur dadurch gestoppt, daß plötzlich der Frieden ausbrach.
Man erkennt, daß ein Mem keinen besonderen Sinn zu haben braucht oder gar wahr sein muß. Es muß bloß genügend vielen Leuten als verbreitenswerte Information erscheinen, und es muß sich ohne zu große Verfälschung kopieren lassen. Das bringt uns nach dieser langen Einleitung endlich zu den Audiophilen. (Ihr habt schon drauf gewartet, nicht wahr?)
Viel von dem was Audiophile so als ihre "Erfahrungsberichte" verbreiten hat weder einen Sinn noch ist es wahr, aber es ist ein Mem, das offenbar gern verbreitet wird. Nach Jahrzehnten von Mutationen und Variationen haben sich inzwischen auch diejenigen Ausprägungen des Mems herauskristallisiert, die sich am erfolgreichsten verbreiten. Es dürfte nicht ganz zufällig sein daß es die Varianten sind die wegen ihrer Unsinnigkeit den größten Wiedererkennungswert haben (was der Verfälschung beim Kopieren entgegen wirkt, und gleichzeitig eine Gruppenidentität schaffen hilft), und die dem Ego der befallenen Personen schmeichelt (was sich günstig auf deren Bereitschaft zur Weiterverbreitung auswirkt).
Da die Krankheit in den allermeisten Fällen harmlos verläuft wird auch kaum einmal die Fähigkeit der Betroffenen zur Weiterverbreitung ernsthaft beeinträchtigt. Es kommt allerdings immer wieder vor daß aufgrund starker Verblendung deren Überzeugungskraft für noch nicht Befallene deutlich abnimmt. Das Phänomen wird daher weithin nicht als Krankheit aufgrund von Membefall wahrgenommen, schon gar nicht von den Betroffenen.
Hier schließt sich übrigens der Kreis auch zu der Religion, von der ich eingangs schrieb. In der uns allen bekannten christlichen Religion z.B. sind die gleichen Mechanismen am Werk. Auch hier haben sich die unsinnigeren Varianten wegen des größeren Wiedererkennungswertes, und wegen des Egos durchgesetzt. Eine sehr populäre Variante dieses Mems beinhaltet z.B. die Ansicht daß ein Gott sich in einer zweiten Erscheinungsform foltern und umbringen ließ um dadurch die Erlösung von Menschen zu bewirken die ohne diesen Gott diese Erlösung gar nicht nötig hätten, was aber nur funktioniert wenn diese Menschen daran und an die Jungfrauengeburt und an die Auferstehung und an die Verwandlung einer Oblate in einen Gott und an die Unfehlbarkeit des Papstes glauben. Und daß die Welt mitsamt dem ganzen Universum um des Menschen Willen von eben diesem Gott geschaffen wurde. Man erkennt die typischen Elemente der Unsinnigkeit und des Ego-Schmeichelns hier mühelos. Kein Wunder daß die Befallenen die Verbreitung ihres Mems auch für unbedingt geboten halten.
Ich weiß nicht ob die Audiophilen als Studienobjekt von den Memetikern schon entdeckt worden sind, aber ich bin überzeugt daß sie in mancherlei Hinsicht gute Beispiele dafür abgeben würden. Gegenüber größeren Gruppen wie den Religionen würden sie den Vorteil einer größeren Übersichtlichkeit bieten, und mir scheint deswegen daß dieses Feld daher auch leichter zu überblicken und zu studieren wäre.
Sie wurde auch prompt mißverstanden, schon der Buchtitel wurde z.B. mißverstanden im Sinne von: "Das Gen, das egoistisch macht". Daß er genau das nicht meint hat er schon im Buch selber mehr als klar gemacht, aber seine Kritiker hindert das schon seit 30 Jahren nicht, Kritikpunkte vorzubringen die man sogar durch oberflächliches Lesen seiner Texte schon als unberechtigt erkennen könnte. In den meisten Fällen kommt solche Kritik aus der religiösen Ecke, und von daher wird verständlich warum der Mann unweigerlich zum zubeißenden Atheisten werden mußte. Wer 30 Jahre lang ständig Angriffen von Leuten ausgesetzt ist, die offenkundig noch nicht einmal die einfachsten seiner Argumentationspunkte verstanden haben, und ganz offensichtlich auch gar nicht verstehen wollen, der kann - je nachdem welches Temperament er hat - nur entweder in die Resignation abtauchen, oder das Feuer erwidern. Dawkins gehört nicht zu den Leuten die man einfach so beiseite pinkeln kann, demnach mußte er zu einem Vertreter der zweiten Kategorie werden.
Das soll aber nicht mein Thema hier sein. Mir geht's um den Inhalt seines erwähnten Buches. Der springende Punkt darin ist, daß die Gene die zentralen Figuren bei der Evolution sind, und nicht die Lebewesen. Vorher war die Vorstellung sehr verbreitet, durchaus auch in der Tradition Darwins, daß der evolutionäre Kampf um's Dasein, und damit das Überleben der Besten, sich auf die Lebewesen bezieht. Dawkins stellte das auf den Kopf und vertrat die Ansicht, daß die Lebewesen nur Mittel zum Zweck sind, und die eigentliche Konkurrenz zwischen den Genen stattfindet. Die Lebewesen konkurrieren nicht darum, ihre Gene weiterzugeben, sondern die Gene bilden Lebewesen als Vehikel zu ihrer Verbreitung. Wir alle sind bloß Mittel zu diesem Zweck.
Jetzt sind Gene nur tote Speicher von Information. Eiweißmoleküle ohne eigene Lebensfähigkeit, und damit auch ohne Willen, und ohne Fähigkeit zu handeln. Im Grunde können sie damit nicht wirklich "egoistisch" sein. Der Buchtitel ist damit zugegebenermaßen nicht nur irreführend sondern auch provokant. Aber er verkauft das Buch ganz gut, und die Erklärung bleibt Dawkins ja auch nicht schuldig. Der Egoismus der Gene ergibt sich letztlich daraus daß nur diejenigen Gene erfolgreich sind und sich verbreiten, die es schaffen möglichst effektive "Kopiermaschinen" zu bauen, also Lebewesen die für die Verbreitung der Gene sorgen. Die Sprache deutet hier geplantes und willentliches Vorgehen an, aber in Wirklichkeit basiert alles auf einem willenlosen Prozeß der Mutation und Selektion. Willenlos heißt nicht zufällig. Bei der Mutation wirkt zwar der Zufall mit, aber die Selektion gibt dem Ganzen eine Richtung.
Am ehesten versteht man das vielleicht wenn man sich Viren anschaut. Viren sind keine Lebewesen. Sie sind ein bißchen Erbgut, mit einer Verpackung die den Inhalt vor allzu leichter Zerstörung schützt. Eingewickelte Gene. Wie ein Buch mit einem schützenden Einband. Information, die darauf wartet, gelesen zu werden. Und nicht nur gelesen, nein, vor allem auch kopiert zu werden. Ein Buch das auf eine geeignete Kopiermaschine wartet. Eine geeignete Kopiermaschine, das ist ein Lebewesen das das Buch liest und dann quasi begeistert anfängt, Kopien in die Welt zu verteilen.
Wenn diese Kopierbegeisterung so heftig ist daß die sonstigen Lebensfunktionen ernsthaft in Mitleidenschaft gezogen werden, dann spricht man davon daß das Lebewesen krank ist. Eine Virusinfektion. Die harmloseren Varianten führen bloß dazu daß das Lebewesen sich eine Zeitlang mit dem Kopieren beschäftigt und so lange seine sonstigen Funktionen vernachlässigt, aber nach einer Weile wieder zum Normalzustand zurückkehrt. So wie bei einer Erkältung. Die gefährlicheren Varianten führen dazu daß sich das Lebewesen beim Kopieren so verausgabt das es dabei kaputt geht. Wenn das zu schnell geht ist das auch für das Virus nicht gut, denn dadurch wird die Kopierleistung verringert.
Mutationen verändern die Information im Virus bzw. in seinen Genen gelegentlich, und wenn das auch meistens eher schlecht für das Virus ist, so kommt es doch auch manchmal vor daß dadurch das Virus sich leichter bzw. erfolgreicher kopiert. Daß das befallene Lebewesen umso begeisterter Kopien anfertigt, oder daß andere Lebewesen für diesen Zweck eingespannt werden bei denen man vorher keinen Erfolg hatte. Die Schweinegrippe fällt mir da ein.
(Mir ist übrigens durch den Kopf gegangen ob diese Form der Grippe wohl deswegen auf den Menschen übergesprungen ist weil der schweineähnlicher geworden ist. Ich habe das aber wieder verworfen weil es dann wahrscheinlich nicht in Mexico passiert wäre.)
Wenn man wie ich von Genen als Informationsträger spricht dann liegt der Gedanke nicht fern daß sich auch andere Informationsträger so verhalten könnten. In der Richtung hat auch Dawkins gedacht, und im gleichen Buch auch den Begriff des Mems eingeführt. Ähnlich wie Gene sind Meme Informations-Schnipsel, die Lebewesen dazu bringen diese Information zu vervielfältigen und zu verbreiten.
Ein guter Witz könnte dafür als Beispiel dienen. Er bringt die Leute dazu ihn weiter zu erzählen und für seine Verbreitung zu sorgen. Schlechte Witze kommen nicht weit, während gute Witze womöglich über Jahrzehnte kursieren. Schlecht und gut sind hier übrigens nicht im Sinne von "Niveau" oder "Geschmack" gemeint. Ein (im geschmacklichen Sinne) schlechter Witz kann sich durchaus sehr erfolgreich verbreiten, und im memetischen Sinn ist er damit ein guter Witz.
Der lustigste Witz der Welt von Monty Python ist in diesem Sinn kein so guter Witz, denn er bringt jeden um der ihn liest, bevor er eine Chance hat ihn weiter zu erzählen, aber er ist auch kein ganz schlechter Witz, denn er bringt immerhin das Militär dazu, ihn zu kopieren und zu verbreiten. Ein Mem kann demnach auch von "unkonventionellen" Verbreitungsmethoden profitieren. Seine Verbreitung wurde in diesem Fall nur dadurch gestoppt, daß plötzlich der Frieden ausbrach.
Man erkennt, daß ein Mem keinen besonderen Sinn zu haben braucht oder gar wahr sein muß. Es muß bloß genügend vielen Leuten als verbreitenswerte Information erscheinen, und es muß sich ohne zu große Verfälschung kopieren lassen. Das bringt uns nach dieser langen Einleitung endlich zu den Audiophilen. (Ihr habt schon drauf gewartet, nicht wahr?)
Viel von dem was Audiophile so als ihre "Erfahrungsberichte" verbreiten hat weder einen Sinn noch ist es wahr, aber es ist ein Mem, das offenbar gern verbreitet wird. Nach Jahrzehnten von Mutationen und Variationen haben sich inzwischen auch diejenigen Ausprägungen des Mems herauskristallisiert, die sich am erfolgreichsten verbreiten. Es dürfte nicht ganz zufällig sein daß es die Varianten sind die wegen ihrer Unsinnigkeit den größten Wiedererkennungswert haben (was der Verfälschung beim Kopieren entgegen wirkt, und gleichzeitig eine Gruppenidentität schaffen hilft), und die dem Ego der befallenen Personen schmeichelt (was sich günstig auf deren Bereitschaft zur Weiterverbreitung auswirkt).
Da die Krankheit in den allermeisten Fällen harmlos verläuft wird auch kaum einmal die Fähigkeit der Betroffenen zur Weiterverbreitung ernsthaft beeinträchtigt. Es kommt allerdings immer wieder vor daß aufgrund starker Verblendung deren Überzeugungskraft für noch nicht Befallene deutlich abnimmt. Das Phänomen wird daher weithin nicht als Krankheit aufgrund von Membefall wahrgenommen, schon gar nicht von den Betroffenen.
Hier schließt sich übrigens der Kreis auch zu der Religion, von der ich eingangs schrieb. In der uns allen bekannten christlichen Religion z.B. sind die gleichen Mechanismen am Werk. Auch hier haben sich die unsinnigeren Varianten wegen des größeren Wiedererkennungswertes, und wegen des Egos durchgesetzt. Eine sehr populäre Variante dieses Mems beinhaltet z.B. die Ansicht daß ein Gott sich in einer zweiten Erscheinungsform foltern und umbringen ließ um dadurch die Erlösung von Menschen zu bewirken die ohne diesen Gott diese Erlösung gar nicht nötig hätten, was aber nur funktioniert wenn diese Menschen daran und an die Jungfrauengeburt und an die Auferstehung und an die Verwandlung einer Oblate in einen Gott und an die Unfehlbarkeit des Papstes glauben. Und daß die Welt mitsamt dem ganzen Universum um des Menschen Willen von eben diesem Gott geschaffen wurde. Man erkennt die typischen Elemente der Unsinnigkeit und des Ego-Schmeichelns hier mühelos. Kein Wunder daß die Befallenen die Verbreitung ihres Mems auch für unbedingt geboten halten.
Ich weiß nicht ob die Audiophilen als Studienobjekt von den Memetikern schon entdeckt worden sind, aber ich bin überzeugt daß sie in mancherlei Hinsicht gute Beispiele dafür abgeben würden. Gegenüber größeren Gruppen wie den Religionen würden sie den Vorteil einer größeren Übersichtlichkeit bieten, und mir scheint deswegen daß dieses Feld daher auch leichter zu überblicken und zu studieren wäre.
Sonntag, 5. Juli 2009
Mysterium CD
Wie alt warst Du als die CD auf den Markt kam? Das war 1982, ich hatte gerade mein Abitur. Etwa genauso alt ist der IBM-PC, von dem die heutigen PCs abstammen. Wenn man sich vor Augen führt welche Fortschritte gerade die Digitaltechnik seither gemacht hat, dann bekommt man ein Gefühl dafür welche Steinzeittechnik die CD aus der heutigen Sicht darstellt. Die Daten auf einer CD passen auf den Bruchteil eines Chips wie er in USB-Sticks oder SD-Kärtchen verbaut ist. Sie sind in wenigen Sekunden über ein Computernetzwerk übertragen. Ein CD-ROM-Laufwerk hat sie in ein paar Minuten ausgelesen, und das Hindernis für noch schnelleres Auslesen ist, daß man die Scheibe nicht noch schneller drehen lassen kann, weil man Unwucht und Zentrifugalkraft sonst nicht mehr beherrscht. Die Technologie ist in jeder Hinsicht überholt.
Genau genommen ist es eine enorme Leistung daß diese Technik so lange durchgehalten hat, und ihr Ende ist noch immer nicht abzusehen. Das ist die absolute Ausnahme, und nicht die Regel. Viele andere Technologien sind in der gleichen Zeit gekommen und wieder verschwunden. Irgend etwas hat man bei der CD richtig gemacht, auch wenn es allmählich so aussieht als würde das Internet ihren Tod einläuten.
Auf den ersten Blick erstaunlich ist es daher, daß es auch noch heute völlig unsinnige Vorstellungen darüber gibt wie die CD und der Abspielvorgang funktioniert. Erstaunlich für diejenigen, die die verqueren Gedankengänge eines High-Enders nicht nachvollziehen können. In Wirklichkeit ist es ganz normal daß ausgerechnet High-Ender mit dem Verständnis hier Probleme haben. Etwas so Erfolgreiches muß Probleme haben, das ist einem High-Ender instinktiv völlig klar. Entsprechend willkommen sind pseudorationale Erklärungen, die solche Bedenken untermauern.
Es ist folglich auch völlig aussichtslos, solche Bedenken mit technischen Erklärungen ausräumen zu wollen. Der High-Ender will die Bedenken nicht ausgeräumt haben, und er legt auch gar keinen Wert auf technisches Verständnis. In seinen Zweifeln schwelgen kann nur derjenige, der von keinerlei technischem Verständnis angekränkelt ist.
Bei der CD ranken sich die audiophilen Bedenken in erster Linie um zwei Themengebiete, und das seit Jahren ohne den geringsten Hauch eines Fortschritts:
Das erste Gebiet ist die Fehlerkorrektur. Dabei geht es um ein digitales Verfahren auf mathematischer Basis, ein Umstand der es dem High-Ender sehr leicht macht mit allen möglichen Vorurteilen daher zu kommen da er davon nichts versteht. Die verbreitete Vorstellung davon ist, daß diese Fehlerkorrektur richtig Arbeit ist, daß also der arme CD-Spieler umso mehr schuften muß je mehr Fehler zu korrigieren sind. Und wie das so ist bei überarbeiteten Leuten, je mehr Streß desto schlechter das Ergebnis. In den Augen des High-Enders sieht es also so aus als müsse man bei der Konstruktion des CD-Spielers bestrebt sein, dem armen Schwein die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, indem man die Bits von der Scheibe quasi in Schönschrift ausliest, und so den gestreßten Fehlerkorrektor bei Laune hält.
Eine weitere Erleichterung für audiophile Hirngespinste ist es, daß es neben der Fehlerkorrektur noch ein weiteres nachgelagertes Verfahren gibt, die Interpolation bzw. Fehlerverschleierung, die der High-Ender mit der Fehlerkorrektur zu verwechseln pflegt. Das Geniale an der Interpolation ist, daß sie eigentlich gar nicht nötig wäre, weil sie sowieso nur selten in Aktion tritt und dann auch nur mit bescheidenem Nutzen, daß ihre bloße Existenz aber für das audiophile Gehirn wie ein Eingeständnis der Unvollkommenheit wirkt. In der audiophilen Vorstellung nimmt so nolens volens etwas, das nur als billiger Notnagel für absolute Ausnahmefälle gedacht war, eine zentrale Stellung ein, und man tut so als ginge es dabei um eine ständige Klangbedrohung.
Es wirkt sich hier zusätzlich verstärkend aus, daß man wohlweislich bei der Konstruktion eines CD-Spielers darauf verzichtet, dem Benutzer irgendwelche Möglichkeiten an die Hand zu geben, zu kontrollieren ob die Fehlerkorrektur nun ausgereicht hat oder ob die Interpolation bemüht werden mußte. Das eröffnet das gesamte Spielfeld für die Spekulation, und man kann sich wie immer darauf verlassen, daß der Audiophile keinerlei Anstalten machen würde, den Fakten auf den Grund zu gehen.
Dabei ist das Ganze im Grunde sehr einfach. So lange die Fehlerkorrektur nicht kapituliert, ist das Ergebnis eine 100%ig genaue Kopie des original aufgezeichneten Datenstroms auf der CD. Bit für Bit. Das ist der entscheidende Unterschied der Digitaltechnik zur Analogtechnik. Digitaltechnik erlaubt Fehlerkorrektur, und so lange sie funktioniert funktioniert sie ohne jeden Fehler. So wie 2 + 2 jedesmal 4 ergibt, außer man kann das Gekritzel nicht mehr lesen. Nur wenn die CD in einem zu miesen Zustand ist kommt es so weit daß die Fehlerkorrektur überfordert ist, und nur dann kommt die Interpolation als Notnagel ins Spiel. Es wäre auch nicht viel schlimmer wenn es keine Interpolation gäbe, denn viel ist damit nicht zu gewinnen. Es wurde nur implementiert weil es so gut wie nichts kostet.
Es ist auch nicht so daß das Fehler korrigieren anstrengend wäre für die Elektronik. Der Unterschied fällt gar nicht ins Gewicht, denn die Hauptarbeit ist das Erkennen von Fehlern, und nicht das Korrigieren. Wenn Fehler einmal erkannt sind ist es ein trivialer Schritt, sie zu korrigieren, so wie das Verfahren bei der CD ist. Und die Fehlererkennung muß ohnehin dauernd mitlaufen.
Diese Art der Fehlerkorrektur hat eine enorme wirtschaftliche Bedeutung, und die mathematische Theorie dahinter gehört zu den Teilen der Mathematik die von enormer praktischer Relevanz sind. Die CD ist da noch der kleinere Teil, viel bedeutender sind die Anwendungen bei Computer-Speichern, wo ein einziger Bitfehler wesentlich üblere Konsequenzen haben kann als bei der CD. Oder beim Datenfunk, einschließlich dem ins Weltall. Auch wenn man nichts davon versteht sollte man vielleicht anerkennen daß ein ganzer Haufen sehr intelligenter Leute ihre Zeit dafür investiert haben und es vielleicht etwas vermessen wäre ihre Ergebnisse summarisch in Zweifel zu ziehen.
Es ist übrigens gar nicht so schwierig zu kontrollieren ob ein CD-Spieler sich gezwungen sah die Interpolation zu bemühen, oder ob die Fehlerkorrektur ausgereicht hat. Zum Einen gibt es bei vielen CD-Spieler-Chips einen entsprechenden Anschluß, auf den man nach dem Entfernen des Gerätedeckels Zugang hat. Zum Anderen kommt diese Information in den allermeisten Fällen als sogenanntes V-Bit am SPDIF-Anschluß raus. Man braucht dafür nur einen passenden Decoder. Für den Laien und den High-Ender ein unüberwindliches Problem, aber für den talentierten Bastler oder den Profi kein ernsthaftes Hindernis. Im Ergebnis kann man sich vergewissern daß die Interpolation ein kraß überschätztes Problem ist.
Das zweite Gebiet der audiophilen Problemspekulation ist der Jitter. Auch hier ist es von großem Vorteil für die High-Ender wenn man keine Sachkenntnis hat. Wiederum ist es hier nämlich leicht, zwei völlig unterschiedliche Probleme miteinander zu verwechseln.
Jitter kann ich hier nicht halbwegs erschöpfend erklären, aber es möge genügen hier zu sagen daß es ein Problem sein kann bei der Wandlung der CD-Daten ins Analoge. Es ist daher wichtig den eigentlichen D/A-Wandler-Chip im CD-Spieler mit einem jitterarmen Takt zu versorgen. Eine audiophile Lieblingsvorstellung ist es dabei, daß das eine sehr schwierige Aufgabe sei, bei der so gut wie Alles im CD-Spieler im Weg ist und eine Rolle spielt, so daß man schon ein Nobelpreisträger sein muß um das gut hinzukriegen.
Mit der Realität hat das allerdings wenig zu tun. Im CD-Spieler ist das sogar recht einfach, denn man kann den Wandlertakt als Taktquelle für das restliche System einsetzen, braucht bloß eine einzige Taktfrequenz zu berücksichtigen, und kann den Taktgenerator in unmittelbarer Nähe des Wandlers unterbringen. Besser kann man's kaum haben. Wer unter diesen Umständen einen schlechten Taktgenerator zustande bringt kann unfähig genannt werden.
Daß man schon mal Probleme mit dem Netzteil kriegen kann, oder mit irgendwelchen Einflüssen aus anderen Schaltungsteilen, ist nicht ausgeschlossen, aber das ist das Brot des Schaltungsentwicklers. Wer darum ein zu großes Brimborium macht erregt nur den Verdacht daß für ihn Alles ein Problem wäre, auch das Triviale.
Ein zweites Feld für Jitter ist das Auslesen der Scheibe selbst. Hier verhindert zu viel Jitter daß man die Bits korrekt voneinander unterscheiden kann. Das spielt sich aber vor der Fehlerkorrektur ab, und das ist von entscheidender Bedeutung. So lange die Fehlerkorrektur damit fertig wird ist der Einfluß von Jitter bei der optischen Abtastung bedeutungslos. Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Jitter bei der optischen Abtastung und dem Jitter am D/A-Wandler. Das sind zwei völlig verschiedene Baustellen.
Unter Audiophilen schließt man dagegen gern aus der Tatsache daß der gleiche Begriff "Jitter" benutzt wird darauf, daß es um das Gleiche ginge. So ist es aber nicht. Ein FIFO-Zwischenspeicher und eine am Füllstand orientierte Regelschleife sorgt für eine weitgehende Entkopplung zwischen diesen zwei Orten, an denen Jitter auftritt. Bei jedem CD-Spieler ist es so, denn das gehört zum Funktionsprinzip.
Genau genommen gibt es daher nur einen Anlaß, sich über den Jitter bei der optischen Abtastung Gedanken zu machen, wenn es Anzeichen dafür gibt daß die Fehlerkorrektur nicht mehr ausreicht. So lange sie ausreicht kann es um die Abtastung nicht zu schlecht bestellt sein, und eventuelle kleinere Unterschiede können sich nicht wirklich auf das Ergebnis der D/A-Wandlung auswirken. Insofern ist die Fehlerkorrektur eine Art Wasserscheide. Nur wenn sie versagt lohnen sich weitere Nachforschungen auf der Abtastseite.
Aber das ist zu einfach für Audiophile. Zu wenig Mysterium. Zu wenig Raum für geheimnisvolle klangschädliche Effekte. Besser ist es daher man weigert sich auch Jahrzehnte nach der Entwicklung der CD noch, ihr Funktionsprinzip zu verstehen.
Genau genommen ist es eine enorme Leistung daß diese Technik so lange durchgehalten hat, und ihr Ende ist noch immer nicht abzusehen. Das ist die absolute Ausnahme, und nicht die Regel. Viele andere Technologien sind in der gleichen Zeit gekommen und wieder verschwunden. Irgend etwas hat man bei der CD richtig gemacht, auch wenn es allmählich so aussieht als würde das Internet ihren Tod einläuten.
Auf den ersten Blick erstaunlich ist es daher, daß es auch noch heute völlig unsinnige Vorstellungen darüber gibt wie die CD und der Abspielvorgang funktioniert. Erstaunlich für diejenigen, die die verqueren Gedankengänge eines High-Enders nicht nachvollziehen können. In Wirklichkeit ist es ganz normal daß ausgerechnet High-Ender mit dem Verständnis hier Probleme haben. Etwas so Erfolgreiches muß Probleme haben, das ist einem High-Ender instinktiv völlig klar. Entsprechend willkommen sind pseudorationale Erklärungen, die solche Bedenken untermauern.
Es ist folglich auch völlig aussichtslos, solche Bedenken mit technischen Erklärungen ausräumen zu wollen. Der High-Ender will die Bedenken nicht ausgeräumt haben, und er legt auch gar keinen Wert auf technisches Verständnis. In seinen Zweifeln schwelgen kann nur derjenige, der von keinerlei technischem Verständnis angekränkelt ist.
Bei der CD ranken sich die audiophilen Bedenken in erster Linie um zwei Themengebiete, und das seit Jahren ohne den geringsten Hauch eines Fortschritts:
Das erste Gebiet ist die Fehlerkorrektur. Dabei geht es um ein digitales Verfahren auf mathematischer Basis, ein Umstand der es dem High-Ender sehr leicht macht mit allen möglichen Vorurteilen daher zu kommen da er davon nichts versteht. Die verbreitete Vorstellung davon ist, daß diese Fehlerkorrektur richtig Arbeit ist, daß also der arme CD-Spieler umso mehr schuften muß je mehr Fehler zu korrigieren sind. Und wie das so ist bei überarbeiteten Leuten, je mehr Streß desto schlechter das Ergebnis. In den Augen des High-Enders sieht es also so aus als müsse man bei der Konstruktion des CD-Spielers bestrebt sein, dem armen Schwein die Arbeit so leicht wie möglich zu machen, indem man die Bits von der Scheibe quasi in Schönschrift ausliest, und so den gestreßten Fehlerkorrektor bei Laune hält.
Eine weitere Erleichterung für audiophile Hirngespinste ist es, daß es neben der Fehlerkorrektur noch ein weiteres nachgelagertes Verfahren gibt, die Interpolation bzw. Fehlerverschleierung, die der High-Ender mit der Fehlerkorrektur zu verwechseln pflegt. Das Geniale an der Interpolation ist, daß sie eigentlich gar nicht nötig wäre, weil sie sowieso nur selten in Aktion tritt und dann auch nur mit bescheidenem Nutzen, daß ihre bloße Existenz aber für das audiophile Gehirn wie ein Eingeständnis der Unvollkommenheit wirkt. In der audiophilen Vorstellung nimmt so nolens volens etwas, das nur als billiger Notnagel für absolute Ausnahmefälle gedacht war, eine zentrale Stellung ein, und man tut so als ginge es dabei um eine ständige Klangbedrohung.
Es wirkt sich hier zusätzlich verstärkend aus, daß man wohlweislich bei der Konstruktion eines CD-Spielers darauf verzichtet, dem Benutzer irgendwelche Möglichkeiten an die Hand zu geben, zu kontrollieren ob die Fehlerkorrektur nun ausgereicht hat oder ob die Interpolation bemüht werden mußte. Das eröffnet das gesamte Spielfeld für die Spekulation, und man kann sich wie immer darauf verlassen, daß der Audiophile keinerlei Anstalten machen würde, den Fakten auf den Grund zu gehen.
Dabei ist das Ganze im Grunde sehr einfach. So lange die Fehlerkorrektur nicht kapituliert, ist das Ergebnis eine 100%ig genaue Kopie des original aufgezeichneten Datenstroms auf der CD. Bit für Bit. Das ist der entscheidende Unterschied der Digitaltechnik zur Analogtechnik. Digitaltechnik erlaubt Fehlerkorrektur, und so lange sie funktioniert funktioniert sie ohne jeden Fehler. So wie 2 + 2 jedesmal 4 ergibt, außer man kann das Gekritzel nicht mehr lesen. Nur wenn die CD in einem zu miesen Zustand ist kommt es so weit daß die Fehlerkorrektur überfordert ist, und nur dann kommt die Interpolation als Notnagel ins Spiel. Es wäre auch nicht viel schlimmer wenn es keine Interpolation gäbe, denn viel ist damit nicht zu gewinnen. Es wurde nur implementiert weil es so gut wie nichts kostet.
Es ist auch nicht so daß das Fehler korrigieren anstrengend wäre für die Elektronik. Der Unterschied fällt gar nicht ins Gewicht, denn die Hauptarbeit ist das Erkennen von Fehlern, und nicht das Korrigieren. Wenn Fehler einmal erkannt sind ist es ein trivialer Schritt, sie zu korrigieren, so wie das Verfahren bei der CD ist. Und die Fehlererkennung muß ohnehin dauernd mitlaufen.
Diese Art der Fehlerkorrektur hat eine enorme wirtschaftliche Bedeutung, und die mathematische Theorie dahinter gehört zu den Teilen der Mathematik die von enormer praktischer Relevanz sind. Die CD ist da noch der kleinere Teil, viel bedeutender sind die Anwendungen bei Computer-Speichern, wo ein einziger Bitfehler wesentlich üblere Konsequenzen haben kann als bei der CD. Oder beim Datenfunk, einschließlich dem ins Weltall. Auch wenn man nichts davon versteht sollte man vielleicht anerkennen daß ein ganzer Haufen sehr intelligenter Leute ihre Zeit dafür investiert haben und es vielleicht etwas vermessen wäre ihre Ergebnisse summarisch in Zweifel zu ziehen.
Es ist übrigens gar nicht so schwierig zu kontrollieren ob ein CD-Spieler sich gezwungen sah die Interpolation zu bemühen, oder ob die Fehlerkorrektur ausgereicht hat. Zum Einen gibt es bei vielen CD-Spieler-Chips einen entsprechenden Anschluß, auf den man nach dem Entfernen des Gerätedeckels Zugang hat. Zum Anderen kommt diese Information in den allermeisten Fällen als sogenanntes V-Bit am SPDIF-Anschluß raus. Man braucht dafür nur einen passenden Decoder. Für den Laien und den High-Ender ein unüberwindliches Problem, aber für den talentierten Bastler oder den Profi kein ernsthaftes Hindernis. Im Ergebnis kann man sich vergewissern daß die Interpolation ein kraß überschätztes Problem ist.
Das zweite Gebiet der audiophilen Problemspekulation ist der Jitter. Auch hier ist es von großem Vorteil für die High-Ender wenn man keine Sachkenntnis hat. Wiederum ist es hier nämlich leicht, zwei völlig unterschiedliche Probleme miteinander zu verwechseln.
Jitter kann ich hier nicht halbwegs erschöpfend erklären, aber es möge genügen hier zu sagen daß es ein Problem sein kann bei der Wandlung der CD-Daten ins Analoge. Es ist daher wichtig den eigentlichen D/A-Wandler-Chip im CD-Spieler mit einem jitterarmen Takt zu versorgen. Eine audiophile Lieblingsvorstellung ist es dabei, daß das eine sehr schwierige Aufgabe sei, bei der so gut wie Alles im CD-Spieler im Weg ist und eine Rolle spielt, so daß man schon ein Nobelpreisträger sein muß um das gut hinzukriegen.
Mit der Realität hat das allerdings wenig zu tun. Im CD-Spieler ist das sogar recht einfach, denn man kann den Wandlertakt als Taktquelle für das restliche System einsetzen, braucht bloß eine einzige Taktfrequenz zu berücksichtigen, und kann den Taktgenerator in unmittelbarer Nähe des Wandlers unterbringen. Besser kann man's kaum haben. Wer unter diesen Umständen einen schlechten Taktgenerator zustande bringt kann unfähig genannt werden.
Daß man schon mal Probleme mit dem Netzteil kriegen kann, oder mit irgendwelchen Einflüssen aus anderen Schaltungsteilen, ist nicht ausgeschlossen, aber das ist das Brot des Schaltungsentwicklers. Wer darum ein zu großes Brimborium macht erregt nur den Verdacht daß für ihn Alles ein Problem wäre, auch das Triviale.
Ein zweites Feld für Jitter ist das Auslesen der Scheibe selbst. Hier verhindert zu viel Jitter daß man die Bits korrekt voneinander unterscheiden kann. Das spielt sich aber vor der Fehlerkorrektur ab, und das ist von entscheidender Bedeutung. So lange die Fehlerkorrektur damit fertig wird ist der Einfluß von Jitter bei der optischen Abtastung bedeutungslos. Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen dem Jitter bei der optischen Abtastung und dem Jitter am D/A-Wandler. Das sind zwei völlig verschiedene Baustellen.
Unter Audiophilen schließt man dagegen gern aus der Tatsache daß der gleiche Begriff "Jitter" benutzt wird darauf, daß es um das Gleiche ginge. So ist es aber nicht. Ein FIFO-Zwischenspeicher und eine am Füllstand orientierte Regelschleife sorgt für eine weitgehende Entkopplung zwischen diesen zwei Orten, an denen Jitter auftritt. Bei jedem CD-Spieler ist es so, denn das gehört zum Funktionsprinzip.
Genau genommen gibt es daher nur einen Anlaß, sich über den Jitter bei der optischen Abtastung Gedanken zu machen, wenn es Anzeichen dafür gibt daß die Fehlerkorrektur nicht mehr ausreicht. So lange sie ausreicht kann es um die Abtastung nicht zu schlecht bestellt sein, und eventuelle kleinere Unterschiede können sich nicht wirklich auf das Ergebnis der D/A-Wandlung auswirken. Insofern ist die Fehlerkorrektur eine Art Wasserscheide. Nur wenn sie versagt lohnen sich weitere Nachforschungen auf der Abtastseite.
Aber das ist zu einfach für Audiophile. Zu wenig Mysterium. Zu wenig Raum für geheimnisvolle klangschädliche Effekte. Besser ist es daher man weigert sich auch Jahrzehnte nach der Entwicklung der CD noch, ihr Funktionsprinzip zu verstehen.
Samstag, 20. Juni 2009
Vertrauen schaffen
Ayatollah Chamenei weiß wie man Vertrauen schafft. Man fordert es einfach ein. In seinem Freitagsgebet diese Woche sagte er über die iranischen Präsidentschaftswahlen folgendes:
Die iranische Demokratie ist daher tatsächlich einen entscheidenden Schritt weiter als die deutsche: Das Ergebnis der Wahl reflektiert nicht den momentanen Volkswillen, sondern den Willen, den das Volk (bzw. der rechtschaffene und rechtgläubige Teil davon) haben würde wenn es nicht von den Feinden irregeleitet wäre. Dem iranischen Wahlsystem ist also mehr zu vertrauen als dem deutschen, denn dort sorgen, vor den feindlichen Augen verborgen, verantwortungsvolle Patrioten dafür daß das Wahlergebnis auch dem wahren Volkswillen entspricht, selbst wenn es dem Volk noch nicht bewußt sein sollte daß das sein Wille ist.
Auch wenn in Deutschland das politische System noch nicht ganz so weit ist, gibt es doch schon seit längerem viele Nischen auch außerhalb der Politik, in denen der Vorteil für das Vertrauen erkannt ist, den ein undurchschaubares Vorgehen im Verborgenen bietet. Ein vergleichsweise unbedeutendes, aber dennoch hell leuchtendes Beispiel findet sich bei den Tests, die von Hifi-Zeitschriften veranstaltet werden. Hier vermeidet man konsequent jede Transparenz der Testmodalitäten, die die Leserschaft zu Mißtrauen veranlassen könnte. Unbedeutende Details erfährt man in Hülle und Fülle, wie z.B. welche Stücke zum Vergleichshören verwendet wurden, oder welches Fabrikat irgendein Bauteil in einem Gerät hat. So beschäftigt man den Leser und verhindert das er auf dumme Gedanken kommt.
Wenn trotzdem einmal öffentlich Zweifel an einem solchen Test geäußert werden, ist man schnell dabei, zu betonen wie viel Vertrauen man bei rechtschaffenen Lesern zurecht genießt, daß es zu irgendwelchen Verdächtigungen nicht den geringsten Anlaß gibt und der Kritiker damit lediglich seine niederen Beweggründe zeigt.
Und das Wichtigste: Die Kritiker wissen ja nicht wie das Geschäft der Zeitschriften läuft, denn sie haben ja keinen Einblick in die Redaktionen. Die Auswahl der Testgeräte, die Testmodalitäten, die finanziellen Rahmenbedingungen, die Testkriterien und ihre Gewichtung, oder auch die angeblichen Interessenkonflikte, alles das ist ja höchstens in groben Umrissen öffentlich bekannt. Für Kritik gibt es folglich gar keine Grundlage. Das ist eine höchst vertrauensbildende Situation, so daß die Redaktion bei jeder Kritik zurecht darauf hinweisen kann daß sie Vertrauen verdient, zumal es sich bei den Mitarbeitern ausnahmslos um rechtschaffene, lediglich der audiophilen Wahrheit verpflichtete Leute handelt, die jeder unzulässigen Beeinflussung schon instinktiv völlig unzugänglich sind.
Um darzustellen, zu welchen Leistungen diese Leute imstande sind, lohnt es sich die Situation noch einmal etwas detaillierter darzustellen als es den meisten Lesern bewußt sein dürfte.
Angesichts eines engen Budgets kann es sich kaum eine Zeitschrift leisten, die Testgeräte über den normalen Handel einzukaufen, besonders wenn es um die ganz edlen und teuren Geräte geht. Neben den dabei anfallenden Kosten würde sich daraus auch das Problem ergeben, was man mit den ganzen getesteten Geräten anfängt, denn man kann ja nur wenige als Referenzgeräte in den eigenen Räumen behalten. Man müßte die Geräte gebraucht verhökern -- bei entsprechendem Verlust, oder man müßte so fies sein und dem Händler die Geräte in der Rückgabefrist wieder zurückgeben, was man wohl ein paar mal machen kann bis der dann die Lust verliert einem noch was zu verkaufen. Da ist die bessere Lösung, sich die Testgeräte von den Herstellern leihweise kostenlos zur Verfügung stellen zu lassen, schließlich haben die am Test ebenfalls ein Interesse, und sie können gleich noch dafür sorgen daß die Testgeräte einwandfrei in Schuß sind, damit die Testzeitschrift sich nicht mit Montagsgeräten herumärgern muß. Zudem hat man so auch gelegentlich die Möglichkeit, ein Vorseriengerät zum Test zu bekommen, was für die Kaufentscheidungen des Lesers besonders nützlich ist.
Das Budget weiter aufbessern kann man als Zeitschrift z.B. dadurch, daß man einem solchen Hersteller oder Händler nach erfolgtem Abdruck des Artikels im Heft einen Sonderdruck verkauft, den er zu seinen Werbezwecken einsetzen kann, oder daß man ihm den Sonderdruck als Datei für die Webseite gegen Gebühr überläßt. Die größten Chancen für ein solches Geschäft ergeben sich naturgemäß bei demjenigen Hersteller, dessen Gerät den Test gewonnen hat. Nachdem die Details dieser Geschäfte dem Leser verborgen bleiben ergibt sich hier wieder ein großes Vertrauenspotenzial.
Wenn zum Beispiel ein Hersteller im Vorfeld des Test, während der telefonischen Verhandlungen bzgl. der Bereitstellung des Testgerätes, durchblicken lassen sollte daß er im Falle des Testgewinns ein paar Kartons Sonderdrucke für einen noch auszuhandelnden attraktiven Preis abzunehmen gewillt wäre, und bei Erringung des Referenzstatus das Gerät der Redaktion unbefristet kostenlos überlassen würde, so heißt das natürlich nicht daß sich die Redakteure in ihrem Testverhalten irgendwie davon beeinflussen lassen würden. Vielmehr kann man absolut darauf vertrauen daß sie sich als professionelle Tester davon völlig frei machen und ohne Rücksicht auf die Finanzen ihr Urteil unbestechlich fällen.
Es versteht sich außerdem von selbst daß die Redaktion ein Gerät, das im Test Referenzstatus erreicht hat, und das man deswegen zu Vergleichszwecken behalten will, notfalls gekauft wird wenn der Hersteller nicht zu einer kostenlosen Überlassung bereit sein sollte.
Um die Bedeutung des Vertrauens noch weiter zu unterstreichen sorgen die Zeitschriften durch die Gestaltung der Testmodalitäten für weitere Anlässe zu blindem Vertrauen. So wird die Gewichtung der Testergebnisse so gestaltet, daß der Höreindruck das weitaus größte Gewicht einnimmt. Das ist aus audiophiler Sicht nur recht und billig, hat aber den zusätzlichen Vorteil daß es dafür keinen eindeutigen und nachvollziehbaren Maßstab gibt, angesichts der allseits hervorgehobenen Individualität des Hörens. Eine Kritik daran geht folglich schon im Ansatz ins Leere, und der Höreindruck der Redaktion wird unanfechtbar.
Wenn das noch nicht reicht, dann kann man noch darauf verweisen daß auch die meßtechnische Seite das Vertrauen fördert, denn man erfährt auch nicht genug, um die Messungen nachvollziehen oder durchschauen zu können. Schon was die Meßbedingungen angeht läßt man höchstens so viel Information an die Öffentlichkeit um die Messungen einem Laien seriös vorkommen zu lassen. Im Extremfall kann man auch neue Meßmethoden erfinden, die so unzureichend erklärt werden daß Vertrauen die einzige Möglichkeit bleibt. Vereinfacht gesagt präsentiert man dem Leser irgendeine Messkurve, und schreibt dazu: "Das ist der Beweis!"
Im Idealfall bleibt dem nichts anderes übrig als verständnislos zu nicken: "Aha! Hm, ok, wenn ihr meint! Ihr werdet schon wissen was Ihr da tut." Das ist die richtige Haltung! Das ist es auch was Chamenei seinem Volk empfiehlt, wenn es schon nicht zu rückhaltloser Begeisterung sich imstande fühlt. Und diese Form des Vertrauens ist es auch, was wir in unserer Demokratie hierzulande brauchen. Gut, daß man das schon im Kleinen trainieren kann!
"Würden sie keine Freiheit fühlen, dann würden sie nicht wählen gehen. Die massive Beteiligung hat das Vertrauen in das System gezeigt. Wenn unsere Jugend keine Hoffnung hätte würde sie nicht an der Wahl teilnehmen. Die Feinde greifen den Glauben und das Vertrauen in das System an. Dieses Vertrauen ist die größte Investition der islamischen Republik, und sie wollen es uns nehmen. Sie wollen das Vertrauen in dieses System erschüttern [...] Der Feind will den Leuten glauben machen daß sie betrogen wurden."Von dieser Logik könnten sich unsere Juristen hierzulande eine Scheibe abschneiden. Im März hat ja bekanntlich das Verfassungsgericht in Deutschland Wahlcomputer für verfassungswidrig erklärt, und betont:
"Beim Einsatz elektronischer Wahlgeräte müssen die wesentlichen Schritte der Wahlhandlung und der Ergebnisermittlung vom Bürger zuverlässig und ohne besondere Sachkenntnis überprüft werden können."Damit unterstellt sogar das Verfassungsgericht indirekt, daß unser System eine solche Überprüfung durch den Bürger überhaupt nötig hat! Damit schürt es noch den Zweifel, wo doch eigentlich blindes Vertrauen angebracht wäre! Die iranische Republik ist da schon weiter, und so kann Chamenei auch in besagtem Gebet sagen:
"Die Wahlen vom 12. Juni waren eine Erfüllung der nationalen Verantwortung, ein Beweis der Mitwirkung des Volkes und eine Demonstration der Liebe für ihr System. Es ist ähnlich aber besser als die Demokratien in anderen Ländern, diese jedoch haben keine Demokratie die so gut ist wie unsere."Er hat es nicht gesagt, aber ich bin sicher er hat es so gemeint: "Diese Demokratien bauen auf Kontrolle, während unser System auf Vertrauen basiert". Hand auf's Herz: Ist so ein System nicht viel schöner? Wo Vertrauen nicht nur möglich, sondern sogar nötig ist, weil man keine Kontrolle hat, und wo die Handelnden nicht von den Unwägbarkeiten eines scheinbaren Volkswillens, sondern von der Weisheit geleitet werden, die aus rechter Gesinnung und festem Glauben entspringt!
Die iranische Demokratie ist daher tatsächlich einen entscheidenden Schritt weiter als die deutsche: Das Ergebnis der Wahl reflektiert nicht den momentanen Volkswillen, sondern den Willen, den das Volk (bzw. der rechtschaffene und rechtgläubige Teil davon) haben würde wenn es nicht von den Feinden irregeleitet wäre. Dem iranischen Wahlsystem ist also mehr zu vertrauen als dem deutschen, denn dort sorgen, vor den feindlichen Augen verborgen, verantwortungsvolle Patrioten dafür daß das Wahlergebnis auch dem wahren Volkswillen entspricht, selbst wenn es dem Volk noch nicht bewußt sein sollte daß das sein Wille ist.
Auch wenn in Deutschland das politische System noch nicht ganz so weit ist, gibt es doch schon seit längerem viele Nischen auch außerhalb der Politik, in denen der Vorteil für das Vertrauen erkannt ist, den ein undurchschaubares Vorgehen im Verborgenen bietet. Ein vergleichsweise unbedeutendes, aber dennoch hell leuchtendes Beispiel findet sich bei den Tests, die von Hifi-Zeitschriften veranstaltet werden. Hier vermeidet man konsequent jede Transparenz der Testmodalitäten, die die Leserschaft zu Mißtrauen veranlassen könnte. Unbedeutende Details erfährt man in Hülle und Fülle, wie z.B. welche Stücke zum Vergleichshören verwendet wurden, oder welches Fabrikat irgendein Bauteil in einem Gerät hat. So beschäftigt man den Leser und verhindert das er auf dumme Gedanken kommt.
Wenn trotzdem einmal öffentlich Zweifel an einem solchen Test geäußert werden, ist man schnell dabei, zu betonen wie viel Vertrauen man bei rechtschaffenen Lesern zurecht genießt, daß es zu irgendwelchen Verdächtigungen nicht den geringsten Anlaß gibt und der Kritiker damit lediglich seine niederen Beweggründe zeigt.
Und das Wichtigste: Die Kritiker wissen ja nicht wie das Geschäft der Zeitschriften läuft, denn sie haben ja keinen Einblick in die Redaktionen. Die Auswahl der Testgeräte, die Testmodalitäten, die finanziellen Rahmenbedingungen, die Testkriterien und ihre Gewichtung, oder auch die angeblichen Interessenkonflikte, alles das ist ja höchstens in groben Umrissen öffentlich bekannt. Für Kritik gibt es folglich gar keine Grundlage. Das ist eine höchst vertrauensbildende Situation, so daß die Redaktion bei jeder Kritik zurecht darauf hinweisen kann daß sie Vertrauen verdient, zumal es sich bei den Mitarbeitern ausnahmslos um rechtschaffene, lediglich der audiophilen Wahrheit verpflichtete Leute handelt, die jeder unzulässigen Beeinflussung schon instinktiv völlig unzugänglich sind.
Um darzustellen, zu welchen Leistungen diese Leute imstande sind, lohnt es sich die Situation noch einmal etwas detaillierter darzustellen als es den meisten Lesern bewußt sein dürfte.
Angesichts eines engen Budgets kann es sich kaum eine Zeitschrift leisten, die Testgeräte über den normalen Handel einzukaufen, besonders wenn es um die ganz edlen und teuren Geräte geht. Neben den dabei anfallenden Kosten würde sich daraus auch das Problem ergeben, was man mit den ganzen getesteten Geräten anfängt, denn man kann ja nur wenige als Referenzgeräte in den eigenen Räumen behalten. Man müßte die Geräte gebraucht verhökern -- bei entsprechendem Verlust, oder man müßte so fies sein und dem Händler die Geräte in der Rückgabefrist wieder zurückgeben, was man wohl ein paar mal machen kann bis der dann die Lust verliert einem noch was zu verkaufen. Da ist die bessere Lösung, sich die Testgeräte von den Herstellern leihweise kostenlos zur Verfügung stellen zu lassen, schließlich haben die am Test ebenfalls ein Interesse, und sie können gleich noch dafür sorgen daß die Testgeräte einwandfrei in Schuß sind, damit die Testzeitschrift sich nicht mit Montagsgeräten herumärgern muß. Zudem hat man so auch gelegentlich die Möglichkeit, ein Vorseriengerät zum Test zu bekommen, was für die Kaufentscheidungen des Lesers besonders nützlich ist.
Das Budget weiter aufbessern kann man als Zeitschrift z.B. dadurch, daß man einem solchen Hersteller oder Händler nach erfolgtem Abdruck des Artikels im Heft einen Sonderdruck verkauft, den er zu seinen Werbezwecken einsetzen kann, oder daß man ihm den Sonderdruck als Datei für die Webseite gegen Gebühr überläßt. Die größten Chancen für ein solches Geschäft ergeben sich naturgemäß bei demjenigen Hersteller, dessen Gerät den Test gewonnen hat. Nachdem die Details dieser Geschäfte dem Leser verborgen bleiben ergibt sich hier wieder ein großes Vertrauenspotenzial.
Wenn zum Beispiel ein Hersteller im Vorfeld des Test, während der telefonischen Verhandlungen bzgl. der Bereitstellung des Testgerätes, durchblicken lassen sollte daß er im Falle des Testgewinns ein paar Kartons Sonderdrucke für einen noch auszuhandelnden attraktiven Preis abzunehmen gewillt wäre, und bei Erringung des Referenzstatus das Gerät der Redaktion unbefristet kostenlos überlassen würde, so heißt das natürlich nicht daß sich die Redakteure in ihrem Testverhalten irgendwie davon beeinflussen lassen würden. Vielmehr kann man absolut darauf vertrauen daß sie sich als professionelle Tester davon völlig frei machen und ohne Rücksicht auf die Finanzen ihr Urteil unbestechlich fällen.
Es versteht sich außerdem von selbst daß die Redaktion ein Gerät, das im Test Referenzstatus erreicht hat, und das man deswegen zu Vergleichszwecken behalten will, notfalls gekauft wird wenn der Hersteller nicht zu einer kostenlosen Überlassung bereit sein sollte.
Um die Bedeutung des Vertrauens noch weiter zu unterstreichen sorgen die Zeitschriften durch die Gestaltung der Testmodalitäten für weitere Anlässe zu blindem Vertrauen. So wird die Gewichtung der Testergebnisse so gestaltet, daß der Höreindruck das weitaus größte Gewicht einnimmt. Das ist aus audiophiler Sicht nur recht und billig, hat aber den zusätzlichen Vorteil daß es dafür keinen eindeutigen und nachvollziehbaren Maßstab gibt, angesichts der allseits hervorgehobenen Individualität des Hörens. Eine Kritik daran geht folglich schon im Ansatz ins Leere, und der Höreindruck der Redaktion wird unanfechtbar.
Wenn das noch nicht reicht, dann kann man noch darauf verweisen daß auch die meßtechnische Seite das Vertrauen fördert, denn man erfährt auch nicht genug, um die Messungen nachvollziehen oder durchschauen zu können. Schon was die Meßbedingungen angeht läßt man höchstens so viel Information an die Öffentlichkeit um die Messungen einem Laien seriös vorkommen zu lassen. Im Extremfall kann man auch neue Meßmethoden erfinden, die so unzureichend erklärt werden daß Vertrauen die einzige Möglichkeit bleibt. Vereinfacht gesagt präsentiert man dem Leser irgendeine Messkurve, und schreibt dazu: "Das ist der Beweis!"
Im Idealfall bleibt dem nichts anderes übrig als verständnislos zu nicken: "Aha! Hm, ok, wenn ihr meint! Ihr werdet schon wissen was Ihr da tut." Das ist die richtige Haltung! Das ist es auch was Chamenei seinem Volk empfiehlt, wenn es schon nicht zu rückhaltloser Begeisterung sich imstande fühlt. Und diese Form des Vertrauens ist es auch, was wir in unserer Demokratie hierzulande brauchen. Gut, daß man das schon im Kleinen trainieren kann!
Sonntag, 10. Mai 2009
Feindbild Gegenkopplung
Zu welch billiger Form von Meinungsmache der Hifi-Journalismus inzwischen degeneriert ist war ja schon letzten Monat Gegenstand eines Blogeintrages hier. Außer scharfer Kritik hat es dazu auch ernsthafte Nachfragen gegeben, und zwar durchaus auch von netteren und sympathischeren Leuten als ich es offenbar bin. Beispielsweise im Stereoplay-Forum. Es hat aber nichts geholfen. Nett sein hilft nichts wenn man kritische Fragen stellt. Das einzige was hilft ist wenn die Fragen nicht zu kritisch sind.
Weil ich das schon kenne, ist es auch gar keine Überraschung für mich, daß meine Prognose aus besagtem Forum eingetroffen ist. Schon vor dem Erscheinen der neuesten Ausgabe der Stereoplay habe ich vorausgesagt daß es auf die ausstehenden Fragen darin keine Antwort geben würde, auch wenn man für die Beantwortung eben dieser Fragen von der Redaktion mit Hinweis auf diese Ausgabe vertröstet wurde. Wenn jemand anderer Meinung sein sollte würde ich darum bitten, daß er diese offenen Fragen mit Bezug auf die neueste Ausgabe beantwortet, ich sehe den Zusammenhang nämlich bisher nicht.
Das war also keine besonders schwierige Aufgabe für meine Glaskugel, es war ziemlich offensichtlich daß die Messungen im letzten Heft nicht wirklich zu verteidigen sind, so viel scheint auch die Redaktion begriffen zu haben, also hat man sich lieber neuen Messungen zugewandt, die mit den alten nichts zu tun haben, anstatt daß man bei den alten Messungen auch nur eine Winzigkeit mehr Transparenz zugestanden hätte.
Man hat allerdings die Taktik etwas geändert. Von Sensation ist diesmal nicht mehr die Rede, die Karawane zieht hier doch ziemlich schnell weiter. In etwas nüchterner Prosa verpackt man ein noch obskureres Meßverfahren und bedient sich ansonsten der bewährten Methode, aus objektiv aussehenden nichtssagenden Kurven völlig willkürliche Schlußfolgerungen zu ziehen.
Während man für die letzte Ausgabe noch meinte, das Prinzip der Gegenkopplung zum besseren Verständnis für Laien in grotesker Form verzerrt verunglimpfen zu müssen, hat man diesmal kein Problem damit ein sogar für Fachleute eher seltsames Meßverfahren unkommentiert einfach so hinzuwerfen. Zitat Stereoplay 6-2006:
Es sieht so aus als würde mal wieder mir die Aufgabe zufallen, hier für den Background zu sorgen, den man braucht um so eine Messung einordnen zu können. Der Redaktion scheint es eher um das Nebelwerfen zu gehen.
Das erklärte Ziel der Stereoplay-Messung laut Artikel war es, "die Antwort dieses Systems auf einen Impuls" genauer anzusehen (gemeint ist das System Verstärker-Lautsprecher). Die Impulsantwort eines Systems ist in der Tat ein aufschlußreiches Kriterium, und es gibt zahlreiche Methoden um sie zu finden. Die MLS-Methode ist nur eine von vielen, und sie wird vor allem bei Lautsprechern angewendet, weil es durch sie möglich ist, auch ohne Messung im freien Feld den Effekt des Direktschalls vom Effekt des an Wänden reflektierten Schalls zu trennen. Daß man diese Methode bei Messungen an Verstärkern anwendet ist eher unüblich, denn man hat keinen Vorteil davon. Mit zeitverzögerten Reflexionen an Wänden und Decken hat man da schließlich nichts zu tun. Die Impulsantwort bei Verstärkern kann man auch wesentlich einfacher bestimmen indem man den Impuls direkt anlegt.
Die Idee der Stereoplay ist also eigenartig, aber noch eigenartiger ist es, daß man das Ergebnis im Frequenzbereich (also als Frequenzgang) statt im Zeitbereich darstellt. Wenn mich interessiert was ein Verstärker mit einem Impuls anfängt, dann sehe ich mir den Impuls im Zeitbereich an und schaue wie er ausschwingt. Der Übergang in den Frequenzbereich per FFT, wie das die Stereoplay tut, verschleiert das Ganze nicht unerheblich. Statt die Impulsantwort direkt zu sehen muß ich mir jetzt einen Reim auf Frequenzgänge machen, die offenbar stark davon abhängen wann ich messe (also wie viele Mikrosekunden nach dem Impuls). Gerade im niederfrequenten Bereich wird das sehr problematisch, denn man kann sich leicht klar machen daß eine Schwingungsperiode bei 100Hz bereits 10 ms lang dauert, und das ist hundert mal länger als die längste gemessene Verzögerung nach dem Impuls. Mit anderen Worten: Je niedriger die Frequenz, desto zweifelhafter werden die Meßwerte mit dieser Methode.
Aber ich bin nicht der Lautsprecher-Spezialist und (auch deswegen) sicher kein MLS-Experte. Umso besser hat es sich getroffen daß in den letzten paar Tagen die AES-Convention stattfand, bei der ich anwesend war, und praktischerweise war Bruce Hofer von Audio Precision auch da. Sonntag früh war wenig los, und bevor ihm langweilig wurde habe ich ihm die Stereoplay-Meßkurven unter die Nase gehalten und ihn gefragt was er davon hält. Sein Gesicht hatte ungefähr die gleichen Fragezeichen wie meins, und wir waren uns schnell einig daß diese Messungen in dieser Form überhaupt nichts aussagen. Nachdem man nicht weiß ob die Messungen mit Gleichspannungskopplung oder nicht gemacht wurden, und wie es um den Gleichspannungs-Offset der Verstärker bestellt ist, könnte man gerade auch im Baßbereich bei völlig harmlosen Unterschieden deutliche Meßunterschiede erhalten.
Nun bezweifle ich stark, daß irgend jemand etwas mit diesen Messungen anfangen kann, wenn das noch nicht einmal dem Chefentwickler des Meßgerätes gelingt, das von Stereoplay dafür verwendet wurde. Und das ist nicht irgendein Meßgerät, sondern das Top-Gerät der Industrie, an dem alles andere gemessen wird.
Der eigentliche Beschiß liegt aber in der Art wie die Messungen von Stereoplay interpretiert werden. Wenn man sich die Kurven ansieht erkennt man bei aller sonstigen Unbrauchbarkeit doch immerhin daß die Kurven zwischen ohmscher Last und (komplexer) Lautsprecherlast beim NAD-Verstärker am ähnlichsten sind. Wenn man daraus überhaupt etwas schließen kann dann ist es, daß sich der NAD von der Art der angeschlossenen Last am wenigsten unter den drei Verstärkern beeinflussen läßt. Jeder vernünftige Mensch würde das als einen Vorteil auffassen. Nicht so die Stereoplay. Man weiß offenbar welchen Verstärker man am besten aussehen lassen will und dreht sich das passend zurecht.
Eines dürfte inzwischen klar sein - "das kann nun niemand mehr bezweifeln" (O-Ton Stereoplay) - hier wird manipuliert daß die Schwarte kracht. Statt für irgend eine Art von Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu sorgen macht man eine unbrauchbare Messung nach der anderen, und zieht daraus dann völlig willkürliche Schlüsse, die mit den Meßwerten nichts, mit der schon vorher feststehenden ideologischen Ausrichtung aber alles zu tun haben. Dabei hofft man anscheinend daß den Hokuspokus keine nennenswerte Anzahl von Lesern durchschaut.
In meinem letzten Blog-Artikel zum Thema ging ich noch davon aus daß es sich dabei um Dilettantismus handelt. Das war weniger aus Überzeugung so als aus Vorsicht, denn schon Napoleon war ja der Ansicht daß man keine Böswilligkeit unterstellen solle, wenn zur Erklärung auch Inkompetenz genügt. Inzwischen bezweifle ich aber stark daß Inkompetenz eine ausreichende Erklärung für das liefern kann was die Stereoplay hier präsentiert.
Hier wird eine Kampagne geritten gegen die Gegenkopplung, und dabei ist kein Argument zu schäbig, kein Trick zu billig, und keine Irreführung zu plump. Das ist keine Unfähigkeit mehr, das ist trotzige Wahrheitsverweigerung und -verhöhnung, hier läuft die subjektivistische Illusionsmaschine aus dem Ruder.
Wer noch einen weiteren Hinweis darauf nötig haben sollte findet ihn wenige Seiten später im Artikel über den CD-Spieler von Ayre. In der Überschrift wird noch behauptet, die Gegenkopplung sei für Ayre tabu. Wer einmal umblättert und die wesentlich kleiner gedruckte Bildlegende liest, der erfährt daß die Operationsverstärker "lokal zahm gegengekoppelt" seien. Man erkennt die Richtung hier auch völlig ohne technisches Verständnis, aber mit dem entsprechenden technischen Verständnis wird die Aussage vollends zur offensichtlichen Verarsche.
Ohne Gegenkopplung gäbe es überhaupt kein Hifi. Die fundamentale Bedeutung der Gegenkopplung für die gesamte Elektronik und erst recht die Audioelektronik kann man gar nicht überschätzen. Die Angriffe auf dieses universelle Prinzip lassen das inzwischen in machen Kreisen als unglaubwürdige Behauptung erscheinen, und das ist das Empörende dabei. Wie kann es so weit kommen daß eine Tatsache derart auf den Kopf gestellt wird? Und warum mischt eine einstmals respektable Zeitschrift in so einer destruktiven Weise dabei mit?
Vielleicht ist es angebracht daran zu erinnern, daß es sich bei den Redakteuren der Stereoplay um Journalisten handelt, und nicht um ausgelagerte Marketingabteilungen für ein paar Hersteller. Wenn ein Hersteller die Wahrheit zugunsten seiner Produkte verbiegt ist das schon ärgerlich genug, aber irgendwie nimmt man das als gegeben hin. Aber wie weit muß man sein journalistisches Verantwortungs- und Ehrgefühl hinter sich gelassen haben um sich als unabhängiger, eigentlich der Wahrheit verpflichteter Journalist herabzulassen, solche Machwerke abzuliefern?
Weil ich das schon kenne, ist es auch gar keine Überraschung für mich, daß meine Prognose aus besagtem Forum eingetroffen ist. Schon vor dem Erscheinen der neuesten Ausgabe der Stereoplay habe ich vorausgesagt daß es auf die ausstehenden Fragen darin keine Antwort geben würde, auch wenn man für die Beantwortung eben dieser Fragen von der Redaktion mit Hinweis auf diese Ausgabe vertröstet wurde. Wenn jemand anderer Meinung sein sollte würde ich darum bitten, daß er diese offenen Fragen mit Bezug auf die neueste Ausgabe beantwortet, ich sehe den Zusammenhang nämlich bisher nicht.
Das war also keine besonders schwierige Aufgabe für meine Glaskugel, es war ziemlich offensichtlich daß die Messungen im letzten Heft nicht wirklich zu verteidigen sind, so viel scheint auch die Redaktion begriffen zu haben, also hat man sich lieber neuen Messungen zugewandt, die mit den alten nichts zu tun haben, anstatt daß man bei den alten Messungen auch nur eine Winzigkeit mehr Transparenz zugestanden hätte.
Man hat allerdings die Taktik etwas geändert. Von Sensation ist diesmal nicht mehr die Rede, die Karawane zieht hier doch ziemlich schnell weiter. In etwas nüchterner Prosa verpackt man ein noch obskureres Meßverfahren und bedient sich ansonsten der bewährten Methode, aus objektiv aussehenden nichtssagenden Kurven völlig willkürliche Schlußfolgerungen zu ziehen.
Während man für die letzte Ausgabe noch meinte, das Prinzip der Gegenkopplung zum besseren Verständnis für Laien in grotesker Form verzerrt verunglimpfen zu müssen, hat man diesmal kein Problem damit ein sogar für Fachleute eher seltsames Meßverfahren unkommentiert einfach so hinzuwerfen. Zitat Stereoplay 6-2006:
"Zu diesem Zweck verwenden wir jetzt ein breitbandiges MLS-Signal (Maximum Length Sequence). Die Kreuzkorrelation zwischen dem Verstärker-Eingangs- und -Ausgangssignal führt zu einer Impulsantwort, die mittels Fast-Fourier-Transformation in einen Frequenzgang umgerechnet wird."Wie viele typische Leser der Stereoplay das wohl nachvollziehen können?
Es sieht so aus als würde mal wieder mir die Aufgabe zufallen, hier für den Background zu sorgen, den man braucht um so eine Messung einordnen zu können. Der Redaktion scheint es eher um das Nebelwerfen zu gehen.
Das erklärte Ziel der Stereoplay-Messung laut Artikel war es, "die Antwort dieses Systems auf einen Impuls" genauer anzusehen (gemeint ist das System Verstärker-Lautsprecher). Die Impulsantwort eines Systems ist in der Tat ein aufschlußreiches Kriterium, und es gibt zahlreiche Methoden um sie zu finden. Die MLS-Methode ist nur eine von vielen, und sie wird vor allem bei Lautsprechern angewendet, weil es durch sie möglich ist, auch ohne Messung im freien Feld den Effekt des Direktschalls vom Effekt des an Wänden reflektierten Schalls zu trennen. Daß man diese Methode bei Messungen an Verstärkern anwendet ist eher unüblich, denn man hat keinen Vorteil davon. Mit zeitverzögerten Reflexionen an Wänden und Decken hat man da schließlich nichts zu tun. Die Impulsantwort bei Verstärkern kann man auch wesentlich einfacher bestimmen indem man den Impuls direkt anlegt.
Die Idee der Stereoplay ist also eigenartig, aber noch eigenartiger ist es, daß man das Ergebnis im Frequenzbereich (also als Frequenzgang) statt im Zeitbereich darstellt. Wenn mich interessiert was ein Verstärker mit einem Impuls anfängt, dann sehe ich mir den Impuls im Zeitbereich an und schaue wie er ausschwingt. Der Übergang in den Frequenzbereich per FFT, wie das die Stereoplay tut, verschleiert das Ganze nicht unerheblich. Statt die Impulsantwort direkt zu sehen muß ich mir jetzt einen Reim auf Frequenzgänge machen, die offenbar stark davon abhängen wann ich messe (also wie viele Mikrosekunden nach dem Impuls). Gerade im niederfrequenten Bereich wird das sehr problematisch, denn man kann sich leicht klar machen daß eine Schwingungsperiode bei 100Hz bereits 10 ms lang dauert, und das ist hundert mal länger als die längste gemessene Verzögerung nach dem Impuls. Mit anderen Worten: Je niedriger die Frequenz, desto zweifelhafter werden die Meßwerte mit dieser Methode.
Aber ich bin nicht der Lautsprecher-Spezialist und (auch deswegen) sicher kein MLS-Experte. Umso besser hat es sich getroffen daß in den letzten paar Tagen die AES-Convention stattfand, bei der ich anwesend war, und praktischerweise war Bruce Hofer von Audio Precision auch da. Sonntag früh war wenig los, und bevor ihm langweilig wurde habe ich ihm die Stereoplay-Meßkurven unter die Nase gehalten und ihn gefragt was er davon hält. Sein Gesicht hatte ungefähr die gleichen Fragezeichen wie meins, und wir waren uns schnell einig daß diese Messungen in dieser Form überhaupt nichts aussagen. Nachdem man nicht weiß ob die Messungen mit Gleichspannungskopplung oder nicht gemacht wurden, und wie es um den Gleichspannungs-Offset der Verstärker bestellt ist, könnte man gerade auch im Baßbereich bei völlig harmlosen Unterschieden deutliche Meßunterschiede erhalten.
Nun bezweifle ich stark, daß irgend jemand etwas mit diesen Messungen anfangen kann, wenn das noch nicht einmal dem Chefentwickler des Meßgerätes gelingt, das von Stereoplay dafür verwendet wurde. Und das ist nicht irgendein Meßgerät, sondern das Top-Gerät der Industrie, an dem alles andere gemessen wird.
Der eigentliche Beschiß liegt aber in der Art wie die Messungen von Stereoplay interpretiert werden. Wenn man sich die Kurven ansieht erkennt man bei aller sonstigen Unbrauchbarkeit doch immerhin daß die Kurven zwischen ohmscher Last und (komplexer) Lautsprecherlast beim NAD-Verstärker am ähnlichsten sind. Wenn man daraus überhaupt etwas schließen kann dann ist es, daß sich der NAD von der Art der angeschlossenen Last am wenigsten unter den drei Verstärkern beeinflussen läßt. Jeder vernünftige Mensch würde das als einen Vorteil auffassen. Nicht so die Stereoplay. Man weiß offenbar welchen Verstärker man am besten aussehen lassen will und dreht sich das passend zurecht.
Eines dürfte inzwischen klar sein - "das kann nun niemand mehr bezweifeln" (O-Ton Stereoplay) - hier wird manipuliert daß die Schwarte kracht. Statt für irgend eine Art von Transparenz und Nachvollziehbarkeit zu sorgen macht man eine unbrauchbare Messung nach der anderen, und zieht daraus dann völlig willkürliche Schlüsse, die mit den Meßwerten nichts, mit der schon vorher feststehenden ideologischen Ausrichtung aber alles zu tun haben. Dabei hofft man anscheinend daß den Hokuspokus keine nennenswerte Anzahl von Lesern durchschaut.
In meinem letzten Blog-Artikel zum Thema ging ich noch davon aus daß es sich dabei um Dilettantismus handelt. Das war weniger aus Überzeugung so als aus Vorsicht, denn schon Napoleon war ja der Ansicht daß man keine Böswilligkeit unterstellen solle, wenn zur Erklärung auch Inkompetenz genügt. Inzwischen bezweifle ich aber stark daß Inkompetenz eine ausreichende Erklärung für das liefern kann was die Stereoplay hier präsentiert.
Hier wird eine Kampagne geritten gegen die Gegenkopplung, und dabei ist kein Argument zu schäbig, kein Trick zu billig, und keine Irreführung zu plump. Das ist keine Unfähigkeit mehr, das ist trotzige Wahrheitsverweigerung und -verhöhnung, hier läuft die subjektivistische Illusionsmaschine aus dem Ruder.
Wer noch einen weiteren Hinweis darauf nötig haben sollte findet ihn wenige Seiten später im Artikel über den CD-Spieler von Ayre. In der Überschrift wird noch behauptet, die Gegenkopplung sei für Ayre tabu. Wer einmal umblättert und die wesentlich kleiner gedruckte Bildlegende liest, der erfährt daß die Operationsverstärker "lokal zahm gegengekoppelt" seien. Man erkennt die Richtung hier auch völlig ohne technisches Verständnis, aber mit dem entsprechenden technischen Verständnis wird die Aussage vollends zur offensichtlichen Verarsche.
Ohne Gegenkopplung gäbe es überhaupt kein Hifi. Die fundamentale Bedeutung der Gegenkopplung für die gesamte Elektronik und erst recht die Audioelektronik kann man gar nicht überschätzen. Die Angriffe auf dieses universelle Prinzip lassen das inzwischen in machen Kreisen als unglaubwürdige Behauptung erscheinen, und das ist das Empörende dabei. Wie kann es so weit kommen daß eine Tatsache derart auf den Kopf gestellt wird? Und warum mischt eine einstmals respektable Zeitschrift in so einer destruktiven Weise dabei mit?
Vielleicht ist es angebracht daran zu erinnern, daß es sich bei den Redakteuren der Stereoplay um Journalisten handelt, und nicht um ausgelagerte Marketingabteilungen für ein paar Hersteller. Wenn ein Hersteller die Wahrheit zugunsten seiner Produkte verbiegt ist das schon ärgerlich genug, aber irgendwie nimmt man das als gegeben hin. Aber wie weit muß man sein journalistisches Verantwortungs- und Ehrgefühl hinter sich gelassen haben um sich als unabhängiger, eigentlich der Wahrheit verpflichteter Journalist herabzulassen, solche Machwerke abzuliefern?
Sonntag, 26. April 2009
Was ist HiFi?
HiFi gehört zu den Dingen von denen man zuerst intuitiv glaubt zu wissen was sie bedeuten, aber wenn man genauer nachdenkt wird der Fall immer unklarer.
Wenn man sich über die Bedeutung eines Begriffes nicht so recht klar wird kann man ein Lexikon konsultieren. Was steht also z.B. im deutschen Wikipedia? "Hi-Fi ist ein Qualitätsstandard für Audio-Wiedergabegeräte". Im englischen Wikipedia steht dagegen: "hi-fi reproduction is a term used by home stereo listeners and home audio enthusiasts (audiophiles) to refer to high-quality reproduction of sound or images that are very faithful to the original performance."
Das ist ein ziemlicher Unterschied, ob man von einem Standard redet oder von einem Begriff, den Enthusiasten benutzen. Entweder es gibt eine ziemliche kulturelle Differenz zwischen der deutschsprachigen und der englischsprachigen Welt, oder es ist schlicht unklar was der Begriff eigentlich bedeutet.
Die wörtliche Bedeutung ist natürlich "hohe Wiedergabetreue", so weit ist es noch einigermaßen klar. Aber was bedeutet das? Was ist Wiedergabetreue, und ab wann kann man sagen daß sie hoch ist? Oder hoch genug?
In Deutschland hatten wir's mal einfach. Wir hatten eine DIN-Norm dafür, die immer noch einigermaßen bekannte DIN45500. Da standen Mindestanforderungen drin, die ein Gerät erfüllen mußte um sich HiFi nennen zu dürfen. Die gilt inzwischen nicht mehr, zum Teil weil sie in verwässerter Form in eine internationale Norm eingegangen ist, und zum Teil weil sie mißverstanden, bekämpft, ignoriert und mißbraucht wurde, aber auch weil sie ihre Probleme und Unzulänglichkeiten hatte. Letztlich ist sie auch ein Opfer der Globalisierung, denn in anderen Weltgegenden hatte sie sich ohnehin kaum durchgesetzt, und als der Markt der braunen Ware auf der nationalen Ebene zu klein geworden war, und die fernöstliche Produktion die Norm wurde, war für die DIN45500 das Totenglöckchen geläutet.
Letzteres hat übrigens wenig mit Wiedergabequalität zu tun. Ich will damit jedenfalls nicht unterstellen die fernöstlichen Produkte seien HiFi-mäßig unterlegen. Eher schon geht es darum welche Stecker man verwendet und welchen elektrischen Schnittstellendefinitionen man den Vorzug gibt. Die DIN45500 ist eben auch die Norm mit den DIN-Steckern (bzw. Diodensteckern). Die sind mit der DIN45500 verschwunden, und zwar zugunsten des Cinch-Steckers (in anderen Ländern auch Phono-Stecker oder RCA-Stecker genannt).
Manche Audiophile haben allerdings die DIN45500 als Feindbild aufgebaut, und zum Teil findet man noch heute, über 10 Jahre nachdem die Norm ausgelaufen ist, regelrechte Tiraden gegen die nicht mehr geltende Norm, so als wäre sie ein klangfeindliches Machwerk, ein Hindernis für echtes HiFi gewesen.
Das ist natürlich Unsinn. Auch als sie in Kraft war hat die Norm ja nicht verhindert daß man besser war als gefordert. Wer der Meinung war daß die Norm zu lasch war durfte ja besser sein ohne das Recht auf den Begriff HiFi zu verlieren. Ohnehin gab es keine Instanz die hätte verhindern können daß jemand den Begriff HiFi benutzt ohne sich um die Norm zu kümmern. Problematisch wurde es noch nicht einmal für solche Hersteller, die der Meinung waren, ihre Produkte könnten den Begriff "HiFi" beanspruchen, ohne die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen. Die Norm wurde also beschuldigt, zugleich zu lasch und zu eng zu sein. Was die Normerfüllung behauptete klang nicht automatisch gut, und was gut klang war nicht automatisch normkonform.
In Wirklichkeit war und ist das ein Mißverständnis darüber was der Sinn einer Norm ist. "Gut klingen" ist ein subjektives Kriterium und kann schon deswegen nicht genormt werden. Sinn einer Norm ist, zu erreichen daß die Dinge zusammenpassen. Genauer gesagt geht es darum daß man mehrere Geräte zusammenstecken kann, und darauf vertrauen kann daß das Ergebnis eine einwandfrei funktionierende und qualitativ vorhersehbare Anlage ist. Das ist nicht selbstverständlich, und für technische Laien ein extrem wichtiger Faktor.
Wenn also in der Norm z.B. bestimmte Klirrwerte für Elektronik-Komponenten gefordert werden, dann war der Zweck nicht der, das klangliche Optimum festzulegen, sondern dafür zu sorgen daß nicht ein einzelnes Gerät das Gesamtergebnis deutlich ruinieren kann.
Von audiophiler Seite wurde aber so getan als würde die Norm die entwicklerische Freiheit knebeln, als würde dadurch das Mittelmaß erzwungen, als würden die in der Norm geforderten Mindestwerte als für alle Fälle ausreichend festgelegt. Als würde man nicht besser sein dürfen.
Was guter Klang ist kann man tatsächlich nicht normen, das ist dafür zu sehr Geschmackssache. Hifi ist aber etwas Anderes: Da geht es darum wie nahe am Original die Wiedergabe ist. Das kann eben von Fall zu Fall auch heißen daß der Klang schlecht ist, nämlich wenn das Original ebenso schlecht ist. Wie nahe ein wiedergegebenes Schallereignis am Original ist kann aber durchaus objektiv festgestellt werden und somit auch genormt werden. Dazu braucht man nämlich bloß den Unterschied zwischen Original und Wiedergabe zu untersuchen und dafür eine Obergrenze festzulegen.
Dazu gibt's allerdings Mehreres anzumerken.
Zuerst einmal: Was ist eigentlich das Original? Man denkt gern es sei das Konzert oder die Performance der Künstler, deren Darbietung man anhört. Stimmt nicht. Es ist die Aufzeichnung, also der Inhalt des Mediums das man abspielt. Die CD beispielsweise. Wenn das gleiche Konzert einmal auf CD und einmal auf LP veröffentlicht wird dann sind das verschiedene Originale, die sich bei originalgetreuer (HiFi-mäßiger) Wiedergabe auch in aller Regel verschieden anhören werden, selbst wenn sie von den gleichen Masterbändern stammen. Das ist dann kein Fehler der Wiedergabeanlage.
Nächstens, und weitaus interessanter: Wie bewertet man den Unterschied zwischen Original und Wiedergabe, und damit die Wiedergabetreue? Da gibt's mehrere Herangehensweisen:
Die Geräte und Anlagen, die aus dieser Methode resultierten waren zwar einesteils besser als die Geräte zuvor, und der Ansatz somit ein Erfolg. Man braucht sich dazu nur anzusehen wie die Lage vor Einführung der DIN45500 in den 70er Jahren war. Andererseits waren sie aber zugleich zu gut und zu schlecht. Zu schlecht weil durch bloße Einhaltung der Norm noch nicht garantiert war daß das Gerät in allen Fällen gut klang. Zu gut weil in bestimmtem Sinn es auch noch weit schlechter gegangen wäre ohne daß das hörbar gewesen wäre. Beides ist letztlich ein Zeichen dafür daß die angewendeten Meßverfahren nicht ganz mit den Eigenschaften des Gehörs korreliert haben.
Das wird seit den 80er Jahren mehr und mehr konkret eingesetzt, und ist letztlich auch der Tod von HiFi gewesen.
Auf der einen Seite entstand die High-End-Bewegung, für die die eigene Wahrnehmung über jeder Meßtechnik steht, nach dem Motto: HiFi ist was mir gefällt. Nach dieser Philosophie sieht man durch die rosa Brille klarer als durch die ungetönte Brille, wenn das der persönliche Eindruck ist.
Auf der anderen Seite entstand die psychoakustische Audiotechnik, für die anstelle der Meßtechnik die Eigenheiten der Wahrnehmung die wichtigste Rolle spielen. Das fängt an mit Dolby und ihren Rauschunterdrückungsverfahren, geht weiter über MP3 und die Verwandten, und macht noch nicht Halt bei Baß-Boost und Raumsimulationen. Je mehr Psychoakustik desto übler werden in der Regel die konventionellen Meßwerte, und doch ist die gehörmäßige Beeinträchtigung gering.
Die beiden Seiten begegnen sich typischerweise mit einem gehörigen Mißtrauen, um nicht zu sagen einer gepflegten Feindschaft, und doch sind sie sich ironischerweise näher als sie realisieren, denn beide Seiten legen den Schwerpunkt auf die Wahrnehmung, im Gegensatz zu den objektiven Meßwerten. Der Unterschied ist daß die Einen die Wahrnehmung glorifizieren, während sie die Anderen nutzen.
Und damit sind wir wieder bei der Bedeutung des Begriffes HiFi: Wenn es auf die Wahrnehmung ankommt, egal ob es der individualistische Blickwinkel des Audiophilen oder der psychoakustische Blickwinkel des Dolby- oder Bose-Ingenieurs ist, dann bedeutet es wie gut der Konsument das Ergebnis findet, und die Grenzwerte alter Normen spielen dabei keinerlei Rolle.
Wenn man sich über die Bedeutung eines Begriffes nicht so recht klar wird kann man ein Lexikon konsultieren. Was steht also z.B. im deutschen Wikipedia? "Hi-Fi ist ein Qualitätsstandard für Audio-Wiedergabegeräte". Im englischen Wikipedia steht dagegen: "hi-fi reproduction is a term used by home stereo listeners and home audio enthusiasts (audiophiles) to refer to high-quality reproduction of sound or images that are very faithful to the original performance."
Das ist ein ziemlicher Unterschied, ob man von einem Standard redet oder von einem Begriff, den Enthusiasten benutzen. Entweder es gibt eine ziemliche kulturelle Differenz zwischen der deutschsprachigen und der englischsprachigen Welt, oder es ist schlicht unklar was der Begriff eigentlich bedeutet.
Die wörtliche Bedeutung ist natürlich "hohe Wiedergabetreue", so weit ist es noch einigermaßen klar. Aber was bedeutet das? Was ist Wiedergabetreue, und ab wann kann man sagen daß sie hoch ist? Oder hoch genug?
In Deutschland hatten wir's mal einfach. Wir hatten eine DIN-Norm dafür, die immer noch einigermaßen bekannte DIN45500. Da standen Mindestanforderungen drin, die ein Gerät erfüllen mußte um sich HiFi nennen zu dürfen. Die gilt inzwischen nicht mehr, zum Teil weil sie in verwässerter Form in eine internationale Norm eingegangen ist, und zum Teil weil sie mißverstanden, bekämpft, ignoriert und mißbraucht wurde, aber auch weil sie ihre Probleme und Unzulänglichkeiten hatte. Letztlich ist sie auch ein Opfer der Globalisierung, denn in anderen Weltgegenden hatte sie sich ohnehin kaum durchgesetzt, und als der Markt der braunen Ware auf der nationalen Ebene zu klein geworden war, und die fernöstliche Produktion die Norm wurde, war für die DIN45500 das Totenglöckchen geläutet.
Letzteres hat übrigens wenig mit Wiedergabequalität zu tun. Ich will damit jedenfalls nicht unterstellen die fernöstlichen Produkte seien HiFi-mäßig unterlegen. Eher schon geht es darum welche Stecker man verwendet und welchen elektrischen Schnittstellendefinitionen man den Vorzug gibt. Die DIN45500 ist eben auch die Norm mit den DIN-Steckern (bzw. Diodensteckern). Die sind mit der DIN45500 verschwunden, und zwar zugunsten des Cinch-Steckers (in anderen Ländern auch Phono-Stecker oder RCA-Stecker genannt).
Manche Audiophile haben allerdings die DIN45500 als Feindbild aufgebaut, und zum Teil findet man noch heute, über 10 Jahre nachdem die Norm ausgelaufen ist, regelrechte Tiraden gegen die nicht mehr geltende Norm, so als wäre sie ein klangfeindliches Machwerk, ein Hindernis für echtes HiFi gewesen.
Das ist natürlich Unsinn. Auch als sie in Kraft war hat die Norm ja nicht verhindert daß man besser war als gefordert. Wer der Meinung war daß die Norm zu lasch war durfte ja besser sein ohne das Recht auf den Begriff HiFi zu verlieren. Ohnehin gab es keine Instanz die hätte verhindern können daß jemand den Begriff HiFi benutzt ohne sich um die Norm zu kümmern. Problematisch wurde es noch nicht einmal für solche Hersteller, die der Meinung waren, ihre Produkte könnten den Begriff "HiFi" beanspruchen, ohne die entsprechenden Anforderungen zu erfüllen. Die Norm wurde also beschuldigt, zugleich zu lasch und zu eng zu sein. Was die Normerfüllung behauptete klang nicht automatisch gut, und was gut klang war nicht automatisch normkonform.
In Wirklichkeit war und ist das ein Mißverständnis darüber was der Sinn einer Norm ist. "Gut klingen" ist ein subjektives Kriterium und kann schon deswegen nicht genormt werden. Sinn einer Norm ist, zu erreichen daß die Dinge zusammenpassen. Genauer gesagt geht es darum daß man mehrere Geräte zusammenstecken kann, und darauf vertrauen kann daß das Ergebnis eine einwandfrei funktionierende und qualitativ vorhersehbare Anlage ist. Das ist nicht selbstverständlich, und für technische Laien ein extrem wichtiger Faktor.
Wenn also in der Norm z.B. bestimmte Klirrwerte für Elektronik-Komponenten gefordert werden, dann war der Zweck nicht der, das klangliche Optimum festzulegen, sondern dafür zu sorgen daß nicht ein einzelnes Gerät das Gesamtergebnis deutlich ruinieren kann.
Von audiophiler Seite wurde aber so getan als würde die Norm die entwicklerische Freiheit knebeln, als würde dadurch das Mittelmaß erzwungen, als würden die in der Norm geforderten Mindestwerte als für alle Fälle ausreichend festgelegt. Als würde man nicht besser sein dürfen.
Was guter Klang ist kann man tatsächlich nicht normen, das ist dafür zu sehr Geschmackssache. Hifi ist aber etwas Anderes: Da geht es darum wie nahe am Original die Wiedergabe ist. Das kann eben von Fall zu Fall auch heißen daß der Klang schlecht ist, nämlich wenn das Original ebenso schlecht ist. Wie nahe ein wiedergegebenes Schallereignis am Original ist kann aber durchaus objektiv festgestellt werden und somit auch genormt werden. Dazu braucht man nämlich bloß den Unterschied zwischen Original und Wiedergabe zu untersuchen und dafür eine Obergrenze festzulegen.
Dazu gibt's allerdings Mehreres anzumerken.
Zuerst einmal: Was ist eigentlich das Original? Man denkt gern es sei das Konzert oder die Performance der Künstler, deren Darbietung man anhört. Stimmt nicht. Es ist die Aufzeichnung, also der Inhalt des Mediums das man abspielt. Die CD beispielsweise. Wenn das gleiche Konzert einmal auf CD und einmal auf LP veröffentlicht wird dann sind das verschiedene Originale, die sich bei originalgetreuer (HiFi-mäßiger) Wiedergabe auch in aller Regel verschieden anhören werden, selbst wenn sie von den gleichen Masterbändern stammen. Das ist dann kein Fehler der Wiedergabeanlage.
Nächstens, und weitaus interessanter: Wie bewertet man den Unterschied zwischen Original und Wiedergabe, und damit die Wiedergabetreue? Da gibt's mehrere Herangehensweisen:
- Man kann technisch an die Sache herangehen und Meßverfahren festlegen, und auf deren Grundlage dann Grenzwerte für die gemessenen Unterschiede erarbeiten, bei deren Einhaltung man dann mit ausreichender Sicherheit davon ausgehen kann daß die Unterschiede nicht mehr relevant sind.
- Man kann statistisch arbeiten und untersuchen welche Unterschiede von den Leuten noch als unbedeutend bewertet werden, und dann Grenzwerte auf der Basis von statistischer Relevanz festlegen. Die Relevanz macht sich dann daran fest welcher Prozentsatz der Leute den Unterschied wie stark bemerken.
- Man kann sich an individueller Präferenz orientieren, was letztlich eine allgemeine Bewertung verneint. Wenn's dem Einzelnen paßt, ok - wenn nicht, dann Pech.
Die Geräte und Anlagen, die aus dieser Methode resultierten waren zwar einesteils besser als die Geräte zuvor, und der Ansatz somit ein Erfolg. Man braucht sich dazu nur anzusehen wie die Lage vor Einführung der DIN45500 in den 70er Jahren war. Andererseits waren sie aber zugleich zu gut und zu schlecht. Zu schlecht weil durch bloße Einhaltung der Norm noch nicht garantiert war daß das Gerät in allen Fällen gut klang. Zu gut weil in bestimmtem Sinn es auch noch weit schlechter gegangen wäre ohne daß das hörbar gewesen wäre. Beides ist letztlich ein Zeichen dafür daß die angewendeten Meßverfahren nicht ganz mit den Eigenschaften des Gehörs korreliert haben.
Das wird seit den 80er Jahren mehr und mehr konkret eingesetzt, und ist letztlich auch der Tod von HiFi gewesen.
Auf der einen Seite entstand die High-End-Bewegung, für die die eigene Wahrnehmung über jeder Meßtechnik steht, nach dem Motto: HiFi ist was mir gefällt. Nach dieser Philosophie sieht man durch die rosa Brille klarer als durch die ungetönte Brille, wenn das der persönliche Eindruck ist.
Auf der anderen Seite entstand die psychoakustische Audiotechnik, für die anstelle der Meßtechnik die Eigenheiten der Wahrnehmung die wichtigste Rolle spielen. Das fängt an mit Dolby und ihren Rauschunterdrückungsverfahren, geht weiter über MP3 und die Verwandten, und macht noch nicht Halt bei Baß-Boost und Raumsimulationen. Je mehr Psychoakustik desto übler werden in der Regel die konventionellen Meßwerte, und doch ist die gehörmäßige Beeinträchtigung gering.
Die beiden Seiten begegnen sich typischerweise mit einem gehörigen Mißtrauen, um nicht zu sagen einer gepflegten Feindschaft, und doch sind sie sich ironischerweise näher als sie realisieren, denn beide Seiten legen den Schwerpunkt auf die Wahrnehmung, im Gegensatz zu den objektiven Meßwerten. Der Unterschied ist daß die Einen die Wahrnehmung glorifizieren, während sie die Anderen nutzen.
Und damit sind wir wieder bei der Bedeutung des Begriffes HiFi: Wenn es auf die Wahrnehmung ankommt, egal ob es der individualistische Blickwinkel des Audiophilen oder der psychoakustische Blickwinkel des Dolby- oder Bose-Ingenieurs ist, dann bedeutet es wie gut der Konsument das Ergebnis findet, und die Grenzwerte alter Normen spielen dabei keinerlei Rolle.
Freitag, 10. April 2009
Wie die Faust auf's Auge
Kaum ist die virtuelle Tinte meines vorigen Blog-Artikels trocken, werde ich auf den neuesten Verstärker-Test der Stereoplay 05/2009 aufmerksam gemacht. Und was für einen kapitalen Bock wir da doch haben, der blöde auf der Lichtung herum steht und auf seinen Abschuß wartet!
Wenn's bloß einer der diversen normalen Verstärkertests gewesen wäre hätte sich das Finger krumm machen wohl kaum gelohnt, und auch die Sensationen gibt's bei der Stereoplay seit Jahrzehnten im Dutzend billiger. Aber diesmal behaupten sie den meßtechnischen Nachweis für Verstärkerklang zu haben! Der meßtechnische Nachweis, der ultimative Maulkorb für skeptische Technokraten, das Nirvana für den Audiophilen!
Meßtechnischer Nachweis für Verstärkerklang? Kein Problem, hätte ein halbwegs informierter Praktiker bisher gesagt: Man nehme auf der einen Seite einen vernünftig konstruierten Verstärker, und auf der anderen Seite einen der diversen Verstärker, die nach einer bescheuerten High-End-"Philosophie" konstruiert sind, der man die Verantwortungs- oder Ahnungslosigkeit des Konstrukteurs anmerkt, und es müßte schon mit dem Teufel zugehen wenn letzterer nicht eine meßtechnische Auffälligkeit zeigen würde, die für einen hörbaren klanglichen Effekt locker ausreicht.
Möglichkeiten gäbe es dafür ja viele: So schlampiges (sorry: spartanisches) Design, daß sich Störungen in Form von Brummen oder Hochfrequenz-Einflüssen bemerkbar machen (muß ja nicht so schlimm sein daß es direkt auffällt). Oder reichlich Verzerrungen, was besonders bei den Gegenkopplungs-Hassern gern genommen wird. Oder ein so "sensibles" Design daß sich der Frequenzgang durch die Impedanzkurve des angeschlossenen Lautsprechers verbiegen läßt.
Aber nein, nichts von alledem, man hat eine andere Entdeckung gemacht:
Lautsprecher verhalten sich "reaktiv", das heißt sie speichern Energie und schieben sie in Form von Strom gelegentlich zurück zum Verstärker. Und nicht alle Verstärker reagieren darauf gleich.
So haben sie es nicht ausgedrückt, aber darauf läuft es hinaus. Herausgefunden haben sie dieses Phänomen indem sie den Strom gemessen haben, der in der Lautsprecherleitung fließt, und zwar indem sie einen 0,1 Ohm Widerstand in die Leitung eingefügt haben und die daran abfallende Spannung gemessen haben. Sehr clever. Das Ohmsche Gesetz haben sie also schon mal verstanden.
Der Praktiker schließt daraus daß das Stereoplay-Labor die sehr nützliche Anschaffung einer guten Stromzange bisher noch nicht getätigt hat, die diese Messung noch erheblich vereinfacht hätte. Ich habe mehrere. Für einen Moment empfand ich Mitleid. Aber dann fiel mir auf dem Foto das Audio Precision System 2 Dual Domain ins Auge...
Wie dem auch sei, die Stereoplay hat damit ein Phänomen entdeckt, das einem Praktiker von vorn herein klar war und seit Jahrzehnten bekannt. Die Ironie des Ganzen ist daß sie das sogar mit einer Lautsprecher-Simulation (also einer "stummen" Nachbildung der elektrischen Eigenschaften eines Lautsprechers, gebaut aus Kondensatoren, Widerständen und Spulen) gemessen haben. Wenn man schon so weit geht, dann gesteht man zu daß man lediglich das idealisierte Verhalten so einer Nachbildung zugrunde legt, und den realen Lautsprecher nicht braucht, und von da aus könnte man leicht auch den Schritt zur kompletten Simulation im Rechner machen.
Die kleinen Unterschiede zwischen den Stromkurven zwischen den verschiedenen Verstärkern werden nun dafür verantwortlich gemacht daß sie unterschiedlich klingen. Da fliegt der Mist dann vollends in den Propeller. Einem Praktiker wäre sofort klar daß die gezeigten Unterschiede auf eine unterschiedliche Quellimpedanz (= Ausgangswiderstand) des Verstärkers zurückgehen müssen. Das erwähnt die Stereoplay noch nicht einmal. Stattdessen wird wie selbstverständlich behauptet daß dadurch Verzerrungen entstehen würden. Und zwar umso mehr je höher die Ströme werden.
Welch manifester Unsinn das ist läßt sich verdeutlichen wenn man sich klar macht das Lautsprecher ganz bewußt so entwickelt werden daß sie im Verstärker eine möglichst ideale Spannungsquelle voraussetzen. Der Ausgangswiderstand des idealen Verstärkers ist Null Ohm, der Dämpfungsfaktor damit unendlich. Die automatische Folge davon ist daß die Ströme, die aufgrund der reaktiven Natur des Lautsprechers entstehen, maximal werden. Der Effekt dieser Ströme ist eine Dämpfung der Lautsprecher-Chassis, das heißt sie dürfen nicht ihrer Massenträgheit nachgeben und rumwabbeln bzw. nachschwingen, sondern sie folgen den Vorgaben des Verstärkers. Die Ströme sind der Nebeneffekt dieser "Kontrolle". Der Begriff des Dämpfungsfaktors soll daran erinnern, und nicht umsonst hat man (auch die Stereoplay) uns in der Vergangenheit immer erklärt, der Dämpfungsfaktor müsse möglichst hoch sein.
Was man jetzt behauptet läuft auf das Gegenteil hinaus: Zu große Kontrolle würde angeblich Verzerrungen produzieren, ein klangverfälschendes Nachschwingen, eine Gefahr für einen "natürlichen Klirrverlauf". Erhoffen Sie keine Erklärung dafür, das wird einfach so behauptet, und man erwartet daß Sie das glauben! Es ist auch schwer zu erklären, denn ein hoher Dämpfungsfaktor verhindert ja gerade ein Nachschwingen, das sich andernfalls aus Massenträgheit ergeben würde! Was ein "natürlicher Klirrverlauf" bedeuten soll bleibt selbstredend ebenfalls im Dunkeln. Für mich wäre kein Klirr der natürlichste Klirr, aber ich fürchte so war's nicht gemeint.
Dementsprechend wird auch behauptet die leicht unterschiedlichen Stromkurven verrieten Verzerrungen. Mir verraten sie das jedenfalls nicht. Am Stromverlauf kann man die Verzerrungen, die ein Lautsprecher produziert, nicht erkennen, jedenfalls nicht auf die gezeigte Art. Auch dafür fehlt selbstverständlich jede weitere Erklärung im Artikel. Die Art der Unterschiede in den gezeigten Kurven deuten dagegen sehr direkt auf einen leichten Unterschied der Quellimpedanz hin, und zwar ist sie umso höher je niedriger die Kurve zu liegen kommt. Wenn man von der Stereoplay erfahren würde wie das Ersatzschaltbild der verwendeten Lautsprechersimulation aussieht, dann wäre es ein Leichtes gewesen, den Effekt (also die Kurven) in der Simulation nachzuvollziehen. 10 Minuten Beschäftigung mit LTspice hätten genügt. Nebenbei wäre dabei abgefallen welche Ausgangsimpedanzen die verwendeten Verstärker gehabt haben - auch das ist dem Stereoplay-Artikel nicht zu entnehmen.
Wenn man schon von der Ausgangsimpedanz redet kommt man fast automatisch zur Gegenkopplung. Wie schon der Erfinder der Gegenkopplung, Harold Black, vor 75 Jahren wußte, reduziert die Gegenkopplung die Ausgangsimpedanz. Das ist eine von diversen nützlichen Eigenschaften der Gegenkopplung, und wenn man alle nützlichen Eigenschaften zusammen nimmt kommt man unweigerlich zum Ergebnis daß die Gegenkopplung vermutlich eine der besten Erfindungen der gesamten Menschheitsgeschichte ist. Besser sollte man wohl sagen: Entdeckungen, denn die Natur benutzt haufenweise Gegenkopplungen schon seit Anfang der Zeit, ohne daß es dazu den Menschen gebraucht hätte.
Eine so mächtige Technik birgt ihre Risiken, und das kann auch mal ins Auge gehen, aber dadurch wird der Wert der Technik nicht geschmälert. Es ist daher eigentlich unverständlich warum der Ruf der Gegenkopplung in der High-End-Szene so schlecht ist, und auch die Stereoplay einstimmt in den Chor derjenigen, die sie ablehnen. Aber nach meiner bisherigen Erfahrung liegt das einfach daran daß sie über den Horizont der meisten Audiophilen geht. Was sie nicht kapieren kann in ihren Augen nichts taugen, so scheint die einfache Logik zu sein. Schon der wahrhaft beschränkte Einwand, die durch die Gegenkopplungs-Schleife bewirkte Korrektur käme immer zu spät, legt vom Unverständnis ein beredtes Zeugnis ab.
Wie weit dieses Unverständnis geht zeigt sich deutlich am Stereoplay-Artikel. Der beste Verstärker dort wird deswegen gelobt weil die Ausgangstransistoren nicht in die Gegenkopplungs-Schleife mit aufgenommen sind. Die unweigerliche Folge davon ist nicht nur ein höherer Ausgangswiderstand, wie sich in der Messung dann ja auch bestätigt, sondern auch ein erschreckend hoher Klirrpegel.
Die Reduktion des Klirrs ist ein anderer wichtiger Nutzen der Gegenkopplung, von daher überrascht dieses Ergebnis keineswegs. Was aber die flache Hand auf der Stirn aufschlagen läßt (oder die Stirn auf der Tastatur) ist die Tatsache daß dieser Klirrpegel anscheinend von der Stereoplay mit dem Klang des Verstärkers nicht in Zusammenhang gebracht wird!
Das ziehe man sich mal rein: Die Stereoplay testet einen Verstärker, von dem schon klar ist daß wegen seines Verzichts auf Gegenkopplung "über alles" damit zu rechnen ist daß höherer Klirr und höherer Ausgangswiderstand zu erwarten sind (siehe der alte Harold Black). Die Messungen bestätigen das eindrücklich. Der Klirr ist sogar so hoch daß man mit einer Hörbarkeit desselben rechnen muß, was für einen Audio-Verstärker wahrlich ein Armutszeugnis ist, sogar für einen der nur einen Bruchteil kostet. Trotzdem begibt man sich auf die Suche nach einer anderen Erklärung für den gehörten Unterschied, und wird fündig bei einem Effekt, der sich von selbst versteht, der genau entgegen der bisherigen "Weisheit" interpretiert wird, dessen Zusammenhang zum Gehörten einfach postuliert und keineswegs nachgewiesen wird, und dessen Auswirkungen völlig unerklärt und widersinnig bleiben. Chapeau!
Wenn das die Fähigkeiten der "Meßtechniker" bei der Stereoplay repräsentativ demonstrieren sollte, dann machen sie sich überflüssig. Besonders der gute Audio Precision läßt eine Krokodilsträne aus meinem Auge rinnen. So viel hochwertige Meßtechnik in den Händen von solchen Dilettanten! Perlen vor die Säue! Wenn ich nächstes Mal einen Vertreter von Audio Precision treffe werde ich ihm empfehlen, daß sie ihre Geräte nur an Leute verkaufen sollten die vorher einen Eignungstest bestanden haben. Das AP-Logo ist einfach keine gute Werbung in unmittelbarer Nachbarschaft von so einem Blödsinn.
Der Stereoplay empfehle ich die Abschaffung eines unter diesen Vorzeichen nutzlosen Meßlabors. Das Geld kann man einsparen, denn etwas Sinnvolles scheint nicht heraus zu kommen nachdem es kein Personal zu geben scheint, das in der Lage wäre die Messungen vernünftig zu interpretieren. Die angesprochene Zielgruppe der Audiophilen kann mit der Meßtechnik sowieso nichts anfangen und glaubt den gleichen Stuß auch ohne daß man ihn umständlich mit solchen Pseudomessungen hinterlegt. Den verständigeren Leuten schließlich erspart man so die Aufregung, in dem man signalisiert daß man da hin will wo die Stereo schon ist, und sich die Beschäftigung mit dem Inhalt nicht lohnt.
Wenn's bloß einer der diversen normalen Verstärkertests gewesen wäre hätte sich das Finger krumm machen wohl kaum gelohnt, und auch die Sensationen gibt's bei der Stereoplay seit Jahrzehnten im Dutzend billiger. Aber diesmal behaupten sie den meßtechnischen Nachweis für Verstärkerklang zu haben! Der meßtechnische Nachweis, der ultimative Maulkorb für skeptische Technokraten, das Nirvana für den Audiophilen!
Meßtechnischer Nachweis für Verstärkerklang? Kein Problem, hätte ein halbwegs informierter Praktiker bisher gesagt: Man nehme auf der einen Seite einen vernünftig konstruierten Verstärker, und auf der anderen Seite einen der diversen Verstärker, die nach einer bescheuerten High-End-"Philosophie" konstruiert sind, der man die Verantwortungs- oder Ahnungslosigkeit des Konstrukteurs anmerkt, und es müßte schon mit dem Teufel zugehen wenn letzterer nicht eine meßtechnische Auffälligkeit zeigen würde, die für einen hörbaren klanglichen Effekt locker ausreicht.
Möglichkeiten gäbe es dafür ja viele: So schlampiges (sorry: spartanisches) Design, daß sich Störungen in Form von Brummen oder Hochfrequenz-Einflüssen bemerkbar machen (muß ja nicht so schlimm sein daß es direkt auffällt). Oder reichlich Verzerrungen, was besonders bei den Gegenkopplungs-Hassern gern genommen wird. Oder ein so "sensibles" Design daß sich der Frequenzgang durch die Impedanzkurve des angeschlossenen Lautsprechers verbiegen läßt.
Aber nein, nichts von alledem, man hat eine andere Entdeckung gemacht:
Lautsprecher verhalten sich "reaktiv", das heißt sie speichern Energie und schieben sie in Form von Strom gelegentlich zurück zum Verstärker. Und nicht alle Verstärker reagieren darauf gleich.
So haben sie es nicht ausgedrückt, aber darauf läuft es hinaus. Herausgefunden haben sie dieses Phänomen indem sie den Strom gemessen haben, der in der Lautsprecherleitung fließt, und zwar indem sie einen 0,1 Ohm Widerstand in die Leitung eingefügt haben und die daran abfallende Spannung gemessen haben. Sehr clever. Das Ohmsche Gesetz haben sie also schon mal verstanden.
Der Praktiker schließt daraus daß das Stereoplay-Labor die sehr nützliche Anschaffung einer guten Stromzange bisher noch nicht getätigt hat, die diese Messung noch erheblich vereinfacht hätte. Ich habe mehrere. Für einen Moment empfand ich Mitleid. Aber dann fiel mir auf dem Foto das Audio Precision System 2 Dual Domain ins Auge...
Wie dem auch sei, die Stereoplay hat damit ein Phänomen entdeckt, das einem Praktiker von vorn herein klar war und seit Jahrzehnten bekannt. Die Ironie des Ganzen ist daß sie das sogar mit einer Lautsprecher-Simulation (also einer "stummen" Nachbildung der elektrischen Eigenschaften eines Lautsprechers, gebaut aus Kondensatoren, Widerständen und Spulen) gemessen haben. Wenn man schon so weit geht, dann gesteht man zu daß man lediglich das idealisierte Verhalten so einer Nachbildung zugrunde legt, und den realen Lautsprecher nicht braucht, und von da aus könnte man leicht auch den Schritt zur kompletten Simulation im Rechner machen.
Die kleinen Unterschiede zwischen den Stromkurven zwischen den verschiedenen Verstärkern werden nun dafür verantwortlich gemacht daß sie unterschiedlich klingen. Da fliegt der Mist dann vollends in den Propeller. Einem Praktiker wäre sofort klar daß die gezeigten Unterschiede auf eine unterschiedliche Quellimpedanz (= Ausgangswiderstand) des Verstärkers zurückgehen müssen. Das erwähnt die Stereoplay noch nicht einmal. Stattdessen wird wie selbstverständlich behauptet daß dadurch Verzerrungen entstehen würden. Und zwar umso mehr je höher die Ströme werden.
Welch manifester Unsinn das ist läßt sich verdeutlichen wenn man sich klar macht das Lautsprecher ganz bewußt so entwickelt werden daß sie im Verstärker eine möglichst ideale Spannungsquelle voraussetzen. Der Ausgangswiderstand des idealen Verstärkers ist Null Ohm, der Dämpfungsfaktor damit unendlich. Die automatische Folge davon ist daß die Ströme, die aufgrund der reaktiven Natur des Lautsprechers entstehen, maximal werden. Der Effekt dieser Ströme ist eine Dämpfung der Lautsprecher-Chassis, das heißt sie dürfen nicht ihrer Massenträgheit nachgeben und rumwabbeln bzw. nachschwingen, sondern sie folgen den Vorgaben des Verstärkers. Die Ströme sind der Nebeneffekt dieser "Kontrolle". Der Begriff des Dämpfungsfaktors soll daran erinnern, und nicht umsonst hat man (auch die Stereoplay) uns in der Vergangenheit immer erklärt, der Dämpfungsfaktor müsse möglichst hoch sein.
Was man jetzt behauptet läuft auf das Gegenteil hinaus: Zu große Kontrolle würde angeblich Verzerrungen produzieren, ein klangverfälschendes Nachschwingen, eine Gefahr für einen "natürlichen Klirrverlauf". Erhoffen Sie keine Erklärung dafür, das wird einfach so behauptet, und man erwartet daß Sie das glauben! Es ist auch schwer zu erklären, denn ein hoher Dämpfungsfaktor verhindert ja gerade ein Nachschwingen, das sich andernfalls aus Massenträgheit ergeben würde! Was ein "natürlicher Klirrverlauf" bedeuten soll bleibt selbstredend ebenfalls im Dunkeln. Für mich wäre kein Klirr der natürlichste Klirr, aber ich fürchte so war's nicht gemeint.
Dementsprechend wird auch behauptet die leicht unterschiedlichen Stromkurven verrieten Verzerrungen. Mir verraten sie das jedenfalls nicht. Am Stromverlauf kann man die Verzerrungen, die ein Lautsprecher produziert, nicht erkennen, jedenfalls nicht auf die gezeigte Art. Auch dafür fehlt selbstverständlich jede weitere Erklärung im Artikel. Die Art der Unterschiede in den gezeigten Kurven deuten dagegen sehr direkt auf einen leichten Unterschied der Quellimpedanz hin, und zwar ist sie umso höher je niedriger die Kurve zu liegen kommt. Wenn man von der Stereoplay erfahren würde wie das Ersatzschaltbild der verwendeten Lautsprechersimulation aussieht, dann wäre es ein Leichtes gewesen, den Effekt (also die Kurven) in der Simulation nachzuvollziehen. 10 Minuten Beschäftigung mit LTspice hätten genügt. Nebenbei wäre dabei abgefallen welche Ausgangsimpedanzen die verwendeten Verstärker gehabt haben - auch das ist dem Stereoplay-Artikel nicht zu entnehmen.
Wenn man schon von der Ausgangsimpedanz redet kommt man fast automatisch zur Gegenkopplung. Wie schon der Erfinder der Gegenkopplung, Harold Black, vor 75 Jahren wußte, reduziert die Gegenkopplung die Ausgangsimpedanz. Das ist eine von diversen nützlichen Eigenschaften der Gegenkopplung, und wenn man alle nützlichen Eigenschaften zusammen nimmt kommt man unweigerlich zum Ergebnis daß die Gegenkopplung vermutlich eine der besten Erfindungen der gesamten Menschheitsgeschichte ist. Besser sollte man wohl sagen: Entdeckungen, denn die Natur benutzt haufenweise Gegenkopplungen schon seit Anfang der Zeit, ohne daß es dazu den Menschen gebraucht hätte.
Eine so mächtige Technik birgt ihre Risiken, und das kann auch mal ins Auge gehen, aber dadurch wird der Wert der Technik nicht geschmälert. Es ist daher eigentlich unverständlich warum der Ruf der Gegenkopplung in der High-End-Szene so schlecht ist, und auch die Stereoplay einstimmt in den Chor derjenigen, die sie ablehnen. Aber nach meiner bisherigen Erfahrung liegt das einfach daran daß sie über den Horizont der meisten Audiophilen geht. Was sie nicht kapieren kann in ihren Augen nichts taugen, so scheint die einfache Logik zu sein. Schon der wahrhaft beschränkte Einwand, die durch die Gegenkopplungs-Schleife bewirkte Korrektur käme immer zu spät, legt vom Unverständnis ein beredtes Zeugnis ab.
Wie weit dieses Unverständnis geht zeigt sich deutlich am Stereoplay-Artikel. Der beste Verstärker dort wird deswegen gelobt weil die Ausgangstransistoren nicht in die Gegenkopplungs-Schleife mit aufgenommen sind. Die unweigerliche Folge davon ist nicht nur ein höherer Ausgangswiderstand, wie sich in der Messung dann ja auch bestätigt, sondern auch ein erschreckend hoher Klirrpegel.
Die Reduktion des Klirrs ist ein anderer wichtiger Nutzen der Gegenkopplung, von daher überrascht dieses Ergebnis keineswegs. Was aber die flache Hand auf der Stirn aufschlagen läßt (oder die Stirn auf der Tastatur) ist die Tatsache daß dieser Klirrpegel anscheinend von der Stereoplay mit dem Klang des Verstärkers nicht in Zusammenhang gebracht wird!
Das ziehe man sich mal rein: Die Stereoplay testet einen Verstärker, von dem schon klar ist daß wegen seines Verzichts auf Gegenkopplung "über alles" damit zu rechnen ist daß höherer Klirr und höherer Ausgangswiderstand zu erwarten sind (siehe der alte Harold Black). Die Messungen bestätigen das eindrücklich. Der Klirr ist sogar so hoch daß man mit einer Hörbarkeit desselben rechnen muß, was für einen Audio-Verstärker wahrlich ein Armutszeugnis ist, sogar für einen der nur einen Bruchteil kostet. Trotzdem begibt man sich auf die Suche nach einer anderen Erklärung für den gehörten Unterschied, und wird fündig bei einem Effekt, der sich von selbst versteht, der genau entgegen der bisherigen "Weisheit" interpretiert wird, dessen Zusammenhang zum Gehörten einfach postuliert und keineswegs nachgewiesen wird, und dessen Auswirkungen völlig unerklärt und widersinnig bleiben. Chapeau!
Wenn das die Fähigkeiten der "Meßtechniker" bei der Stereoplay repräsentativ demonstrieren sollte, dann machen sie sich überflüssig. Besonders der gute Audio Precision läßt eine Krokodilsträne aus meinem Auge rinnen. So viel hochwertige Meßtechnik in den Händen von solchen Dilettanten! Perlen vor die Säue! Wenn ich nächstes Mal einen Vertreter von Audio Precision treffe werde ich ihm empfehlen, daß sie ihre Geräte nur an Leute verkaufen sollten die vorher einen Eignungstest bestanden haben. Das AP-Logo ist einfach keine gute Werbung in unmittelbarer Nachbarschaft von so einem Blödsinn.
Der Stereoplay empfehle ich die Abschaffung eines unter diesen Vorzeichen nutzlosen Meßlabors. Das Geld kann man einsparen, denn etwas Sinnvolles scheint nicht heraus zu kommen nachdem es kein Personal zu geben scheint, das in der Lage wäre die Messungen vernünftig zu interpretieren. Die angesprochene Zielgruppe der Audiophilen kann mit der Meßtechnik sowieso nichts anfangen und glaubt den gleichen Stuß auch ohne daß man ihn umständlich mit solchen Pseudomessungen hinterlegt. Den verständigeren Leuten schließlich erspart man so die Aufregung, in dem man signalisiert daß man da hin will wo die Stereo schon ist, und sich die Beschäftigung mit dem Inhalt nicht lohnt.
Samstag, 4. April 2009
Die großen Drei
Vor ein paar Wochen kam es im Hifi-Forum mal wieder zu einem Thread über Hifi-Zeitschriften. Das wäre nicht weiter bemerkenswert gewesen wenn nicht der Teilnehmer "Stones" die "Drei Großen", also Audio, Stereo, und Stereoplay, angeschrieben hätte und sie nach ihrer Position zu Blindtests gefragt und einen "öffentlichen" Blindtest angeregt hätte. Zu seiner eigenen Überraschung haben alle drei geantwortet. Ich finde die Antworten aufschlußreich genug daß sie mich zu diesem Blog-Artikel inspiriert haben.
Bevor ich hier durch meine Kommentare Voreingenommenheit erzeuge solltet Ihr am besten zuerst die Antworten lesen, die Stones hier, hier und hier veröffentlicht hat.
Ich gehe mal in umgekehrter Reihenfolge darauf ein. Der Kommentar der Audio zeigt wie blank die Nerven bei diesem Punkt liegen. Außer Polemik kommt absolut nichts. Wenn man die Tests und die Testergebnisse aus der Zeitschrift bezweifelt und nicht glauben mag daß sich die Testgeräte alle hörbar unterscheiden, dann ist man damit immer noch weit davon entfernt zu behaupten, alle CD-Spieler oder Verstärker klängen gleich. Wenn man aus der "Seriosität" dieser hingekotzten Antwort auf die angebliche Seriosität der durchgeführten Tests schließen kann, dann gute Nacht.
Der Kommentar der Stereoplay ist es schon eher wert daß man sich damit beschäftigt, was nicht heißen soll daß er überzeugender wäre. Sie behaupten immerhin explizit, regelmäßig Blindtests zu machen, und sie auch "Monat für Monat" zu "bestehen". Stattdessen schieben sie den Ball zurück ins andere Feld und behaupten, das öffentlich zu machen würde die Zweifel nicht ausräumen, man könnte schließlich immer einen Vorwand für die Ablehnung finden. Am interessantesten ist dabei der Verweis auf einen öffentlichen Blindtest, den die Stereoplay vor Jahren durchgeführt hatte. Man erweckt den Eindruck als sei der quasi eine Bestätigung für die Position der Stereoplay.
Es wird zwar keine genaue Angabe gemacht, aber es kann sich bei dem angegebenen Test eigentlich bloß um einen im Jahr 1990 veranstalteten Test handeln, über den in der Stereoplay 5/90 und der folgenden Ausgabe ein zweiteiliger Artikel von Karl Breh berichtete. Ich habe Kopien des Artikels vorliegen. Zwar war ich in den 80ern selbst Stereoplay-Abonnent, aber ich hatte das Abo zu früh gekündigt, und außerdem schon lange alle Hefte "entsorgt". Wenn man den Artikel liest und ihn mit dem Stereoplay-Kommentar vergleicht bekommt man einen Eindruck, wie weit die "Legendenbildung" auch bei der Stereoplay selbst schon fortgeschritten ist.
Zuerst zu den faktischen Fehlern: Laut Artikel hat die Jury 30 Leute umfaßt, und nicht 50. Ob das der größte bis dahin veranstaltete öffentliche Blindtest war kann man getrost bezweifeln.
Auch die Beschreibung der Testmethode ist völlig falsch. Auf DAT aufgezeichnet wurde gar nichts. Es gab in Wirklichkeit 2 verschiedene Tests. Der erste Test diente dem Vergleich eines von LP abgespielten Signals mit dem gleichen Signal, das zusätzlich eine A/D-Wandlung und wieder eine D/A-Wandlung durchlaufen hat. Die Frage war also ob eine solche Wandlerkette das Signal merklich verschlechtert. Es wurden dazu die Wandler in einem DAT-Recorder Pioneer D1000 benutzt, aber es sieht nicht danach aus als ob das Band dabei überhaupt lief. Der zweite Test versuchte speziell die CD mit ihrem Mastering-Prozeß zu überprüfen, wozu man von der LP abgespielte Stücke auf CD masterte, so daß man das Original von der LP mit der "Kopie" von der CD vergleichen konnte. Ein DAT-Laufwerk war hier nirgends im Spiel. Hier waren also gegenüber dem ersten Test zusätzlich zu den A/D- und D/A-Wandlern noch der Masteringprozeß der CD im Spiel. Die Wandler waren im zweiten Test natürlich andere als im ersten, beidesmal wird es sich aber um 16-bit/44,1 kHz Wandler gehandelt haben, auch wenn man das so explizit nicht gesagt bekommt.
Auch das Ergebnis stellt sich keineswegs so eindeutig dar wie man es uns heute glauben machen will. Schon bei der Lektüre des Artikels habe ich den Eindruck daß aus den Ergebnissen mehr heraus gelesen wird als drin ist, aber da die Ergebnisse wenigstens detailliert dokumentiert sind, kann man die Tabellen auch selbst studieren und interpretieren. Und die ergeben eben, daß im ersten Test von 9 Testredakteuren mindestens 6 so nahe an einem Zufallsergebnis lagen daß man beim besten Willen nicht davon reden kann daß hier so etwas wie eine Erkennung stattgefunden hat. Eine ordentliche Signifikanzanalyse findet leider nicht statt und es wurden augenscheinlich auch vor dem Test keine Signifikanzschwellen festgelegt, so daß schon deswegen ein gewisser Interpretationsspielraum verbleibt. Aber selbst im günstigsten Fall muß man sagen daß auch bei den Testredakteuren eine erfolgreiche Erkennung der Unterschiede die Ausnahme und nicht die Regel war.
Beim zweiten Test sind die Juroren nicht mehr aufgeschlüsselt, man kann also nicht mehr erkennen wie die Testredakteure gegenüber den übrigen Teilnehmern abgeschnitten haben. Bemerkenswert bei diesem Test ist allerdings daß es im Gesamtergebnis eine geringe Bevorzugung der CD gab, die ja eigentlich als Kopie von der LP höchstens schlechter als diese sein konnte.
Zudem sollte man sich das Alter des Tests vor Augen halten. Die dabei verwendete Technik ist von vor 20 Jahren, und die CD war erst ein paar Jahre auf dem Markt. Die damals verwendeten Top-Wandler werden heute in ihren technischen Daten teilweise von Billig-Chips überboten.
Ein solches Testergebnis also zum Anlaß zu nehmen sich auf die Brust zu klopfen, und wie selbstverständlich zu behaupten man könne alle diese Unterschiede routinemäßig hören und stelle das Monat für Monat unter Beweis, das ist schon eine ziemliche Chutzpe. Man fälscht quasi die eigene Geschichte und hofft darauf daß die Leserschaft schon nicht genauer nachsehen wird. Darauf aufbauend zieht man aus den Tests im Eigeninteresse genau den umgekehrten Schluß der eigentlich angebracht wäre, und stellt sich selbst einen Persilschein aus.
Da kann ich nicht anders als mich als "Internet-Stänkerer" (Audio) zu betätigen: Ich nehme solche Aussagen als einen starken Hinweis darauf daß man bei der Stereoplay tatsächlich keine Bodenhaftung mehr hat was die Einschätzung der Hörfähigkeiten angeht, und die ganze Kritik an deren Tests und Ranglisten finde ich dadurch bestätigt.
Beim Kommentar der Stereo fragt man sich ob man als Satiriker überhaupt etwas dazu schreiben soll, treiben sie die Realsatire doch schon selbst auf die Spitze.
Sie führen angeblich keine Blindtests durch weil man auch schon ohne Blindtests die Unterschiede problemlos hört. Entlarvend, nicht? Als ob es der Zweck von Blindtests wäre, möglichst viele Unterschiede zu hören. Schon klar: Wer Unterschiede hören will sollte sich mit Blindtests gar nicht erst aufhalten. Das ist ein alter Hut, und er illustriert aufs Deutlichste daß ihnen der Zweck eines Blindtests völlig unklar ist, und - so kann man vermuten - auch der Zweck von Tests im Allgemeinen. Um die Realität geht's hier jedenfalls eindeutig nicht, denn wer das Hören eines Unterschieds als Wert an sich betrachtet, der kann die Realität nur als störend betrachten.
Was für eine "freihändige" und jede nüchterne Einstellung zu Blindtests völlig negierende Position die Stereo hat wird aus dem weiteren Text jedenfalls mehr als klar. In gewissem Sinn ist die Antwort der Stereo daher die konsequenteste der drei Antworten. Man hält sich gar nicht erst mit den Tatsachen auf. Wozu Blindtests oder überhaupt Tests da sind, und was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, ist völlig uninteressant. Das Hören von Unterschieden ist zum Zweck in sich geworden, und alles Andere einschließlich der beteiligten Geräte wird zum Hilfsmittel dafür.
Auch die zum Teil wirklich weit ausholenden Analogien stoßen mit ihrer völligen Sinnfreiheit ins gleiche Horn. Wenn sich jemand in einem Gerätevergleich die Unterschiede herbeifabulieren kann, dann kann er ebenso mühelos auch einen Zusammenhang mit der Stringtheorie herbeifabulieren. Freie Assoziation eben, keiner Realität, keiner Seriosität und keiner Nachvollziehbarkeit verpflichtet.
Ich gebe zu: Die Antwort der Stereo amüsiert mich, während mich die beiden anderen eher ärgern. Die Stereo weiß offenbar wenigstens wo sie steht und stehen will. Man hat sich eindeutig für das Audiophilen-Klientel entschieden mitsamt ihrer Weltfremdheit und Hörelite-Dogmatik. Denen liefert man die Denkschablonen und die Dogmen, die Gruppenidentität und das Selbstbewußtsein. Jede zur Schau gestellte Objektivität, falls man sich darum überhaupt bemüht, ist Fassade. Entweder man nimmt das ernst, und ist damit selbst vom dazugehörigen Denkschema infiziert, oder man nimmt es als eine ordentliche Dosis Realsatire, die umso besser ist je ehrlicher die Redakteure von ihrem Gemache überzeugt sind.
Audio und Stereoplay versuchen dagegen eine Grätsche, die eigentlich nicht gut gehen kann. Sie wissen offenbar nicht wo sie stehen und wo sie hin wollen. Entweder man spricht den kritisch denkenden Leser an oder den selbstbezogenen Subjektivisten. Je mehr man sich dem einen zuwendet desto mehr schreckt man den anderen ab. Dabei ist es generell schwieriger, jemanden zu gewinnen als zu verlieren. Das ist das Problem: Auch wenn der Markt eine nüchterne und rationale Zeitschrift durchaus vertragen könnte, ist doch keineswegs klar daß sie auch vom Fleck weg ausreichend Abonnenten bekäme. Das Terrain ist schlicht und einfach vergiftet, die Anhänger einer rationalen Linie sind schon längst vergrault, und ihr Vertrauen ist auch nicht im Handstreich zurückzugewinnen.
Wenn man dazu noch einen Teil seiner eigenen Vergangenheit verleugnen müßte wird's extra schwierig. Der Subjektivismus und die Blindtest-Muffelei sind eine schiefe Ebene, auf der man unweigerlich tiefer rutscht wenn man nicht aktiv dagegen arbeitet. Die Fehler die man auf dem Weg nach unten gemacht hat werden einem auf dem Weg zurück unweigerlich um die Ohren gehauen. Man kann zumindest die kritischen Geister eben nicht für dumm verkaufen und danach wieder ihr Vertrauen einfordern.
Ich glaube daher daß es mit dem Weg zurück nach oben für die Stereoplay und die Audio nichts werden wird. Vorübergehende Tendenzen bei der Audio scheinen schnell wieder untergegangen zu sein, und ich meine auch zu verstehen warum. Es liegt in der Logik der Sache. Bloß wartet auf der schiefen Ebene weiter unten schon die Stereo. Da wird's ungemütlich eng werden.
Bevor ich hier durch meine Kommentare Voreingenommenheit erzeuge solltet Ihr am besten zuerst die Antworten lesen, die Stones hier, hier und hier veröffentlicht hat.
Ich gehe mal in umgekehrter Reihenfolge darauf ein. Der Kommentar der Audio zeigt wie blank die Nerven bei diesem Punkt liegen. Außer Polemik kommt absolut nichts. Wenn man die Tests und die Testergebnisse aus der Zeitschrift bezweifelt und nicht glauben mag daß sich die Testgeräte alle hörbar unterscheiden, dann ist man damit immer noch weit davon entfernt zu behaupten, alle CD-Spieler oder Verstärker klängen gleich. Wenn man aus der "Seriosität" dieser hingekotzten Antwort auf die angebliche Seriosität der durchgeführten Tests schließen kann, dann gute Nacht.
Der Kommentar der Stereoplay ist es schon eher wert daß man sich damit beschäftigt, was nicht heißen soll daß er überzeugender wäre. Sie behaupten immerhin explizit, regelmäßig Blindtests zu machen, und sie auch "Monat für Monat" zu "bestehen". Stattdessen schieben sie den Ball zurück ins andere Feld und behaupten, das öffentlich zu machen würde die Zweifel nicht ausräumen, man könnte schließlich immer einen Vorwand für die Ablehnung finden. Am interessantesten ist dabei der Verweis auf einen öffentlichen Blindtest, den die Stereoplay vor Jahren durchgeführt hatte. Man erweckt den Eindruck als sei der quasi eine Bestätigung für die Position der Stereoplay.
Es wird zwar keine genaue Angabe gemacht, aber es kann sich bei dem angegebenen Test eigentlich bloß um einen im Jahr 1990 veranstalteten Test handeln, über den in der Stereoplay 5/90 und der folgenden Ausgabe ein zweiteiliger Artikel von Karl Breh berichtete. Ich habe Kopien des Artikels vorliegen. Zwar war ich in den 80ern selbst Stereoplay-Abonnent, aber ich hatte das Abo zu früh gekündigt, und außerdem schon lange alle Hefte "entsorgt". Wenn man den Artikel liest und ihn mit dem Stereoplay-Kommentar vergleicht bekommt man einen Eindruck, wie weit die "Legendenbildung" auch bei der Stereoplay selbst schon fortgeschritten ist.
Zuerst zu den faktischen Fehlern: Laut Artikel hat die Jury 30 Leute umfaßt, und nicht 50. Ob das der größte bis dahin veranstaltete öffentliche Blindtest war kann man getrost bezweifeln.
Auch die Beschreibung der Testmethode ist völlig falsch. Auf DAT aufgezeichnet wurde gar nichts. Es gab in Wirklichkeit 2 verschiedene Tests. Der erste Test diente dem Vergleich eines von LP abgespielten Signals mit dem gleichen Signal, das zusätzlich eine A/D-Wandlung und wieder eine D/A-Wandlung durchlaufen hat. Die Frage war also ob eine solche Wandlerkette das Signal merklich verschlechtert. Es wurden dazu die Wandler in einem DAT-Recorder Pioneer D1000 benutzt, aber es sieht nicht danach aus als ob das Band dabei überhaupt lief. Der zweite Test versuchte speziell die CD mit ihrem Mastering-Prozeß zu überprüfen, wozu man von der LP abgespielte Stücke auf CD masterte, so daß man das Original von der LP mit der "Kopie" von der CD vergleichen konnte. Ein DAT-Laufwerk war hier nirgends im Spiel. Hier waren also gegenüber dem ersten Test zusätzlich zu den A/D- und D/A-Wandlern noch der Masteringprozeß der CD im Spiel. Die Wandler waren im zweiten Test natürlich andere als im ersten, beidesmal wird es sich aber um 16-bit/44,1 kHz Wandler gehandelt haben, auch wenn man das so explizit nicht gesagt bekommt.
Auch das Ergebnis stellt sich keineswegs so eindeutig dar wie man es uns heute glauben machen will. Schon bei der Lektüre des Artikels habe ich den Eindruck daß aus den Ergebnissen mehr heraus gelesen wird als drin ist, aber da die Ergebnisse wenigstens detailliert dokumentiert sind, kann man die Tabellen auch selbst studieren und interpretieren. Und die ergeben eben, daß im ersten Test von 9 Testredakteuren mindestens 6 so nahe an einem Zufallsergebnis lagen daß man beim besten Willen nicht davon reden kann daß hier so etwas wie eine Erkennung stattgefunden hat. Eine ordentliche Signifikanzanalyse findet leider nicht statt und es wurden augenscheinlich auch vor dem Test keine Signifikanzschwellen festgelegt, so daß schon deswegen ein gewisser Interpretationsspielraum verbleibt. Aber selbst im günstigsten Fall muß man sagen daß auch bei den Testredakteuren eine erfolgreiche Erkennung der Unterschiede die Ausnahme und nicht die Regel war.
Beim zweiten Test sind die Juroren nicht mehr aufgeschlüsselt, man kann also nicht mehr erkennen wie die Testredakteure gegenüber den übrigen Teilnehmern abgeschnitten haben. Bemerkenswert bei diesem Test ist allerdings daß es im Gesamtergebnis eine geringe Bevorzugung der CD gab, die ja eigentlich als Kopie von der LP höchstens schlechter als diese sein konnte.
Zudem sollte man sich das Alter des Tests vor Augen halten. Die dabei verwendete Technik ist von vor 20 Jahren, und die CD war erst ein paar Jahre auf dem Markt. Die damals verwendeten Top-Wandler werden heute in ihren technischen Daten teilweise von Billig-Chips überboten.
Ein solches Testergebnis also zum Anlaß zu nehmen sich auf die Brust zu klopfen, und wie selbstverständlich zu behaupten man könne alle diese Unterschiede routinemäßig hören und stelle das Monat für Monat unter Beweis, das ist schon eine ziemliche Chutzpe. Man fälscht quasi die eigene Geschichte und hofft darauf daß die Leserschaft schon nicht genauer nachsehen wird. Darauf aufbauend zieht man aus den Tests im Eigeninteresse genau den umgekehrten Schluß der eigentlich angebracht wäre, und stellt sich selbst einen Persilschein aus.
Da kann ich nicht anders als mich als "Internet-Stänkerer" (Audio) zu betätigen: Ich nehme solche Aussagen als einen starken Hinweis darauf daß man bei der Stereoplay tatsächlich keine Bodenhaftung mehr hat was die Einschätzung der Hörfähigkeiten angeht, und die ganze Kritik an deren Tests und Ranglisten finde ich dadurch bestätigt.
Beim Kommentar der Stereo fragt man sich ob man als Satiriker überhaupt etwas dazu schreiben soll, treiben sie die Realsatire doch schon selbst auf die Spitze.
Sie führen angeblich keine Blindtests durch weil man auch schon ohne Blindtests die Unterschiede problemlos hört. Entlarvend, nicht? Als ob es der Zweck von Blindtests wäre, möglichst viele Unterschiede zu hören. Schon klar: Wer Unterschiede hören will sollte sich mit Blindtests gar nicht erst aufhalten. Das ist ein alter Hut, und er illustriert aufs Deutlichste daß ihnen der Zweck eines Blindtests völlig unklar ist, und - so kann man vermuten - auch der Zweck von Tests im Allgemeinen. Um die Realität geht's hier jedenfalls eindeutig nicht, denn wer das Hören eines Unterschieds als Wert an sich betrachtet, der kann die Realität nur als störend betrachten.
Was für eine "freihändige" und jede nüchterne Einstellung zu Blindtests völlig negierende Position die Stereo hat wird aus dem weiteren Text jedenfalls mehr als klar. In gewissem Sinn ist die Antwort der Stereo daher die konsequenteste der drei Antworten. Man hält sich gar nicht erst mit den Tatsachen auf. Wozu Blindtests oder überhaupt Tests da sind, und was die Wissenschaft dazu zu sagen hat, ist völlig uninteressant. Das Hören von Unterschieden ist zum Zweck in sich geworden, und alles Andere einschließlich der beteiligten Geräte wird zum Hilfsmittel dafür.
Auch die zum Teil wirklich weit ausholenden Analogien stoßen mit ihrer völligen Sinnfreiheit ins gleiche Horn. Wenn sich jemand in einem Gerätevergleich die Unterschiede herbeifabulieren kann, dann kann er ebenso mühelos auch einen Zusammenhang mit der Stringtheorie herbeifabulieren. Freie Assoziation eben, keiner Realität, keiner Seriosität und keiner Nachvollziehbarkeit verpflichtet.
Ich gebe zu: Die Antwort der Stereo amüsiert mich, während mich die beiden anderen eher ärgern. Die Stereo weiß offenbar wenigstens wo sie steht und stehen will. Man hat sich eindeutig für das Audiophilen-Klientel entschieden mitsamt ihrer Weltfremdheit und Hörelite-Dogmatik. Denen liefert man die Denkschablonen und die Dogmen, die Gruppenidentität und das Selbstbewußtsein. Jede zur Schau gestellte Objektivität, falls man sich darum überhaupt bemüht, ist Fassade. Entweder man nimmt das ernst, und ist damit selbst vom dazugehörigen Denkschema infiziert, oder man nimmt es als eine ordentliche Dosis Realsatire, die umso besser ist je ehrlicher die Redakteure von ihrem Gemache überzeugt sind.
Audio und Stereoplay versuchen dagegen eine Grätsche, die eigentlich nicht gut gehen kann. Sie wissen offenbar nicht wo sie stehen und wo sie hin wollen. Entweder man spricht den kritisch denkenden Leser an oder den selbstbezogenen Subjektivisten. Je mehr man sich dem einen zuwendet desto mehr schreckt man den anderen ab. Dabei ist es generell schwieriger, jemanden zu gewinnen als zu verlieren. Das ist das Problem: Auch wenn der Markt eine nüchterne und rationale Zeitschrift durchaus vertragen könnte, ist doch keineswegs klar daß sie auch vom Fleck weg ausreichend Abonnenten bekäme. Das Terrain ist schlicht und einfach vergiftet, die Anhänger einer rationalen Linie sind schon längst vergrault, und ihr Vertrauen ist auch nicht im Handstreich zurückzugewinnen.
Wenn man dazu noch einen Teil seiner eigenen Vergangenheit verleugnen müßte wird's extra schwierig. Der Subjektivismus und die Blindtest-Muffelei sind eine schiefe Ebene, auf der man unweigerlich tiefer rutscht wenn man nicht aktiv dagegen arbeitet. Die Fehler die man auf dem Weg nach unten gemacht hat werden einem auf dem Weg zurück unweigerlich um die Ohren gehauen. Man kann zumindest die kritischen Geister eben nicht für dumm verkaufen und danach wieder ihr Vertrauen einfordern.
Ich glaube daher daß es mit dem Weg zurück nach oben für die Stereoplay und die Audio nichts werden wird. Vorübergehende Tendenzen bei der Audio scheinen schnell wieder untergegangen zu sein, und ich meine auch zu verstehen warum. Es liegt in der Logik der Sache. Bloß wartet auf der schiefen Ebene weiter unten schon die Stereo. Da wird's ungemütlich eng werden.
Sonntag, 22. März 2009
Kopfhörer und technische Daten - ein Elend
Oft frage ich mich warum ein Hersteller für sein Produkt technische Daten angibt, wenn man damit sowieso nichts anfangen kann. Der Laie kann damit nichts anfangen weil er eben ein Laie ist, und der Fachmann kann nichts damit anfangen weil die Angaben zu undetailliert, oder zu vage sind.
Gerade ärgere ich mich zum Beispiel mal wieder über die Situation bei Kopfhörern und den zugehörigen Kopfhörerverstärkern. Im Speziellen geht's mir hier mal um die Situation bei den Impedanzen.
Zuerst einmal zum Problem, warum die Impedanzen überhaupt interessieren.
Die Impedanz des Kopfhörers bildet mit der Quellimpedanz des Verstärkers einen Spannungsteiler. Wäre das Teilerverhältnis über die Frequenz immer gleich, dann würde das keine Rolle spielen, denn es hätte keine Auswirkungen auf den Frequenzgang des Kopfhörers. Davon kann man aber leider nicht ausgehen, denn die Impedanz eines Kopfhörers ist über die Frequenz meist nicht konstant. Die Quellimpedanz des Verstärkers dagegen ist das weitgehend schon. Das Ergebnis ist ein Frequenzgang des Kopfhörers, der je nach Quellimpedanz des Verstärkers variiert. Der Klang des Kopfhörers ist also in gewissen Grenzen davon abhängig welchen Verstärker man benutzt. Kopfhörerverstärker haben unterschiedliche Quellimpedanzen, und Die richtige Quellimpedanz existiert nicht.
Nun gut, die Audiophilen wußten das schon lange, bloß wissen viele davon nicht daß das an einem Bauteil im Ausgang des Verstärkers liegen kann, das wenige Cent wert ist. Stattdessen vermutet man lieber Silberdrähte, Kondensatoren, resonanzarme Gehäuse oder hölzerne Volume-Knöpfe als Ursache.
Aber Audiophilie beiseite, was aus dieser Situation folgt ist mehrerlei:
Immerhin, es wird eine Norm-Quellimpedanz von 120 Ω angegeben, und das ist ja schon etwas woran man sich halten kann. Falls man nichts Näheres liest, müßte man also davon ausgehen daß das die Quellimpedanz ist bei der die Hersteller ihre Messungen gemacht haben. Und bei eben dieser Quellimpedanz müßten in Ermangelung expliziter Angaben auch die Messungen anderer Leute, wie z.B. der Produkt-Tester von Zeitschriften, gemacht werden.
Auf der Webseite von HeadRoom kann man zum Beispiel etliche Frequenzgänge und Impedanzkurven ansehen, und sie beschreiben auch wie sie messen. Bloß was erfährt man nicht? Genau: Die Quellimpedanz. Lediglich angegeben wird das Verstärkermodell das sie verwenden, wenn man aber nachforscht was der wohl für eine Impedanz hat, dann findet man eine alte Bedienungsanleitung in der gar keine technischen Daten stehen. Vielleicht kann hier ja ein Leser aushelfen. Man müßte in dieser Situation eigentlich annehmen, daß es sich bei der Quellimpedanz um 120 Ω handelt, aber ich habe den leisen Verdacht daß es sich um einen sehr niederohmigen Verstärker handeln könnte, wie es unter "High-End"-Verstärkern öfter der Fall ist.
Wir können ja mal an einem Beispiel durchspielen was das für Auswirkungen hat. Die erwähnte Webseite zeigt für den AKG K240 diesen Impedanzschrieb, aus dem hervorgeht daß über weite Strecken die Impedanz um die 55 Ω beträgt, bei 100 Hz ist aber eine Resonanzstelle bei der sie auf 150 Ω ansteigt. Wenn nun hypothetischerweise der Frequenzgang bei 0 Ω Quellimpedanz schnurgerade wäre, dann hätte man bei 120 Ω Quellimpedanz einen Buckel bei 100 Hz von ca. 5 dB. Der Kopfhörer hätte also bei größerer Quellimpedanz deutlich mehr Tiefbass.
Natürlich macht eine höhere Quellimpedanz den Kopfhörer auch leiser, aber das kann man mit dem Lautstärkeknopf leicht ausgleichen. Angesichts der geringen benötigten Leistungen ist auch der Verlust im 120 Ω Widerstand im Verstärker unbedeutend.
Wenn eine Quellimpedanz solche Einflusse hat, warum macht man dann nicht alle Kopfhörer-Verstärker und die Normen gleich so daß man bei 0 Ω Quellimpedanz arbeitet, wie bei Lautsprechern auch? Immerhin fällt so eine Variable weg. Abgesehen von den "historischen Gründen", die man hier immer wieder anführen kann, ist mein Verdacht daß man dabei vor allem denjenigen Herstellern entgegen kommt, die den Kopfhörerausgang an einem Verstärker einfach durch Vorwiderstand vom normalen Verstärkerausgang abzweigen, statt für den Kopfhörer eine eigene Verstärkerstufe zu spendieren.
Eigentlich ist das aber Quark, und in Zeiten wie heute wo viele Kopfhörer eher niedrige Impedanzen haben, damit sie auch von niedrigen Spannungen noch laut genug getrieben werden können, wie man es bei MP3-Spielern und anderem tragbaren Zeug findet, ist eine Quellimpedanz von 120 Ω eigentlich ein Anachronismus. Wenn man einen niederohmigen Kopfhörer bei einer so hohen Quellimpedanz mißt, dann sind die elektrischen Verhältnisse bei der Messung drastisch anders als im normalen Betrieb, und die Meßergebnisse werden eine sehr fragliche Relevanz haben. Speziell die aufgenommene Frequenzgangkurve wird also unter Umständen ganz anders aussehen als im Normalbetrieb.
Für die Beteiligten am Markt entsteht dadurch eine eigentlich unmögliche Situation. Wenn der Hersteller des Kopfhörers den Frequenzgang so auslegt daß er bei 120 Ohm Quellimpedanz am ehesten "paßt", dann wird es an "Kleingeräten" oder vielen Kopfhörerverstärkern tendenziell falsch klingen, wo die Impedanzen viel kleiner sind. Dem könnte er entgegen wirken indem er versucht die Impedanzkurve möglichst linear zu machen, aber das erfordert entweder Zusatzaufwand in Form eines Zusatznetzwerks (wo bringt man die Bauteile unter?), oder es schränkt einen bei der Konstruktion des Systems zu stark ein.
Orientiert sich der Hersteller eher an niedrigen Quellimpedanzen, dann wird ein unter Normbedingungen aufgenommener Frequenzschrieb einen falschen Eindruck erzeugen. Außerdem klingt's dann am Kopfhörerausgang eines normalen Verstärkers womöglich falsch.
Und wie soll man dann Kopfhörer testen? Welche Quellimpedanz legt man zugrunde? Und egal welche man zugrunde legt, das Ergebnis wird nicht für alle Leser und Kunden nachvollziehbar sein, denn nicht alle werden die gleiche Quellimpedanz in ihrem Gerät haben.
Bisher kommt es mir so vor als ob das Problem von allen Beteiligten ignoriert wird. Nachvollziehbare und aussagekräftige Informationen will man offenbar gar nicht verbreiten, lieber produziert man sinnloses und inhaltsleeres Klanggeschwafel, mit dem niemand etwas anfangen kann.
Nachtrag: Ich bin noch auf eine Untersuchung aufmerksam geworden, die bei Sennheiser gemacht wurde, einschließlich damit verbundener Hörtests. Auf der Tonmeistertagung 1990 haben zwei Mitarbeiter darüber berichtet. Der Beitrag ist im Tagungsband enthalten (Dellbrügge, Sander-Röttcher: "Einfluß des Verstärker-Innenwiderstandes auf die Klangeigenschaften von Kopfhörern"). Hier ihre Zusammenfassung:
Gerade ärgere ich mich zum Beispiel mal wieder über die Situation bei Kopfhörern und den zugehörigen Kopfhörerverstärkern. Im Speziellen geht's mir hier mal um die Situation bei den Impedanzen.
Zuerst einmal zum Problem, warum die Impedanzen überhaupt interessieren.
Die Impedanz des Kopfhörers bildet mit der Quellimpedanz des Verstärkers einen Spannungsteiler. Wäre das Teilerverhältnis über die Frequenz immer gleich, dann würde das keine Rolle spielen, denn es hätte keine Auswirkungen auf den Frequenzgang des Kopfhörers. Davon kann man aber leider nicht ausgehen, denn die Impedanz eines Kopfhörers ist über die Frequenz meist nicht konstant. Die Quellimpedanz des Verstärkers dagegen ist das weitgehend schon. Das Ergebnis ist ein Frequenzgang des Kopfhörers, der je nach Quellimpedanz des Verstärkers variiert. Der Klang des Kopfhörers ist also in gewissen Grenzen davon abhängig welchen Verstärker man benutzt. Kopfhörerverstärker haben unterschiedliche Quellimpedanzen, und Die richtige Quellimpedanz existiert nicht.
Nun gut, die Audiophilen wußten das schon lange, bloß wissen viele davon nicht daß das an einem Bauteil im Ausgang des Verstärkers liegen kann, das wenige Cent wert ist. Stattdessen vermutet man lieber Silberdrähte, Kondensatoren, resonanzarme Gehäuse oder hölzerne Volume-Knöpfe als Ursache.
Aber Audiophilie beiseite, was aus dieser Situation folgt ist mehrerlei:
- Durch einen einzelnen Zahlenwert wie die "Nennimpedanz" ist der Kopfhörer nicht ausreichend beschrieben. Man bräuchte die Impedanzkurve über die Frequenz. Leider ist es nicht allgemein üblich die in den technischen Daten anzugeben, obwohl sie für die Hersteller einfach zu messen wäre.
- Die Quellimpedanz eines Kopfhörerverstärkers ist eine wichtige Information und sollte in den technischen Daten stehen.
- Klangbeschreibungen eines Kopfhörers sagen nicht viel aus wenn man nicht weiß bei welcher Quellimpedanz sie zustande kamen. Na gut, Klangbeschreibungen sagen oft sowieso sehr wenig aus, dann kommt's darauf vielleicht auch nicht mehr an...
- Der Hersteller eines Kopfhörers müßte eigentlich dazu schreiben welche Quellimpedanz er empfiehlt, und insbesondere bei welcher Quellimpedanz er seine Messungen gemacht hat.
"The performance of most types of headphones depends very little on the source impedance. However, in order to allow headphones of widely different impedances to be reasonably well-matched, in terms of the sound pressure level produced, to a single headphone output on other equipment, IEC 60268-15 at present specifies a source impedance of 120 Ω, intermediate between the lowest and highest likely impedances of available headphones. It is thus important for the manufacturer to specify the rated source impedance, particularly if, for some reason, it is not 120 Ω."Womit sie recht haben ist daß man die Quellimpedanz angeben sollte, zumindest wenn sie nicht 120 Ω beträgt. Wie man aber auf die Idee kommen kann das spiele kaum eine Rolle, das ist mir schleierhaft. Es gibt auf dem Markt viele Kopfhörer, deren Impedanz über die Frequenz so stark schwankt daß unterschiedliche Quellimpedanzen etliche dB an Einfluß auf den Frequenzgang hat, und der Effekt kann deutlich hörbar sein.
Immerhin, es wird eine Norm-Quellimpedanz von 120 Ω angegeben, und das ist ja schon etwas woran man sich halten kann. Falls man nichts Näheres liest, müßte man also davon ausgehen daß das die Quellimpedanz ist bei der die Hersteller ihre Messungen gemacht haben. Und bei eben dieser Quellimpedanz müßten in Ermangelung expliziter Angaben auch die Messungen anderer Leute, wie z.B. der Produkt-Tester von Zeitschriften, gemacht werden.
Auf der Webseite von HeadRoom kann man zum Beispiel etliche Frequenzgänge und Impedanzkurven ansehen, und sie beschreiben auch wie sie messen. Bloß was erfährt man nicht? Genau: Die Quellimpedanz. Lediglich angegeben wird das Verstärkermodell das sie verwenden, wenn man aber nachforscht was der wohl für eine Impedanz hat, dann findet man eine alte Bedienungsanleitung in der gar keine technischen Daten stehen. Vielleicht kann hier ja ein Leser aushelfen. Man müßte in dieser Situation eigentlich annehmen, daß es sich bei der Quellimpedanz um 120 Ω handelt, aber ich habe den leisen Verdacht daß es sich um einen sehr niederohmigen Verstärker handeln könnte, wie es unter "High-End"-Verstärkern öfter der Fall ist.
Wir können ja mal an einem Beispiel durchspielen was das für Auswirkungen hat. Die erwähnte Webseite zeigt für den AKG K240 diesen Impedanzschrieb, aus dem hervorgeht daß über weite Strecken die Impedanz um die 55 Ω beträgt, bei 100 Hz ist aber eine Resonanzstelle bei der sie auf 150 Ω ansteigt. Wenn nun hypothetischerweise der Frequenzgang bei 0 Ω Quellimpedanz schnurgerade wäre, dann hätte man bei 120 Ω Quellimpedanz einen Buckel bei 100 Hz von ca. 5 dB. Der Kopfhörer hätte also bei größerer Quellimpedanz deutlich mehr Tiefbass.
Natürlich macht eine höhere Quellimpedanz den Kopfhörer auch leiser, aber das kann man mit dem Lautstärkeknopf leicht ausgleichen. Angesichts der geringen benötigten Leistungen ist auch der Verlust im 120 Ω Widerstand im Verstärker unbedeutend.
Wenn eine Quellimpedanz solche Einflusse hat, warum macht man dann nicht alle Kopfhörer-Verstärker und die Normen gleich so daß man bei 0 Ω Quellimpedanz arbeitet, wie bei Lautsprechern auch? Immerhin fällt so eine Variable weg. Abgesehen von den "historischen Gründen", die man hier immer wieder anführen kann, ist mein Verdacht daß man dabei vor allem denjenigen Herstellern entgegen kommt, die den Kopfhörerausgang an einem Verstärker einfach durch Vorwiderstand vom normalen Verstärkerausgang abzweigen, statt für den Kopfhörer eine eigene Verstärkerstufe zu spendieren.
Eigentlich ist das aber Quark, und in Zeiten wie heute wo viele Kopfhörer eher niedrige Impedanzen haben, damit sie auch von niedrigen Spannungen noch laut genug getrieben werden können, wie man es bei MP3-Spielern und anderem tragbaren Zeug findet, ist eine Quellimpedanz von 120 Ω eigentlich ein Anachronismus. Wenn man einen niederohmigen Kopfhörer bei einer so hohen Quellimpedanz mißt, dann sind die elektrischen Verhältnisse bei der Messung drastisch anders als im normalen Betrieb, und die Meßergebnisse werden eine sehr fragliche Relevanz haben. Speziell die aufgenommene Frequenzgangkurve wird also unter Umständen ganz anders aussehen als im Normalbetrieb.
Für die Beteiligten am Markt entsteht dadurch eine eigentlich unmögliche Situation. Wenn der Hersteller des Kopfhörers den Frequenzgang so auslegt daß er bei 120 Ohm Quellimpedanz am ehesten "paßt", dann wird es an "Kleingeräten" oder vielen Kopfhörerverstärkern tendenziell falsch klingen, wo die Impedanzen viel kleiner sind. Dem könnte er entgegen wirken indem er versucht die Impedanzkurve möglichst linear zu machen, aber das erfordert entweder Zusatzaufwand in Form eines Zusatznetzwerks (wo bringt man die Bauteile unter?), oder es schränkt einen bei der Konstruktion des Systems zu stark ein.
Orientiert sich der Hersteller eher an niedrigen Quellimpedanzen, dann wird ein unter Normbedingungen aufgenommener Frequenzschrieb einen falschen Eindruck erzeugen. Außerdem klingt's dann am Kopfhörerausgang eines normalen Verstärkers womöglich falsch.
Und wie soll man dann Kopfhörer testen? Welche Quellimpedanz legt man zugrunde? Und egal welche man zugrunde legt, das Ergebnis wird nicht für alle Leser und Kunden nachvollziehbar sein, denn nicht alle werden die gleiche Quellimpedanz in ihrem Gerät haben.
Bisher kommt es mir so vor als ob das Problem von allen Beteiligten ignoriert wird. Nachvollziehbare und aussagekräftige Informationen will man offenbar gar nicht verbreiten, lieber produziert man sinnloses und inhaltsleeres Klanggeschwafel, mit dem niemand etwas anfangen kann.
Nachtrag: Ich bin noch auf eine Untersuchung aufmerksam geworden, die bei Sennheiser gemacht wurde, einschließlich damit verbundener Hörtests. Auf der Tonmeistertagung 1990 haben zwei Mitarbeiter darüber berichtet. Der Beitrag ist im Tagungsband enthalten (Dellbrügge, Sander-Röttcher: "Einfluß des Verstärker-Innenwiderstandes auf die Klangeigenschaften von Kopfhörern"). Hier ihre Zusammenfassung:
"Die vorliegende Untersuchung zeigt, daß der Innenwiderstand des Kopfhörerverstärkers bei Audioverstärkern einen nicht vernachlässigbaren Einfluß auf die klanglichen Eigenschaften eines Kopfhörers hat. Entscheidend dafür ist der Impedanzverlauf des Hörers.Bei Kopfhörern mit glattem Impedanzverlauf war auch bei großem Innenwiderstand keine Klangveränderung hörbar, bei Hörern, deren Impedanzverläufe deutliche Überhöhungen aufwiesen, machte sich dies durch Höhen- oder Tiefenanhebung bei Veränderungen des Innenwiderstandes bemerkbar. Die Ergebnisse der Hörversuche werden durch die gemessenen Frequenzgänge bestätigt, bleiben die Pegeldifferenzen unterhalb von 0,5 dB, so ist dieses mit dem Ohr nicht mehr wahrnehmbar. Bei der Messung der Impulsantworten stellte sich heraus, daß die Unterschiede in Frequenzbereich wesentlich deutlicher zu erkennen waren als in den Zeitsignalen."Also ein alter Hut. Ich bin 20 Jahre zu spät dran. Bloß geändert hat sich absolut nichts, das Problem ist heute das Gleiche wie damals.
Sonntag, 15. März 2009
Die audiophile Kränkung
Seit Sigmund Freud 1917 ein bißchen zu großspurig von den drei großen Kränkungen der Menschheit schrieb hat es immer wieder Leute gegeben, die der Liste weitere "große" Kränkungen hinzugefügt haben. Ein gewisser Hang zur Numerologie ist dabei recht auffällig, denn anscheinend muß es immer eine "magische" Zahl von Kränkungen sein, wie z.B. drei, vier, sieben, zehn oder zwölf. Gerhard Vollmer schreibt zum Beispiel von den sieben Kränkungen, obwohl er im Text dann je nach Zählung neun oder zehn Kränkungen erwähnt. Sieben fand er wohl irgendwie besser für die Überschrift. Über sieben Brücken mußt Du gehn, sieben Kränkungen überstehn, lalala.
Für mein Blog würde sich aus naheliegenden Gründen die "teuflische Zahl" Dreizehn empfehlen (auf 666 Kränkungen zu kommen ist mir zu anstrengend). Der Einfachheit halber lege ich daher die zwölf Kränkungen aus dem Manifest des evolutionären Humanismus zugrunde, dann brauche ich bloß noch eine Kränkung hinzuzufügen, nämlich die meiner Mentalität am besten entsprechende "Audiophile Kränkung".
Die audiophile Kränkung besteht darin, daß das narzisstische Selbstbildnis des Audiophilen, in dem er sich überragende und objektive Hörfähigkeiten bescheinigt, durch wissenschaftliche Erkenntnisse und neutrale Hörtests immer wieder aufs gröblichste verletzt wird. Der Audiophile steht nicht im Zentrum des Universums (Kopernikus), er steht auch nicht an der Spitze aller Lebensformen (Darwin), ist dazu noch nicht mal der Herr im eigenen psychologischen Haus (Freud), und jetzt soll er auch noch Dinge hören die's gar nicht gibt (pelmazo). Was bleibt dann noch übrig? Wofür lohnt es sich noch zu leben?
Es zeigt sich hier wieder auf das Deutlichste daß Wissenschaft eigentlich die Beschäftigung von Sadisten ist. Die Wissenschaftler lieben es, der Welt die unwillkommenen Wahrheiten um die verstopften Ohren zu hauen, und weiden sich daran wie sich die derart Beglückten winden und schlängeln, um die Konsequenzen aus diesen Wahrheiten nicht ziehen zu müssen. Besondere Glücksgefühle empfindet der Wissenschaftler-Sadist und Klugscheißer wenn er dem Opfer am Ende einer Serie erfolgloser Ausweichmanöver sein verächtliches "ich hab Dir's gleich gesagt, aber Du wolltest es ja nicht hören" reindrückt. Siehe zum Beispiel die Klimadebatte. Wartet erst mal ab wie's zugeht wenn demnächst mal unvorhersehbarerweise das Erdöl alle ist. Wie viele Klugscheißer man da wird ertragen müssen die das schon immer gesagt haben wollen.
Wenn man schon nicht im Zentrum des ganz großen Universums stehen kann, dann kann man sich immer noch sein eigenes ganz privates Universum erschaffen, in dem man im Zentrum steht. So mache ich es hier mit meinem Blog, und auch der Audiophile erschafft sich sein eigenes Klanguniversum, in dessen Zentrum er herrscht, und keinen Zweifel über sich kommen läßt. Und er erschuf seine Kette und hörte daß es gut war. Bis sich vielleicht irgendwann herausstellt daß es nicht so hundertprozentig gut war und eine Sintflut oder ein Sodom und Gomorra nötig wird, um die Kette zu optimieren. Um das Letzte herauszuholen beauftragt er gelegentlich einen Propheten, der der Schöpfung hier und da ein Tuning angedeihen läßt.
Der Audiophile ist so lange unangefochtener Herrscher in seinem Universum, so lange er allein über den Klang entscheidet. Was gut ist und was nicht muß dem Zugriff von Außen, von Apparaten und von Theorien, entzogen sein. Audiophil ist man nur wenn man über die Meßbarkeit erhaben ist. Der Grundsatz audiophilen Glaubens, daß das menschliche (bzw. das audiophile) Gehör jedem Meßgerät überlegen ist, ist daher keine Erfahrungstatsache oder Schlußfolgerung aus irgendwelchen Beobachtungen, sondern er ist das Basisdogma und damit das zentrale Fundament der Audiophilie. Audiophilie ohne den Glauben an die Überlegenheit des Gehörs wäre so wie Christentum ohne Christus. So wie der Christ weiß daß Christus existiert hat (und existiert), so weiß der Audiophile daß sein Gehör jeder Meßtechnik überlegen ist, und wenn er auch sonst nichts von der Meßtechnik versteht.
So wie jeder Christ instinktiv spürt das er ohne Christus seinen ganzen Glauben in der Pfeife rauchen kann, so spürt der Audiophile, daß seine Audiophilie hinfällig wird, wenn sich sein Gehör als fehlerhaft, willkürlich und unberechenbar erweist, einem schnöden Apparat unterlegen. Die Bemühungen von Wissenschaftlern, mehr darüber herauszufinden, werden daher so lange begrüßt, so lange kein Risiko besteht daß das Fundament zum Schwanken gebracht wird. Bei Jesus wird jede Entdeckung begrüßt, die die biblische Legende stützt, aber wenn mal jemand anfängt an seiner historischen Existenz zu zweifeln, oder an seiner Auferstehung, dann ist der Spaß vorüber und der Nerv blank (siehe z.B. Gerd Lüdemann). Auch der Audiophile beklagt gern daß man über das Gehör noch viel zu wenig wisse und es noch viel zu forschen gebe, und ignoriert darüber völlig alles das was man schon weiß, speziell wenn es an diesem Bild der Überlegenheit rüttelt. In beiden Fällen gibt es Tabuzonen, Bereiche in denen die Wissenschaft nichts zu suchen hat, aus denen man sie am liebsten für immer aussperren würde, um das "Mysterium" zu bewahren. Wobei das Mysterium letztlich für den eigenen Narzissmus steht, auch wenn viele Audiophile darin gerne ihre eigene angebliche Genußfähigkeit und Emotionalität verherrlichen.
Die aufeinanderfolgende Reihe der Kränkungen hat man mit einer Sägezahnkurve verglichen, wo dem Absturz aufgrund einer kränkenden wissenschaftlichen Entdeckung eine Erholung folgt, bei der sich das narzisstische Ego wieder stabilisieren kann und sich mittels Ausweich-, Verdrängungs- und Verarbeitungstricks mit der neuen Lage arrangiert, bis die nächste grundlegende Entdeckung den nächsten Absturz hervorruft. Immer scheint es aber erstaunlich lange zu dauern, bis sich so etwas wie eine Akzeptanz der Entdeckung auch bis in alle Nischen fortgepflanzt hat. Man bedenke daß die letzten Ausläufer der Überzeugung, die Erde sei flach und nicht kugelförmig, noch bis weit in das 20. Jahrhundert zu verfolgen sind, als bereits Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen wurden. Wir können also gerade einmal knapp behaupten daß die erste Kränkung, die mit dem Namen des Kopernikus verbunden ist, obwohl sie weiter zurück reicht, heute als überwunden und verarbeitet gelten kann. Schon bei der zweiten Kränkung, mit Darwin's Namen verbunden, sind wir davon noch weit entfernt, obwohl die wissenschaftlichen Grundlagen dafür auf ähnlich sicherem Boden stehen wie bei Kopernikus, und obwohl seither 150 Jahre Zeit zur Gewöhnung war.
Ich will daher gar nicht spekulieren wie lange es wohl dauern wird bis die Menschheit auf breiter Front eingesehen hat, daß ihr Gehör "nichts taugt" (Ihr wißt wie ich's meine...), und sich die Audiophilie so überlebt hat wie die Flat Earth Society. Ich nehme nicht an daß ich das erleben werde. In der Zwischenzeit wird es ein zähes Rückzugsgefecht geben, aber rückwärts wird es für Audiophile auf jeden Fall gehen, wie immer wenn man seinen Glauben an das heftet was die Wissenschaft (angeblich) noch nicht weiß. Gerhard Vollmer schrieb 1994:
Für mein Blog würde sich aus naheliegenden Gründen die "teuflische Zahl" Dreizehn empfehlen (auf 666 Kränkungen zu kommen ist mir zu anstrengend). Der Einfachheit halber lege ich daher die zwölf Kränkungen aus dem Manifest des evolutionären Humanismus zugrunde, dann brauche ich bloß noch eine Kränkung hinzuzufügen, nämlich die meiner Mentalität am besten entsprechende "Audiophile Kränkung".
Die audiophile Kränkung besteht darin, daß das narzisstische Selbstbildnis des Audiophilen, in dem er sich überragende und objektive Hörfähigkeiten bescheinigt, durch wissenschaftliche Erkenntnisse und neutrale Hörtests immer wieder aufs gröblichste verletzt wird. Der Audiophile steht nicht im Zentrum des Universums (Kopernikus), er steht auch nicht an der Spitze aller Lebensformen (Darwin), ist dazu noch nicht mal der Herr im eigenen psychologischen Haus (Freud), und jetzt soll er auch noch Dinge hören die's gar nicht gibt (pelmazo). Was bleibt dann noch übrig? Wofür lohnt es sich noch zu leben?
Es zeigt sich hier wieder auf das Deutlichste daß Wissenschaft eigentlich die Beschäftigung von Sadisten ist. Die Wissenschaftler lieben es, der Welt die unwillkommenen Wahrheiten um die verstopften Ohren zu hauen, und weiden sich daran wie sich die derart Beglückten winden und schlängeln, um die Konsequenzen aus diesen Wahrheiten nicht ziehen zu müssen. Besondere Glücksgefühle empfindet der Wissenschaftler-Sadist und Klugscheißer wenn er dem Opfer am Ende einer Serie erfolgloser Ausweichmanöver sein verächtliches "ich hab Dir's gleich gesagt, aber Du wolltest es ja nicht hören" reindrückt. Siehe zum Beispiel die Klimadebatte. Wartet erst mal ab wie's zugeht wenn demnächst mal unvorhersehbarerweise das Erdöl alle ist. Wie viele Klugscheißer man da wird ertragen müssen die das schon immer gesagt haben wollen.
Wenn man schon nicht im Zentrum des ganz großen Universums stehen kann, dann kann man sich immer noch sein eigenes ganz privates Universum erschaffen, in dem man im Zentrum steht. So mache ich es hier mit meinem Blog, und auch der Audiophile erschafft sich sein eigenes Klanguniversum, in dessen Zentrum er herrscht, und keinen Zweifel über sich kommen läßt. Und er erschuf seine Kette und hörte daß es gut war. Bis sich vielleicht irgendwann herausstellt daß es nicht so hundertprozentig gut war und eine Sintflut oder ein Sodom und Gomorra nötig wird, um die Kette zu optimieren. Um das Letzte herauszuholen beauftragt er gelegentlich einen Propheten, der der Schöpfung hier und da ein Tuning angedeihen läßt.
Der Audiophile ist so lange unangefochtener Herrscher in seinem Universum, so lange er allein über den Klang entscheidet. Was gut ist und was nicht muß dem Zugriff von Außen, von Apparaten und von Theorien, entzogen sein. Audiophil ist man nur wenn man über die Meßbarkeit erhaben ist. Der Grundsatz audiophilen Glaubens, daß das menschliche (bzw. das audiophile) Gehör jedem Meßgerät überlegen ist, ist daher keine Erfahrungstatsache oder Schlußfolgerung aus irgendwelchen Beobachtungen, sondern er ist das Basisdogma und damit das zentrale Fundament der Audiophilie. Audiophilie ohne den Glauben an die Überlegenheit des Gehörs wäre so wie Christentum ohne Christus. So wie der Christ weiß daß Christus existiert hat (und existiert), so weiß der Audiophile daß sein Gehör jeder Meßtechnik überlegen ist, und wenn er auch sonst nichts von der Meßtechnik versteht.
So wie jeder Christ instinktiv spürt das er ohne Christus seinen ganzen Glauben in der Pfeife rauchen kann, so spürt der Audiophile, daß seine Audiophilie hinfällig wird, wenn sich sein Gehör als fehlerhaft, willkürlich und unberechenbar erweist, einem schnöden Apparat unterlegen. Die Bemühungen von Wissenschaftlern, mehr darüber herauszufinden, werden daher so lange begrüßt, so lange kein Risiko besteht daß das Fundament zum Schwanken gebracht wird. Bei Jesus wird jede Entdeckung begrüßt, die die biblische Legende stützt, aber wenn mal jemand anfängt an seiner historischen Existenz zu zweifeln, oder an seiner Auferstehung, dann ist der Spaß vorüber und der Nerv blank (siehe z.B. Gerd Lüdemann). Auch der Audiophile beklagt gern daß man über das Gehör noch viel zu wenig wisse und es noch viel zu forschen gebe, und ignoriert darüber völlig alles das was man schon weiß, speziell wenn es an diesem Bild der Überlegenheit rüttelt. In beiden Fällen gibt es Tabuzonen, Bereiche in denen die Wissenschaft nichts zu suchen hat, aus denen man sie am liebsten für immer aussperren würde, um das "Mysterium" zu bewahren. Wobei das Mysterium letztlich für den eigenen Narzissmus steht, auch wenn viele Audiophile darin gerne ihre eigene angebliche Genußfähigkeit und Emotionalität verherrlichen.
Die aufeinanderfolgende Reihe der Kränkungen hat man mit einer Sägezahnkurve verglichen, wo dem Absturz aufgrund einer kränkenden wissenschaftlichen Entdeckung eine Erholung folgt, bei der sich das narzisstische Ego wieder stabilisieren kann und sich mittels Ausweich-, Verdrängungs- und Verarbeitungstricks mit der neuen Lage arrangiert, bis die nächste grundlegende Entdeckung den nächsten Absturz hervorruft. Immer scheint es aber erstaunlich lange zu dauern, bis sich so etwas wie eine Akzeptanz der Entdeckung auch bis in alle Nischen fortgepflanzt hat. Man bedenke daß die letzten Ausläufer der Überzeugung, die Erde sei flach und nicht kugelförmig, noch bis weit in das 20. Jahrhundert zu verfolgen sind, als bereits Satelliten in die Erdumlaufbahn geschossen wurden. Wir können also gerade einmal knapp behaupten daß die erste Kränkung, die mit dem Namen des Kopernikus verbunden ist, obwohl sie weiter zurück reicht, heute als überwunden und verarbeitet gelten kann. Schon bei der zweiten Kränkung, mit Darwin's Namen verbunden, sind wir davon noch weit entfernt, obwohl die wissenschaftlichen Grundlagen dafür auf ähnlich sicherem Boden stehen wie bei Kopernikus, und obwohl seither 150 Jahre Zeit zur Gewöhnung war.
Ich will daher gar nicht spekulieren wie lange es wohl dauern wird bis die Menschheit auf breiter Front eingesehen hat, daß ihr Gehör "nichts taugt" (Ihr wißt wie ich's meine...), und sich die Audiophilie so überlebt hat wie die Flat Earth Society. Ich nehme nicht an daß ich das erleben werde. In der Zwischenzeit wird es ein zähes Rückzugsgefecht geben, aber rückwärts wird es für Audiophile auf jeden Fall gehen, wie immer wenn man seinen Glauben an das heftet was die Wissenschaft (angeblich) noch nicht weiß. Gerhard Vollmer schrieb 1994:
Wenn Wert und Stolz des Menschen darin liegen oder darauf gründen, daß der Mensch etwas kann, was sonst niemand, was insbesondere keine Maschine kann, dann sind Wert und Stolz immer wieder aufs neue gefährdet. Hier wiederholt sich eine Argumentationsstruktur, die in der Theologie längst bekannt ist, ohne daß sie dort zu einem Abschluß gekommen wäre: Wer seinen Glauben an Gott auf das stützt, was wissenschaftlich nicht erfaßt, was insbesondere bislang nicht erklärt ist, der führt ein aussichtsloses Rückzugsgefecht.So ein Rückzugsgefecht kann zwischendurch zwar durchaus auch mal einen Ausfall oder Gegenangriff beinhalten, aber von Dauer sind solche Erfolge nicht. Diesen Eindruck habe ich z.B. gegenwärtig bei dem scheinbaren Vormarsch der Evangelikalen mit ihrem antidarwinistischen biblischen Schöpfungsglauben, da sehe ich den Rückschlag schon kommen. Statt ihre eigene Ansicht weiter zu verbreiten haben sie einer breiteren Öffentlichkeit vorgeführt, wozu sie im Dienste der Aufrechterhaltung ihrer Illusionen fähig sind. Bei den Audiophilen sehe ich in wesentlich kleinerem Maßstab dasselbe.
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