Letzten Monat bat ich im Hifi-Forum per Privatnachricht an einen Vertreter des forumseigenen "Community-Support-Teams" (dessen Identität hier keine Rolle spielen soll, da es mir nicht um die Person geht) um Auskunft über meine dort gespeicherten personenbezogenen Daten. So ein Auskunftrecht hat man, wie viele von Euch wahrscheinlich wissen, nach dem bundesdeutschen Datenschutzgesetz, und in den Nutzungsbedingungen des Forums wird darauf auch pflichtschuldigst hingewiesen. Der sich daraus ergebende Austausch von Nachrichten hat sich über einige Zeit hingezogen, und verlief ziemlich frustrierend — leider nicht zum ersten Mal, wie ich später noch ausführen werde.
Nachdem die Urlaubzeit dazu geholfen hat daß ich diesen Eindruck setzen lassen konnte, habe ich mich nach reiflichem Überlegen entschlossen, die ganze Sache hier mal im Zusammenhang aufzuschreiben, und so etwas zusammenzufassen und auf den Punkt zu bringen, was sich über viele Monate hinweg aufgebaut und angestaut hat. Vielleicht wird es so auch für Dritte besser verständlich, und damit auch leichter diskutierbar. Kurz wird dieser Text dennoch nicht werden, denn es gibt schlicht einiges zu sagen, und erst im Zusammenhang entsteht das Gesamtbild.
Bevor ich darauf eingehe, was bei der Auskunftsanfrage heraus kam, muß ich zuerst die Vorgeschichte zusammenfassen, denn weder die Anfrage noch die Antwort darauf wäre ohne diese Vorgeschichte verständlich.
Vorgeschichte: Die Transparenzdiskussion
Viele von Euch werden die Diskussionen mitgekriegt haben, in denen ich auf größere Transparenz in moderativen Angelegenheiten gedrungen habe. Das ist mehrfach aufgeflammt, immer ausgelöst durch moderative Aktionen, die einen ziemlich willkürlichen Anschein gemacht haben, und die mit ziemlich ungenügender und tendenziell herablassender Kommunikation verbunden waren. Zuletzt war es der notorische "Verstärkerklangthread", die "Metadiskussion" dazu gibt's hier.
Einige Monate früher gab es ähnliche Auseinandersetzungen um den Thread "Voodooverherrlichungskritik", und auch da gab's eine ausgelagerte "Metadiskussion". Nochmal davor war der Kommentarthread zu meinem Blog betroffen, und auch da ist eine ähnliche Diskussion entstanden.
Völlig unabhängig davon und ohne mein Zutun gab's auch kürzlich wieder ähnlich gelagerte Komplikationen im Verstärkerklang-Thread, und auch wenn das mit meiner Auskunftsanfrage nichts mehr zu tun hatte, so zeigt es doch daß die zugrundeliegende Problematik keine Anzeichen zeigt, sich aufzulösen.
Ich will Euch nicht aufnötigen, diese ganzen Diskussionen im Einzelnen nachzulesen, wenngleich Ihr dazu natürlich eingeladen seid, schon um nachzuprüfen, welche "Partei" sich in diesen Diskussionen wie verhalten hat. Das liegt mir schon deswegen am Herzen, weil ich in diesen Diskussionen von mehreren Moderatoren, Administratoren und Forumsvertretern wiederholt Extrempositionen und Maximalforderungen unterstellt bekommen habe, die ich nicht geäußert habe, und gegen die ich mich auch bei jeder passenden Gelegenheit verwahrt habe. Vielleicht bekommt Ihr daraus (wenn nicht schon vorhanden) einen Eindruck, mit welcher Hartnäckigkeitkeit man hier versucht hat, um eine offene und ehrliche Diskussion meines Anliegens herum zu kommen.
Was war mein Anliegen in dieser Angelegenheit?
Ich beobachte seit längerem eine sich verstärkende Tendenz der Moderation/Administration, sich nicht als eine Instanz zu verstehen, die im Benutzerinteresse handelt und dieser Benutzerschaft gegenüber wenigstens ideell verantwortlich zu sein, sondern als verlängerter Arm des Forenbetreibers, um den Usern gegenüber dessen Interessen durchzusetzen, oder noch schlimmer um die eigentlichen Herren des Forums, die aus eigener Machtfülle handeln.
Das soll kein pauschaler und persönlicher Vorwurf an jeden einzelnen Moderator oder Administrator sein. Die Unterschiede im Verhalten und im Duktus der verschiedenen Personen sehe ich sehr wohl. Ich sehe aber daß sich diese Tendenz verstärkt, und daß insbesondere die Moderatoren im Forum den Ton anzugeben scheinen, die eine solche Einstellung haben. Ich habe auch über die letzten Jahre gesehen wie sich die Reihen derjenigen Moderatoren mehr und mehr gelichtet haben, von denen ich eine andere Herangehensweise kennengelernt habe. Auch wenn ich die Motive in jedem Einzelfall nicht kenne und auch nicht kennen kann, so denke ich daß diese Entwicklung wohl kein Zufall sein wird.
Parallel dazu schirmen sich die Moderatoren immer klarer von den Benutzern ab. Interne Moderatorendiskussionen gab es zwar schon immer, und muß es in einem solchen Forum auch geben können, aber die Distanz wächst, und die Abschottung wird höher. Mehrere Moderatoren und Administratoren lassen auch immer offener durchblicken, daß sie sich in überhaupt keiner Art von Pflicht der Userschaft gegenüber sehen, weder formell noch ideell, und daß sie es daher auch für ihre eigene Angelegenheit betrachten inwieweit sie ihre Entscheidungen öffentlich begründen.
In diesem Zusammenhang kommt üblicherweise der Hinweis darauf, daß man im Auftrag des Forenbetreibers das Hausrecht ausübe, und daß man diesem gegenüber verpflichtet sei, das Firmeninteresse zu wahren und über jedwede Interna Stillschweigen zu bewahren. Zu diesen Interna gehören auch die Regeln der Moderation selbst, denn über die Aufgaben, Grenzen und Modalitäten der Moderation ist in keinem öffentlichen Dokument des Forums etwas zu lesen. Die Benutzer-Rechte und -Pflichten stehen in den Nutzungsbedingungen (oft NUB abgekürzt), aber etwas Ähnliches für die Moderation fehlt, obwohl aus etlichen Äußerungen von Moderatoren hervor geht, daß "intern" solche "Spielregeln" sehr wohl existieren. Die NUBs machen lediglich klar, daß die Moderatoren im eigenen Ermessen handeln.
So ein Zustand mag in der Anfangsphase des Forums ausgereicht zu haben, aber für ein Forum mit inzwischen über 700000 angemeldete Mitglieder halte ich so eine Regelung für ein Unding, und für völlig ungeeignet, einen angemessenen Interessensausgleich zu ermöglichen. Es sollte klar sein, daß mit der Größe des Forums nicht bloß die Anzahl der Beiträge wächst, sondern auch die Konflikte größere Kreise ziehen können. Nicht zuletzt wird das Forum ja auch wirtschaftlich interessanter, was auch die Gefahr der wirtschaftlich motivierten Einflußnahme vergrößert.
Das kann bedeuten, daß eine ausgewogene und faire Diskussionskultur graduell der wirtschaftlichen Interessenlage zum Opfer fällt. Damit meine ich nicht bloß, daß der Betreiber seine Werbeeinnahmen optimiert, dagegen hätte ich (noch) nichts einzuwenden. Es kann aber irgendwann auch so weit gehen, daß die Werbetreibenden Kritikschutz einfordern, und die Moderation dem nachgibt. Es gibt Foren im Hifi-Sektor, bei denen das ganz klar so ist: Wer Kritik an einem Werbekunden des Forenbetreibers übt, wird abgewatscht.
Ich sage nicht daß das im Hifi-Forum bereits der Fall ist, aber ich sehe nicht wodurch es verhindert werden würde, wenn es mal so weit kommt. Wir sehen gerade in der öffentlichen Diskussion zur Abhöraffäre, wie sehr eine Geheimstruktur zum Mißbrauch verleitet. Wenn man nicht fürchten muß, daß es herauskommt, dann kann man seine Macht umso unverblümter mißbrauchen. Genau deswegen braucht es ein gewisses Ausmaß an Transparenz, damit man sich als Öffentlichkeit davon überzeugen kann, daß es im großen und ganzen mit rechten Dingen zugeht.
Mir geht es darum, ein vernünftiges Maß an Transparenz im Forum zu schaffen, so daß einerseits ein effizientes Moderieren nach wie vor möglich ist, andererseits man als User nicht auf Vermutungen zurückgeworfen ist, was die Moderationsmodalitäten angeht, sondern daß die Vorgänge nachvollziehbar, kritisierbar und plausibel sind, man also begründetes Vertrauen haben kann, und nicht blindes Vertrauen haben muß. Dazu gehört z.B. ein formelles Beschwerdeverfahren, das nicht darauf hinaus läuft daß die Beschwerde von demjenigen bearbeitet wird, über den man sich beschwert. Und dazu gehört eine Informationskultur, die den User als Interessenträger ernst nimmt.
Das heißt nicht, daß alle moderative Tätigkeit bis ins Einzelne im grellen Licht der Öffentlichkeit stattfindet, und daß über jedes Komma eines Moderators bis ins Unendliche diskutiert werden müßte. Es geht auch nicht um "Basisdemokratie", also die kollektive Moderation durch die Gesamtheit der User. Solche Extrempositionen wurden mir aber grundsätzlich unterstellt, um mein Anliegen ins Absurde zu ziehen, und sich nicht mit meinen tatsächlichen Vorschlägen auseinandersetzen zu müssen.
Stattdessen wird so getan als wäre die momentane Struktur des Moderationswesens im Forum praktisch die einzig sinnvolle, die sich so sehr bewährt hat, daß grundsätzliche Kritik daran quasi automatisch unsinnig und tendenziell sogar böswillig wird. Ich sehe darin zunehmend den Versuch einer Machtelite, ihre liebgewonnene Unangreifbarkeit zu zementieren. Eine Machtelite zumal, die zunehmend auf die Userschaft herunter blickt, und sie nicht mehr auf Augenhöhe wahr nimmt. Die folglich auch keine Verpflichtung der Userschaft gegenüber mehr spürt, auch keine ideelle, sondern die Userschaft eher als etwas ansieht, was Arbeit macht. Ein Pöbel, der sich nicht zu benehmen weiß und bloß Ärger macht. Die User als Viehherde, die gehütet werden muß.
Einige der Moderatoren weisen das empört zurück, und verhalten sich doch immer wieder genau so wie man es mit so einer Einstellung erwarten würde. Das mag sogar ehrlich gemeint sein, was zwar Böswilligkeit ausschließt, aber doch zeigt wie weit man sich als langjähriges Mitglied einer sich strikt abschirmenden Moderatorentruppe von der User-Realität entfernt hat.
Man mag einwenden, ich würde mich da etwas weit aus dem Fenster lehnen, und Urteile treffen, die ich mir mangels persönlichem Kontakt mit den Betreffenden nicht anmaßen kann, aber ich urteile über das was ich an Verhalten sehe, und wenn das ein solches Urteil nahe legt, dann sollte man vielleicht das Problem anerkennen, statt einfach den Überbringer der schlechten Nachricht zu beschuldigen. Die Tatsache, daß dieses Problem schon so lange gärt bis ich so weit gekommen bin, daß ich es hier im Blog thematisiere, sollte ein Hinweis darauf sein, daß es kein Ergebnis einer momentanen Frustration ist, sondern daß ich zur Hinterfragung meiner eigenen Position und Beobachtungen durchaus reichlich Gelegenheit hatte, und diese Gelegenheit auch nicht ungenutzt gelassen habe. Mit einem Wort: Ich meine es ernst, und die Tatsache daß man mich wiederholt kaltzustellen oder ins Leere zu laufen versucht hat, hat mein Vertrauen in meine eigene Beobachtungs- und Bewertungsfähigkeit eher gestärkt als erschüttert.
Über Interessen, und deren Ausgleich
Wenn es Konflikte gibt, tut man gut daran, sich zu überlegen, welche der beteiligten "Parteien" wohl welche Interessen hat. Der Konflikt selbst geht oft auf tiefer liegende Interessen zurück, die in der Auseinandersetzung nicht offen und klar zur Sprache kommen. Sie ans Tageslicht zu zerren kann den Konflikt auflösen helfen, oder wenigstens das Verständnis vertiefen, worum es eigentlich geht.
Zunächst: Welche Parteien gibt es eigentlich? Und wer gehört wozu?
Aus meiner Sicht gibt es in erster Näherung drei klare Parteien mit ihren jeweils eigenen Interessen: Die Betreiber des Forums, die Moderatoren/Administratoren, und die User.
Daß jede Partei wiederum selbst in Gruppen unterteilt werden kann versteht sich von selbst. Hier geht es aber um die Transparenzdiskussion, nicht um z.B. den Konflikt Goldohr/Holzohr.
Den Betreibern geht es, so kann man annehmen, um das Geschäft. Sie betreiben ein Wirtschaftsunternehmen mit der Absicht, einen Gewinn zu erzielen. Es wäre zwar auch ein altruistisches Motiv denkbar, aber dann hätte man wohl kaum eine GmbH als Rechtsform gewählt, sondern z.B. einen Verein. Die Diskussionen und deren Inhalte sind dafür eher nebensächlich, es kommt darauf an daß möglichst viele User angelockt werden, an deren Anwesenheit Anzeigenkunden so stark interessiert sind, daß sie für das Schalten von Anzeigen Geld ausgeben. Daß Diskussionen kontrovers ablaufen ist dabei sogar bis zu einem gewissen Grad ein Vorteil, denn Lärm lockt Gaffer an, es sollte bloß nicht so ausarten daß man sich eher wieder abwendet. Und es sollte nicht so weit gehen, daß man als Forenbetreiber juristischen Ärger kriegt, der auch wieder den Gewinn schmälert.
Der Betreiber spendiert die technische und organisatorische Plattform, für deren Unterhalt er aufkommt, und bekommt dafür von den Usern Inhalt und "Community", die das Forum nicht bloß für User, sondern auch für Inserenten attraktiv macht. Es ist nicht ganz so einfach wie bei der Blume und der Biene, wo die Blume den Nektar spendiert um die Biene anzulocken, die die Bestäubung übernimmt, aber fast. Eine Stufe mehr ist hier im Wertschöpfungskreislauf vertreten.
Die User möchten sich austauschen und informieren können, ohne zu sehr belästigt oder verarscht zu werden, möchten manchmal auch unterhalten werden, oder sich selbst produzieren. Eine reine Werbeplattform oder ein Hersteller-Sprachrohr wäre uninteressant, das gibt's ohnehin mehr als genug. Man hofft darauf, daß der Betreiber schon dafür sorgen wird, daß es nicht dazu kommen wird. Wer nur 15 Beiträge schreibt wird sich wenige Gedanken darüber machen, aber für die Stammgäste wird das zunehmend wichtiger. Da ist man darauf angewiesen, daß man "in guten Händen" ist, daß man also mit seinen Beiträgen und seinen Daten nicht ein System "füttert", das Schindluder damit treibt. Die Sensibilität dafür wächst seit einiger Zeit, hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Gebaren der Betreiber sozialer Netzwerke (Facebook, Google, ...) und ihrem Datenhunger, jüngst noch verstärkt durch die Verbindung zu den Geheimdiensten. Insbesondere wächst das Gefühl, daß solche Netzwerke, bei ihrem kleinen Anfang noch vertrauenserweckend und cool, mit steigender Größe eine Tendenz zum Übergriff und Mißbrauch zu entwickeln neigen. Entsprechend wichtiger werden Transparenz und Kontrollmöglichkeiten.
Die Moderatoren und Administratoren stehen in gewisser Weise dazwischen. Einerseits vertreten sie den Betreiber gegenüber den Usern, indem sie im Namen des Betreibers das "Hausrecht" im Forum ausüben. Andererseits rekrutieren sie sich aus der Userschaft, und man könnte erwarten, daß sie auch umgekehrt die Interessen der User dem Betreiber gegenüber vertreten. Bisher ist es im Hifi-Forum zudem so, daß sie unentgeltlich arbeiten, daß also nicht über die finanzielle Schiene eine zusätzliche Verpflichtung entsteht. So könnte man jedenfalls meinen.
In den Anfangszeiten des Forums konnte man nach meinem Eindruck tatsächlich davon ausgehen, daß diese Balance einigermaßen funktioniert hat. Meine User-Id ist 50952, ich habe also zu einer Zeit angefangen, in der das Forum noch nicht einmal ein Zehntel der angemeldeten User hatte als heute. Es gab auch noch keine alteingesessenen Moderatoren, weil das ganze Forum noch nicht so alt war.
Heute sehe ich diese Balance als verloren an. Davon, daß sich die Moderation, insbesondere der "harte Kern", sich als Vertreter der Userinteressen versteht, merke ich nicht mehr viel. Mir gegenüber wenigstes verhält man sich ganz explizit als Vertreter der Betreiber, jedenfalls gibt man das vor. Das wirft automatisch die Frage nach dem Interesse auf:
Was bringt einen Moderator, der ja selber mal User war, auch wenn sich wohl manch einer wohl kaum mehr daran erinnern können wird, dazu sich ohne Bezahlung als Interessenvertreter der Betreiber gegenüber der User zu verstehen? Was hat er davon?
Bevor man anzweifelt, daß es so ist: Bitte lest Euch die Beiträge einiger Moderatoren aus den oben verlinkten Diskussionen durch und zeigt mir Stellen, die nahe legen daß sich die Moderatoren als Vertreter der User gegenüber den Betreibern verstehen, und nicht als Vertreter der Betreiber gegenüber den Usern. Ich finde da sehr wenig.
Wenn es nicht das Geld ist, was ist es dann? Die Moderatoren schreiben immer wieder mal daß sie das aus Spaß an der Sache machen, aber das wirkt auf mich eher ominös wenn sie sich dann wenig später darüber mokieren, daß ein Thread bzw. die Debatte darin "Arbeit macht", und der in einem Thread versammelten Teilnehmerschaft kollektiv bescheinigt, sich nicht "benehmen" zu können. Wie wäre es wenn sich ein Schiedsrichter bei den Spielern beschweren würde, weil er so viel hin- und her rennen muß, und so lange nichts unternimmt bis es zur Rudelbildung und zu Handgreiflichkeiten kommt, nur um dann den kompletten Mannschaften schlechte Manieren zu attestieren? Würde man dem nicht vorwerfen, daß er seinen eigenen Job nicht macht? Würde man da nicht vermuten, daß da Faulheit, Unfähigkeit oder gar die Lust am Zuschauen bei einer Keilerei im Spiel ist? Letzteres wird ja noch dadurch begünstigt, daß man sich als Außenstehender dabei umso besser als über den Pöbel erhaben wähnen kann.
Man muß also schon fragen dürfen worin dieser angebliche Spaß eigentlich besteht. Ich habe in den letzten etlichen Monaten zu viele Hinweise darauf gesehen, die mir in dieser Hinsicht kein gutes Gefühl geben. Bei einigen der Moderatoren habe ich den Verdacht, daß sie daran Spaß haben, ihre Unangreifbarkeit oder Überlegenheit heraushängen zu lassen. Verliehene Macht wird ja oftmals noch viel unerbittlicher ausgeübt als eigene Macht. Das scheint ein typisches menschliches Verhalten zu sein. Daß ich das mal so unverblümt über Moderatoren eines Forums schreiben würde, das mich über inzwischen mehr als 9 Jahre begleitet hat, und zu dem ich viel Substanz beigetragen habe, sollte zeigen wie weit die Erosion des Vertrauens inzwischen geht.
Für mich ist so über die Zeit aus einer Mittlerrolle zwischen User und Betreiber, aus einer Balance-Funktion, eine Kumpanei zwischen Betreiber und Moderatoren zum Nachteil der User geworden. Die Moderatorenschaft scheint zudem intern weiter hierarchisch organisiert zu sein. Abgesehen von der Unterteilung zwischen Administratoren und Moderatoren, von der man nach außen wenig merkt außer den unterschiedlichen Titeln, die aber intern eine weitere Abschottungslinie bedeutet, gibt es auch unter den eigentlichen Moderatoren solche, die eine höhere Stellung haben. Offenbar gibt es Moderatoren für nur einen abgegrenzten Bereich des Forums, während andere überall moderieren können. Zusammen mit der Rekrutierung weiterer Moderatoren, die die gleichen Leute betreiben, sieht das für mich überhaupt nicht so aus als wäre unter solchen Umständen wirksame Kontrolle und Pluralität gewährleistet oder überhaupt möglich. Man kann mir noch so oft beteuern, daß es unterschiedliche Meinungen und lebhafte, kontroverse Diskussionen hinter den Kulissen gebe. Ich bezweifle nicht daß es das gibt, ich bezweifle aber daß das in den wichtigen Fragen als Korrektiv wirkt. Die Beteuerung, es sei alles in Ordnung damit, ist ungefähr so vertrauenswürdig für mich wie die Beteuerung unserer Politiker, mit den Geheimdiensten sei alles in Ordnung, und die parlamentarische Kontrolle funktioniere. In beiden Fällen weiß ich wegen der Geheimhaltung nicht genug um es wirklich beurteilen zu können, aber in beiden Fällen sind die Anzeichen nicht beruhigend, und je heftiger die Geheimhaltung betont wird, desto eher fürchte ich, daß es da dreckige Wäsche gibt, die man nicht herzeigen will.
Datenschutz, für wen?
Und da sind wir endlich bei meinem Auskunftsersuchen angekommen, das ich eingangs erwähnt habe. Ich habe das nicht als Fortsetzung der alten Auseinandersetzungen verstanden, sondern ich war einfach daran interessiert, was das Forum über mich speichert. Trotzdem kann man natürlich die Vorgeschichte nicht ignorieren, sie ist sowohl bei mir als auch beim Betreiber und den Moderatoren im Hinterkopf vorhanden, ob man will oder nicht. Deswegen war ich auch daran interessiert, zu erfahren, wie man sich mir gegenüber verhalten würde. In den NUBs erweckt man den Eindruck, als ob man solchen datenrechtlichen Auskunftsersuchen natürlich gerne nachkommen würde. So gerne würde man das bei mir wohl nicht tun wollen, hatte ich schon vermutet. Wie würde man das handhaben? Da kein Moderator im Spiel war rechnete ich mir sogar eine vergleichsweise unaufgeregte Handhabung aus.
Mit mehr als 8000 Beiträgen über 9 Jahre hinweg, vielfach in kontroversen bis konfrontativen Debatten geschrieben, einschließlich solcher mit oder gegen Moderatoren, war ich mir sicher daß über mich wesentlich mehr Informationen gespeichert sein würden als was in meinem für mich sichtbaren Profil steht. Schon die NUBs schreiben ja, daß Protokolldaten über meine Seitenabrufe anfallen, und daß die in gewisser Weise ausgewertet werden, um es den Administratoren zu erlauben, Verstöße gegen die Regeln zu entdecken, war spätestens bekannt seit vor etwa einem Jahr der Moderator Bothfelder (vermutlich fälschlicherweise) Jakob1863 beschuldigte, unter mehreren Pseudonymen zu schreiben. Es ist klar, daß es solche Möglichkeiten braucht, wenn man gegen die unschöneren Formen des Guerilla-Marketing und der Manipulation etwas in der Hand haben will, insofern habe ich dagegen auch nichts einzuwenden.
Zusätzlich zu diesen Daten ist ebenfalls klar, daß es zu jedem Profil eines Benutzers auch ein internes Profil geben muß, wo die Moderatoren eigene Informationen eintragen können, die die Moderation erleichtern. Wenn es mehr als 50 Moderatoren gibt, dann ist man dankbar wenn man in einer Problemsituation in einem Thread zu den notorischen Verdächtigen ein paar Informationen abrufen kann, um sie besser einordnen zu können. Es ist zudem zu erwarten, daß darüber auch interne Diskussionen entbrennen. Gerade bei einer kontroversen Figur wie bei mir selbst bin ich sehr sicher, daß ich mehrfach Anlaß zu internen Diskussionen gegeben habe, gerade auch wegen meines Blogs und dem entsprechenden Thread im Hifi-Forum.
Die Moderation versucht, darüber in der Öffentlichkeit Stillschweigen zu bewahren, aber wer lange genug dabei ist, der kann sich an ein paar Fingern abzählen, was da wohl abläuft. Auch wenn die Forensoftware spezifisch und nicht kommerziell ist, so kann man sich aufgrund der Funktionalität gängiger Software einen Reim darauf machen wie so etwas wohl intern organisiert ist, und welche Möglichkeiten es da geben muß. Nicht daß das prinzipiell verkehrt wäre, aber es braucht auch nicht viel Phantasie um sich die damit verbundenen Risiken zu überlegen.
Eine interne Diskussion über meine Figur würde mich auch dann nicht stören, wenn sie mit Verwünschungen gespickt wäre. Ich habe das ja auch schon kraß genug im Kommentarbereich des Blog gehabt, ohne daß ich da an Geheimhaltung interessiert gewesen wäre. Es könnte da höchstens sein, daß man sich wundert wie ätzend mancher werden kann, der sich in der Öffentlichkeit ganz gut zusammenreißt, bloß weil er denkt im internen Bereich sieht's keiner, der es nicht sehen soll. Das interessiert mich allerdings eher wenig, manachmal muß man auch Dampf ablassen können. Diese Diskussionen wird's wohl immer geben, und die können meinetwegen gern geheim bleiben.
Bei den Profildaten wird's aber schon kritischer. Ich hätte vermutet, daß da neben eher "faktischen" Inhalten auch einige Einschätzungen landen, die irgend jemand aus der Moderation zum Nutzen der Anderen beisteuert, wenn er schon mal das "Vergnügen" mit mir hatte. Das kann je nach Fall zutreffend sein, oder auch geradezu rufschädigend, und es kann einen beträchtlichen Einfluß darauf haben wie man mit mir umspringt, wie also insbesondere auch Moderatoren mit mir umspringen, die wenig eigene Erfahrung mit mir haben und mich anhand der im Profil abgelegten Einträge einschätzen. Es kann da durchaus so weit gehen daß man als User keinen Fuß mehr auf den Boden kriegt, nicht etwa weil man sich selbst unmöglich gemacht hätte, sondern weil man sich unter den Moderatoren Feinde gemacht hat. Eine Art von internem Mobbing sozusagen.
Bevor jemand sagt: "Selber schuld, wärst Du eben netter gewesen": Man kann über mein Diskussionsverhalten denken wie man will (und viele halten es für durchaus fair, wenn auch konfrontativ), aber wenn eine "Organisation" anfängt, jemanden aufgrund interner Informationen zu benachteiligen, die der Betroffene nicht sehen darf, deren Charakter er daher auch nicht einschätzen kann, der hat den Datenschutz nicht verstanden. Schon einmal von der Schufa gehört, die gezwungen werden mußte, die Bewertungsgrundlagen für eine Bonitätsauskunft dem Betroffenen offenzulegen, weil es oft genug völlig falsche Informationen darin gab und der Betroffene keine Ahnung hatte wieso er plötzlich keinen Kredit mehr kriegt? Die lange Zeit bereits das Auskunftsersuchen mit einer negativen Wertung belegte? Wer um Auskunft ersuchte war damit automatisch weniger kreditwürdig.
Daß es so etwas wie interne Profile geben muß, so wie es eine Schufa geben muß, ist mir klar. Genauso klar sollte es aber den Betreibern und Moderatoren sein, daß sie damit ein potenziell riskantes und zum Mißbrauch einladendes Werkzeug haben, mit dem verantwortungsvoll umgegangen werden muß. Das Datenschutzgesetz verlangt deswegen, daß nur solche Daten erfaßt und aufbewahrt werden, die für die Aufgabe nötig sind, also das Prinzip der Datensparsamkeit. Und es verlangt, daß der Betreffende diese Daten über ein Auskunftsersuchen einsehen kann, um ihm die Kontrolle zu ermöglichen, ob sie korrekt sind, und ob damit verantwortungsvoll umgegangen wird.
Das Gesetz sieht allerdings auch einige Ausnahmen und Grenzen vor. Hier wird's gerade in meinem Fall interessant.
Wie wurde mein Auskunftsersuchen vorigen Monat behandelt?
Nun, die erste Reaktion war, mir die "Minimaldaten" aus meinem Profil zu schicken. Die meisten der Daten sind auch für mich selbst im Profil einsehbar, lediglich Datum und IP-Adresse der letzten Anmeldung, sowie eine 72-stündige Schreibsperre im November 2011 waren von mir nicht direkt sichtbar, sowie die mir auch so bekannte Tatsache, daß ich im Hifi-Wissen seit 2004 als Themenersteller freigeschaltet bin.
So wenig? Das dachte ich gerade auch wegen der Angaben in den NUB, die ich oben erwähnte. Da mußte mehr sein. Ich fragte also nochmal nach. Das dauerte dann geraume Zeit (ich vermute ich habe mal wieder eine interne Diskussion ausgelöst), bis nach nochmaligem Nachhaken eine etwas ausführlichere, offiziell wirkende Erklärung kam, warum eine weitergehende Auskunft "nicht möglich" sei.
Ich bin ja inzwischen für solche Formulierungen sensibilisiert, nicht zuletzt weil auch die Politikersprache damit gespickt ist. Ich denke man kann getrost davon ausgehen, daß eine weitergehende Auskunft sehr wohl möglich gewesen wäre, daß es also eher am Willen gefehlt hat, bzw. am Ergebnis einer Abwägung lag, die zu meinen Ungunsten ausfiel. Angesichts der Tatsache, daß ich solche Formulierungen schon öfter moniert habe, finde ich es schon bemerkenswert wenn man sich immer wieder bemüßigt fühlt, mit den gleichen Desinformations-Floskeln zu arbeiten. Gibt es da kein Dazulernen? Kein noch so leicht betretenes Gefühl, daß man die gleichen Tricks anwendet, die man bei Politikern zum Kotzen finden würde?
Aber sei's drum, interessanter ist der Katalog an Grunden dafür, der folgte. Drei wurden angeführt, jeweils unterlegt mit der entsprechenden Passage aus dem Gesetz:
1. sei der Aufwand für die Auskunftserteilung unverhältnismäßig
2. würden durch die Auskunftserteilung die Geschäftszwecke der K&K erheblich beeinträchtigt
3. würden die Geheimhaltungsinteressen von Dritten überwiegen
Zum dritten Punkt wurden die Interessen der Moderatoren und Administratoren als "Dritte" genannt. Dies angeblich weil sie nicht zur K&K gehören, da sie nicht dort angestellt sind.
Dafür hoffte man auf mein Verständnis.
Das habe ich leider nicht. Wenn die Ausnahmen des BDSG von Allen derart breit ausgelegt werden würden, dann wäre das BDSG nicht das Papier wert auf dem es geschrieben ist. Vielleicht gehorcht man so dem Buchstaben des Gesetzes, aber keinesfalls dem Geist oder der Intention.
Was ich aus der Antwort herauslese ist Folgendes:
Zu 1: Warum ist der Aufwand unverhältnismäßig? Man begründete das mir gegenüber witzigerweise damit, daß man sämtliche Beiträge zusammentragen müßte, die ich geschrieben habe. Wörtlich: "Um den Aufwand, der mit deiner Anfrage einher geht, transparenter zu machen: Du bist ein sehr aktiver Nutzer im Forum mit fast 8.000 Beiträgen und jeder Beitrag stellt einen Datensatz dar, den wir im Zuge deiner Anfrage hätten zusammenstellen und anonymisieren müssen. Das diese Daten dir bereits zugänglich sind, spielt dabei keine Rolle."
Es ist schwierig, darüber nicht in Lachen auszubrechen. Das ist wirklich derartiger Blödsinn, daß ich nicht verstehe warum man sich die Blöße gibt, so etwas zu schreiben. Meine Beiträge sind alle öffentlich einsehbar, da ich in keinem internen Forumsbereich schreiben kann. Wie man da auf die Idee kommen kann, daß man diese Beiträge hätte zusammenstellen müssen, ist mir unbegreiflich, zumal klar sein dürfte daß es das bestimmt nicht ist, was mich interessiert. Und falls man da wirklich Zweifel gehabt hätte, wäre eine kurze Nachfrage bei mir völlig ausreichend gewesen. Eine weitere Erklärung gab's dann aber nicht mehr.
Zu 2: Wenn man mir offenlegt was man über mich weiß, dann würden also dadurch die Geschäftszwecke der K&K erheblich beeinträchtigt. Das führt zur beunruhigenden Frage, worin denn dann wohl die Geschäftsinteressen des Forumsbetreibers bestehen! Ich hätte gedacht, daß es um die Erzielung von Einkünften aus Werbung geht, jedenfalls ist es das, was in der Öffentlichkeit bisher im Raum stand. Wieso ist das durch eine Auskunfterteilung an mich gefährdet, und sogar "in erheblichem Maß"? Ich wollte ja schließlich über meine Daten Auskunft, nicht über die Kalkulationsgrundlagen der Firma! Ist der Geschäftszweck ein ganz anderer als was ich bisher geglaubt habe? Ist das noch ein "lauterer" Zweck, wenn man einem User gegenüber seine eigenen Daten geheim halten muß?
Zu 3: Warum haben die Moderatoren/Administratoren ein Interesse, meine Daten unter Verschluß zu halten? Ich habe ja nicht nach ihren persönlichen Daten gefragt. Das kann eigentlich nur heißen, daß meine Daten in einer Art und Weise gespeichert sind, daß sie von den schutzwürdigen Daten der Moderatoren und Administratoren nicht zu trennen sind, jedenfalls nicht unter vernünftigem Aufwand. Wenn man sich das überlegt, dann ist das eine Bestätigung meiner Befürchtungen. Würde ich Einblick in das interne Profil zu meiner Person bekommen, dann würde ich auch Einblick darin bekommen, wie die Moderatoren intern damit umgehen, was sie sammeln, wie sie es bewerten, ggf. auch um wen es ich handelt. Das ist wohl so "sensibel", daß ich es nicht erfahren darf. Ich ahne warum, und wie dieses interne Profil wohl aussieht. Genau deswegen wollte ich es sehen. Genau dafür gibt es das datenschutzrechtliche Auskunftsrecht.
Das Allermindeste, was sich daraus erahnen läßt, ist daß die interne Datenhaltung des Forums, bzw. der Informationsbasis der Moderatoren, nicht einmal annähernd so organisiert ist, daß man der datenschutzrechtlichen Auskunftspflicht in angemessener Weise nachkommen kann. Auf den Datenschutz und seine Erfordernisse wird offenbar keinerlei organisatorische Rücksicht genommen. Man behilft sich damit, im Ernstfall eben die oben angegebenen, gesetzlich erlaubten Ausnahmeregeln vorzuschützen. Der Geheimhaltung wegen kann der Betroffene ohnehin wenig ausrichten. Es bliebe ihm höchstens der Gang zum Datenschutzbeauftragten, aber ob das dann noch konstruktiv wäre?
Ich vermute aber schlimmeres. Ich gehe davon aus daß das nicht bloß ein organisatorisches Defizit ist, sondern daß die beteiligten Mods/Admins auch keinerlei Sensibilität oder Respekt für die Datenschutzinteressen eines Users aufbringen, jedenfalls insoweit ihre eigene moderative Tätigkeit betroffen ist. Ihre eigenen Interessen kennen sie genau, da ist im Zweifel alles geheim und intern, das Interesse des Users spielt dagegen keine Rolle und verliert dagegen auf der ganzen Linie. Es wird nichts, absolut gar nichts akzeptiert, was der moderativen Allmacht irgendwie hinderlich sein könnte.
Letzten Herbst regte ich unter anderem an, in den NUBs ein paar Passagen aufzunehmen, die die Rahmenbedingungen moderativer Tätigkeit regeln, so daß beide Seiten wissen woran sie sind. Das wurde anfangs moderat wohlwollend aufgenommen, und man versprach, sich das intern zu überlegen. Dann mußte ich immer wieder nachfragen, was daraus geworden war. Man schrieb sogar, es gebe einen konkreten Plan und interne Entwürfe, die nach den nötigen Abklärungen dann tatsächlich in den NUBs erscheinen würden. Offenbar ist das aber alles im Sand verlaufen, denn bis heute ist kein Resultat zu verzeichnen. Das paßt natürlich ganz ins Bild, aber Ihr könnt Euch gern einen eigenen Eindruck verschaffen.
Für mich ist inzwischen das Ende der Fahnenstange erreicht. Ich scheine keinerlei Chance zu haben, daß meine Vorstellungen und Vorschläge auch nur fair und offen diskutiert werden. Das Diskussionsverhalten mehrerer Moderatoren und Administratoren scheint hauptsächlich darauf ausgerichtet zu sein, meine Positionen ins Absurde zu verdrehen, um sie zu diskreditieren. Man tut so als wollte ich völlige Transparenz aller moderativen Tätigkeit, basisdemokratisch anmutende Diskussion von allem durch alle, und das alles unverschämterweise als "Forderung". Das bedeutet, daß gerade diejenigen Leute, die dafür da sind, die Fairness in Diskussionen zu gewährleisten, sich von dieser Fairness verabschieden wenn ihre eigene Machtposition zur Debatte steht. Der Schiedsrichter foult selbst. So kann's nicht weitergehen.
Für mich bedeutet das, daß ich es nicht mehr über mich bringe, im Forum Wissensvermittlung zu betreiben, und damit einer Gruppe von abgehobenen Machtpolitikern gratis zu mehr Attraktivität zu verhelfen, die zunehmend die User so behandeln wie man Vieh hütet, die sich zunehmend mit dem Forum verwechseln, und die bestrebt sind, sich in ihrer Position völlig unangreifbar zu machen. Sie können sich in der Vergangenheit so verdient um's Forum gemacht haben wie sie wollen, so wie's jetzt aussieht ist der Punkt weit überschritten wo es besser für's Forum wäre, wenn sie sich zurückziehen würden, und mal eine andere Generation ranlassen.
Die schwindende Schar von "anderen" Moderatoren, denen diese Lage der Dinge ebenfalls nicht behagt, die aber zum größeren gemeinsamen Nutzen sich zum Mitmachen durchringen, sollten vielleicht nochmal darüber nachdenken, ob sie den momentanen Zustand noch gut finden, oder ob nicht so langsam Konsequenzen angebracht wären.
Vielleicht einigen sich aber alle darauf, daß ich das Problem bin. Die einfachste Lösung wäre das ganz sicher.
Ihr dürft das aber dennoch im üblichen Thread diskutieren, insoweit es die Moderation erlaubt. Ich werde mich auch nicht direkt abmelden, dann kann ich mich bei Bedarf noch an der Diskussion beteiligen.
Montag, 26. August 2013
Samstag, 6. Juli 2013
Vorteil Ahnungslosigkeit, oder "selig sind die geistig Armen"
Wie schön ist es doch, wenn man von nichts eine Ahnung hat! Wenn man nichts weiß kann man auch am leichtesten darauf vertrauen, daß schon alles in Ordnung sein wird. "Die da oben" werden's schon richten.
Das bekommen wir auf's Schönste vorgeführt beim aktuell köchelnden NSA-Skandal, seit Edward Snowden ein paar "Interna" ausgeplaudert hat, die einerseits niemanden überraschen sollten, der sich auch nur ansatzweise mit der Materie beschäftigt, andererseits aber regelrechte Ahnungslosigkeits-Orgien bei den damit befaßten Politikern auslöst. Man wälzt sich lustvoll im eigenen Nichtwissen wie das Schwein im Schlamm.
So zum Beispiel bei der Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, die auf SPD-Antrag am vergangenen Mittwoch stattfand. Man reibt sich geradezu die Augen was man dort alles nicht wußte. Wenn es nicht schon vorher klar gewesen wäre (siehe NSU), dann hätte man daraus den Schluß ziehen müssen, daß die deutschen Geheimdienste, und die dafür zuständigen Regierungsstellen, vollkommen unfähig sind.
Um diesen bedauerlichen Zustand zu beenden, wird eine niederrangige Delegation in die USA zu Kaffee und Kuchen geschickt, der sich jetzt auch der ohnehin schon vertrauensvolle Minister Friedrich anschließen will, wo sie bei den amerikanischen Freunden nett anfragen wollen, ob man nicht ein bißchen mehr darüber erfahren dürfte was da läuft. Bestimmt werden sie von dort mit der beruhigenden Nachricht zurückkommen, daß die Gastgeber ihnen versichert haben, es gehe alles streng nach Recht und Gesetz zu, auch wenn man aus verständlichen Gründen natürlich nicht alle Details werde offenlegen können (Interna sind Interna sind Interna, schrieb mir dazu Hüb' mal sehr treffend).
Davon ist Innenminister Friedrich ohnehin schon länger überzeugt, aber selbst die eher bürgerrechtlich angehauchte Justizministerin vertraut noch auf den Rechtsstaat in den USA, auch wenn sie nicht ganz zufrieden mit gewissen "dunklen Flecken" ist.
Recht und Gesetz ist im Großen und Ganzen allerdings noch immer eine öffentliche Angelegenheit, denn die meisten Staaten konnten sich noch nicht dazu durchringen, Gesetze für geheim zu erklären, was sicher einige Komplikationen im notorisch komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsprozeß vermeiden helfen würde. Was die Kenntnis der rechtlichen Situation angeht, müßte es Ministern daher im Moment noch etwas schwer fallen, Ahnungslosigkeit vorzuschützen, es sei denn man tut so als verstünde man die juristische Situation selber nicht, was immerhin ein klein wenig Glaubwürdigkeit beanspruchen kann, denn wir sind schon daran gewöhnt daß Politiker nicht verstehen was sie tun.
So kommt es, daß bei den Stellungnahmen besagter Minister üblicherweise der Aspekt untergeht, von welchem Recht sie gerade reden, und für wen das eigentlich gilt, und für wen nicht.
Konkretes Beispiel: Nehmen wir einmal hypothetisch und gegen jeden Anschein an, das NSA-Datensammeln habe sich wirklich im Rahmen von Recht und Gesetz abgespielt, so wie der Herr Friedrich das meint. Wenn man eine Hundertstelsekunde nachdenkt, dann kommt man zum Schluß, daß es sich dabei um das Recht und Gesetz der USA handeln muß. Nicht um das Deutsche oder das Europäische. Das amerikanische Gesetz wurde vom amerikanischen Parlament verabschiedet, das aus Abgeordneten besteht, die von Amerikanern gewählt wurden, und das den Interessen der Amerikaner verpflichtet ist. Wir Deutsche und Europäer spielen dabei keine Rolle. Wir hatten bei der Gesetzesentstehung keine Mitwirkung, und wir haben aus dem Gesetz keine Rechte. Wenn uns aus der rechtmäßigen Tätigkeit der NSA ein Nachteil entsteht, dann ist das der amerikanischen Justiz egal. Wir sind Freiwild. Mit uns darf die NSA und die US-Regierung machen was sie will.
Was haben wir dann davon daß in den USA alles nach Recht und Gesetz zugeht? Was haben wir davon daß die USA eine Demokratie und ein Rechtsstaat sind? Wieso ist das in diesem Zusammenhang dann überhaupt erwähnenswert, Ihr Frauen und Herren Minister?
Wir müssen uns geradezu glücklich schätzen, daß die NSA anscheinend sogar die ziemlich laschen US-Regeln noch gebrochen hat, und sie die US-Amerikaner selbst stärker überwacht als sie dürfte. Nur deswegen kriegt sie ggf. eins auf den Deckel, aber ob es so weit kommt muß sich erst noch zeigen. Und selbst wenn sie deswegen eins auf den Deckel kriegen würde, brauchen wir uns nicht einzubilden daß wir in Europa davon in irgend einer Art und Weise profitieren.
Es gibt nur zwei Arten wie man zwischenstaatlich damit umgehen kann, daß solcherlei Recht und Gesetz eine nationale Sache ist, von der Ausländer nichts zu erwarten haben: Man kann internationale Verträge schließen, oder man kann Spionageabwehr betreiben.
Internationale Verträge kommen nur zustande, wenn beide Seiten was davon haben, und das Ergebnis hängt zum großen Teil von den Machtverhältnissen ab. Wer sich überlegen fühlt muß sich auf keine Kompromisse einlassen. Was das im Fall der USA bedeutet konnte man in den letzten Jahren vielfach beobachten. Wie sie z.B. mit der Schweiz in Sachen Steuerfahndung und Bankgeheimnis umgesprungen sind, wie mit der EU beim Thema Passagierdaten und Kreditkartendaten, und vieles mehr.
Spionageabwehr hat den Vorteil daß man sie auf eigene Faust betreiben kann und nicht auf die Kompromißbereitschaft anderer Staaten angewiesen ist. Aber gegenüber den USA würde das eine deutliche Abkühlung der bilateralen Beziehungen bewirken, an der man in der Politik kein Interesse hat. Die USA sind seit Jahrzehnten daran gewöhnt daß sie speziell in Deutschland nach Belieben schalten und walten können, und sie vor die Tür zu setzen wäre heikel. Zudem ist der unfähige deutsche Geheimdienst ja auch, wie Friedrich betont, auf "Zulieferungen" aus den USA angewiesen um seinen Job zu tun. Das würde natürlich sofort wegfallen.
Weil das beide Seiten wissen, bleibt es beim Verbalen. Wäre es Bundeskanzlerin Merkel ernst mit ihrem "das geht gar nicht", dann könnte sie z.B. ihren Freund und Friedensnobelpreisträger Barack Obama darum bitten, sämtliche NSA-Standorte in der Bundesrepublik zu schließen und die Abhörtechnik aus Deutschland zu entfernen. Daß die NSA auf deutschem Boden Abhöranlagen betreibt ist schließlich nichts Neues, und es wäre vollends lächerlich wenn sie auch das abzustreiten versuchte. Es ist z.B. noch keine 10 Jahre her, da wurde die Abhöranlage in Bad Aibling geschlossen und u.a. nach Griesheim verlegt. Nicht daß ich glauben würde daß das viel nützt: Ich bin überzeugt daß die USA deutsche Kommunikation im Notfall auch von den Nachbarländern und dem All aus überwachen könnte, und somit nicht mehr so dringend auf physikalische Präsenz in Deutschland angewiesen wäre, aber einfacher ist es so auf alle Fälle, und man muß ja nicht unbedingt Abhöranlagen auf dem eigenen Territorium dulden, wenn man weiß daß sie gegen die eigenen Interessen eingesetzt werden.
Wie viel von der demonstrativen Ahnungslosigkeit zu halten ist zeigt übrigens die Echelon-Geschichte von vor über 10 Jahren ganz deutlich. Damals ging es nämlich im Grunde um genau das Gleiche wie heute. Die Anlage in Bad Aibling wurde letztlich infolge einer EU-Untersuchung geschlossen, die zum Ergebnis kam daß der Zweck der Anlage wahrscheinlich zu einem beträchtlichen Teil in der Wirtschaftsspionage zu suchen ist. Es lohnt aus dem zwölf Jahre alten Bericht (nota bene: das war noch vor dem Terrorangriff auf New York und Washington, und damit dem "war on terror") einige Zeilen zu zitieren:
Vor diesem Hintergrund sollte auch die Reaktion der britischen Regierung nicht verwundern, die deutsche Auskunftsersuchen kalt abblitzen ließ. Sie gehören seit Langem mit dazu, und die Zusammenarbeit zwischen Briten und Amerikanern bringt handfeste Vorteile für beide Seiten, wenn mal ein nationales Gesetz ausgehebelt werden soll: Wenn ein Land seine eigenen Bürger ausspionieren will, das aber aufgrund eigener Gesetze nicht dürfte oder umständliche Erlaubnisprozeduren durchlaufen müßte, dann kann man das den transatlantischen Partner machen lassen. Wir haben ja gesehen, daß Ausländer rechtlos sind. So wenig wie wir uns wehren können wenn uns die Amerikaner aushorchen, so wenig können das die Briten. Und natürlich gilt das auch umgekehrt.
Ein ganz so inniges Verhältnis pflegen unsere eigenen Geheimdienste offenbar nicht mit den Amerikanern, aber ein gewisser Neid dürfte da schon immer vorhanden gewesen sein, und man kann die Aussagen von Minister Friedrich, daß wir von den Amerikanern immer wieder auch nützliche Informationen kriegen, auch dahingehend deuten, daß man in Geheimdienstkreisen durchaus verstanden hat, was man mit so einem System und so einer Zusammenarbeit alles anfangen kann, und lieber halb drin als ganz draußen ist.
Selbst wenn das Gedächtnis bei Politikern keine 10 Jahre zurück reichen sollte, so hätten doch Nachrichten über den Bau eines riesigen NSA-"Rechenzentrums" in Utah, die voriges Jahr durch die Medien gingen, wenigstens für einen Moment die Überlegung auslösen können, was die Amerikaner denn wohl damit vorhaben. Daß dieser enorme Aufwand ausschließlich zur Terrorbekämpfung da sein soll wird wohl kaum einer ernsthaft geglaubt haben.
Wir sehen, daß man sich als Politiker schon eine Menge Mühe gegeben haben muß, keine Ahnung zu haben. Kein Wunder daß man den Informanten Snowden nicht hier aufnehmen will, hat der doch dafür gesorgt daß die ganze Mühe umsonst war. Er war noch nicht einmal so nett und hat sich als skrupelloser Spion geoutet, oder als Weiberheld wie Assange. Stattdessen zeigt er Gewissen! Da wird es schon ganz schön schwierig, ihn medial hinzurichten, obwohl es natürlich an Versuchen nicht fehlt, angefangen damit daß man versucht, ihn als Spion hinzustellen.
Zum Glück ist der bolivianische Präsident Morales nicht über Deutschland geflogen und hier gelandet. Man stelle sich vor was passiert wäre, wenn Snowden tatsächlich in der Maschine gewesen wäre! Er wäre unversehens auf deutschem Boden gewesen und man hätte seinen Asylantrag bearbeiten müssen! Es ist verständlich, daß Portugal das nicht riskieren wollte, wo ja anscheinend ursprünglich eine Zwischenlandung geplant war. Ich verstehe ohnehin nicht warum man so selbstverständlich davon ausgeht, daß da die USA interveniert haben. Ich glaube das war gar nicht nötig. Den beteiligten Ländern war auch so klar in welch heikle Lage sie kommen wenn bei einer Zwischenlandung auf ihrem Territorium der Herr Snowden aus der Maschine spaziert wäre und sich bei den Behörden vorgestellt hätte!
Ich vermute daher, das ging wie ein Dominospiel: Es war klar daß die Maschine irgendwo zwischenlanden mußte, um Sprit nachzufüllen, und diese heiße Kartoffel wollte niemand haben. Zuerst war Portugal vorgesehen, und die haben abgeblockt. Dann fragte Morales bei den Nachbarländern an und blitzte auch dort ab. Schließlich nahmen ihn die Österreicher, aber von dort aus hätte es wahrscheinlich nicht mit einer Tankfüllung zurück nach Südamerika gereicht, so daß immer noch ein Platz zum Tanken gebraucht wurde, wovor die betreffenden Länder aber erst sicher sein wollten daß Snowden nicht dabei ist. Daß man dann auf die Kanarischen Inseln kam, die zu Spanien gehören, aber in gewisser Hinsicht nicht zur EU, mag daran liegen daß man sich auch nach erfolgter (und nach internationalem Recht unerlaubter) "Durchsicht" der Präsidentenmaschine nicht hundertprozentig sicher war, und so wenig Risiko eingehen wollte wie möglich.
Die USA brauchten sich im Grunde nicht extra einzumischen, denn die Drohkulisse war ja schon zuvor aufgebaut worden, und die beteiligten Länder konnten sich die diplomatischen Komplikationen auch selber vorstellen, die da drohten. Für mich ist das daher kein Zeichen für US-amerikanischen Imperialismus, sondern für Rückgratlosigkeit europäischer Staaten angesichts US-amerikanischer Interessen. Interessant ist in diesem Zusammenhang schließlich noch wie das Gerücht in die Welt kam, daß Snowden in der Maschine sein könnte. Ob das wohl der überhitzten Nervosität in einer oder mehreren westeuropäischen Regierungen geschuldet ist, oder ob da Putin's Truppe einen Hinweis fallen gelassen hat? Wenn es Letzteres war, dann ist ihm der Streich gut geglückt! Die europäischen Staaten haben sich gleich reihenweise lächerlich gemacht, und das aus gänzlich eigener Unfähigkeit! Inzwischen scheinen sie immerhin kapiert zu haben welches kapitale Geschoß sie da mit ihrem nervösen Finger in den eigenen Schenkel gefeuert haben. Aber wie immer in solchen Fällen hilft Ahnungslosigkeit: Wir wußten ja nicht... Mißverständnis... Bedauern.
Barack Obama meinte außerdem einige Tage zuvor, er werde wegen Snowden keine Jets schicken. Vielleicht wollte er ja Snowden damit signalisieren, er könne ruhig in ein Flugzeug steigen, er würde schon nicht abgefangen. Wie sich zeigt wären US-Jets auch gar nicht nötig gewesen, den Job übernehmen im Zweifel die "Verbündeten". Wäre Snowden auf diese Weise in Westeuropa gelandet, hätte entsprechender Druck dafür sorgen können, daß Obama ihn ausgeliefert kriegt ohne daß er gelogen hätte, und ohne daß er sonst einen Finger hätte krumm machen müssen.
Daß die EU hier in diesem Zusammenhang nicht weiterhilft sollte klar geworden sein. Die Briten sind ja Mitglied, und sitzen zugleich ganz eng im Boot mit den Amerikanern. Daß da keine einmütige Haltung heraus kommen kann liegt auf der Hand. Eine der ersten Aufgaben für die neue litauische Ratspräsidentin dreht sich um die Reaktion der EU auf die Spionage-Enthüllungen, und sie mußte gestern bekanntgeben daß es zunächst keine zwei Arbeitsgruppen geben wird, weil das von den Briten und den Schweden blockiert wurde.
Daß da die Schweden auch dabei waren erinnert mich an die Sache mit Julian Assange, der ja fürchtet von den Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wenn er sich in Schweden seinem Gerichtsverfahren stellt, und deshalb seit einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt. Seine Sorge ist wohl nicht ganz unbegründet. Übrigens ist auch das wieder ein Beispiel dafür wie das mit dem Recht und dem Gesetz in internationalen Angelegenheiten so ist. Assange bekam letzten August von Ecuador politisches Asyl und müßte nach den internationalen Gepflogenheiten eigentlich nach Ecuador ausreisen können. Großbritannien erkennt aber das "Prinzip des diplomatischen Asyls" nicht an und will weiterhin Assange verhaften wenn er die Botschaft verläßt.
So wird klar daß trotz aller Menschenrechte und Konventionen, trotz Demokratie und Rechtsstaat, trotz transatlantischer "Freundschaft", ein Mensch kein durchsetzbares Recht mehr hat wenn er den staatlichen Interessen der USA und ihrer Vasallen in die Quere kommt. Nicht wenn er das durch eigenes Handeln heraufbeschworen hat, aber genausowenig wenn er ohne eigenes Zutun in die Mühle gerät.
Letzteres wird durch Fälle wie z.B. Khaled al-Masri, der einfach das Pech des falschen Namens hatte, wohl ausreichend deutlich. Seine Versuche, von den USA auf dem Weg der Klage irgendwelche Entschädigungen zu bekommen, sind fehlgeschlagen, hauptsächlich weil sich die USA auf die Wahrung von Staatsgeheimnissen beruft, und der Rechtsweg scheint ausgeschöpft. Lediglich Mazedonien wurde auf Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt, und zwar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der für die USA nicht zuständig ist weil die USA nicht zu den Unterzeichnern der Europäischen Menschenrechtskonvention gehören.
Auch in diesem Fall versuchten sich die verantwortlichen Politiker in Deutschland in Ahnungslosigkeitsbeteuerungen. Dabei kam heraus, daß der damalige Innenminister Otto Schily noch vor der Freilassung von al-Masri über den Vorgang informiert wurde, und Vertraulichkeit zusagen sollte. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit der Minister zeigt sich folglich immer die gleiche Grundstruktur: Die transatlantischen Beziehungen sind im Zweifel wichtiger, und die dazu gehörige Geheimhaltung. Die Individuen, die zwischen diese Räder geraten, aus welchem Grund auch immer, werden als Kollateralschaden abgeschrieben. Ihnen die normalen Vorteile und Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit zugänglich zu machen würde die Geheimhaltung bedrohen, die so dringend nötig ist um ein zutiefst ungerechtes und unfaires System vor den Augen der Öffentlichkeit wenigstens notdürftig zu verbergen, und einen Anschein von staatlicher Rechtschaffenheit aufrecht zu erhalten, die in Wirklichkeit längst nicht mehr existiert. In zwischenstaatlichen Angelegenheiten gilt offenbar nach wie vor das Faustrecht, auch zwischen angeblich befreundeten Staaten.
Deutschland hat sich angesichts dieser Sachlage offenbar mit der Einsicht arrangiert, daß der beste Schutz vor der Faust der USA ein Platz in deren Hintern ist. So lange man nicht unbequem wird, bleibt man im Warmen, und wird gelegentlich mit Verdauungsprodukten der NSA versorgt, die man sich so schon nicht selbst zu erarbeiten braucht, womit die eigenen Geheimdienste ohnehin überfordert wären. Lediglich die Blähungen der USA führen immer wieder zu Komfortverlust, und führen dazu daß bei Manchen die Ahnungslosigkeitsfähigkeit überbeansprucht wird.
Auch wenn's diesmal nicht um HiFi ging, könnt Ihr für Eure Kommentare gerne den Thread im HF benutzen, schließlich sind wir dort im Café.
Das bekommen wir auf's Schönste vorgeführt beim aktuell köchelnden NSA-Skandal, seit Edward Snowden ein paar "Interna" ausgeplaudert hat, die einerseits niemanden überraschen sollten, der sich auch nur ansatzweise mit der Materie beschäftigt, andererseits aber regelrechte Ahnungslosigkeits-Orgien bei den damit befaßten Politikern auslöst. Man wälzt sich lustvoll im eigenen Nichtwissen wie das Schwein im Schlamm.
So zum Beispiel bei der Sondersitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, die auf SPD-Antrag am vergangenen Mittwoch stattfand. Man reibt sich geradezu die Augen was man dort alles nicht wußte. Wenn es nicht schon vorher klar gewesen wäre (siehe NSU), dann hätte man daraus den Schluß ziehen müssen, daß die deutschen Geheimdienste, und die dafür zuständigen Regierungsstellen, vollkommen unfähig sind.
Um diesen bedauerlichen Zustand zu beenden, wird eine niederrangige Delegation in die USA zu Kaffee und Kuchen geschickt, der sich jetzt auch der ohnehin schon vertrauensvolle Minister Friedrich anschließen will, wo sie bei den amerikanischen Freunden nett anfragen wollen, ob man nicht ein bißchen mehr darüber erfahren dürfte was da läuft. Bestimmt werden sie von dort mit der beruhigenden Nachricht zurückkommen, daß die Gastgeber ihnen versichert haben, es gehe alles streng nach Recht und Gesetz zu, auch wenn man aus verständlichen Gründen natürlich nicht alle Details werde offenlegen können (Interna sind Interna sind Interna, schrieb mir dazu Hüb' mal sehr treffend).
Davon ist Innenminister Friedrich ohnehin schon länger überzeugt, aber selbst die eher bürgerrechtlich angehauchte Justizministerin vertraut noch auf den Rechtsstaat in den USA, auch wenn sie nicht ganz zufrieden mit gewissen "dunklen Flecken" ist.
Recht und Gesetz ist im Großen und Ganzen allerdings noch immer eine öffentliche Angelegenheit, denn die meisten Staaten konnten sich noch nicht dazu durchringen, Gesetze für geheim zu erklären, was sicher einige Komplikationen im notorisch komplizierten und langwierigen Gesetzgebungsprozeß vermeiden helfen würde. Was die Kenntnis der rechtlichen Situation angeht, müßte es Ministern daher im Moment noch etwas schwer fallen, Ahnungslosigkeit vorzuschützen, es sei denn man tut so als verstünde man die juristische Situation selber nicht, was immerhin ein klein wenig Glaubwürdigkeit beanspruchen kann, denn wir sind schon daran gewöhnt daß Politiker nicht verstehen was sie tun.
So kommt es, daß bei den Stellungnahmen besagter Minister üblicherweise der Aspekt untergeht, von welchem Recht sie gerade reden, und für wen das eigentlich gilt, und für wen nicht.
Konkretes Beispiel: Nehmen wir einmal hypothetisch und gegen jeden Anschein an, das NSA-Datensammeln habe sich wirklich im Rahmen von Recht und Gesetz abgespielt, so wie der Herr Friedrich das meint. Wenn man eine Hundertstelsekunde nachdenkt, dann kommt man zum Schluß, daß es sich dabei um das Recht und Gesetz der USA handeln muß. Nicht um das Deutsche oder das Europäische. Das amerikanische Gesetz wurde vom amerikanischen Parlament verabschiedet, das aus Abgeordneten besteht, die von Amerikanern gewählt wurden, und das den Interessen der Amerikaner verpflichtet ist. Wir Deutsche und Europäer spielen dabei keine Rolle. Wir hatten bei der Gesetzesentstehung keine Mitwirkung, und wir haben aus dem Gesetz keine Rechte. Wenn uns aus der rechtmäßigen Tätigkeit der NSA ein Nachteil entsteht, dann ist das der amerikanischen Justiz egal. Wir sind Freiwild. Mit uns darf die NSA und die US-Regierung machen was sie will.
Was haben wir dann davon daß in den USA alles nach Recht und Gesetz zugeht? Was haben wir davon daß die USA eine Demokratie und ein Rechtsstaat sind? Wieso ist das in diesem Zusammenhang dann überhaupt erwähnenswert, Ihr Frauen und Herren Minister?
Wir müssen uns geradezu glücklich schätzen, daß die NSA anscheinend sogar die ziemlich laschen US-Regeln noch gebrochen hat, und sie die US-Amerikaner selbst stärker überwacht als sie dürfte. Nur deswegen kriegt sie ggf. eins auf den Deckel, aber ob es so weit kommt muß sich erst noch zeigen. Und selbst wenn sie deswegen eins auf den Deckel kriegen würde, brauchen wir uns nicht einzubilden daß wir in Europa davon in irgend einer Art und Weise profitieren.
Es gibt nur zwei Arten wie man zwischenstaatlich damit umgehen kann, daß solcherlei Recht und Gesetz eine nationale Sache ist, von der Ausländer nichts zu erwarten haben: Man kann internationale Verträge schließen, oder man kann Spionageabwehr betreiben.
Internationale Verträge kommen nur zustande, wenn beide Seiten was davon haben, und das Ergebnis hängt zum großen Teil von den Machtverhältnissen ab. Wer sich überlegen fühlt muß sich auf keine Kompromisse einlassen. Was das im Fall der USA bedeutet konnte man in den letzten Jahren vielfach beobachten. Wie sie z.B. mit der Schweiz in Sachen Steuerfahndung und Bankgeheimnis umgesprungen sind, wie mit der EU beim Thema Passagierdaten und Kreditkartendaten, und vieles mehr.
Spionageabwehr hat den Vorteil daß man sie auf eigene Faust betreiben kann und nicht auf die Kompromißbereitschaft anderer Staaten angewiesen ist. Aber gegenüber den USA würde das eine deutliche Abkühlung der bilateralen Beziehungen bewirken, an der man in der Politik kein Interesse hat. Die USA sind seit Jahrzehnten daran gewöhnt daß sie speziell in Deutschland nach Belieben schalten und walten können, und sie vor die Tür zu setzen wäre heikel. Zudem ist der unfähige deutsche Geheimdienst ja auch, wie Friedrich betont, auf "Zulieferungen" aus den USA angewiesen um seinen Job zu tun. Das würde natürlich sofort wegfallen.
Weil das beide Seiten wissen, bleibt es beim Verbalen. Wäre es Bundeskanzlerin Merkel ernst mit ihrem "das geht gar nicht", dann könnte sie z.B. ihren Freund und Friedensnobelpreisträger Barack Obama darum bitten, sämtliche NSA-Standorte in der Bundesrepublik zu schließen und die Abhörtechnik aus Deutschland zu entfernen. Daß die NSA auf deutschem Boden Abhöranlagen betreibt ist schließlich nichts Neues, und es wäre vollends lächerlich wenn sie auch das abzustreiten versuchte. Es ist z.B. noch keine 10 Jahre her, da wurde die Abhöranlage in Bad Aibling geschlossen und u.a. nach Griesheim verlegt. Nicht daß ich glauben würde daß das viel nützt: Ich bin überzeugt daß die USA deutsche Kommunikation im Notfall auch von den Nachbarländern und dem All aus überwachen könnte, und somit nicht mehr so dringend auf physikalische Präsenz in Deutschland angewiesen wäre, aber einfacher ist es so auf alle Fälle, und man muß ja nicht unbedingt Abhöranlagen auf dem eigenen Territorium dulden, wenn man weiß daß sie gegen die eigenen Interessen eingesetzt werden.
Wie viel von der demonstrativen Ahnungslosigkeit zu halten ist zeigt übrigens die Echelon-Geschichte von vor über 10 Jahren ganz deutlich. Damals ging es nämlich im Grunde um genau das Gleiche wie heute. Die Anlage in Bad Aibling wurde letztlich infolge einer EU-Untersuchung geschlossen, die zum Ergebnis kam daß der Zweck der Anlage wahrscheinlich zu einem beträchtlichen Teil in der Wirtschaftsspionage zu suchen ist. Es lohnt aus dem zwölf Jahre alten Bericht (nota bene: das war noch vor dem Terrorangriff auf New York und Washington, und damit dem "war on terror") einige Zeilen zu zitieren:
Das mit ECHELON bezeichnete Abhörsystem unterscheidet sich von anderen nachrichtendienstlichen Systemen dadurch, dass es aufgrund zweier Eigenschaften eine ganz besondere Qualität aufweisen soll:Man erkennt, daß das heutige Prism-System, und das als Tempora in Großbritannien aufgedeckte System, nichts weiter als eine Fortsetzung und Weiterentwicklung des damaligen ECHELON-Systems sind. Es ist ein Dutzend Jahre ins Land gezogen, in dem die Technik weiterentwickelt wurde, und es kam mit dem "war on terror" ein konsequent genutzter Grund bzw. Vorwand dazu, das System stärker auszubauen und rechtliche Hindernisse zu seinem Einsatz zu beseitigen oder zu umgehen.
Als Erstes wurde ihm zugeschrieben, dass es die Fähigkeit zur gleichsam totalen Überwachung habe. Vor allem durch Satellitenempfangsstationen und Spionagesatelliten solle jede durch Telefon, Telefax, Internet oder E-Mail von gleich welcher Person übermittelte Nachricht abgefangen werden können, um so von ihrem Inhalt Kenntnis zu erlangen.
Als zweites Merkmal von ECHELON wurde angeführt, dass das System durch das anteilige Zusammenwirken mehrerer Staaten (dem Vereinigten Königreich, der USA, Kanada, Australien und Neuseeland) weltweit funktioniert, was gegenüber nationalen Systemen einen Mehrwert bedeutet: Die am ECHELON-System teilnehmenden Staaten (UKUSA-Staaten9) können sich ihre Abhöreinrichtungen gegenseitig zur Verfügung stellen, für den daraus erwachsenden Aufwand gemeinsam aufkommen und gewonnene Erkenntnisse gemeinsam nutzen. [...]
Mögliche Gefährdungen für Privatsphäre und Wirtschaft durch ein System vom Typ ECHELON gehen aber nicht nur davon aus, dass es ein besonders starkes Überwachungssystem ist. Vielmehr kommt hinzu, dass es im weitgehend rechtsfreien Raum agiert. Ein Abhörsystem für internationale Kommunikation zielt meistens nicht auf die Bewohner des eigenen Landes. Der Abgehörte verfügt dann als Ausländer über keinerlei innerstaatlichen Rechtsschutz. Das Individuum ist diesem System daher völlig ausgeliefert. Die parlamentarische Kontrolle ist in diesem Bereich ebenfalls unzulänglich, da die Wähler, die davon ausgehen, dass es nicht sie, sondern nur Personen im Ausland trifft, kein besonderes Interesse daran haben, und die Gewählten in erster Linie die Interessen ihrer Wähler verfolgen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die im US-amerikanischen Congress stattgefundenen Anhörungen zur Tätigkeit der NSA sich lediglich um die Frage drehen, ob auch US-amerikanische Bürger davon betroffen seien, die Existenz eines solchen Systems an sich aber nicht weiter Anstoß erregt. Umso wichtiger erscheint es, sich auf europäischer Ebene damit auseinander zu setzen.
Vor diesem Hintergrund sollte auch die Reaktion der britischen Regierung nicht verwundern, die deutsche Auskunftsersuchen kalt abblitzen ließ. Sie gehören seit Langem mit dazu, und die Zusammenarbeit zwischen Briten und Amerikanern bringt handfeste Vorteile für beide Seiten, wenn mal ein nationales Gesetz ausgehebelt werden soll: Wenn ein Land seine eigenen Bürger ausspionieren will, das aber aufgrund eigener Gesetze nicht dürfte oder umständliche Erlaubnisprozeduren durchlaufen müßte, dann kann man das den transatlantischen Partner machen lassen. Wir haben ja gesehen, daß Ausländer rechtlos sind. So wenig wie wir uns wehren können wenn uns die Amerikaner aushorchen, so wenig können das die Briten. Und natürlich gilt das auch umgekehrt.
Ein ganz so inniges Verhältnis pflegen unsere eigenen Geheimdienste offenbar nicht mit den Amerikanern, aber ein gewisser Neid dürfte da schon immer vorhanden gewesen sein, und man kann die Aussagen von Minister Friedrich, daß wir von den Amerikanern immer wieder auch nützliche Informationen kriegen, auch dahingehend deuten, daß man in Geheimdienstkreisen durchaus verstanden hat, was man mit so einem System und so einer Zusammenarbeit alles anfangen kann, und lieber halb drin als ganz draußen ist.
Selbst wenn das Gedächtnis bei Politikern keine 10 Jahre zurück reichen sollte, so hätten doch Nachrichten über den Bau eines riesigen NSA-"Rechenzentrums" in Utah, die voriges Jahr durch die Medien gingen, wenigstens für einen Moment die Überlegung auslösen können, was die Amerikaner denn wohl damit vorhaben. Daß dieser enorme Aufwand ausschließlich zur Terrorbekämpfung da sein soll wird wohl kaum einer ernsthaft geglaubt haben.
Wir sehen, daß man sich als Politiker schon eine Menge Mühe gegeben haben muß, keine Ahnung zu haben. Kein Wunder daß man den Informanten Snowden nicht hier aufnehmen will, hat der doch dafür gesorgt daß die ganze Mühe umsonst war. Er war noch nicht einmal so nett und hat sich als skrupelloser Spion geoutet, oder als Weiberheld wie Assange. Stattdessen zeigt er Gewissen! Da wird es schon ganz schön schwierig, ihn medial hinzurichten, obwohl es natürlich an Versuchen nicht fehlt, angefangen damit daß man versucht, ihn als Spion hinzustellen.
Zum Glück ist der bolivianische Präsident Morales nicht über Deutschland geflogen und hier gelandet. Man stelle sich vor was passiert wäre, wenn Snowden tatsächlich in der Maschine gewesen wäre! Er wäre unversehens auf deutschem Boden gewesen und man hätte seinen Asylantrag bearbeiten müssen! Es ist verständlich, daß Portugal das nicht riskieren wollte, wo ja anscheinend ursprünglich eine Zwischenlandung geplant war. Ich verstehe ohnehin nicht warum man so selbstverständlich davon ausgeht, daß da die USA interveniert haben. Ich glaube das war gar nicht nötig. Den beteiligten Ländern war auch so klar in welch heikle Lage sie kommen wenn bei einer Zwischenlandung auf ihrem Territorium der Herr Snowden aus der Maschine spaziert wäre und sich bei den Behörden vorgestellt hätte!
Ich vermute daher, das ging wie ein Dominospiel: Es war klar daß die Maschine irgendwo zwischenlanden mußte, um Sprit nachzufüllen, und diese heiße Kartoffel wollte niemand haben. Zuerst war Portugal vorgesehen, und die haben abgeblockt. Dann fragte Morales bei den Nachbarländern an und blitzte auch dort ab. Schließlich nahmen ihn die Österreicher, aber von dort aus hätte es wahrscheinlich nicht mit einer Tankfüllung zurück nach Südamerika gereicht, so daß immer noch ein Platz zum Tanken gebraucht wurde, wovor die betreffenden Länder aber erst sicher sein wollten daß Snowden nicht dabei ist. Daß man dann auf die Kanarischen Inseln kam, die zu Spanien gehören, aber in gewisser Hinsicht nicht zur EU, mag daran liegen daß man sich auch nach erfolgter (und nach internationalem Recht unerlaubter) "Durchsicht" der Präsidentenmaschine nicht hundertprozentig sicher war, und so wenig Risiko eingehen wollte wie möglich.
Die USA brauchten sich im Grunde nicht extra einzumischen, denn die Drohkulisse war ja schon zuvor aufgebaut worden, und die beteiligten Länder konnten sich die diplomatischen Komplikationen auch selber vorstellen, die da drohten. Für mich ist das daher kein Zeichen für US-amerikanischen Imperialismus, sondern für Rückgratlosigkeit europäischer Staaten angesichts US-amerikanischer Interessen. Interessant ist in diesem Zusammenhang schließlich noch wie das Gerücht in die Welt kam, daß Snowden in der Maschine sein könnte. Ob das wohl der überhitzten Nervosität in einer oder mehreren westeuropäischen Regierungen geschuldet ist, oder ob da Putin's Truppe einen Hinweis fallen gelassen hat? Wenn es Letzteres war, dann ist ihm der Streich gut geglückt! Die europäischen Staaten haben sich gleich reihenweise lächerlich gemacht, und das aus gänzlich eigener Unfähigkeit! Inzwischen scheinen sie immerhin kapiert zu haben welches kapitale Geschoß sie da mit ihrem nervösen Finger in den eigenen Schenkel gefeuert haben. Aber wie immer in solchen Fällen hilft Ahnungslosigkeit: Wir wußten ja nicht... Mißverständnis... Bedauern.
Barack Obama meinte außerdem einige Tage zuvor, er werde wegen Snowden keine Jets schicken. Vielleicht wollte er ja Snowden damit signalisieren, er könne ruhig in ein Flugzeug steigen, er würde schon nicht abgefangen. Wie sich zeigt wären US-Jets auch gar nicht nötig gewesen, den Job übernehmen im Zweifel die "Verbündeten". Wäre Snowden auf diese Weise in Westeuropa gelandet, hätte entsprechender Druck dafür sorgen können, daß Obama ihn ausgeliefert kriegt ohne daß er gelogen hätte, und ohne daß er sonst einen Finger hätte krumm machen müssen.
Daß die EU hier in diesem Zusammenhang nicht weiterhilft sollte klar geworden sein. Die Briten sind ja Mitglied, und sitzen zugleich ganz eng im Boot mit den Amerikanern. Daß da keine einmütige Haltung heraus kommen kann liegt auf der Hand. Eine der ersten Aufgaben für die neue litauische Ratspräsidentin dreht sich um die Reaktion der EU auf die Spionage-Enthüllungen, und sie mußte gestern bekanntgeben daß es zunächst keine zwei Arbeitsgruppen geben wird, weil das von den Briten und den Schweden blockiert wurde.
Daß da die Schweden auch dabei waren erinnert mich an die Sache mit Julian Assange, der ja fürchtet von den Schweden an die USA ausgeliefert zu werden, wenn er sich in Schweden seinem Gerichtsverfahren stellt, und deshalb seit einem Jahr in der ecuadorianischen Botschaft in London festsitzt. Seine Sorge ist wohl nicht ganz unbegründet. Übrigens ist auch das wieder ein Beispiel dafür wie das mit dem Recht und dem Gesetz in internationalen Angelegenheiten so ist. Assange bekam letzten August von Ecuador politisches Asyl und müßte nach den internationalen Gepflogenheiten eigentlich nach Ecuador ausreisen können. Großbritannien erkennt aber das "Prinzip des diplomatischen Asyls" nicht an und will weiterhin Assange verhaften wenn er die Botschaft verläßt.
So wird klar daß trotz aller Menschenrechte und Konventionen, trotz Demokratie und Rechtsstaat, trotz transatlantischer "Freundschaft", ein Mensch kein durchsetzbares Recht mehr hat wenn er den staatlichen Interessen der USA und ihrer Vasallen in die Quere kommt. Nicht wenn er das durch eigenes Handeln heraufbeschworen hat, aber genausowenig wenn er ohne eigenes Zutun in die Mühle gerät.
Letzteres wird durch Fälle wie z.B. Khaled al-Masri, der einfach das Pech des falschen Namens hatte, wohl ausreichend deutlich. Seine Versuche, von den USA auf dem Weg der Klage irgendwelche Entschädigungen zu bekommen, sind fehlgeschlagen, hauptsächlich weil sich die USA auf die Wahrung von Staatsgeheimnissen beruft, und der Rechtsweg scheint ausgeschöpft. Lediglich Mazedonien wurde auf Zahlung von Schmerzensgeld verurteilt, und zwar vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte, der für die USA nicht zuständig ist weil die USA nicht zu den Unterzeichnern der Europäischen Menschenrechtskonvention gehören.
Auch in diesem Fall versuchten sich die verantwortlichen Politiker in Deutschland in Ahnungslosigkeitsbeteuerungen. Dabei kam heraus, daß der damalige Innenminister Otto Schily noch vor der Freilassung von al-Masri über den Vorgang informiert wurde, und Vertraulichkeit zusagen sollte. Unabhängig von der Parteizugehörigkeit der Minister zeigt sich folglich immer die gleiche Grundstruktur: Die transatlantischen Beziehungen sind im Zweifel wichtiger, und die dazu gehörige Geheimhaltung. Die Individuen, die zwischen diese Räder geraten, aus welchem Grund auch immer, werden als Kollateralschaden abgeschrieben. Ihnen die normalen Vorteile und Grundsätze der Rechtsstaatlichkeit zugänglich zu machen würde die Geheimhaltung bedrohen, die so dringend nötig ist um ein zutiefst ungerechtes und unfaires System vor den Augen der Öffentlichkeit wenigstens notdürftig zu verbergen, und einen Anschein von staatlicher Rechtschaffenheit aufrecht zu erhalten, die in Wirklichkeit längst nicht mehr existiert. In zwischenstaatlichen Angelegenheiten gilt offenbar nach wie vor das Faustrecht, auch zwischen angeblich befreundeten Staaten.
Deutschland hat sich angesichts dieser Sachlage offenbar mit der Einsicht arrangiert, daß der beste Schutz vor der Faust der USA ein Platz in deren Hintern ist. So lange man nicht unbequem wird, bleibt man im Warmen, und wird gelegentlich mit Verdauungsprodukten der NSA versorgt, die man sich so schon nicht selbst zu erarbeiten braucht, womit die eigenen Geheimdienste ohnehin überfordert wären. Lediglich die Blähungen der USA führen immer wieder zu Komfortverlust, und führen dazu daß bei Manchen die Ahnungslosigkeitsfähigkeit überbeansprucht wird.
Auch wenn's diesmal nicht um HiFi ging, könnt Ihr für Eure Kommentare gerne den Thread im HF benutzen, schließlich sind wir dort im Café.
Donnerstag, 2. Mai 2013
Das HiFi-Forum verblödet
DamonDiG ist raus. Einer der geistreichsten Teilnehmer des HiFi-Forums hat die Segel gestrichen, und flieht aus Furcht vor der eigenen Verblödung vor den Verblödern, die sich dort festgesetzt haben.
Ich kann ihn gut verstehen, denn er hat wie üblich recht. Der Thread, in dem er schreibt, ist wirklich sinnentleert, und in seiner ganzen Monstrosität von inzwischen fast 20000 Beiträgen eine Art "Hotspot" für ein Phänomen, das auch anderswo im Forum zu beobachten ist. Es ist noch nicht lange her, da hat mich DamonDiG dazu gebracht, einen FAQ-Artikel zu besagtem Thread zu schreiben. Wie viele andere Leute vor (und sicher auch nach) ihm störte ihn, daß sich die Diskussion dort im Kreis dreht, und die gleichen elementaren Grundlagen, angefangen mit der Thread-Fragestellung, in erschreckend kurzen Abständen wieder klargestellt werden müssen. Es hat (natürlich) nichts genutzt. Wen diese elementaren Grundlagen nicht interessieren, der liest auch keine FAQ, und selbst wenn er er sie lesen würde würde er sie nach Kräften ignorieren. Der Thread ist nicht zu retten.
Der Thread ist allerdings immer noch ein Anschauungsobjekt dafür, wie es zugeht wenn öffentliche Diskussionen von Leuten bestritten werden, die sich absolut nichts zu sagen haben, dabei aber sicherstellen wollen daß die Gegenseite nicht die Oberhand gewinnt. Es ist eine Art Abnutzungsschlacht zwischen zwei sich gegenüberstehenden Schützengräben. Ich muß eingestehen, daß ich dabei selbst mitgemacht habe und noch mitmache. Einfach weil die Dummen gewinnen, wenn die Klügeren nachgeben.
Es wäre ja kein Problem, wenn dort einfach blöde Leute mitmachen würden. Mit denen ist relativ leicht umzugehen. Das Problem ist, daß sich über die Zeit, in der die gleichen Leute und die gleichen Threads an den gleichen Themen rummachen, in der Tendenz eine Anreicherung der größten Dickköpfe zu beobachten ist. Das ist eine Art von Evolution: Es bleiben die übrig, die das dickste Fell haben, denn die Diskussion eskaliert regelmäßig zu solchen Höhen der Zumutung, daß die Sensibleren irgendwann das Weite suchen. Übrig bleiben die Schmerzfreien, die (wie ich) sich auf gar keinen Fall von dummdreisten Spinnern oder von manipulativen Arschlöchern vertreiben lassen wollen, und natürlich eben diese dummdreisten Spinner und manipulativen Arschlöcher. Jeder, der neu dazukommt, landet unweigerlich zwischen den Schützengräben, und die blauen Bohnen pfeifen ihm um die Ohren, oder er riecht das süßliche Giftgas grimmig-absichtsvoller Ignoranz.
Nun bin ich nicht unbedingt eine Mimose, die sich von einem rauen Klima so schnell abschrecken lassen würde. Ich bin ja bekanntlich der Meinung, daß Klartext reden, durchaus bis an die Grenze zur Grobheit, schon nützlich sein kann, als Mittel gegen Heucheleien und falsche Selbstdarstellungen, und auch weil der Lärm die Zuschauer anzieht. Es stellt sich aber schon die Frage, und DamonDiG hat das mal wieder in den Vordergrund geholt, ob das angesichts der verhärteten Fronten und einer alles zudeckenden Bullshitwelle noch wirkt.
Was mir dabei ebenfalls durch den Kopf geht, ist wie wenige entschlossene und ausdauernde Bullshitter genügen, um einen Thread dauerhaft unbrauchbar zu machen. Und wie hilflos die Moderation eines Forums in so einer Situation ist.
Was offenbar am besten wirkt, und daher immer mehr überhand nimmt, schon weil der Trainingsgrad der Betreffenden immer besser wird, ist die Unverschämtheit. Zum Beispiel wirft man dem Diskussionsgegner das vor, was man selbst noch viel frecher und krasser betreibt. Man demonstriert größte Dilettanz und präsentiert sich zugleich als der eigentliche Durchblicker. Man ignoriert sämtliche Gegenargumente und wiederholt einfach seinen immergleichen Bullshit ad infinitum. Man präsentiert sich als Ignorant, als Idiot, als Spinner und als Arschloch, und setzt darauf daß die Moderation jeden Versuch blockiert und bestraft, dies offen anzuprangern, zumal sie keine Gelegenheit auslassen, sich (oder ihre Ansichten) als unterdrückt darzustellen.
Ihr Ziel ist dabei nicht, irgendjemanden zu überzeugen. Darauf habe ich schon kürzlich hingewiesen. Es geht darum, eine vernünftige Diskussion unmöglich zu machen, sie unter schierem Unfug, unter Geschrei und unter Animositäten zu begraben. Die sinnvolle Information soll im Geräusch untergehen.
Ich denke im HiFi-Forum hat über die letzten Jahre eine kritische Masse von Teilnehmern ein Gegengewicht gegen die seit Jahrzehnten in der HiFi-Branche endemische Desinformation bilden können, und zwar ein genügend großes Gegengewicht um die Marktbedingungen spürbar zu verändern. Ich habe mich durchaus absichtsvoll daran beteiligt, weil ich das für dringend nötig halte, angesichts des Fehlens einer unabhängigen Presse, und einer nahezu vollständigen Dominanz der Subjektivisten in der öffentlichen Wahrnehmung der Branche. Aber dieser Erfolg erzeugt ganz im evolutionären Sinn einen Selektionsdruck bei den Gegnern dieser Veränderung, also denen, die von Status Quo seit vielen Jahren zu profitieren gelernt haben. So wie die Anwendung von Antibiotika auf der einen Seite Krankheiten sehr stark zurückdrängen konnte, aber auf der anderen Seite auch zur zunehmenden Bildung resistenter Erreger geführt hat, die immer schwieriger zu bekämpfen sind.
Das kann so weit gehen, daß man Krankenhäuser generalsanieren oder gar abreißen muß, weil sich darin resistente Erreger derart festgesetzt haben, daß man sie auf andere Art und Weise nicht mehr los wird, und das Krankenhaus nicht mehr Gesundheit verbreitet, sondern Krankheit. Ich frage mich, ob wir im HiFi-Forum, oder wenigstens ein paar Threads darin, auf die gleiche Situation zusteuern.
Jetzt wird der eine oder andere Leser die Nase rümpfen, daß ich hier einige Diskussionsteilnehmer im HiFi-Forum mit Krankheitserregern auf eine Stufe stelle. Ich bin allerdings wirklich der Ansicht, daß das "audiophile Weltbild" kein gesunder Geisteszustand ist, daß die Vorstellungen der Audiophilen ein Mem darstellen, das sich wie ein Virus in der HiFi-Branche seuchenartig verbreitet hat, und die Profiteure daraus dieses Mem auch nach Kräften weiter verbreiten. Insofern halte ich die Analogie für berechtigt, wenn auch mit einem Anflug von Augenzwinkern, etwa so zu verstehen wie Georg Schramm's "Furunkel am Gesäß des Bösen".
Wer mit mir nicht einig ist, was die Beurteilung dieser Leute angeht, der möge exemplarisch die Antwort von Janus525 auf den Abschiedsbeitrag von DamonDiG lesen. Erkennt Ihr da auch nur ein Fitzelchen Verständnis für das worum's DamonDiG geht? Ein Mindestmaß an Anstand? Ich nicht. Ein einziger Satz aus DamonDiG's Beitrag, und dazu noch einer der wahrscheinlich nicht auf Janus gemünzt war, wird zum nächsten Aufhänger für Heuchelei und eine erneute Demonstration von blindem Unverstand.
Oder er möge kammerklang's Antwort auf zwei meiner Beiträge lesen. Da vermeidet er die Auseinandersetzung mit so gut wie allem was ich schrieb, und konstruiert einen lächerlichen Vorwurf aus einem falschen Verständnis eines einzigen Wortes aus meinem Beitrag. Und bläst sich dabei so pompös wie nur irgend möglich auf.
Zwei Beispiele von inzwischen Hunderten allein aus der Feder dieser wenigen Teilnehmer, die zusammengenommen die Flutwelle an Bullshit ausmachen, gegen die man gezwungen ist, anzukämpfen.
Wie soll man dagegen angehen? Eine Frage, die eigentlich an die Adresse der Moderation des HiFi-Forum gehen müßte, die aber dort geflissentlich ignoriert wird. Vielleicht hat ja DamonDiG wirklich recht damit, sich zurückzuziehen. Wenn das Krankenhaus verseucht ist, wird es irgendwann einfacher, es aufzugeben.
Was meint Ihr?
Ich kann ihn gut verstehen, denn er hat wie üblich recht. Der Thread, in dem er schreibt, ist wirklich sinnentleert, und in seiner ganzen Monstrosität von inzwischen fast 20000 Beiträgen eine Art "Hotspot" für ein Phänomen, das auch anderswo im Forum zu beobachten ist. Es ist noch nicht lange her, da hat mich DamonDiG dazu gebracht, einen FAQ-Artikel zu besagtem Thread zu schreiben. Wie viele andere Leute vor (und sicher auch nach) ihm störte ihn, daß sich die Diskussion dort im Kreis dreht, und die gleichen elementaren Grundlagen, angefangen mit der Thread-Fragestellung, in erschreckend kurzen Abständen wieder klargestellt werden müssen. Es hat (natürlich) nichts genutzt. Wen diese elementaren Grundlagen nicht interessieren, der liest auch keine FAQ, und selbst wenn er er sie lesen würde würde er sie nach Kräften ignorieren. Der Thread ist nicht zu retten.
Der Thread ist allerdings immer noch ein Anschauungsobjekt dafür, wie es zugeht wenn öffentliche Diskussionen von Leuten bestritten werden, die sich absolut nichts zu sagen haben, dabei aber sicherstellen wollen daß die Gegenseite nicht die Oberhand gewinnt. Es ist eine Art Abnutzungsschlacht zwischen zwei sich gegenüberstehenden Schützengräben. Ich muß eingestehen, daß ich dabei selbst mitgemacht habe und noch mitmache. Einfach weil die Dummen gewinnen, wenn die Klügeren nachgeben.
Es wäre ja kein Problem, wenn dort einfach blöde Leute mitmachen würden. Mit denen ist relativ leicht umzugehen. Das Problem ist, daß sich über die Zeit, in der die gleichen Leute und die gleichen Threads an den gleichen Themen rummachen, in der Tendenz eine Anreicherung der größten Dickköpfe zu beobachten ist. Das ist eine Art von Evolution: Es bleiben die übrig, die das dickste Fell haben, denn die Diskussion eskaliert regelmäßig zu solchen Höhen der Zumutung, daß die Sensibleren irgendwann das Weite suchen. Übrig bleiben die Schmerzfreien, die (wie ich) sich auf gar keinen Fall von dummdreisten Spinnern oder von manipulativen Arschlöchern vertreiben lassen wollen, und natürlich eben diese dummdreisten Spinner und manipulativen Arschlöcher. Jeder, der neu dazukommt, landet unweigerlich zwischen den Schützengräben, und die blauen Bohnen pfeifen ihm um die Ohren, oder er riecht das süßliche Giftgas grimmig-absichtsvoller Ignoranz.
Nun bin ich nicht unbedingt eine Mimose, die sich von einem rauen Klima so schnell abschrecken lassen würde. Ich bin ja bekanntlich der Meinung, daß Klartext reden, durchaus bis an die Grenze zur Grobheit, schon nützlich sein kann, als Mittel gegen Heucheleien und falsche Selbstdarstellungen, und auch weil der Lärm die Zuschauer anzieht. Es stellt sich aber schon die Frage, und DamonDiG hat das mal wieder in den Vordergrund geholt, ob das angesichts der verhärteten Fronten und einer alles zudeckenden Bullshitwelle noch wirkt.
Was mir dabei ebenfalls durch den Kopf geht, ist wie wenige entschlossene und ausdauernde Bullshitter genügen, um einen Thread dauerhaft unbrauchbar zu machen. Und wie hilflos die Moderation eines Forums in so einer Situation ist.
Was offenbar am besten wirkt, und daher immer mehr überhand nimmt, schon weil der Trainingsgrad der Betreffenden immer besser wird, ist die Unverschämtheit. Zum Beispiel wirft man dem Diskussionsgegner das vor, was man selbst noch viel frecher und krasser betreibt. Man demonstriert größte Dilettanz und präsentiert sich zugleich als der eigentliche Durchblicker. Man ignoriert sämtliche Gegenargumente und wiederholt einfach seinen immergleichen Bullshit ad infinitum. Man präsentiert sich als Ignorant, als Idiot, als Spinner und als Arschloch, und setzt darauf daß die Moderation jeden Versuch blockiert und bestraft, dies offen anzuprangern, zumal sie keine Gelegenheit auslassen, sich (oder ihre Ansichten) als unterdrückt darzustellen.
Ihr Ziel ist dabei nicht, irgendjemanden zu überzeugen. Darauf habe ich schon kürzlich hingewiesen. Es geht darum, eine vernünftige Diskussion unmöglich zu machen, sie unter schierem Unfug, unter Geschrei und unter Animositäten zu begraben. Die sinnvolle Information soll im Geräusch untergehen.
Ich denke im HiFi-Forum hat über die letzten Jahre eine kritische Masse von Teilnehmern ein Gegengewicht gegen die seit Jahrzehnten in der HiFi-Branche endemische Desinformation bilden können, und zwar ein genügend großes Gegengewicht um die Marktbedingungen spürbar zu verändern. Ich habe mich durchaus absichtsvoll daran beteiligt, weil ich das für dringend nötig halte, angesichts des Fehlens einer unabhängigen Presse, und einer nahezu vollständigen Dominanz der Subjektivisten in der öffentlichen Wahrnehmung der Branche. Aber dieser Erfolg erzeugt ganz im evolutionären Sinn einen Selektionsdruck bei den Gegnern dieser Veränderung, also denen, die von Status Quo seit vielen Jahren zu profitieren gelernt haben. So wie die Anwendung von Antibiotika auf der einen Seite Krankheiten sehr stark zurückdrängen konnte, aber auf der anderen Seite auch zur zunehmenden Bildung resistenter Erreger geführt hat, die immer schwieriger zu bekämpfen sind.
Das kann so weit gehen, daß man Krankenhäuser generalsanieren oder gar abreißen muß, weil sich darin resistente Erreger derart festgesetzt haben, daß man sie auf andere Art und Weise nicht mehr los wird, und das Krankenhaus nicht mehr Gesundheit verbreitet, sondern Krankheit. Ich frage mich, ob wir im HiFi-Forum, oder wenigstens ein paar Threads darin, auf die gleiche Situation zusteuern.
Jetzt wird der eine oder andere Leser die Nase rümpfen, daß ich hier einige Diskussionsteilnehmer im HiFi-Forum mit Krankheitserregern auf eine Stufe stelle. Ich bin allerdings wirklich der Ansicht, daß das "audiophile Weltbild" kein gesunder Geisteszustand ist, daß die Vorstellungen der Audiophilen ein Mem darstellen, das sich wie ein Virus in der HiFi-Branche seuchenartig verbreitet hat, und die Profiteure daraus dieses Mem auch nach Kräften weiter verbreiten. Insofern halte ich die Analogie für berechtigt, wenn auch mit einem Anflug von Augenzwinkern, etwa so zu verstehen wie Georg Schramm's "Furunkel am Gesäß des Bösen".
Wer mit mir nicht einig ist, was die Beurteilung dieser Leute angeht, der möge exemplarisch die Antwort von Janus525 auf den Abschiedsbeitrag von DamonDiG lesen. Erkennt Ihr da auch nur ein Fitzelchen Verständnis für das worum's DamonDiG geht? Ein Mindestmaß an Anstand? Ich nicht. Ein einziger Satz aus DamonDiG's Beitrag, und dazu noch einer der wahrscheinlich nicht auf Janus gemünzt war, wird zum nächsten Aufhänger für Heuchelei und eine erneute Demonstration von blindem Unverstand.
Oder er möge kammerklang's Antwort auf zwei meiner Beiträge lesen. Da vermeidet er die Auseinandersetzung mit so gut wie allem was ich schrieb, und konstruiert einen lächerlichen Vorwurf aus einem falschen Verständnis eines einzigen Wortes aus meinem Beitrag. Und bläst sich dabei so pompös wie nur irgend möglich auf.
Zwei Beispiele von inzwischen Hunderten allein aus der Feder dieser wenigen Teilnehmer, die zusammengenommen die Flutwelle an Bullshit ausmachen, gegen die man gezwungen ist, anzukämpfen.
Wie soll man dagegen angehen? Eine Frage, die eigentlich an die Adresse der Moderation des HiFi-Forum gehen müßte, die aber dort geflissentlich ignoriert wird. Vielleicht hat ja DamonDiG wirklich recht damit, sich zurückzuziehen. Wenn das Krankenhaus verseucht ist, wird es irgendwann einfacher, es aufzugeben.
Was meint Ihr?
Sonntag, 10. März 2013
Über Bullshit
Daß Bullshit im HiFi-Sektor endemisch ist, ist für Leser meines Blogs nichts Neues. Beschäftigen wir uns also mal mit dem "Ding an sich".
Das "Standardwerk" über Bullshit ist das kleine Büchlein von Harry G. Frankfurt, einem Philosophen in den USA, der den Text als Aufsatz 1986 verfaßte. Es mußten aber beinahe 20 Jahre vergehen, bis er als Buch mit dem Titel "On Bullshit" erschien, und gleich zum Bestseller wurde. Es geht darin eigentlich bloß darum, was Bullshit ist, eine vollständige Abhandlung hat Frankfurt nicht darin gesehen.
Der Frage, was Bullshit eigentlich ist, nähert sich Frankfurt dadurch, daß er den Begriff gegen einige andere Begriffe abgrenzt, die im gleichen Zusammenhang stehen. Besonders relevant scheint mir der Vergleich mit der Lüge. Worin unterscheidet sich Bullshit von Lüge?
Moralisch scheint es einen zu geben, denn er erwähnt den Wahlspruch aus einem Roman: "Never tell a lie when you can bullshit your way through!". Lügen ist also schlimmer als bullshitten. Bullshitten ist wie mogeln, nicht ok aber tolerabel, menschlich, verständlich. Frankfurt schreibt: "Tatsächlich neigen die Menschen gegenüber dem Bullshit zu größerer Toleranz als gegenüber der Lüge, vielleicht weil wir Bullshit nicht so stark als persönlichen Affront erleben. Wir mögen uns vom Bullshit distanzieren, aber wir wenden uns eher mit einem ungeduldigen oder irritierten Schulterzucken davon ab als mit jenem Gefühl der Verletzung oder der Empörung, die Lügen in uns auslösen. Die Frage, weshalb wir dem Bullshit mit größerer Milde begegnen als der Lüge, ist eine wichtige, deren Beantwortung ich dem Leser als kleine Hausaufgabe auf den Weg geben möchte."
Wer lügt, der kennt die Wahrheit, behauptet aber das Gegenteil. Was macht der Bullshitter? Er kümmert sich nicht um die Wahrheit. Der Bullshitter tut nur so als ginge es ihm um die Wahrheit, in Wirklichkeit hat er ganz andere Pläne. Er verneint die Wahrheit nicht, er schätzt sie gering. Für Frankfurt hängt es an der Intention desjenigen, der spricht, ob etwas eine Lüge ist, oder Bullshit. Und er hält durchaus nicht Bullshit für harmloser als die Lüge, eher im Gegenteil. "Wer eine Lüge erfinden will, muß glauben, die Wahrheit zu kennen. Und wer eine erfolgreiche Lüge erfinden will, muß seine wahrheitswidrige Behauptung im Hinblick auf diese Wahrheit konstruieren." Der Bullshitter ist dagegen wesentlich freier. Bullshit muß nicht gelogen sein, einfach frei erfunden. Verschleiert werden soll nicht die Wahrheit, sondern die Absicht des Bullshitters. "Das einzige unverzichtbare und unverwechselbare Merkmal des Bullshitters ist, daß er in einer bestimmten Weise falsch darstellt, worauf er aus ist."
Die Lüge beinhaltet damit einen Respekt für die Wahrheit, den Bullshit nicht hat. "Niemand kann lügen, sofern er nicht glaubt, die Wahrheit zu kennen. Zur Produktion von Bullshit ist solch eine Überzeugung nicht erforderlich." Dieser mangelnde Respekt für die Wahrheit ist, was für Frankfurt den Bullshit gefährlicher macht als die Lüge.
Warum haben wir es mit so viel Bullshit zu tun? Ist es heute schlimmer als früher?
Frankfurt glaubt, daß die Bullshit-Schwemme heutzutage mindestens zum Teil auch etwas mit einem postmodernen Zeitgeist zu tun hat, der den Begriff einer objektiven Realität und damit auch der Richtigkeit in Frage stellt, und die individuelle Wahrnehmung in den Vordergrund stellt. "Es ist, als meinte [der Einzelne], da das Bemühen um Tatsachentreue sich als sinnlos erwiesen habe, müsse er nun versuchen, sich selbst treu zu sein." Er versuche so, Richtigkeit durch Aufrichtigkeit zu ersetzen, aber es "stützt nichts in der Theorie und erst recht nichts in der Erfahrung die abstruse These, ein Mensch vermöge am ehesten noch die Wahrheit über sich selbst zu erkennen. ... angesichts dieser Tatsache ist Aufrichtigkeit selbst Bullshit."
Kommt Euch das bekannt vor? Da sind wir direkt in der Mitte audiophiler "Philosophie" gelandet, nicht wahr? Der Vorrang individueller Wahrnehmung, die Geringschätzung objektiver Wahrheit und Richtigkeit, das begünstigt Bullshit.
Ich habe noch eine weitere Erklärung für die Bullshit-Schwemme. Oder eigentlich zwei. Einerseits sind wir zu tolerant, was Bullshit angeht. Würden wir Bullshit für ebenso inakzeptabel halten wie die Lüge, und das den Bullshitter auch spüren lassen, dann hätte er es erheblich schwerer. Das ist vielleicht in unserer unmittelbaren Umgebung noch wichtiger als bei den Bullshittern "da oben", in Medien und Politik. Aber auch da wäre heilsam, wenn Bullshitten so konsequent verfolgt würde wie Plagiieren bei der Doktorarbeit.
Meine zweite Erklärung ist, daß Bullshit umso besser funktioniert, je mehr es davon gibt. Bullshit ist wie Lärm, irgendwann geht der Nutzton unter in einer Art Kakophonie, und es bleibt einem nichts Anderes übrig, als sich auf Instinkt und momentanen Eindruck zu verlassen. Und Bullshit ist darauf spezialisiert, momentane Eindrücke zu erzeugen. Auf deren Haltbarkeit kommt es ja nicht an. Die Situation wird einer Börse mit High-Speed-Trading ähnlicher, wo es auf den Moment ankommt, und gar keine Gelegenheit existiert, vor einer Entscheidung zu recherchieren und nach der Wahrheit zu suchen.
Daraus ergibt sich auch ein ideales Profil eines Bullshitters: Er ist am kurzfristigen Effekt oder Eindruck interessiert, die Wahrheit ist ihm völlig egal. Information hat keinen Wahrheitsgehalt, sondern bloß einen Kurs, und der läßt sich manipulieren. Der Zweck der Kommunikation ist Manipulation, das Ziel ist der eigene Vorteil. Wenn man schon nicht überzeugen kann, dann kann man wenigstens verwirren, das ist fast genauso gut. Vielleicht besser, weil der Verwirrte ist auf seine Instinkte zurückgeworfen, und die kann man besser unterschwellig beeinflussen. Wie das geht, damit beschäftigt sich das Marketing und die Verkaufspsychologie, das interessiert die Medien und die Politik.
Es hilft, wenn man durch keinerlei Verantwortungsbewußtsein behindert ist. Beispiel Klimapolitik. Niemand, der sich mit dem Thema inhaltlich auseinander setzt, hat irgendwelche Zweifel am menschlich-industriellen Einfluß auf die Klimaentwicklung der letzten 150 Jahre. Die Frage ist zwar wie so oft: Was ist ein Beweis? Aber die Frage nach der Plausibilität ist klar zu beantworten, die ganzen Indikatoren zeigen in eine eindeutige Richtung. Aber das betrifft die Frage nach der Wahrheit. Wenn einem die egal ist, und es auf das persönliche oder korporative Interesse ankommt, dann kann man durch die passende Bullshit-Kampagne mindestens mal genug Verwirrung stiften, um die Allgemeinheit auf ihre Instinkte zurückzuwerfen. Das kann man z.B. in den USA schön nachverfolgen. Für eine Kampagne braucht man keine seriöse Wissenschaft, man braucht bloß Geld und eine konsequente Infragestellung der eigentlich unbestreitbaren Ergebnisse, und man kann die öffentliche Meinung drehen.
Das ist im Hifi-Bereich auch nicht anders. Auch da funktioniert Bullshit am besten "viel und laut". Der beste Trick führt über das Einspannen von Freiwilligen. Von Trotteln, die sich gern zum Werkzeug und Multiplikator in einer Bullshit-Kampagne machen lassen. Das ist für mich ohnehin der Lackmustest für gelungene Bullshit-Strategien: Wieviel Kanonenfutter kann man rekrutieren, das sich freiwillig dafür hergibt, sich in öffentlichen Debatten unmöglich zu machen.
Wenn Ihr gescheite Kommentare habt: Bitteschön. Bullshit unwelcome! ;-)
Das "Standardwerk" über Bullshit ist das kleine Büchlein von Harry G. Frankfurt, einem Philosophen in den USA, der den Text als Aufsatz 1986 verfaßte. Es mußten aber beinahe 20 Jahre vergehen, bis er als Buch mit dem Titel "On Bullshit" erschien, und gleich zum Bestseller wurde. Es geht darin eigentlich bloß darum, was Bullshit ist, eine vollständige Abhandlung hat Frankfurt nicht darin gesehen.
Der Frage, was Bullshit eigentlich ist, nähert sich Frankfurt dadurch, daß er den Begriff gegen einige andere Begriffe abgrenzt, die im gleichen Zusammenhang stehen. Besonders relevant scheint mir der Vergleich mit der Lüge. Worin unterscheidet sich Bullshit von Lüge?
Moralisch scheint es einen zu geben, denn er erwähnt den Wahlspruch aus einem Roman: "Never tell a lie when you can bullshit your way through!". Lügen ist also schlimmer als bullshitten. Bullshitten ist wie mogeln, nicht ok aber tolerabel, menschlich, verständlich. Frankfurt schreibt: "Tatsächlich neigen die Menschen gegenüber dem Bullshit zu größerer Toleranz als gegenüber der Lüge, vielleicht weil wir Bullshit nicht so stark als persönlichen Affront erleben. Wir mögen uns vom Bullshit distanzieren, aber wir wenden uns eher mit einem ungeduldigen oder irritierten Schulterzucken davon ab als mit jenem Gefühl der Verletzung oder der Empörung, die Lügen in uns auslösen. Die Frage, weshalb wir dem Bullshit mit größerer Milde begegnen als der Lüge, ist eine wichtige, deren Beantwortung ich dem Leser als kleine Hausaufgabe auf den Weg geben möchte."
Wer lügt, der kennt die Wahrheit, behauptet aber das Gegenteil. Was macht der Bullshitter? Er kümmert sich nicht um die Wahrheit. Der Bullshitter tut nur so als ginge es ihm um die Wahrheit, in Wirklichkeit hat er ganz andere Pläne. Er verneint die Wahrheit nicht, er schätzt sie gering. Für Frankfurt hängt es an der Intention desjenigen, der spricht, ob etwas eine Lüge ist, oder Bullshit. Und er hält durchaus nicht Bullshit für harmloser als die Lüge, eher im Gegenteil. "Wer eine Lüge erfinden will, muß glauben, die Wahrheit zu kennen. Und wer eine erfolgreiche Lüge erfinden will, muß seine wahrheitswidrige Behauptung im Hinblick auf diese Wahrheit konstruieren." Der Bullshitter ist dagegen wesentlich freier. Bullshit muß nicht gelogen sein, einfach frei erfunden. Verschleiert werden soll nicht die Wahrheit, sondern die Absicht des Bullshitters. "Das einzige unverzichtbare und unverwechselbare Merkmal des Bullshitters ist, daß er in einer bestimmten Weise falsch darstellt, worauf er aus ist."
Die Lüge beinhaltet damit einen Respekt für die Wahrheit, den Bullshit nicht hat. "Niemand kann lügen, sofern er nicht glaubt, die Wahrheit zu kennen. Zur Produktion von Bullshit ist solch eine Überzeugung nicht erforderlich." Dieser mangelnde Respekt für die Wahrheit ist, was für Frankfurt den Bullshit gefährlicher macht als die Lüge.
Warum haben wir es mit so viel Bullshit zu tun? Ist es heute schlimmer als früher?
Frankfurt glaubt, daß die Bullshit-Schwemme heutzutage mindestens zum Teil auch etwas mit einem postmodernen Zeitgeist zu tun hat, der den Begriff einer objektiven Realität und damit auch der Richtigkeit in Frage stellt, und die individuelle Wahrnehmung in den Vordergrund stellt. "Es ist, als meinte [der Einzelne], da das Bemühen um Tatsachentreue sich als sinnlos erwiesen habe, müsse er nun versuchen, sich selbst treu zu sein." Er versuche so, Richtigkeit durch Aufrichtigkeit zu ersetzen, aber es "stützt nichts in der Theorie und erst recht nichts in der Erfahrung die abstruse These, ein Mensch vermöge am ehesten noch die Wahrheit über sich selbst zu erkennen. ... angesichts dieser Tatsache ist Aufrichtigkeit selbst Bullshit."
Kommt Euch das bekannt vor? Da sind wir direkt in der Mitte audiophiler "Philosophie" gelandet, nicht wahr? Der Vorrang individueller Wahrnehmung, die Geringschätzung objektiver Wahrheit und Richtigkeit, das begünstigt Bullshit.
Ich habe noch eine weitere Erklärung für die Bullshit-Schwemme. Oder eigentlich zwei. Einerseits sind wir zu tolerant, was Bullshit angeht. Würden wir Bullshit für ebenso inakzeptabel halten wie die Lüge, und das den Bullshitter auch spüren lassen, dann hätte er es erheblich schwerer. Das ist vielleicht in unserer unmittelbaren Umgebung noch wichtiger als bei den Bullshittern "da oben", in Medien und Politik. Aber auch da wäre heilsam, wenn Bullshitten so konsequent verfolgt würde wie Plagiieren bei der Doktorarbeit.
Meine zweite Erklärung ist, daß Bullshit umso besser funktioniert, je mehr es davon gibt. Bullshit ist wie Lärm, irgendwann geht der Nutzton unter in einer Art Kakophonie, und es bleibt einem nichts Anderes übrig, als sich auf Instinkt und momentanen Eindruck zu verlassen. Und Bullshit ist darauf spezialisiert, momentane Eindrücke zu erzeugen. Auf deren Haltbarkeit kommt es ja nicht an. Die Situation wird einer Börse mit High-Speed-Trading ähnlicher, wo es auf den Moment ankommt, und gar keine Gelegenheit existiert, vor einer Entscheidung zu recherchieren und nach der Wahrheit zu suchen.
Daraus ergibt sich auch ein ideales Profil eines Bullshitters: Er ist am kurzfristigen Effekt oder Eindruck interessiert, die Wahrheit ist ihm völlig egal. Information hat keinen Wahrheitsgehalt, sondern bloß einen Kurs, und der läßt sich manipulieren. Der Zweck der Kommunikation ist Manipulation, das Ziel ist der eigene Vorteil. Wenn man schon nicht überzeugen kann, dann kann man wenigstens verwirren, das ist fast genauso gut. Vielleicht besser, weil der Verwirrte ist auf seine Instinkte zurückgeworfen, und die kann man besser unterschwellig beeinflussen. Wie das geht, damit beschäftigt sich das Marketing und die Verkaufspsychologie, das interessiert die Medien und die Politik.
Es hilft, wenn man durch keinerlei Verantwortungsbewußtsein behindert ist. Beispiel Klimapolitik. Niemand, der sich mit dem Thema inhaltlich auseinander setzt, hat irgendwelche Zweifel am menschlich-industriellen Einfluß auf die Klimaentwicklung der letzten 150 Jahre. Die Frage ist zwar wie so oft: Was ist ein Beweis? Aber die Frage nach der Plausibilität ist klar zu beantworten, die ganzen Indikatoren zeigen in eine eindeutige Richtung. Aber das betrifft die Frage nach der Wahrheit. Wenn einem die egal ist, und es auf das persönliche oder korporative Interesse ankommt, dann kann man durch die passende Bullshit-Kampagne mindestens mal genug Verwirrung stiften, um die Allgemeinheit auf ihre Instinkte zurückzuwerfen. Das kann man z.B. in den USA schön nachverfolgen. Für eine Kampagne braucht man keine seriöse Wissenschaft, man braucht bloß Geld und eine konsequente Infragestellung der eigentlich unbestreitbaren Ergebnisse, und man kann die öffentliche Meinung drehen.
Das ist im Hifi-Bereich auch nicht anders. Auch da funktioniert Bullshit am besten "viel und laut". Der beste Trick führt über das Einspannen von Freiwilligen. Von Trotteln, die sich gern zum Werkzeug und Multiplikator in einer Bullshit-Kampagne machen lassen. Das ist für mich ohnehin der Lackmustest für gelungene Bullshit-Strategien: Wieviel Kanonenfutter kann man rekrutieren, das sich freiwillig dafür hergibt, sich in öffentlichen Debatten unmöglich zu machen.
Wenn Ihr gescheite Kommentare habt: Bitteschön. Bullshit unwelcome! ;-)
Donnerstag, 21. Februar 2013
FAQ Verstärkerklang
Im Hifi-Forum gibt es einen Thread-Dauerbrenner über Verstärkerklang, der sein fünftes Jahr schon hinter sich hat, und es schon auf mehr als 15000 Beiträge gebracht hat. Das ist zwar noch gar nichts gegen den Durchzählthread, aber wenn man die Menge an Text berücksichtigt, die in den Threads produziert wurde, dürfte der Verstärkerklang-Thread die Nase vorn haben.
Da schon x-mal bemerkt wurde, wie die Diskussion dort im Kreis läuft, ohne ein Ergebnis zu produzieren, vor allem auch deswegen, weil immer wieder Neueinsteiger auftauchen, die ohne Rücksicht oder Kenntnis der bisherigen Diskussion immer wieder mit den gleichen Fragen oder Behauptungen daher kommen, und damit eine neue Runde in der ewigen Diskussion einläuten, kam die Idee einer FAQ-Liste auf, deren Lektüre man den Neueinsteigern empfehlen kann, bevor sie sich in die Diskussion einschalten. Dies natürlich in der Hoffnung, daß sich dadurch erneute sinnlose Runden sparen lassen.
Ob das etwas hilft, ist genauso umstritten, wie das Threadthema selbst. Nicht ohne Grund wird darauf verwiesen, daß jemand, der sich keine Mühe macht, frühere Threadbeiträge zu lesen, um sich über den Stand der Diskussion zu informieren, sich auch nicht den Aufwand machen wird, die FAQ-Liste zu lesen, zumal nicht klar ist wie man sicherstellen will, daß er überhaupt mitkriegt, daß und wo es eine gibt. Und man kann vermuten, daß es etliche Leute geben wird, deren Ziel gerade die endlose Diskussion ist, und die deshalb absichtlich immer wieder sinnlose Diskussionsrunden anstoßen. Trolle also. Die würden eine FAQ-Liste auch dann nicht lesen, wenn sie darüber Bescheid wüßten.
Aber man kann ja mal den Versuch machen, was ich hier mal tun will. Wobei ich gleich zugebe, daß ich zwar versuchen werde, das nach DamonDiG's Wunsch faktenbasiert zu gestalten, ich aber bzgl. Spitzenfreiheit und Ideologiefreiheit keine Versprechungen mache. ;-)
Nach dieser Vorrede gehe ich direkt zu DamonDiG's Fragenkatalog über:
Ein Eigenklang eines Verstärkers, der dem zu verstärkenden Audiosignal einen für den Verstärker typischen Charakter aufprägt. Im Gegensatz zu der Auffassung vom Verstärker als "Draht mit Verstärkung", der keine eigenen Klangeffekte erzeugt, sondern das Audiosignal klangneutral verstärkt.
Werden zum Beispiel zwei Verstärker verglichen, deren Leistung stark unterschiedlich ist, dann wird der schwächere Verstärker bei genügend lauter Wiedergabe früher übersteuern als der stärkere Verstärker. Ein fairer Vergleich würde die Lautstärke auf ein Maß begrenzen, bei dem keiner der Verstärker übersteuert.
Das heißt natürlich, daß manche Verstärker zu schwach sind für eine bestimmte Anwendungssituation. Dann sind sie dafür eben ungeeignet, aber es wäre ungerechtfertigt, wegen eventueller Übersteuerung von Verstärkerklang zu reden.
Eine Diskussion über Verstärkerleistung ist damit off-topic, es sei denn es geht um (angebliche) Klangeffekte, die von der Verstärkerleistung abhängen, ohne daß das mit einer Übersteuerung zu tun hätte. Solche Behauptungen werden manchmal im Zusammenhang mit der "Stromlieferfähigkeit" gemacht, aber da gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Verstärkerleistung.
Was die Frage ebensowenig meint ist, ob jemand den Eindruck unterschiedlichen Klangs bei Verstärkern hat. Es ist bekannt, daß der Eindruck von Unterschieden schnell entstehen kann, auch wenn es solche Unterschiede in Wirklichkeit nicht gegeben hat. Schilderungen von Klangeindrücken sind daher in aller Regel nicht zielführend und off-topic, so lange keine Anstalten gemacht werden, zu zeigen, daß die Eindrücke auf wirkliche Unterschiede zurückgehen. Auch die auftrumpfende Versicherung, der Effekt sei so deutlich gewesen, daß man sich unmöglich geirrt haben könne, hilft da nicht weiter.
Bei unserem Thema geht es dagegen um Verstärker auf der Wiedergabeseite, und nicht auf der Seite wo der Klang erst erzeugt wird. Genauer gesagt geht es um Verstärker, die für die Wiedergabe zuhause von Audiomaterial aus Klangkonserven gedacht sind, also um HiFi-Verstärker. HiFi steht ja für hohe Klangtreue, das heißt es geht um Verstärker, die diese hohe Klangtreue auch erfüllen sollen und wollen. Wenn ein Verstärker nicht entwickelt wurde, um dieses Ziel zu verfolgen, dann ist es kein Wunder wenn er klangliche Veränderungen bewirkt.
Ebensowenig relevant für das Thema sind defekte Verstärker, oder solche bei denen etwas falsch justiert oder durch Alterung aus dem Ruder gelaufen ist.
Der Thread dreht sich also nicht um die Frage, ob ein Verstärker Klangveränderungen bewirken kann, wenn das bei dessen Konstruktion so gewollt war, oder wenn etwas faul ist. Diese Frage würde sich von selbst beantworten. Es geht vielmehr darum, ob ein intakter Verstärker merkliche Klangveränderungen verursacht, obwohl er als HiFi-Verstärker entwickelt wurde.
Anders formuliert geht es darum, ob Verstärker zwangsläufig unterschiedlich klingen, schon weil sie sich konstruktiv unterscheiden, oder ob solche konstruktiven Unterschiede auf den Klang keinen Einfluß haben, es sei denn das wäre so gewollt. Oder einfacher: Was ist der Normalfall: Daß Verstärker gleich klingen, oder daß sie unterschiedlich klingen?
Ich will hier nicht alle möglichen Faktoren auflisten, das würde zu weit führen. Bei den Störeinflüssen ist es aber so, daß diese zwar Einfluß auf den Klang haben können, aber für eine Diskussion von Verstärkerklang schwerlich relevant sein können, weil sie sehr stark von den äußeren Umständen abhängen, und nicht bloß vom Verstärker selbst. Es macht daher nicht wirklich Sinn, von Verstärkerklang zu reden, bloß weil zwei Verstärker eine unterschiedliche Empfindlichkeit für eine Störung haben, die an einem Ort und zu einer Zeit vielleicht auftritt, an anderen Orten und Zeiten aber nicht. Die beiden Verstärker mögen dann unterschiedlich praxistauglich sein, sie sind aber kein Beispiel für Verstärkerklang.
Das Beispiel der Ausgangsimpedanz verdient noch eine besondere Anmerkung. Die Ausgangsimpedanz eines Verstärkers bildet zusammen mit der Impedanz des angeschlossenen Lautsprechers einen Spannungsteiler, der in aller Regel eine mit der Frequenz variierende Charakteristik hat. Eine relativ hohe Ausgangsimpedanz eines Verstärkers führt daher in Verbindung mit einem Lautsprecher mit schwankender Impedanzkurve zu einem möglicherweise hörbaren Einfluß auf den Frequenzgang. Das ist ein altbekannter Effekt, der sich auch einfach ausrechnen läßt, wenn man die Impedanzkurven von Verstärker und Lautsprecher kennt. Dieses Verhalten wurde meist als unerwünscht betrachtet, weshalb die meisten Verstärker eine so niedrige Ausgangsimpedanz haben, daß der Einfluß auf den Frequenzgang unter der Hörbarkeitsgrenze liegt. Diese Überlegung wird meist mit dem Begriff des "Dämpfungsfaktors" verbunden, der das Verhältnis der beiden Impedanzen ausdrückt, und der steigt wenn die Ausgangsimpedanz des Verstärkers sinkt. Ein Dämpfungsfaktor von über 10 wird üblicherweise als ausreichend betrachtet, um hörbare Frequenzgangänderungen zu vermeiden.
Daraus folgt natürlich, daß bei einem niedrigeren Dämpfungsfaktor möglicherweise Unterschiede zwischen Verstärkern hörbar werden können. Es ist wichtig, sich klar zu machen, daß das kein Verstärkerklang ist, sondern ein Phänomen, das im Zusammenwirken von Verstärker und Lautsprecher entsteht, und daher nur für eine bestimmte Kombination der beiden gilt. Falls ein Verstärker einen zu geringen Dämpfungsfaktor hat (was besonders oft bei Röhrenverstärkern der Fall ist), dann kann man Klangveränderungen dadurch vermeiden, daß man impedanzlinearisierte Lautsprecher benutzt.
Ein wichtiger Grund dafür sind Maskierungseffekte im Gehör, die es stark von den genauen Umständen abhängig machen, ob ein Effekt hörbar wird oder nicht. Solche Eigenschaften des Gehörs werden manchmal genutzt, wie z.B. bei der MP3-Codierung, aber bei der Beurteilung von Verstärkern macht man es sich meist vergleichsweise einfach, und vernachlässigt solche Maskierungseffekte, indem man Grenzen angibt, die eine Unhörbarkeit auch dann noch gewährleisten würden, wenn es keine Maskierung gäbe. Das führt dann dazu, daß oft auch Verstärker, bei denen man meßtechnisch schon "rot sehen" würde, Musik noch ohne merkliche Klangverfälschung wiedergeben können. Gerade Musik produziert als komplexes Material auch besonders viele Maskierungen, so daß für einige typischen "Probleme", die Verstärker haben können, künstliche und scheinbar "einfache" Testsignale eine wesentlich bessere Erkennungsmöglichkeit bieten.
Das steht im Gegensatz zur weit verbreiteten, aber unbelegten Ansicht, die Komplexität von echter Musik würde einen Verstärker mehr fordern, als ein einfaches Sinussignal, und Musik würde daher als Testsignal für die Entdeckung und Beurteilung von Klangunterschieden geeigneter sein als künstliche Testsignale.
Einen ersten Überblick über die Hörschwellen, die für hochqualitative Signalverarbeitung angesetzt werden, kann die ITU-Norm BS.644-1 geben. Diese betreffen eine komplette Signalkette, man wird daher anstreben, die Werte für einen Verstärker signifikant besser zu machen, damit die Schwellen auch bei einer längeren Kette von Geräten noch gehalten werden können.
Anders aber als beim Hörsinn hat man bei der Meßtechnik wesentlich mehr Möglichkeiten, mit den Parametern zu "spielen". Die Frequenzauflösung und der Frequenzbereich einer FFT-Messung ist z.B. beliebig änderbar, während das Gehör durch die Konstruktion des Innenohrs festgelegt ist. Das erlaubt es, die Möglichkeiten des Gehörs bei einer Messung teilweise um etliche Zehnerpotenzen zu übertreffen.
Beschäftigt man sich mit dem Schall selbst, dann hat man es mit der Schwierigkeit zu tun, daß das ein Welleneffekt im dreidimensionalen Raum ist, und nicht mehr ein eindimensionales Signal. Die Sache sieht also an unterschiedlichen Orten im Raum unterschiedlich aus, und zusätzlich noch beeinflußt ein Körper (ob das ein Mikrofon ist oder ein Mensch) den Schall durch seine Anwesenheit im Raum. Es ist daher nicht ganz einfach, eine Messung so zu machen, daß sie repräsentativ ist für das, was der Mensch hört. In manchen Fällen wird man so weit gehen, kleine Mikrofone in die menschlichen Gehörgänge einzuführen, um möglichst nahe an das Trommelfell heran zu kommen, und so den gleichen Schall aufnehmen kann, den auch der Mensch aufnimmt. Das ist technisch möglich und wird auch gemacht, ist aber ungewohnt und kann unangenehm sein, abgesehen davon daß der Aufwand nicht unbeträchtlich ist.
Zum Glück ist das für eine Beurteilung von Verstärkern unnötig, denn wie geschrieben hat der es gar nicht mit Schall zu tun, sondern mit einem elektrischen Signal am Eingang wie am Ausgang. Das ist eine ungleich übersichtlichere Situation.
Das kann man nicht nur bei der Messung, sondern bei der Konstruktion von Verstärkern ausnutzen, und es wird routinemäßig ausgenutzt, nämlich durch die Gegenkopplung. Der Verstärker vergleicht selbst im laufenden Betrieb kontinuierlich sein Ausgangssignal mit dem Eingangssignal, und gleicht etwaige Unterschiede aus. Das kann extrem wirkungsvoll sein, und erlaubt es, die Fehlergröße auf weniger als ein Hundertstel dessen zu senken, was man unter günstigsten Bedingungen gerade noch wahrnehmen kann.
Ein wesentliches Merkmal von Verstärkerkonstruktionen ist also, ob und in welchem Ausmaß sie mit Gegenkopplung arbeiten. Ohne Gegenkopplung ist ein Verstärker für seine eigenen Fehler blind, und kann sie nicht korrigieren. Sie müssen also von vorn herein und in allen relevanten Situationen niedrig genug gehalten werden, was nicht einfach ist. Die Fehler, die ein nicht gegengekoppelter Verstärker macht, sind daher oftmals um Größenordnungen stärker als die von gegengekoppelten Verstärkern, und das kann stark genug sein um hörbar zu werden.
Andere Kriterien, nach denen man Verstärker klassifizieren kann, drehen sich um die verwendeten Verstärkerbauteile (Röhren, Übertrager, Bipolar-Transistoren, MOSFETs, ...), um die Schaltungstopologie (Eintakt, Gegentakt, gebrückt, ...), um die Arbeitsweise bzw. Klasse (A, AB, B, D, G, H, ...), und teils noch weitere Kriterien und Sonderformen.
Die Gegenkopplung hat neben ihren positiven Eigenschaften auch das potenzielle Problem, daß Instabilitäten auftreten können, teils abhängig von der Art der Last am Ausgang des Verstärkers. Das muß nicht so weit gehen, daß der Verstärker zu schwingen anfängt. Es könnte auch unauffälligere klangliche Konsequenzen haben. So etwas kann man durch geeignete Frequenzkompensation des Verstärkers unterbinden, aber je nach Verstärkerkonstruktion kann das ein schwieriges Problem sein, und vielleicht rührt ein Teil der negativen Publicity um die Gegenkopplung auch daher, daß nicht alle Entwickler diesem Problem gewachsen waren bzw. sind.
Die anderen Kriterien haben darauf insofern einen Einfluß, als sich die Situation für die Gegenkopplung jeweils anders darstellen kann. So brauchen z.B. Röhrenverstärker meist einen Ausgangsübertrager, und dessen Phasengang über die Frequenz kann eine Gegenkopplung deutlich erschweren. Viele Röhrenverstärker haben daher nur wenig oder gar keine Gegenkopplung, die den Ausgangsübertrager mit einschließt, und können dessen Fehler nicht korrigieren. Die Folge ist verstärkter Klirr, besonders bei niedrigen Frequenzen, und eine höhere Ausgangsimpedanz.
Ein Verstärker, der in Klasse A arbeitet, vermeidet unter Inkaufnahme größerer Energieverluste die Übernahmeverzerrungen, die im Betrieb der Klasse B oder (weniger) AB prinzipbedingt auftreten, und durch Gegenkopplung korrigiert werden müssen. Bei Verstärkern ohne Gegenkopplung gibt es daher eine starke Tendenz in Richtung Klasse A, weil ansonsten der Klirr leicht zu groß werden kann. Das erkauft man sich durch stark erhöhten Stromverbrauch auch im Leerlauf.
Wenn Klirr aufgrund solcher Umstände in nennenswertem Ausmaß entsteht, dann kommt es ggf. auch zu unterschiedlichen Charaktern der klanglichen Veränderungen, denn dann hängt das Ergebnis von der Verteilung des Klirrs auf unterschiedliche Oberwellen ab.
Bleibt der Klirr dagegen im unbedenklichen Bereich, dann sollten sich die unterschiedlichen Klassen nicht unterscheiden.
Noch einfacher ist die Sache, wenn man integrierte Schaltungen verwendet, die den Großteil der Schaltung für einen Verstärker bereits auf einem fertigen Chip vereinigt. Das erspart eigene Arbeit bei der Schaltungsauslegung und -optimierung, und liefert ein qualitatives Ergebnis, das auch bei eigener Schaltungsentwicklung nur schwer zu toppen ist. Zudem sind so aufgebaute Verstärker in der Regel robuster und zuverlässiger als viele "Eigenkonstruktionen".
Auch die nötige Meßtechnik für eine Erfolgskontrolle und Optimierung steht mittlerweile breit zur Verfügung. Für Firmen ist das ohnehin kein Problem, aber selbst Privatleute haben heute Möglichkeiten, die vor relativ kurzer Zeit noch eine Menge Geld gekostet hätten. Es fehlt lediglich manchmal an der Bereitschaft, sich eine gute Beherrschung der Grundlagen anzueignen, damit sinnvolle Messungen dabei heraus kommen.
Mit beiden Prinzipien kann man neutrale Verstärker bauen, die Entwicklung ist bei Klasse D aber schwieriger, vor allem weil es mehr Probleme mit der Gegenkopplung, und mit HF-Störungen gibt. Das haben nicht alle Hersteller gleich gut im Griff.
Die Klasse-AB ist demgegenüber besser beherrscht und problemloser zu bauen, was nicht bedeutet daß dort keine Fehler passieren.
2. Gegenkopplung
3. Gegenkopplung
Spaß beiseite: Typischerweise sind die passiven Bauteile (Widerstände, Kondensatoren, etc.) in Sachen Toleranz wesentlich besser als Transistoren, Dioden, Röhren und dergleichen. Wenn man nicht speziell selektiert, dann können z.B. Transistoren des gleichen Typs schon mal um den Faktor 2 bei der Stromverstärkung differieren. Widerstände haben dagegen heute oft eine Toleranz von 1% ohne Aufpreis. Dazu kommen Temperaturabhängigkeiten, und speziell bei Röhren auch Alterungseffekte.
Man muß sich also als Schaltungsentwickler überlegen, wie man die Schaltung so auslegt, daß sich diese Toleranzen nicht negativ auswirken können. Man könnte sich zwar auf eine Selektion der Bauteile verlegen, aber was macht man mit dem Ausschuß? Zudem ist dadurch noch kein Temperatureffekt kompensiert.
Die in der Praxis wesentlich wirkungsvollere Methode baut auf die Gegenkopplung, denn die korrigiert den Effekt der Toleranzen zusammen mit den anderen Fehlern gleich mit. Es kommt dazu, daß man die Lösung quasi in die Schaltung hinein designen kann, und sich so das Selektieren und Justieren einzelner Bauteile und Geräte bei der Fertigung komplett spart, was einen gewaltigen finanziellen Nutzen haben kann.
Dann stellt sich die Frage, ob man das Richtige gemessen hat, oder bei der Messung etwas übersehen hat. Das kann auch ein Unterschied zwischen der Meßsituation und der Hörsituation sein. Oben war z.B. schon mal von Störeffekten die Rede. Wenn ein störender Einfluß auf dem Meßtisch nicht vorhanden war, am Hörplatz aber schon, dann drückt die Messung nicht die Situation am Hörplatz aus, und der gehörte Unterschied hat eine nachvollziehbare Erklärung. Es könnte also nötig werden, daß man die Messung durchführt, ohne das Setup zu verändern, das zum Hören benutzt wurde.
Generell kann man nur solche Fremdeinflüsse ausschließen, mit denen man rechnet. Die Möglichkeit bleibt damit immer bestehen, daß man etwas übersehen hat, was das Testergebnis unbrauchbar macht.
Das macht zum einen Gewissenhaftigkeit nötig, und Umsichtigkeit. Dem kann man auf die Sprünge helfen, indem man sich mit der Methodik solcher Tests beschäftigt, also nicht dem Irrtum verfällt, man sei mit genug Wissen über solche Hörtests schon auf die Welt gekommen, und brauche sich nur vor die Anlage zu setzen und die Ohren aufzusperren. Über Hörtests ist schon viel geforscht und geschrieben worden, und die Vorstellung davon, wie so etwas aussieht, hat oft genug sehr wenig mit der Realität zu tun. Wer es wirklich ernst meint, der kann sich mit Büchern wie z.B. Bech/Zacharov "Perceptual Audio Evaluation" einen Überblick verschaffen (Englischkenntnisse vorausgesetzt). So viel Hingabe wird aber vermutlich kaum jemand aufbringen.
Zum anderen macht das die Bereitschaft nötig, ein Testergebnis auch mal aufzugeben, wenn genügend starke Hinweise auftauchen, daß es Fremdeinflüsse gegeben haben kann, die das Ergebnis invalidieren. Das fällt angesichts des manchmal getriebenen Aufwandes auch nicht ganz leicht.
Angesichts dessen wird man sich vorher überlegen, wie genau man's eigentlich wissen will, wozu man es wissen will, und ob das den Aufwand rechtfertigt. Und man tut gut daran, die zu klärende Frage etwas konkreter zu formulieren, und sich zu überlegen welches Ergebnis die Frage mit ausreichender Sicherheit beantworten würde. Wo also die Latte zu liegen hat. Daran bemißt sich das Vorgehen beim Test, und daran sollte man auch festhalten, wenn man den Test nicht ad absurdum führen will.
Bei den auszuschließenden Fremdeinflüssen stehen ganz vorne die bewußten und unbewußten Voreinstellungen des Hörers gegenüber den zu testenden Geräten. Es gibt Leute, die glauben sie könnten sich davon frei machen, und neutral hören und entscheiden, obwohl sie wissen, welches Gerät sie gerade hören. Ich würde mir das noch nicht einmal selbst abkaufen, und einem Dritten schon gar nicht. Wer glaubt, das im Griff zu haben, macht sich etwas vor, das wurde auch immer wieder wissenschaftlich bestätigt.
Es mag sein, daß man für einen privaten Test diese Möglichkeit in Kauf nimmt, denn das Mittel dagegen ist mit einem gewissen Aufwand verbunden: Der Blindtest. Das hat nichts mit dem Schließen der Augen zu tun, sondern drückt im übertragenen Sinn aus, daß man als Hörer keine Information darüber hat, welchem Gerät man gerade zuhört, egal über welchen Weg man diese Information auch aufnehmen könnte. Es reicht schon wenn man an einem verräterischen Umschaltgeräusch erkennen kann, welches Gerät nun aktiv ist. Man will schließlich nicht wissen, ob man Umschaltgeräusche zuordnen kann, sondern es geht um den Klang der Audiosignale, die den Verstärker durchlaufen.
Den Test in dieser Hinsicht zu "verblinden" erfordert daher mehr als ein Tuch vor den Augen. Meist braucht es noch eine weitere Person als Handlanger, um nach einem zufälligen, dem Hörer nicht bekannten Plan zwischen den Verstärkern zu wechseln, und dabei alles zu vermeiden was einen Hinweis geben könnte. Es braucht auch eine Planung, wie viele Durchläufe man machen muß, und wieviele davon korrekt zugeordnet sein müssen, um mit ausreichender Sicherheit ein Zufallsergebnis auszuschließen. Das ist für sich gesehen schon schwieriger als man denkt, wenn man sich nicht in der Wahrscheinlichkeitsrechnung auskennt.
Wenn man aber auch Andere, zumal Skeptiker, überzeugen will, dann kommt man un diesen Aufwand nicht herum. Daß ein empörtes Aufstampfen mit den Worten "Aber ich hör's doch!" niemanden hinter dem Ofen hervor lockt, dafür hat es in der 5-jährigen Geschichte des Threads zahlreiche Beispiele gegeben.
Zur Vermeidung von Fremdeinflüssen gehört bei Verstärkern auch, daß man für Pegelgleichheit sorgt. Ob sich Verstärker unterschiedlich anhören, weil sie unterschiedlich laut sind, interessiert niemanden. Auch die Beteuerung, man könne ja wohl Klangunterschiede von Lautstärkeunterschieden unterscheiden, verfängt nicht. Zum Einen gehört das zu den Dingen, bei denen man sich sehr leicht täuscht; gerade geringe Lautstärkeunterschiede werden oft als Klangunterschied fehlinterpretiert. Zum Anderen macht das die Verblindung zunichte, weil es wieder einen Hinweis gibt, der mit dem Klang nichts zu tun hat.
Aus dem Gesagten ergibt sich auch schon, daß ein Pegelausgleich per Gehör normalerweise nicht reicht. Für eine Gleichheit innerhalb von 0,1 dB (so genau muß es sein um auszuschließen, daß die Pegelunterschiede das Hörergebnis verfälschen) braucht es Meßgeräte. Das kann etwas Einfaches wie ein Handmultimeter sein, wenn es nicht zu schlecht ist und man weiß wie man damit umzugehen hat. Zudem muß die Anlage erlauben, den Pegelausgleich so genau zu machen. Wenn man den Pegel nur in Stufen von 0,5 dB oder gar 1 dB verstellen kann, dann hat man bereits ein Problem.
Außerdem tut man gut daran, wenn man dafür sorgt daß die Umschaltung zwischen den Geräten möglichst zeitnah erfogen kann, und vom Hörenden selbst während des Tests gemacht werden kann (siehe dazu z.B. die ABX-Testmethode). Je länger die Pause dazwischen ist, desto schlechter werden erfahrungsgemäß die Fähigkeiten werden, Unterschiede zu erkennen. Und wer nicht selbst umschaltet, der kann auch Zeitpunkt und Häufigkeit der Umschaltung nicht frei nach eigenem Gusto wählen. Auch das wirkt sich eher negativ als positiv aus. Das bedeutet aber, daß man im Idealfall eine Kiste braucht, mit der man ferngesteuert vom Hörplatz aus umschalten kann, und die trotzdem die Verblindung aufrecht erhält. Das hat man nicht einfach so daheim, und es ist auch nicht in einer halben Stunde zusammengefrickelt. Hat man so etwas nicht zur Verfügung, macht das den Test nicht unmöglich, aber es macht ihn schwieriger. Das gilt es im Blick zu behalten.
Aber nichtsdestotrotz sollte jeder Interessierte im Rahmen seiner Möglichkeiten mal so etwas machen, denn das ist ein Augenöffner. Diejenigen, die so etwas schon gemacht haben, teilen sich danach auf in eine Fraktion, die ihre eigenen Ansichten grundsätzlich auf den Prüfstand stellt, und eine andere Fraktion, die Gründe dafür sucht, wie sie das Ergebnis für sich für irrelevant oder ungültig hinstellen können.
So weit die von DamonDiG präsentierte Fragenliste. Die kann auch erweitert werden, dann füge ich das hier dazu, so weit Zeit, Lust und Einsicht bei mir reichen. Kommentare können diesmal auch im Verstärkerklangthread abgegeben werden, als Alternative zum üblichen Thread.
Da schon x-mal bemerkt wurde, wie die Diskussion dort im Kreis läuft, ohne ein Ergebnis zu produzieren, vor allem auch deswegen, weil immer wieder Neueinsteiger auftauchen, die ohne Rücksicht oder Kenntnis der bisherigen Diskussion immer wieder mit den gleichen Fragen oder Behauptungen daher kommen, und damit eine neue Runde in der ewigen Diskussion einläuten, kam die Idee einer FAQ-Liste auf, deren Lektüre man den Neueinsteigern empfehlen kann, bevor sie sich in die Diskussion einschalten. Dies natürlich in der Hoffnung, daß sich dadurch erneute sinnlose Runden sparen lassen.
Ob das etwas hilft, ist genauso umstritten, wie das Threadthema selbst. Nicht ohne Grund wird darauf verwiesen, daß jemand, der sich keine Mühe macht, frühere Threadbeiträge zu lesen, um sich über den Stand der Diskussion zu informieren, sich auch nicht den Aufwand machen wird, die FAQ-Liste zu lesen, zumal nicht klar ist wie man sicherstellen will, daß er überhaupt mitkriegt, daß und wo es eine gibt. Und man kann vermuten, daß es etliche Leute geben wird, deren Ziel gerade die endlose Diskussion ist, und die deshalb absichtlich immer wieder sinnlose Diskussionsrunden anstoßen. Trolle also. Die würden eine FAQ-Liste auch dann nicht lesen, wenn sie darüber Bescheid wüßten.
Aber man kann ja mal den Versuch machen, was ich hier mal tun will. Wobei ich gleich zugebe, daß ich zwar versuchen werde, das nach DamonDiG's Wunsch faktenbasiert zu gestalten, ich aber bzgl. Spitzenfreiheit und Ideologiefreiheit keine Versprechungen mache. ;-)
Nach dieser Vorrede gehe ich direkt zu DamonDiG's Fragenkatalog über:
1.Grundlagen und Definitionen
a) Was ist mit dem in der Threadfrage angesprochenen Verstärkerklang gemeint?
Ein Eigenklang eines Verstärkers, der dem zu verstärkenden Audiosignal einen für den Verstärker typischen Charakter aufprägt. Im Gegensatz zu der Auffassung vom Verstärker als "Draht mit Verstärkung", der keine eigenen Klangeffekte erzeugt, sondern das Audiosignal klangneutral verstärkt.
b) Was ist in der Threadfrage mit „in welchem Maße“ gemeint?
Es geht speziell um die Frage, ob eventuelle Effekte so stark sind, daß der klangliche Einfluß hörbar wird. Mit anderen Worten, es geht um die Frage ob verschiedene Verstärker auch wahrnehmbar verschieden klingen.c) Was ist in der Threadfrage mit „in welchem Maße“ nicht gemeint?
Es ist klar, daß Verstärker unterschiedlich klingen können, wenn sie unterschiedlich laut eingestellt sind, oder außerhalb ihrer Möglichkeiten betrieben werden. Für einen fairen Vergleich ist es wichtig, daß solche Umstände vermieden werden.Werden zum Beispiel zwei Verstärker verglichen, deren Leistung stark unterschiedlich ist, dann wird der schwächere Verstärker bei genügend lauter Wiedergabe früher übersteuern als der stärkere Verstärker. Ein fairer Vergleich würde die Lautstärke auf ein Maß begrenzen, bei dem keiner der Verstärker übersteuert.
Das heißt natürlich, daß manche Verstärker zu schwach sind für eine bestimmte Anwendungssituation. Dann sind sie dafür eben ungeeignet, aber es wäre ungerechtfertigt, wegen eventueller Übersteuerung von Verstärkerklang zu reden.
Eine Diskussion über Verstärkerleistung ist damit off-topic, es sei denn es geht um (angebliche) Klangeffekte, die von der Verstärkerleistung abhängen, ohne daß das mit einer Übersteuerung zu tun hätte. Solche Behauptungen werden manchmal im Zusammenhang mit der "Stromlieferfähigkeit" gemacht, aber da gibt es keinen eindeutigen Zusammenhang mit der Verstärkerleistung.
Was die Frage ebensowenig meint ist, ob jemand den Eindruck unterschiedlichen Klangs bei Verstärkern hat. Es ist bekannt, daß der Eindruck von Unterschieden schnell entstehen kann, auch wenn es solche Unterschiede in Wirklichkeit nicht gegeben hat. Schilderungen von Klangeindrücken sind daher in aller Regel nicht zielführend und off-topic, so lange keine Anstalten gemacht werden, zu zeigen, daß die Eindrücke auf wirkliche Unterschiede zurückgehen. Auch die auftrumpfende Versicherung, der Effekt sei so deutlich gewesen, daß man sich unmöglich geirrt haben könne, hilft da nicht weiter.
d) Sind alle Verstärker gemeint oder gibt es begründete (definitionsbedingte) Ausnahmen?
Es gibt Ausnahmen. Wenn Verstärker mit dem ausdrücklichen Ziel gebaut werden, den Klang zu verändern, dann wäre es natürlich unsinnig, zu behaupten, daß sie das nicht tun. Zu dieser Kategorie gehören zum Beispiel Instrumentenverstärker, hauptsächlich für Gitarren und Baßgitarren. Die muß man eigentlich eher zum Instrument hinzurechnen, und das ganze Ensemble von Gitarre, Verstärker und Lautsprecher zusammengenommen dient der Erzeugung von gezielt manipulierbaren Klängen.Bei unserem Thema geht es dagegen um Verstärker auf der Wiedergabeseite, und nicht auf der Seite wo der Klang erst erzeugt wird. Genauer gesagt geht es um Verstärker, die für die Wiedergabe zuhause von Audiomaterial aus Klangkonserven gedacht sind, also um HiFi-Verstärker. HiFi steht ja für hohe Klangtreue, das heißt es geht um Verstärker, die diese hohe Klangtreue auch erfüllen sollen und wollen. Wenn ein Verstärker nicht entwickelt wurde, um dieses Ziel zu verfolgen, dann ist es kein Wunder wenn er klangliche Veränderungen bewirkt.
Ebensowenig relevant für das Thema sind defekte Verstärker, oder solche bei denen etwas falsch justiert oder durch Alterung aus dem Ruder gelaufen ist.
Der Thread dreht sich also nicht um die Frage, ob ein Verstärker Klangveränderungen bewirken kann, wenn das bei dessen Konstruktion so gewollt war, oder wenn etwas faul ist. Diese Frage würde sich von selbst beantworten. Es geht vielmehr darum, ob ein intakter Verstärker merkliche Klangveränderungen verursacht, obwohl er als HiFi-Verstärker entwickelt wurde.
Anders formuliert geht es darum, ob Verstärker zwangsläufig unterschiedlich klingen, schon weil sie sich konstruktiv unterscheiden, oder ob solche konstruktiven Unterschiede auf den Klang keinen Einfluß haben, es sei denn das wäre so gewollt. Oder einfacher: Was ist der Normalfall: Daß Verstärker gleich klingen, oder daß sie unterschiedlich klingen?
2.Akustische Grundlagen
a) In welchen definierten Eigenschaften des Schalls können sich hörbare Unterschiede zwischen Verstärkern zeigen (Frequenzgang, Klirr, Rauschabstand…)?
Alle drei genannten Faktoren können hörbare Unterschiede bewirken, wenn die Unterschiede in den Meßwerten über den Hörschwellen liegen. Es gibt auch noch ein paar weitere Einflußfaktoren, wie z.B. die Ausgangsimpedanz, oder Empfindlichkeiten für Störeinflüsse aller Art.Ich will hier nicht alle möglichen Faktoren auflisten, das würde zu weit führen. Bei den Störeinflüssen ist es aber so, daß diese zwar Einfluß auf den Klang haben können, aber für eine Diskussion von Verstärkerklang schwerlich relevant sein können, weil sie sehr stark von den äußeren Umständen abhängen, und nicht bloß vom Verstärker selbst. Es macht daher nicht wirklich Sinn, von Verstärkerklang zu reden, bloß weil zwei Verstärker eine unterschiedliche Empfindlichkeit für eine Störung haben, die an einem Ort und zu einer Zeit vielleicht auftritt, an anderen Orten und Zeiten aber nicht. Die beiden Verstärker mögen dann unterschiedlich praxistauglich sein, sie sind aber kein Beispiel für Verstärkerklang.
Das Beispiel der Ausgangsimpedanz verdient noch eine besondere Anmerkung. Die Ausgangsimpedanz eines Verstärkers bildet zusammen mit der Impedanz des angeschlossenen Lautsprechers einen Spannungsteiler, der in aller Regel eine mit der Frequenz variierende Charakteristik hat. Eine relativ hohe Ausgangsimpedanz eines Verstärkers führt daher in Verbindung mit einem Lautsprecher mit schwankender Impedanzkurve zu einem möglicherweise hörbaren Einfluß auf den Frequenzgang. Das ist ein altbekannter Effekt, der sich auch einfach ausrechnen läßt, wenn man die Impedanzkurven von Verstärker und Lautsprecher kennt. Dieses Verhalten wurde meist als unerwünscht betrachtet, weshalb die meisten Verstärker eine so niedrige Ausgangsimpedanz haben, daß der Einfluß auf den Frequenzgang unter der Hörbarkeitsgrenze liegt. Diese Überlegung wird meist mit dem Begriff des "Dämpfungsfaktors" verbunden, der das Verhältnis der beiden Impedanzen ausdrückt, und der steigt wenn die Ausgangsimpedanz des Verstärkers sinkt. Ein Dämpfungsfaktor von über 10 wird üblicherweise als ausreichend betrachtet, um hörbare Frequenzgangänderungen zu vermeiden.
Daraus folgt natürlich, daß bei einem niedrigeren Dämpfungsfaktor möglicherweise Unterschiede zwischen Verstärkern hörbar werden können. Es ist wichtig, sich klar zu machen, daß das kein Verstärkerklang ist, sondern ein Phänomen, das im Zusammenwirken von Verstärker und Lautsprecher entsteht, und daher nur für eine bestimmte Kombination der beiden gilt. Falls ein Verstärker einen zu geringen Dämpfungsfaktor hat (was besonders oft bei Röhrenverstärkern der Fall ist), dann kann man Klangveränderungen dadurch vermeiden, daß man impedanzlinearisierte Lautsprecher benutzt.
b) Welche Hörschwellen werden für Abweichungen in den einzelnen Eigenschaften angenommen?
Die Eigenschaften des Gehörs sind zwar recht gut erforscht, aber auch ziemlich komplex. Um sich das Leben einfacher zu machen, benutzt man daher im Zusammenhang mit Verstärkern meist Grenzwerte, mit denen man davon ausgeht, auf der sicheren Seite zu sein. Das bedeutet, daß ein Effekt nicht schon allein deswegen hörbar wird, weil er über einer solchen Grenze liegt. Es wäre daher ein großer Fehler, wenn man aus der Angabe einer solchen Grenze schließen würde, daß bei überschreiten der Grenze ein hörbarer Effekt vorliegt. Im Gegenteil ist es völlig normal, wenn ein Effekt selbst dann noch unhörbar bleibt, wenn er die Grenze beträchtlich überschreitet.Ein wichtiger Grund dafür sind Maskierungseffekte im Gehör, die es stark von den genauen Umständen abhängig machen, ob ein Effekt hörbar wird oder nicht. Solche Eigenschaften des Gehörs werden manchmal genutzt, wie z.B. bei der MP3-Codierung, aber bei der Beurteilung von Verstärkern macht man es sich meist vergleichsweise einfach, und vernachlässigt solche Maskierungseffekte, indem man Grenzen angibt, die eine Unhörbarkeit auch dann noch gewährleisten würden, wenn es keine Maskierung gäbe. Das führt dann dazu, daß oft auch Verstärker, bei denen man meßtechnisch schon "rot sehen" würde, Musik noch ohne merkliche Klangverfälschung wiedergeben können. Gerade Musik produziert als komplexes Material auch besonders viele Maskierungen, so daß für einige typischen "Probleme", die Verstärker haben können, künstliche und scheinbar "einfache" Testsignale eine wesentlich bessere Erkennungsmöglichkeit bieten.
Das steht im Gegensatz zur weit verbreiteten, aber unbelegten Ansicht, die Komplexität von echter Musik würde einen Verstärker mehr fordern, als ein einfaches Sinussignal, und Musik würde daher als Testsignal für die Entdeckung und Beurteilung von Klangunterschieden geeigneter sein als künstliche Testsignale.
Einen ersten Überblick über die Hörschwellen, die für hochqualitative Signalverarbeitung angesetzt werden, kann die ITU-Norm BS.644-1 geben. Diese betreffen eine komplette Signalkette, man wird daher anstreben, die Werte für einen Verstärker signifikant besser zu machen, damit die Schwellen auch bei einer längeren Kette von Geräten noch gehalten werden können.
c) Welche Eigenschaften des Schalls können messtechnisch quantifiziert werden
Alle diejenigen, die eine physikalische Grundlage haben. Emotionale Charakterisierungen müßten zuerst an physikalischen Unterschieden festgemacht werden, bevor sie einer Messung zugänglich sind.d) Wie groß ist bei der messtechnischen Erfassung des Phänomens Schall in seinen einzelnen Eigenschaften die Genauigkeit im Vergleich zum menschlichen Hörsinn?
So lange es sich noch um ein "eindimensionales" elektrisches Signal handelt (also um das womit der Verstärker arbeitet), ist die Grenze der Genauigkeit durch die Physik gegeben, also durch Rauschgrenzen, Bandbreiten, und dergleichen. Da der menschliche Hörsinn durch die gleiche Physik begrenzt ist, hat die Meßtechnik zumindest mal keinen Nachteil.Anders aber als beim Hörsinn hat man bei der Meßtechnik wesentlich mehr Möglichkeiten, mit den Parametern zu "spielen". Die Frequenzauflösung und der Frequenzbereich einer FFT-Messung ist z.B. beliebig änderbar, während das Gehör durch die Konstruktion des Innenohrs festgelegt ist. Das erlaubt es, die Möglichkeiten des Gehörs bei einer Messung teilweise um etliche Zehnerpotenzen zu übertreffen.
Beschäftigt man sich mit dem Schall selbst, dann hat man es mit der Schwierigkeit zu tun, daß das ein Welleneffekt im dreidimensionalen Raum ist, und nicht mehr ein eindimensionales Signal. Die Sache sieht also an unterschiedlichen Orten im Raum unterschiedlich aus, und zusätzlich noch beeinflußt ein Körper (ob das ein Mikrofon ist oder ein Mensch) den Schall durch seine Anwesenheit im Raum. Es ist daher nicht ganz einfach, eine Messung so zu machen, daß sie repräsentativ ist für das, was der Mensch hört. In manchen Fällen wird man so weit gehen, kleine Mikrofone in die menschlichen Gehörgänge einzuführen, um möglichst nahe an das Trommelfell heran zu kommen, und so den gleichen Schall aufnehmen kann, den auch der Mensch aufnimmt. Das ist technisch möglich und wird auch gemacht, ist aber ungewohnt und kann unangenehm sein, abgesehen davon daß der Aufwand nicht unbeträchtlich ist.
Zum Glück ist das für eine Beurteilung von Verstärkern unnötig, denn wie geschrieben hat der es gar nicht mit Schall zu tun, sondern mit einem elektrischen Signal am Eingang wie am Ausgang. Das ist eine ungleich übersichtlichere Situation.
3.Technische Grundlagen
a) Welche unterschiedlichen Verstärkertechniken gibt es und was sind ihre jeweiligen Besonderheiten?
Vor der Beantwortung dieser Frage sollte man erwähnen, was immer gleich ist: Ein Verstärker, egal wie er arbeitet, ist dazu da, eine "Kopie" des Eingangssignals an seinem Ausgang zu erzeugen, die in irgend einem Sinn "stärker" ist, als das "Original" an seinem Eingang. Das bietet eine einfache Möglichkeit, einen Verstärker zu beurteilen: Man vergleicht bloß Eingangssignal und Ausgangssignal miteinander. Wenn man das Ausgangssignal durch einen "Abschwächer" führt, der die Verstärkung rückgängig macht, dann kann man sogar unmittelbar vergleichen, und z.B. sich mittels Differenzbildung ansehen, welche "Fehler" der Verstärker macht. Das sind fast ideale Umstände für eine meßtechnische Bewertung eines Verstärkers bis in höchste Qualitätsmaßstäbe hinauf. Die damit erreichbare Präzision schlägt alles das, was man per Gehör fertig bringen kann, um Längen. Das ist ein Luxus, den man in anderen Situationen, z.B. bei Lautsprechern, nicht hat.Das kann man nicht nur bei der Messung, sondern bei der Konstruktion von Verstärkern ausnutzen, und es wird routinemäßig ausgenutzt, nämlich durch die Gegenkopplung. Der Verstärker vergleicht selbst im laufenden Betrieb kontinuierlich sein Ausgangssignal mit dem Eingangssignal, und gleicht etwaige Unterschiede aus. Das kann extrem wirkungsvoll sein, und erlaubt es, die Fehlergröße auf weniger als ein Hundertstel dessen zu senken, was man unter günstigsten Bedingungen gerade noch wahrnehmen kann.
Ein wesentliches Merkmal von Verstärkerkonstruktionen ist also, ob und in welchem Ausmaß sie mit Gegenkopplung arbeiten. Ohne Gegenkopplung ist ein Verstärker für seine eigenen Fehler blind, und kann sie nicht korrigieren. Sie müssen also von vorn herein und in allen relevanten Situationen niedrig genug gehalten werden, was nicht einfach ist. Die Fehler, die ein nicht gegengekoppelter Verstärker macht, sind daher oftmals um Größenordnungen stärker als die von gegengekoppelten Verstärkern, und das kann stark genug sein um hörbar zu werden.
Andere Kriterien, nach denen man Verstärker klassifizieren kann, drehen sich um die verwendeten Verstärkerbauteile (Röhren, Übertrager, Bipolar-Transistoren, MOSFETs, ...), um die Schaltungstopologie (Eintakt, Gegentakt, gebrückt, ...), um die Arbeitsweise bzw. Klasse (A, AB, B, D, G, H, ...), und teils noch weitere Kriterien und Sonderformen.
b) Welche dieser Besonderheiten können Hörbare Klangverfälschungen (in welchem Ausmaß) verursachen?
Fehlende oder unzureichende Gegenkopplung dürfte Faktor #1 sein, wenn hörbare Klangverfälschungen auftreten (wenn man einmal von Fehlkonstruktionen und Defekten absieht). Oft geht das auch mit einer relativ hohen Ausgangsimpedanz einher, was ja weiter oben schon diskutiert wurde.Die Gegenkopplung hat neben ihren positiven Eigenschaften auch das potenzielle Problem, daß Instabilitäten auftreten können, teils abhängig von der Art der Last am Ausgang des Verstärkers. Das muß nicht so weit gehen, daß der Verstärker zu schwingen anfängt. Es könnte auch unauffälligere klangliche Konsequenzen haben. So etwas kann man durch geeignete Frequenzkompensation des Verstärkers unterbinden, aber je nach Verstärkerkonstruktion kann das ein schwieriges Problem sein, und vielleicht rührt ein Teil der negativen Publicity um die Gegenkopplung auch daher, daß nicht alle Entwickler diesem Problem gewachsen waren bzw. sind.
Die anderen Kriterien haben darauf insofern einen Einfluß, als sich die Situation für die Gegenkopplung jeweils anders darstellen kann. So brauchen z.B. Röhrenverstärker meist einen Ausgangsübertrager, und dessen Phasengang über die Frequenz kann eine Gegenkopplung deutlich erschweren. Viele Röhrenverstärker haben daher nur wenig oder gar keine Gegenkopplung, die den Ausgangsübertrager mit einschließt, und können dessen Fehler nicht korrigieren. Die Folge ist verstärkter Klirr, besonders bei niedrigen Frequenzen, und eine höhere Ausgangsimpedanz.
Ein Verstärker, der in Klasse A arbeitet, vermeidet unter Inkaufnahme größerer Energieverluste die Übernahmeverzerrungen, die im Betrieb der Klasse B oder (weniger) AB prinzipbedingt auftreten, und durch Gegenkopplung korrigiert werden müssen. Bei Verstärkern ohne Gegenkopplung gibt es daher eine starke Tendenz in Richtung Klasse A, weil ansonsten der Klirr leicht zu groß werden kann. Das erkauft man sich durch stark erhöhten Stromverbrauch auch im Leerlauf.
Wenn Klirr aufgrund solcher Umstände in nennenswertem Ausmaß entsteht, dann kommt es ggf. auch zu unterschiedlichen Charaktern der klanglichen Veränderungen, denn dann hängt das Ergebnis von der Verteilung des Klirrs auf unterschiedliche Oberwellen ab.
Bleibt der Klirr dagegen im unbedenklichen Bereich, dann sollten sich die unterschiedlichen Klassen nicht unterscheiden.
c) Innerhalb welcher Grenzen ist es mit gängiger Verstärkertechnik möglich, die Unterschiede, die den verschiedenen Schalleigenschaften messtechnisch zugeordnet werden können, unterhalb der jeweiligen Hörschwelle zu halten?
Ein Verstärker kann relativ problemlos so gebaut werden, daß die Unterschiede unterhalb der Hörschwellen liegen, wenn es das ist was bezweckt wird. Die Verstärkertechnik bei Audio hat viele Jahrzehnte der Entwicklung und Verfeinerung hinter sich, und sowohl die Schaltungstechnik als auch die Bauteilqualität hat schon seit Längerem ein Niveau erreicht, das jenseits der Hörschwellen liegt. Das geht sogar mit vergleichsweise einfachen Schaltungen, wenn die Anforderungen an die Ausgangsleistung im üblichen Rahmen bleiben. Durch die weite Verbreitung leistungsfähiger Computer gibt es auch in der Hand von Hobbyisten alles, was man für eine Simulation und Berechnung der Schaltung braucht, bevor man zum physischen Aufbau der Schaltung schreitet, und die nötigen Bauteile sind problemlos und preiswert zu bekommen.Noch einfacher ist die Sache, wenn man integrierte Schaltungen verwendet, die den Großteil der Schaltung für einen Verstärker bereits auf einem fertigen Chip vereinigt. Das erspart eigene Arbeit bei der Schaltungsauslegung und -optimierung, und liefert ein qualitatives Ergebnis, das auch bei eigener Schaltungsentwicklung nur schwer zu toppen ist. Zudem sind so aufgebaute Verstärker in der Regel robuster und zuverlässiger als viele "Eigenkonstruktionen".
Auch die nötige Meßtechnik für eine Erfolgskontrolle und Optimierung steht mittlerweile breit zur Verfügung. Für Firmen ist das ohnehin kein Problem, aber selbst Privatleute haben heute Möglichkeiten, die vor relativ kurzer Zeit noch eine Menge Geld gekostet hätten. Es fehlt lediglich manchmal an der Bereitschaft, sich eine gute Beherrschung der Grundlagen anzueignen, damit sinnvolle Messungen dabei heraus kommen.
d) Welche Technik wird jeweils angewendet?
Bei gängigen Verstärkern in Massenproduktion dominiert der Transistorverstärker in Klasse AB (Bipolar oder MOSFET), aber die Klasse D Verstärker holen auf. Das liegt weniger an der Klangqualität, als an wirtschaftlichen Überlegungen. Ein Klasse D Verstärker erzeugt weniger Abwärme und braucht daher weniger Aufwand zur Kühlung. Diese Einsparung rechtfertigt einen etwas größeren Komplexitätsgrad bei der eigentlichen Schaltung, weil unter dem Strich immer noch eine Kostenerparnis steht, vor allem wenn dadurch das ganze Gerät kleiner werden kann.Mit beiden Prinzipien kann man neutrale Verstärker bauen, die Entwicklung ist bei Klasse D aber schwieriger, vor allem weil es mehr Probleme mit der Gegenkopplung, und mit HF-Störungen gibt. Das haben nicht alle Hersteller gleich gut im Griff.
Die Klasse-AB ist demgegenüber besser beherrscht und problemloser zu bauen, was nicht bedeutet daß dort keine Fehler passieren.
e) Inwieweit können Bauteiletoleranzen zu Unterschieden in den unterschiedlichen Schalleigenschaften führen?
Das betrifft vor allem Bauteile außerhalb der Gegenkopplungs-Schleife. Die Gegenkopplung bewirkt eine Korrektur der Fehler, die irgendwelche Bauteile innterhalb der Schleife machen. Das bedeutet, daß ohne Gegenkopplung praktisch jedes Bauelement im Signalweg einen Einfluß haben kann, mit Gegenkopplung sind es nur wenige Bauteile. Da die Gegenkopplung nicht unendlich stark wirkt, ist das natürlich bloß eine Annäherung, aber sie beschreibt die Situation in erster Näherung gut genug.f) Welche Techniken gibt es, die Folgen zu nivellieren?
1. Gegenkopplung2. Gegenkopplung
3. Gegenkopplung
Spaß beiseite: Typischerweise sind die passiven Bauteile (Widerstände, Kondensatoren, etc.) in Sachen Toleranz wesentlich besser als Transistoren, Dioden, Röhren und dergleichen. Wenn man nicht speziell selektiert, dann können z.B. Transistoren des gleichen Typs schon mal um den Faktor 2 bei der Stromverstärkung differieren. Widerstände haben dagegen heute oft eine Toleranz von 1% ohne Aufpreis. Dazu kommen Temperaturabhängigkeiten, und speziell bei Röhren auch Alterungseffekte.
Man muß sich also als Schaltungsentwickler überlegen, wie man die Schaltung so auslegt, daß sich diese Toleranzen nicht negativ auswirken können. Man könnte sich zwar auf eine Selektion der Bauteile verlegen, aber was macht man mit dem Ausschuß? Zudem ist dadurch noch kein Temperatureffekt kompensiert.
Die in der Praxis wesentlich wirkungsvollere Methode baut auf die Gegenkopplung, denn die korrigiert den Effekt der Toleranzen zusammen mit den anderen Fehlern gleich mit. Es kommt dazu, daß man die Lösung quasi in die Schaltung hinein designen kann, und sich so das Selektieren und Justieren einzelner Bauteile und Geräte bei der Fertigung komplett spart, was einen gewaltigen finanziellen Nutzen haben kann.
4.Psychische / Psychoakustische / sensorisch perzeptive Grundlagen?
a) Warum / unter welchen Bedingungen kann man Unterschiede zwischen Verstärkern hören, obwohl sie messtechnisch nicht erfasst oder nicht oberhalb der bekannten Hörschwellen eingeordnet werden können?
Zuerst stellt sich die Frage, ob gewährleistet ist daß die Unterschiede tatsächlich vorhanden sind, und nicht etwa ein Wahrnehmungsirrtum vorliegt. Etwas, das nicht vorhanden ist, kann man selbstverständlich auch nicht meßtechnisch erfassen. Jeder Versuch gliche einer Suche nach einem Phantom.Dann stellt sich die Frage, ob man das Richtige gemessen hat, oder bei der Messung etwas übersehen hat. Das kann auch ein Unterschied zwischen der Meßsituation und der Hörsituation sein. Oben war z.B. schon mal von Störeffekten die Rede. Wenn ein störender Einfluß auf dem Meßtisch nicht vorhanden war, am Hörplatz aber schon, dann drückt die Messung nicht die Situation am Hörplatz aus, und der gehörte Unterschied hat eine nachvollziehbare Erklärung. Es könnte also nötig werden, daß man die Messung durchführt, ohne das Setup zu verändern, das zum Hören benutzt wurde.
b) Wie muss ein Hörtest aussehen, wenn ich herausfinden will, ob evtl. von mir wahrgenommene Klangunterschiede den technischen Eigenschaften des Verstärkers zuzuordnen sind?
Es muß dafür gesorgt werden, daß Fremdeinflüsse, die mit dem Verstärker nichts zu tun haben, das Ergebnis des Hörtests nicht verfälschen können, denn sonst könnte man nicht mehr mit ausreichender Sicherheit sagen, worin die Ursache der gehörten Unterschiede liegt, speziell ob es am Verstärker liegt oder nicht.Generell kann man nur solche Fremdeinflüsse ausschließen, mit denen man rechnet. Die Möglichkeit bleibt damit immer bestehen, daß man etwas übersehen hat, was das Testergebnis unbrauchbar macht.
Das macht zum einen Gewissenhaftigkeit nötig, und Umsichtigkeit. Dem kann man auf die Sprünge helfen, indem man sich mit der Methodik solcher Tests beschäftigt, also nicht dem Irrtum verfällt, man sei mit genug Wissen über solche Hörtests schon auf die Welt gekommen, und brauche sich nur vor die Anlage zu setzen und die Ohren aufzusperren. Über Hörtests ist schon viel geforscht und geschrieben worden, und die Vorstellung davon, wie so etwas aussieht, hat oft genug sehr wenig mit der Realität zu tun. Wer es wirklich ernst meint, der kann sich mit Büchern wie z.B. Bech/Zacharov "Perceptual Audio Evaluation" einen Überblick verschaffen (Englischkenntnisse vorausgesetzt). So viel Hingabe wird aber vermutlich kaum jemand aufbringen.
Zum anderen macht das die Bereitschaft nötig, ein Testergebnis auch mal aufzugeben, wenn genügend starke Hinweise auftauchen, daß es Fremdeinflüsse gegeben haben kann, die das Ergebnis invalidieren. Das fällt angesichts des manchmal getriebenen Aufwandes auch nicht ganz leicht.
Angesichts dessen wird man sich vorher überlegen, wie genau man's eigentlich wissen will, wozu man es wissen will, und ob das den Aufwand rechtfertigt. Und man tut gut daran, die zu klärende Frage etwas konkreter zu formulieren, und sich zu überlegen welches Ergebnis die Frage mit ausreichender Sicherheit beantworten würde. Wo also die Latte zu liegen hat. Daran bemißt sich das Vorgehen beim Test, und daran sollte man auch festhalten, wenn man den Test nicht ad absurdum führen will.
Bei den auszuschließenden Fremdeinflüssen stehen ganz vorne die bewußten und unbewußten Voreinstellungen des Hörers gegenüber den zu testenden Geräten. Es gibt Leute, die glauben sie könnten sich davon frei machen, und neutral hören und entscheiden, obwohl sie wissen, welches Gerät sie gerade hören. Ich würde mir das noch nicht einmal selbst abkaufen, und einem Dritten schon gar nicht. Wer glaubt, das im Griff zu haben, macht sich etwas vor, das wurde auch immer wieder wissenschaftlich bestätigt.
Es mag sein, daß man für einen privaten Test diese Möglichkeit in Kauf nimmt, denn das Mittel dagegen ist mit einem gewissen Aufwand verbunden: Der Blindtest. Das hat nichts mit dem Schließen der Augen zu tun, sondern drückt im übertragenen Sinn aus, daß man als Hörer keine Information darüber hat, welchem Gerät man gerade zuhört, egal über welchen Weg man diese Information auch aufnehmen könnte. Es reicht schon wenn man an einem verräterischen Umschaltgeräusch erkennen kann, welches Gerät nun aktiv ist. Man will schließlich nicht wissen, ob man Umschaltgeräusche zuordnen kann, sondern es geht um den Klang der Audiosignale, die den Verstärker durchlaufen.
Den Test in dieser Hinsicht zu "verblinden" erfordert daher mehr als ein Tuch vor den Augen. Meist braucht es noch eine weitere Person als Handlanger, um nach einem zufälligen, dem Hörer nicht bekannten Plan zwischen den Verstärkern zu wechseln, und dabei alles zu vermeiden was einen Hinweis geben könnte. Es braucht auch eine Planung, wie viele Durchläufe man machen muß, und wieviele davon korrekt zugeordnet sein müssen, um mit ausreichender Sicherheit ein Zufallsergebnis auszuschließen. Das ist für sich gesehen schon schwieriger als man denkt, wenn man sich nicht in der Wahrscheinlichkeitsrechnung auskennt.
Wenn man aber auch Andere, zumal Skeptiker, überzeugen will, dann kommt man un diesen Aufwand nicht herum. Daß ein empörtes Aufstampfen mit den Worten "Aber ich hör's doch!" niemanden hinter dem Ofen hervor lockt, dafür hat es in der 5-jährigen Geschichte des Threads zahlreiche Beispiele gegeben.
Zur Vermeidung von Fremdeinflüssen gehört bei Verstärkern auch, daß man für Pegelgleichheit sorgt. Ob sich Verstärker unterschiedlich anhören, weil sie unterschiedlich laut sind, interessiert niemanden. Auch die Beteuerung, man könne ja wohl Klangunterschiede von Lautstärkeunterschieden unterscheiden, verfängt nicht. Zum Einen gehört das zu den Dingen, bei denen man sich sehr leicht täuscht; gerade geringe Lautstärkeunterschiede werden oft als Klangunterschied fehlinterpretiert. Zum Anderen macht das die Verblindung zunichte, weil es wieder einen Hinweis gibt, der mit dem Klang nichts zu tun hat.
Aus dem Gesagten ergibt sich auch schon, daß ein Pegelausgleich per Gehör normalerweise nicht reicht. Für eine Gleichheit innerhalb von 0,1 dB (so genau muß es sein um auszuschließen, daß die Pegelunterschiede das Hörergebnis verfälschen) braucht es Meßgeräte. Das kann etwas Einfaches wie ein Handmultimeter sein, wenn es nicht zu schlecht ist und man weiß wie man damit umzugehen hat. Zudem muß die Anlage erlauben, den Pegelausgleich so genau zu machen. Wenn man den Pegel nur in Stufen von 0,5 dB oder gar 1 dB verstellen kann, dann hat man bereits ein Problem.
Außerdem tut man gut daran, wenn man dafür sorgt daß die Umschaltung zwischen den Geräten möglichst zeitnah erfogen kann, und vom Hörenden selbst während des Tests gemacht werden kann (siehe dazu z.B. die ABX-Testmethode). Je länger die Pause dazwischen ist, desto schlechter werden erfahrungsgemäß die Fähigkeiten werden, Unterschiede zu erkennen. Und wer nicht selbst umschaltet, der kann auch Zeitpunkt und Häufigkeit der Umschaltung nicht frei nach eigenem Gusto wählen. Auch das wirkt sich eher negativ als positiv aus. Das bedeutet aber, daß man im Idealfall eine Kiste braucht, mit der man ferngesteuert vom Hörplatz aus umschalten kann, und die trotzdem die Verblindung aufrecht erhält. Das hat man nicht einfach so daheim, und es ist auch nicht in einer halben Stunde zusammengefrickelt. Hat man so etwas nicht zur Verfügung, macht das den Test nicht unmöglich, aber es macht ihn schwieriger. Das gilt es im Blick zu behalten.
Aber nichtsdestotrotz sollte jeder Interessierte im Rahmen seiner Möglichkeiten mal so etwas machen, denn das ist ein Augenöffner. Diejenigen, die so etwas schon gemacht haben, teilen sich danach auf in eine Fraktion, die ihre eigenen Ansichten grundsätzlich auf den Prüfstand stellt, und eine andere Fraktion, die Gründe dafür sucht, wie sie das Ergebnis für sich für irrelevant oder ungültig hinstellen können.
So weit die von DamonDiG präsentierte Fragenliste. Die kann auch erweitert werden, dann füge ich das hier dazu, so weit Zeit, Lust und Einsicht bei mir reichen. Kommentare können diesmal auch im Verstärkerklangthread abgegeben werden, als Alternative zum üblichen Thread.
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