Samstag, 28. Februar 2009

Standby

Ich habe mir vorgenommen, heute mal ausnahmsweise ausgewogen zu sein. Das heißt es kriegen nicht nur meine üblichen Prügelknaben - die "Audiophilen" - ihr Fett weg, sondern auch die "normale" Audiobranche.

Strom sparen ist "in". Außer bei Audiophilen. Denen geht's ausschließlich um den optimalen Klang, und dazu muß man bekanntlich seine Geräte, Kabel und Sicherungen "einbrennen". Hunderte von Stunden werden da gelegentlich empfohlen. Das bedeutet natürlich einen entsprechenden Stromverbrauch, da währenddessen die Anlage läuft. Man könnte die Übung zwar dahingehend optimieren, daß man alle Anlagenkomponenten zugleich einbrennt, und mit etwas Bereitschaft zum Leiden kann der Audiophile während des Einbrennens zuhören, auch wenn dabei noch nicht der volle Hörgenuß entstehen mag. Man wird dadurch wenigstens durch das gute Gefühl belohnt, den Strom nicht gänzlich verheizt zu haben. Leider scheiden bei diesem Vorgehen aber die besonderen Einbrenn-CDs aus, die durch ihre spezifischen Signale das Einbrennen wirkungsvoller machen, aber für den Zuhörer eine Zumutung sind.

Aber welcher Audiophile brennt alle Komponenten zugleich ein? Normal dürfte eher sein daß man jede Komponente getrennt einbrennt, denn man will ja den Erfolg bei jeder Komponente mit eigenen Ohren überprüfen können. Und man riskiert bei seinen wertvollen Komponenten auch ungern einen suboptimalen Einbrennvorgang, und so investiert man eben nicht nur in besagte Spezial-CDs, sondern auch in ein paar Kilowattstunden Einbrennstrom.

Aber auch in eingebranntem Zustand rauschen bei einem echten Audiophilen die Kilowattstunden durch den Zähler. Grundsätzlich kann man sagen daß ein Gerät, das nicht schon im Ruhezustand anständig warm wird, nicht vernünftig klingen kann. Das muß nicht unbedingt auf Röhren zurückzuführen zu sein. Auch transistorisierte Klasse-A Verstärker sind ja bekanntlich schon im Ruhezustand richtige Heizungen, und wie jeder weiß winkt nur so der beste Klang. Außerdem empfiehlt es sich, diese Geräte durchlaufen zu lassen, denn für optimalen Klang muß sich ein delikates thermisches Gleichgewicht einstellen, was selbstverständlich bei den beteiligten Materialmassen nicht in ein paar Minuten geschieht.

Der Audiophile steht daher den Stromsparbemühungen mit einer gewissen Skepsis gegenüber. Wie leicht kann diese in der Theorie so gutmenschlich daher kommende Initiative in eine lustfeindliche Reglementierung umschlagen, die einem das audiophile Leben versauern kann. Dabei sollte doch klar sein daß es sich hier um absolut unbedeutende Strommengen dreht, schon weil wahre Audiophile so selten sind. Das spielt unter dem Strich noch weniger Rolle als die paar Bonuszahlungen an Bankmanager in der Gesamtbilanz des Bankenhilfsfonds. Wer wollte da päpstlicher sein als der Papst?

Notfalls würde der Audiophile auch ein neues Kernkraftwerk in seiner Nähe befürworten, denn das ist ja sauberer Strom, und durch die Nähe zum Kraftwerk bleibt er auch sauberer, was wiederum dem Klang gut tut.

Bisher richten sich die Augen der Stromsparer ja noch auf den Stromverbrauch von Glühbirnen, doch nachdem das Thema jetzt final beschlossen worden zu sein scheint, ist das nächste Thema der Standby-Verbrauch von Haushaltsgeräten, also insbesondere von der Glotze und der Hifi-Anlage. Wenn man bedenkt, daß gerade mal 10 bis 20 Fernseher statt auf Standby auf Aus geschaltet werden müssen, und schon ist mehr Strom gespart als wenn man dem Audiophilen seinen Klasse-A-Verstärker abspenstig macht, dann wird klar daß bei den Fernsehern und bei den gewöhnlichen Hifi-Anlagen das viel größere Potenzial liegt.

Aber das Stromsparen ist bei diesen Geräten so eine Sache mit Untiefen. Stromsparende und effiziente Technologien, z.B. bei Netzteilen, sind nicht automatisch auch im Standby effizient.

So z.B. die angeblich so effizienten Digitalverstärker (bzw. Klasse-D Verstärker). Die sind fraglos sinnvoll, wenn man ihnen eine Ausgangsleistung abverlangt, die nahe an ihrer Nennleistung liegt. Also wenn man's sich volle Kanne gibt, knapp an der Schmerzgrenze (für den Verstärker und den Lautsprecher, wohlgemerkt). Dann sparen solche Verstärker spürbar Strom.

Aber die normalen Betriebsbedingungen sehen wohl anders aus. Die meisten Leute haben Nachbarn und wollen halbwegs auskömmliche Beziehungen zu ihnen haben. Das wird in den meisten Fällen heißen daß zu 90% die Ausgangsleistung so in der Gegend von 1 Watt liegt oder gar darunter. Das heißt aber daß der Stromverbrauch kaum vom Ruheverbrauch zu unterscheiden ist. Denn in Sachen Ruheverbrauch hat ein Klasse-D Verstärker keinen prinzipiellen Vorteil gegenüber einem gewöhnlichen Klasse-B Verstärker, so uncool letzterer auch sein mag (über Klasse-A Verstärker schweigen wir besser mal).

Wieso baut man dann Klasse-D Verstärker? Was ist daran dann so hip? Wie gesagt, der Verlust ist wesentlich geringer wenn man wirklich mal Leistung verlangt. Das hat in erster Linie Konsequenzen für die Größe des Kühlkörpers im Verstärker, so daß es letztlich auf eine Kalkulation hinausläuft "Kühlkörper gegen kompliziertere Schaltung". Beides kostet Geld, und der Kühlkörper kostet auch Platz. Den Kühlkörper muß man nämlich für den Extremfall auslegen, auch wenn der keine 1% der Zeit eintritt. Für den Hersteller kommt es inzwischen bei Klasse-D regelmäßig billiger heraus, und das ist Grund genug um es so zu machen. Und wenn man in der Werbung noch auf die größere Effizienz verweisen kann, umso besser, vielleicht glaubt's ja einer. Ob's in der Praxis Strom spart steht, wie wir gesehen haben, auf einem anderen Blatt.

Ähnlich sieht's auch bei Schaltnetzteilen aus. Die sind unter Last auch wesentlich effizienter als konventionelle Netzteile. Im Leerlauf (= Standby) sieht's aber wieder anders aus. Da sind die Vorteile dahin. Wer wirklich einen sparsamen Standby-Betrieb haben will, bei dem nur das unbedingt Nötige mit möglichst wenig Verlust versorgt wird, der kommt um ein separates (kleines) Standby-Netzteil kaum herum. Das kostet aber mehr als man als Hersteller für gewöhnlich zu spendieren bereit ist, zumal das die Kundschaft kaum goutiert, so lange man ihr auch so erfolgreich weis machen kann man habe das bessere Gerät. In nicht wenigen Geräten wird ja sogar der Netzschalter gespart, und im Zweifel lieber auf der Sekundärseite des Trafos geschaltet, wo das Schalten billiger ist.

Man schätzt daß an die 10% des Stromverbrauchs einen Haushalts auf das Konto von Standby geht. Entsprechend hat schon vor Jahren z.B. die EU reagiert und versucht regulierend einzugreifen. Letzten Dezember wurde eine Direktive erlassen, die den Standby-Verbrauch pro Gerät auf 2 Watt, und in 4 Jahren dann auf 1 Watt begrenzt. Dazu muß das Gerät aber in den Standby-Modus geschaltet sein. Ein Verstärker, der bei Zimmerlautstärke oder weniger vor sich hindudelt, ist nicht im Standby-Modus und darf verbrauchen was er will, auch wenn davon nur 1 Watt am Lautsprecher ankommt. Und die Regel gilt für jedes Gerät getrennt. Die Kombination aus Verstärker, Tuner, CD-Spieler und Fernseher darf schon 4 Watt im Standby verbrauchen. Wären sie untereinander so verbunden daß nur ein Gerät im Standby zu sein braucht, und die anderen Geräte von ihm bei Bedarf aktiviert werden, dann könnte man davon ¾ einsparen. Aber dafür gibt's weder EU-Direktive noch Norm, und ich sehe auch keine Begeisterung bei der "Industrie", sich eine zu erarbeiten...

Montag, 9. Februar 2009

Klangbonbons und Knalltüten

Wie ich ja schon früher schrieb bin ich nicht zuletzt dadurch zu meiner Teilnahme am Hifi-Forum und dann auch zum Schreiben dieses Blogs gekommen, daß ich die verbreitete Verdummung des Hifi-Volks gründlich satt hatte, und nicht einfach zusehen wollte wie sich das langsam auch in meinem angestammten Feld, dem professionellen Audio-Bereich, breit macht. Der Profi-Bereich ist zwar mit Leuten bestückt die was von ihrem Handwerk verstehen, und sich daher - so würde man meinen - nicht so einfach ein X für ein U vormachen lassen, aber manchmal kriege ich diesbezügliche Zweifel.

Zweifel ist allerdings ein zu netter Ausdruck wenn ich mir ansehe was in den letzten beiden Ausgaben des Studio-Magazins gelaufen ist. Das ist einfach zu viel, und ich bin sauer.

Aber der Reihe nach. Worum geht's?

In der Ausgabe 12/08 erschien ein länglicher Artikel von Gastautor Holger Siedler, dem Inhaber des THS-Studios, in dem er nach einer umständlichen längeren Ouvertüre, die sich um die gute alte Zeit dreht, ohne daß man so recht verstünde worauf er hinaus will, schließlich damit herausrückt daß er die Bybee Quantum Slipstream Purifiers ausprobiert hat und davon ganz begeistert ist.

Darauf gab's eine Reaktion im Hifi-Forum, zwar nicht aus meiner Initiative aber mit meiner Beteiligung, die (meiner Ansicht nach aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, zu denen ich noch komme) nicht schmeichelhaft ausgefallen ist. Das blieb dem Chefredakteur des Studio-Magazins, Fritz Fey, nicht verborgen, was ihn zwar nicht zum Eingreifen in besagtem Forum, aber doch zu einem Editorial in der folgenden Ausgabe 01/09 des Studio-Magazins veranlaßt hat, das den Titel trägt "Die Achse des Bösen". Zudem erschien in der gleichen Ausgabe ein Artikel von Stephan Goetze, dem Inhaber von Gecom Technologies, der die Bybees in seinem Labor durchgemessen hat und einen Bericht darüber geschrieben hat. Leider ist nichts davon online verfügbar, so gerne ich das verlinkt hätte. Wer sich für's Original interessiert muß sich die Zeitschriften besorgen.*

Die Bybees sind keine neue Erfindung, sie sind schon seit Jahren erhältlich und haben in dieser Zeit auch schon einige Male das Interesse der Skeptiker erregt. Es gibt daher durchaus einige marketingferne Informationen darüber, und die verstärken den Eindruck daß es sich dabei um klassische Bauernfängerei handelt. Zu diesem Ergebnis kann man zwar schon durch die Lektüre der Bybee-Webseite kommen, wo über die Funktionsweise dieser Klangbonbons ein derartiger Unsinn verbreitet wird, daß man sich fragt ob Jack Bybee sein Physikdiplom beim Preisausschreiben gewonnen hat. Aber einige Leute haben es trotzdem unternommen, die Dinger etwas genauer unter die Lupe zu nehmen.

So gab's zum Beispiel dieses Thema in einem englischsprachigen Forum, in dem neben dem üblichen Geplänkel auch einige handfeste Infos zu finden sind, darunter ein Foto der Innereien von so einem Klangbonbon, und Berichte über daran durchgeführte Messungen. Man findet dort auch Links zu weiteren Diskussionen in anderen Foren, z.B. im Audio Asylum, wo es z.T. deutlich ruppiger zugeht, und wo auch John Curl mitmischt, der mit Jack Bybee zusammenarbeitet. Die Debatten im Audio Asylum (Rubrik Tweaks/DIY) gehen über Jahre zurück, siehe z.B. diese Suche, so daß genug Lesestoff vorhanden sein dürfte.

Zudem hat sich, wie auch Siedler im ersten Studio-Magazin-Artikel erwähnt, das Fraunhofer-Institut in Ilmenau vor ein paar Jahren mit diesen Dingern beschäftigt, und keine feststellbare Funktion gefunden.

Meine Schlußfolgerung aus alldem ist eindeutig: Es handelt sich bei den Klangbonbons um ein Placebo, gefertigt aus einem handelsüblichen Niederohm-Widerstand, der in einem Keramikröhrchen versteckt wird, das keine relevante elektrische Wirkung und keinen besonderen Zweck außer dem der Verschleierung hat, so wie auch die Angaben des Herstellers über die Funktionsweise nichts anderes als Verschleierung sind. Das Ganze wird für einen Phantasiepreis verkauft, der Hochwertigkeit suggerieren soll wo in Wirklichkeit nur Material im Wert von ein paar Cents vorhanden ist.

Ich füge gleich hinzu daß ich bis heute noch keines dieser Dinger selbst probiert oder auch nur in der Hand hatte. Es ist ja in manchen Kreisen verpönt, daß sich jemand den Luxus einer eigenen Meinung leistet ohne das Korpus Delikti selbst probegehört zu haben. Wie ich schon mehrfach argumentiert habe denke ich nicht daran das für ein zugkräftiges Argument zu halten. Würde ich das tun und wäre das Ergebnis das zu erwartende, dann wäre schon jetzt klar daß man mich des Unwillens oder der Unfähigkeit zum Hören bezichtigen würde. Gewonnen wäre also nichts, bloß Zeit verschwendet. Da kann ich den gleichlautenden Vorwurf auch gleich jetzt kassieren. Im vorliegenden Beispiel kann ich außerdem schon jetzt sagen daß selbst im sehr unwahrscheinlichen Fall daß ich nach dem Probehören Stielaugen bekäme und den Glauben wechseln würde ob der frappierenden Effekte, ich trotzdem das was ich an dem Marketing von Bybee, und an den erwähnten Artikeln im Studio-Magazin auszusetzen habe zu 100% aufrecht erhalten würde. Wenn die Bybees nämlich tatsächlich ihre Wirkung haben sollten, dann würde dadurch der Marketing-Bullshit noch schwachsinniger als er ohnehin schon ist, und auch die Artikel im Studio-Magazin kämen nicht besser weg.

Man kann sich also durchaus fragen was Siedler, Fey und Goetze reitet, sich mit einem solchen Produkt zu beschäftigen, vor allem wenn man sich die Art und Weise ansieht, wie sie sich damit auseinander setzen. Da wird vordergründig kritisch getan, aber jeglicher berechtigte Einwand einfach vom Tisch gewischt, und zwar zum Teil auf eine wirklich inakzeptable und einem seriösen Magazin unwürdige Art. Das stinkt mir beträchtlich, vor allem daß man anscheinend glaubt, man könne damit bei einem Fachpublikum durchkommen. Ich weiß nicht was ich da erschreckender finden soll: Die Theorie daß die Beteiligten wirklich keine Hintergedanken dabei haben, die Theorie daß sie ihre Leser für dumm verkaufen wollen, oder die Theorie daß die Leser das tatsächlich so wollen. Wie ich's auch immer drehe und wende, es läuft mir kalt den Rücken hinunter.

An den erwähnten zwei Artikeln und dem Editorial könnte ich mehr kritisieren als ich Zeit und Lust zu schreiben habe, und ich vermute ihr werdet so viel auch nicht lesen wollen. Daher belasse ich's bei ein paar prägnanten Beispielen.

An Siedler's Artikel finde ich besonders hanebüchen, wie er mit dem Problem umgeht, daß die Klangbonbons ein offensichtliches Voodoo-Produkt sind. Daß er sich der Problematik bewußt ist, geht in vielerlei Hinsicht aus seinem Artikel hervor. Die umständliche Einleitung habe ich schon erwähnt, die auf mich so wirkt als wolle er sich als alten Hasen empfehlen und alle möglichen emotionalen Reflexe antriggern, um sich in eine Position zu bringen wo man sich von ihm beim eigentlichen Thema nicht sofort abwendet. Was er dann aber bringt ist schon ein starkes Stück. Er versucht es mit einem Blindtest, findet keine Unterschiede, läßt sich dann (ausgerechnet!) vom deutschen Bybee-Händler bestätigen daß Blindtests nicht taugen, worin ihm auch Fey beipflichtet, und kommt sichtlich erleichtert zum Ergebnis, daß seinen und Fey's Ohren zu trauen ist, und einem Blindtest eben nicht, ja daß sogar die Leute vom Fraunhofer-Institut dem Blindtest-Glauben zum Opfer gefallen sind. Die ganzen anderen Indizien, wie z.B. der Bybee-Marketing-Quatsch, der überzogene Preis, die Ansicht seines Physiker-Freundes, ja selbst der gesunde Menschenverstand: Alles wird vom Tisch gewischt. Man hat's gehört, also ist es wahr. Was man zuvor im Blindtest nicht hören konnte, kann man danach nicht-blind sogar quantifizieren (40%, 60%).

Er unterrnimmt es sogar, eine Begründung für das Versagen der Blindtests anzubieten, und das ist derartiger Unfug daß ich es hier wörtlich zitieren muß:
Eigentlich ist es schon fast peinlich, dass mir als Toningenieur ein Musikliebhaber ohne Wenn und Aber beweisen kann, dass ein AB-Blindtest der schlechteste Klangvergleichstest sein kann,da unser Gehör für diese immens kurze Zeit des Umschaltens nicht genügend vorbereitet ist, oder anders ausgedrückt zu wenig Erinnerungsvermögen hat. Sie können den Versuch leicht selbst durchführen, indem Sie ein kurzes ansprechendes CD-Musiksignal von 20 Sekunden Länge im direkten Vergleich mit einem hochauflösenden MP3 gleicher Musiksequenz gegenhören. Sie werden vermutlich keinen oder nur einen sehr marginalen Unterschied hören. Hören Sie jedoch einen CD-Titel in voller Länge, konzentrieren Sie sich auf Details der Mischung und des Spektrums - also auf die Dauer von fünf Minuten und schalten dann nach einer kurzen Pause von circa zehn Sekunden auf das gleiche MP3, werden Sie sofort feststellen, wie grottenschlecht ein MP3 klingt und wie traurig unsere mediale Vermarktungsstrategie in dieser Richtung ist. Dies ist wirklich ein Rückschritt in Richtung Kassettenrecorder! Nur fällt es keinem mehr auf, wenn er nicht den ,Mann im Ohr' hat, sein Hörgewissen und seine Hörerfahrung, die uns als Profis ein Berufsleben lang begleiten und in Erinnerung bleiben.
Eine solche Kritik am Blindtest empfinde ich als untere Schublade. Siedler scheint gar nicht aufzufallen daß die Verblindung nichts damit zu tun hat wie schnell und wie oft umgeschaltet wird. Wenn er aus welchem Grund auch immer der Ansicht ist, man müsse beim Umschalten 10 Sekunden warten, oder man müsse ein Stück in einem Zug durchhören, dann kann er das auch blind tun. Bloß hat er damit nach aller Erfahrung nicht mehr, sondern weniger Chancen einen Unterschied dingfest zu machen. Die bisherigen Erkenntnisse über Blindtests stammen nicht von Schwachköpfen. Auch wenn man nicht mit deren Ergebnissen konform geht kann man sie nicht auf eine derart billige und letztlich unehrliche Art beiseite wischen. Siedler argumentiert hier - vermutlich ohne sich dessen bewußt zu sein - nicht in erster Linie gegen Blindtests, sondern er rationalisiert seine eigene Einbildung, an der er anscheinend lieber festhält als an einer nüchternen, professionellen Distanz.

Ich bin mir jedenfalls ziemlich sicher daß die Leute, die am Fraunhofer-Institut die Bybees untersucht haben, diesen süffisanten Kommentar von Siedler nicht verdient haben:
Damit wäre dann auch das Kapitel Blindtest beantwortet - für mich ein lächelnder Beweis, dass diesmal das Fraunhofer Institut irrte, was mich ehrlich gesagt mit Sympathie für das Institut erfüllt, denn dort sind die Probanden der Hörtestreihe gleichermaßen wie ich Opfer eines Hörtest (sic) geworden und leider keine Zeugen.
Aber auch wenn ich zu diesem Artikel noch mehr auf der Pfanne hätte, will ich's damit bewenden lassen. Der Artikel war Anlaß für den Thread im Hifi-Forum, den ich oben verlinkt habe. Ich hoffe es ist schon aus dem kleinen Auszug klar warum der Artikel solche negativen Reaktionen heraufbeschworen hat, in meinen Augen ist das also überhaupt nicht verwunderlich. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß Siedler's Studio auf der Händlerliste des deutschen Bybee-Vertriebs auftaucht, ohne daß diese nicht ganz nebensächliche Information im Studio-Magazin einer Erwähnung für Wert befunden worden war - in keiner der beiden Ausgaben übrigens, dann würde mich eher wundern wenn niemand auf die Idee kommen würde hinter so einer Aktion ein geschäftliches Interesse zu vermuten. Umso befremdlicher finde ich daher die Reaktion von Fey im Editorial der neuesten Ausgabe, wo er diesen absolut auf der Hand liegenden Verdacht mit einer derartigen Giftigkeit und polemischen Überzeichnung geißelt daß man schon eher wieder an den getroffenen Hund erinnert wird.

Wenn man die dort zur Schau gestellte Empörung einmal beiseite gelassen hat fällt dabei auf, wie konsequent Fey es vermeidet, sich mit den ernstgemeinten Kritikpunkten zu beschäftigen, und wie wichtig es ihm zu sein scheint, die Unerhörtheit der Kritik zu betonen. Wie sehr er sich anstrengt, die Kritiker als eine verrückt gewordene Schar von Schwarz-Weiß-Sehern zu geißeln, für die "nicht sein kann was nicht sein darf". Wer meint, durchaus ernst gemeinte und begründete Kritik derart abbügeln zu können, braucht sich nicht zu wundern wenn darüber der Ton schärfer wird. Da hilft es auch nicht, wenn er damit seine über dreißigjährige Studioerfahrung verknüpft, denn die Kritiker sind auch keine Anfänger. Im Gegenteil: Man sollte meinen, eine solche Erfahrung sollte einem eine gewisse Kritikfähigkeit und Selbstdistanz verschafft haben, nicht nur was öffentliche Debatten angeht, sondern auch in der Beurteilung von Hörerlebnissen.

Der neueste Artikel von Stephan Goetze mit dem Meßbericht jedenfalls ist auf der einen Seite zwar eine gute Idee, denn wenn man meßtechnisch bestätigen kann was man zuvor gehört hat, dann kann man davon ausgehen daß es auch stimmt, aber wenn man sich konkret ansieht was da behauptet wird ist er beinahe noch unsäglicher als der Artikel von Siedler. Schockiert haben mich dabei nicht die Messungen selbst, sondern die daraus gezogenen Schlüsse.

Goetze hat in seiner Firma eine durchaus beeindruckende meßtechnische Ausrüstung zur Verfügung, mit der man in diesem Zusammenhang "amtliche" Messungen machen kann. Er beginnt mit einem Impedanzschrieb des "Small Slipstream Quantum Purifiers", aufgenommen mit einem HP4194A, ein nicht mehr taufrisches aber dennoch über jeden Zweifel erhabenes Gerät. Keine besonderen Auffälligkeiten. Das Klangbonbon verhält sich wie ein kleiner Widerstand, erst im MHz-Bereich machen sich parasitäre Effekte bemerkbar, die Goetze mit der induktiven Reaktion von Ferritperlen vergleicht, während man auf dem Schrieb eher die Anzeichen kapazitiver Effekte sieht. Es braucht leider etwas Ahnung um den Schrieb zu interpretieren, denn er trägt Real- und Imaginärteil der Impedanz über die Frequenz auf, was nach meiner Meinung unpraktischer als die Polardarstellung ist. Jedenfalls ist der Imaginärteil der Impedanz bei 40MHZ, der Meßgrenze, deutlich negativ, und das deutet auf eine Kapazität hin. Wie dem auch sei, in jedem praktischen Widerstand von dieser Bauart wie sie wohl im Bybee drin ist kann man davon ausgehen daß bei solchen Frequenzen sowohl kapazitive als auch induktive parasitäre Effekte auftreten. Keine Überraschung hier.

Kurioser wird schon der Meßschrieb des Netzwerkanalysators, bei dem der Prüfling bei Frequenzen bis zu 8 GHz vermessen wird. Wer sich ein wenig mit Hochfrequenztechnik im Mikrowellen-Bereich auskennt, der weiß daß schon aufgrund der dabei auftretenden recht kurzen Wellenlängen die Geometrie der Schaltungsanordnung eine große Rolle spielt. Wenn man sich vor Augen führt, wie beliebig die Klangbonbons in mechanischer Hinsicht in die Kabel eingeschleift oder in die Geräte montiert werden, dann kann man ermessen daß solche Messungen völlig unsinnig sind, da die Effekte in jedem Anwendungsfall wieder drastisch anders ausfallen werden. Falls ein Gerät auf Störungen in diesem hochfrequenten Bereich empfindlich sein sollte (z.B. Handystrahlung), dann wird das nicht über das Kabel einkoppeln, sondern durch die Luft. Oder wenn es das Kabel sein sollte, dann strahlt schon ein Kuhschwänzchen von ein paar cm Länge im Gerät die Energie wieder ab, bevor es ein Bybee filtern könnte. Goetze aber tut so als sei das eine sinnvolle und pozentiell bedeutsame Messung, und unterstellt dem Bybee eine Filterwirkung im hochfrequenten Bereich. Selbst wenn das so wäre dann wäre bei derartigen Frequenzen immer noch die konkrete Montage des "Filters" höchst kritisch. Außerdem fragt man sich natürlich warum man für diesen Effekt nicht wirklich einfach eine Ferritperle für ein paar Cent nehmen kann.

Um zu zeigen daß Mischprodukte aus dem Hochfrequenzbereich eine Störung im Audiobereich produzieren können, die sich dann gehörmäßig bemerkbar macht, bringt Goetze einen Audioanalysator (UPD von R&S, ein ebenfalls untadeliges Gerät) in Anschlag. Das Gerät enthält einen Generator und einen Analysator, die er mit einem externen symmetrischen Kabel verbindet, in das einmal Bybees eingeschleift sind und ein anderes Mal nicht. Der im Artikel abgebildete Schrieb zeigt angeblich das Resultat einer THD+N Messung, und die Kurve mit Bybees liegt um etwa 1 dB unter der Kurve ohne. Daran ist einiges merkwürdig.
  • Der Meßschrieb zeigt nicht THD+N, sondern THD, was die gezeigten Kurven auch besser mit den technischen Daten des Gerätes in Einklang bringen würde. Ich denke daher daß Goetze hier einen Fehler gemacht hat.
  • Falls das stimmt, dann wird nicht das Rauschen, sondern nur die harmonischen Verzerrungen gemessen, und zwar wird dazu die Generatorfrequenz durchgestimmt, die Kurve zeigt also die harmonischen Verzerrungen in Abhängigkeit von der Grundfrequenz. Ein kleiner Zipfel bei ca. 33 Hz ist ein Hinweis darauf, daß die gleichgerichtete Netzfrequenz von 100Hz vom Gerät als dritte Harmonische "interpretiert" wird.
  • Wenn die Reduktion um 1dB auf die Bybees zurückzuführen ist, dann ist die Frage immer noch was die eigentlich bewirkt haben. Die vorigen Untersuchungen zeigen ja daß erst im MHz-Bereich überhaupt etwas "passiert", und da ist die offizielle Bandbreite des Analysators längst zuende. Es ist also die Frage, ob der Analysator selbst in seinem Generator hofrequenten Müll produziert, oder ob er ins Kabel eingestreut wird, und warum der Detektor darauf überhaupt reagiert. Dem wird offenbar nicht auf den Grund gegangen. Ebensowenig wird zur Gegenprobe ein Kabel mit Ferritperlen ausgestattet, um zu sehen was der Analysator daraus macht.
Statt dem Effekt auf den Grund zu gehen findet man diese Aussage im Text von Goetze:
Man kann eine zwar geringe, aber nachweisbare Verbesserung darstellen. Diese ist durchaus hörbar!
Das ist alles, man erfährt nicht warum das hörbar sein soll. Dabei ist das eine absolut unwahrscheinliche, außerordentliche Aussage! Machen wir uns klar was er damit sagt:

Er sagt, man höre den Unterschied zwischen 0,0015% harmonische Verzerrungen und 0,0013% harmonische Verzerrungen, gemessen über einen Frequenzbereich der das 15-fache der vom Menschen hörbaren Frequenzbereiche überstreicht, und von dem man annehmen muß daß der eigentliche Dreckeffekt noch bei mindestens 10 Mal höherer Frequenz auftritt. Das ist eine so hanebüchene Behauptung daß man sich fragt ob er weiß wovon er da redet. Wie kann ein Profi eine derartige Behauptung mit der größten Selbstverständlichkeit hinschreiben und noch nicht einmal eine Erklärung für nötig halten? Da bleibt mir die Spucke weg.

Ich bin mir ja schon nicht ganz im Klaren was man aus der 1dB-Differenz denn nun folgern soll, die wahre Ursache ist dadurch jedenfalls keineswegs erhellt worden. Aber daß das hörbar sein soll kann er seiner Großmutter erzählen, aber doch nicht einem Fachpublikum! Zudem wird kaum jemand bestreiten daß Audiogeräte sich regelmäßig von Hochfrequenz im Signal beeinflussen lassen. Aber um damit fertig zu werden braucht's keine Klangbonbons für einen Phantasiepreis, sondern eine vernünftige Verdrahtung und Masseführung, ein bißchen Verständnis der Zusammenhänge, und hie und da vielleicht eine Ferritperle oder ein Filter.

Die letzte Messung mit dem Rauschgenerator zeigt angeblich, daß in einem Bereich von 0 bis 50 MHz der Bybee zu einer Dämpfung des Rauschens von um die 10dB führt. auch diese Messung finde ich dubios. Mir ist nicht ganz klar wie die Meßanordnung aussah, aber es fällt schon auf daß die Dämpfung schon bei ganz niedrigen Frequenzen zu sehen ist, also offenbar auch bei den Frequenzen bei denen sich zuvor bei der Impedanzmessung nichts gezeigt hat. Zudem schreibt der Autor, daß ein zugleich vorhandenes 10MHz Sinussignal nicht gedämpft wurde, was man auf dem Schrieb auch sieht. Wie es dem wundersamen Bauteil gelingen soll, Nutzfrequenzen von Rauschen zu unterscheiden, und nur letztere abzusenken, bleibt ohne Erklärung. Was man aber erfährt ist, daß man derlei Unterschied im Audiobereich sehr gut hören könne. Natürlich wieder ohne Erklärung wie der Autor auf diese abenteuerliche Schlußfolgerung kommt. Ich tippe in diesem Fall auf eine Fehlbedienung des Meßgeräts, es könnte eine unterschiedliche Einstellung des Eingangs-Abschwächers zwischen den Messungen sein. Jedenfalls ist das vermutlich die einfachste Erklärung für das was man abgebildet sieht.

Abgerundet wird der Meßbericht durch eine Hörsession, deren Ergebnis wie folgt beschrieben wird:
Die Räumlichkeit verbesserte sich in Breite und Tiefe, es wurden mehr feine Details hörbar, Instrumente waren im Raum klarer definiert, ohne dass man Einbussen in der Dynamik zu verzeichnen hatte.
Wer hätte es gedacht!

Wenn die Bybees einen Filtereffekt im hochfrequenten Bereich haben, und wenn ein Gerät dafür tatsächlich empfindlich sein sollte, was durchaus sein kann, und was ich daher keineswegs betreite, dann bin ich mir hundertprozentig sicher daß man den gleichen positiven Effekt auch für einen winzigen Bruchteil des Preises der Bybees erreichen kann indem man die Methoden und Bauteile anwendet, die für solche Fälle in der Elektronik gebräuchlich sind. Gegen Hochfrequenz hilft kein Voodoo und keine Bauernfängerei, sondern die Anwendung von Wissen und Erkenntnissen, die es in der Elektronik und Hochfrequenztechnik seit Jahrzehnten gibt, auch wenn nicht alle Audiohersteller davon zu wissen scheinen. Gerade Goetze müßte aber in seiner Position darüber Bescheid wissen. Umso unverständlicher warum er das nicht erkennen läßt, und z.B. einfache Dinge wie eine Ferritperle mit dem Bybees meßtechnisch verglichen hat. Warum er bei aller Messerei den Effekten nicht ernsthaft auf den Grund geht. Warum er ohne Not derart hanebüchene Behauptungen zur Hörbarkeit macht daß man an seiner Seriosität zu zweifeln anfängt.

Offen gestanden bin ich aber durchaus nicht davon überzeugt daß die Bybees auch nur so wenig als einen hochfrequenten Filtereffekt haben. Ich halte sie noch immer für nichts weiter als aufwändig verpackte Widerstände, und die Hörberichte für Beispiele dafür warum man nicht-blinden Tests mit Vorsicht begegnen sollte, vor allem und gerade wenn sie mit solch einem Impetus daher kommen.

* Wie ich nachträglich bemerkt habe gibt's einen Textauszug des Artikels von Stephan Goetze ohne die Abbildungen hier online.

Nachtrag:
Wie ich einem neueren Thread in diyaudio entnehme gibt's die kritisierten Artikel aus dem Studio Magazin jetzt auch als PDF zum kostenlosen Download: Hier und hier. Bei diyaudio werden die Bybees ebenfalls vermessen.

Sonntag, 25. Januar 2009

Strategisches Beleidigtsein

Ja, ich habe sie auch entdeckt, die Atheistische Bus-Kampagne in Großbritannien. Sie war ja oft genug in den Medien, und wer weiß, vielleicht sehen wir ja auch hierzulande bald Ähnliches an öffentlichen Transportmitteln. Auf andere Länder übergeschwappt ist die Sache ja bereits.

Jetzt bin ich zwar selber Atheist, aber bevor die Sache Anfang des Jahres Wirklichkeit wurde war ich von dieser Idee eher unbegeistert. Es schien mir einfach zu platt und simplizistisch zu sein, und der Nutzen hat mir nicht recht eingeleuchtet. Inzwischen finde ich die Idee aber super, und zwar nicht wegen des Spruches auf den Bussen selbst, sondern wegen der Reaktionen, die er heraufbeschwört. Man braucht offenbar die Bigotten in der Gesellschaft bloß leicht anzustechen, und schon kriegt man die schönsten Beispiele des Stumpfsinns frei Haus serviert. Das hat mich sogleich an die Situation beim Hifi-High-End erinnert.

So lese ich beispielsweise daß es bei den Briten 326 Beschwerden an die ASA gab, die den atheistischen Slogan entweder anstößig fanden oder sich darüber mokierten daß es keinen Beweis dafür gebe daß "Gott wahrscheinlich nicht existiert". Klasse, oder? Ich kann gar nicht sagen wie oft ich schon christliche Sprüche in der Londoner Tube gelesen habe, um nur ein Beispiel zu nennen. Was ist dann von denen zu sagen? Ist "Jesus loves you" etwa eine bewiesene Aussage? Und wieso ist der atheistische Spruch anstößiger als die Behauptung, man könne nur durch den Glauben an Christus gerettet werden (von der ewigen Verdammnis z.B.)?

Die ASA hat die Einsprüche zwar abgelehnt*, aber es ist auch interessant wie sie das begründet hat. Sie findet es "unwahrscheinlich, daß [der Slogan] in die Irre führt oder ernstes oder weitverbreitetes Ärgernis verursacht". Das ist wiederum eine Parallele zum Deutschen "Gotteslästerungsparagraphen" (§166 StGB), der die Strafbarkeit auch nicht etwa am Inhalt, sondern an der Störung des öffentlichen Friedens festmacht. Es ist also nicht so sehr das Problem was man sagt, sondern wie es wirkt.

Um das etwas zuzuspitzen: Man darf die Wahrheit dann nicht sagen, wenn sich zu viele Leute darüber aufregen.

Aus der Perspektive eines Staatswesens hat das einige unbestreitbare Vorteile. Der wichtigste dürfte sein, daß man sich gar nicht erst in die Niederungen der Auseinandersetzung darüber begeben muß, was nun wahr ist und was nicht. In so schwierigen Fragen wie der Existenz Gottes wäre das eine formidable Herausforderung für ein Gericht. Da ist es schon viel einfacher, zu entscheiden ob der öffentliche Frieden gestört ist, oder nicht.

Es folgt daraus aber auch, welche Strategie jemand verfolgen muß um eine unwillkommene Meinung im öffentlichen Diskurs zu diskreditieren: Man muß sich möglichst intensiv, laut und wirkungsvoll aufregen. Je dramatischer man seine Gekränktheit in Szene setzt, desto besser. Erstens kriegt man so die Aufmerksamkeit der Medien, zweitens glauben viele daß bei so viel Rauch auch irgendwo Feuer sein müsse, sprich wenn jemand so beleidigt ist muß er auch beleidigt worden sein.

Vielleicht ist es wirklich so daß die Atheisten in dieser Hinsicht einen Aufrege-Nachholbedarf haben. Wer hat sich denn bisher z.B. groß darüber aufgeregt wenn mal wieder ein religiös Überzeugter die Atheistische Gesinnung mit Gewissenlosigkeit (und Schlimmerem!) in Verbindung bringt, wie man das regelmäßig erlebt? Man ist das irgendwie gewohnt, die religiösen Hardliner sind eben so, und sie genießen ja Meinungsfreiheit wie alle Anderen auch. Aber wehe Du druckst eine Mohammed-Karikatur - schon rast ein Aufschrei um die Welt und es gibt Tote.

Aber vielleicht ist das ja sogar ein Vorteil für die Atheisten, denn je überdramatischer und theatralischer sich die Betroffenen aufregen, je unglaubwürdiger machen sie sich. In Großbritannien scheinen jedenfalls nicht besonders Viele auf die Gekränktheits-Demonstrationen herein zu fallen. Daß ein Busfahrer sich empört geweigert hat seinen Bus mit dem Spruch zu fahren, war eher ein kurioser Einzelfall. Die Briten haben für Exzentriker ja auch ein ausgeprägtes Verständnis.

Nachdem sich dort durch diese atheistische Aktion die Riege der Bigotten so pflichtschuldigst lächerlich gemacht hat, könnte ich mir hierzulande auch gut vorstellen, auf unseren Bussen den Spruch zu sehen:

Es gibt wahrscheinlich keinen Kabelklang. Also entspanne Dich und genieße die Musik.

(Wie Richard Dawkins in England würde auch ich lieber - und wahrheitsgemäßer - das Wort "wahrscheinlich" ersetzen wollen durch "so gut wie sicher", aber womöglich kriegt man dafür weniger Unterstützung. Und für die High-End-Bigotten ist es auch so schon Provokation genug.)

* Wer noch einen weiteren Lacher möchte sollte sich hier ansehen wie die Ablehnung der Beschwerden durch die ASA von einem der Beschwerdeführer sogar noch in seinem Sinne interpretiert wird.

Samstag, 17. Januar 2009

Blindtests - ein Leitfaden zum kriegerischen Gebrauch

Blindtests sind schon Jahrzehnten ein akzeptiertes und oft gebrauchtes Hilfsmittel für Wissenschaftler, um in Sachen menschlicher Wahrnehmung die Fakten von den Einbildungen zu trennen, und der Audiobereich ist hier keine Ausnahme. Viele bedeutende Erkenntnisse und Entwicklungen im Audiobereich wären ohne Blindtests kaum vorstellbar, so daß es nicht verwundert daß inzwischen diverse unterschiedliche Techniken und Varianten zur Verfügung stehen, und zum Teil sogar international genormt sind, damit sich der Test mit größerer Zuverlässigkeit und Aussagefähigkeit durchführen läßt und vermeidbare Fehler vermieden werden können.

Doch dieses traditionelle Anwendungsfeld von Blindtests wurde schon vor Jahren ergänzt um ein ganz anderes Anwendungsfeld, das auf den ersten Blick nicht unbedingt im Sinne des Erfinders zu sein scheint. Man hat entdeckt, daß man sich mit Blindtests auch gegenseitig bekriegen kann.

Es war schon immer ein Zeichen von fortschreitender Zivilisation, wenn für ein friedliches Werkzeug plötzlich neue Verwendungen entdeckt werden, mit denen man seinen Gegnern eins überbraten kann. Man wird erinnert an die symbolträchtige Stelle aus dem Film "2001: A Space Odyssey" von Stanley Kubrick, wo die Affen entdecken, daß sie mit Hilfe von Knochen als Prügel einen gegnerischen Affen totschlagen können. Man begreift unmittelbar daß hier die Schwelle liegt an dem der Affe zum Mensch wird, der Beginn von Kultur.

So kann man im Blindtestkrieg einen weiteren kleinen zivilisatorischen Schritt entdecken, gekennzeichnet durch die zweckfremde Verwendung von Blindtests. Das kann von beiden gegnerischen Lagern geschehen, und ich will hier einen kleinen Abriß der vielfältigen Verwendungsmöglichkeiten am Beispiel des großen 30-jährigen Kabelklangkrieges geben.

Günstig für die Verwendung als Waffe erweist sich daß die meisten Betroffenen keine Ahnung von Blindtests haben. Daher kann man fast beliebige Behauptungen und Unterstellungen in die Welt setzen, die man so darstellen sollte als seien sie selbstverständlich wahr. Es hängt vom eigenen Standpunkt ab wie man hier vorgeht.

Wer zum Beispiel befürchten muß daß seine Position in einem ordentlich durchgeführten Blindtest schlecht aussehen würde, dem stehen folgende Finten offen:
  1. Man kann so tun als wäre der Blindtest offensichtlich ungeeignet für das was es zu hören gibt. Warum er ungeeignet sein sollte steht zwar in den Sternen, aber einem Ahnungslosen kann man so vielleicht gleich den Wind aus den Segeln nehmen. Vorgetäuschtes Wissen ist oft ein guter Ersatz für echtes Wissen, wenn man sich bekriegt.
  2. Man kann postulieren, ein Blindtest sei unnötig, denn man wisse auch so was Sache sei und könne sich auf seine Wahrnehmung und/oder seine Erfahrung verlassen. Das ist natürlich nicht mehr als eine Beteuerung, und wenn der Gegner zuvor einen Blindtest gefordert hat wird er einem die Beteuerung kaum abnehmen, aber wenigstens zwingt man ihn dadurch, sich zu seinem Mißtrauen zu bekennen, was einem die Gelegenheit zu einer beleidigten Geste gibt. Das funktioniert am besten wenn man sich erfolgreich als alter Hase darstellen kann.
  3. Man kann den Blindtest lächerlich machen, indem man völlig verzerrt darstellt wie er geht. Man orientiert sich am besten daran wie dumm der Gegner zu sein scheint. Manche sind sich nicht zu blöd zu behaupten es gehe dabei um das Verbinden der Augen beim Test. Oder es gehe dabei darum den Tester möglichst wirkungsvoll zu stressen, oder ihm die Sache generell so schwer als möglich zu machen.
  4. Man kann Blindtests versuchen, zu diskreditieren, indem man das Ergebnis von bereits durchgeführten Tests als offensichtlich falsch darstellt. Dabei hilft es wenn man die umstrittene Tatsache, die eigentlich erst zu beweisen wäre, schon voraussetzt. Wenn zum Beispiel ein Blindtest ergibt, daß man zwischen verschiedenen Verstärkern keine Unterschiede hören konnte, dann nimmt man das als Beweis dafür daß der Blindtest nichts taugt, weil es ein offensichtlich unsinniges Ergebnis sei daß die Verstärker wirklich gleich geklungen haben. Daß dieses Ergebnis gar nicht so unsinnig ist unterschlägt man stillschweigend.
  5. Man verlangt vom Gegner, er solle den Blindtest selbst machen, und damit seine eigene Behauptung beweisen. Abgesehen davon daß man damit den Aufwand des Tests auf Andere verschiebt, ist natürlich klar daß es prinzipiell nicht möglich ist daß ein Blindtest beweist daß ein bestimmter Effekt nicht hörbar ist. So einen Beweis kann man nicht ein für alle Mal führen, schon gar nicht per Blindtest. Man hat damit seinem Gegner eine unmögliche Aufgabe aufgehalst.
  6. Man nimmt einen mangelhaft durchgeführten Blindtest und kritisiert mit Hilfe dieses Beispiels die Blindtests als Ganzes. Man versucht dabei den Eindruck zu erwecken, der Beispieltest sei typisch oder symptomatisch für alle Blindtests. Beliebt sind hier als angeblich typisches Beispiel Geschmackstests von Wein oder Bier. Es ist nicht überraschend daß Leute, die zwar glauben, Biersorten leicht unterscheiden zu können, aber keine Erfahrung und Übung mit Blindtests haben, keinen Unterschied schmecken. Das kann man leicht auf den Blindtest schieben, obwohl es eher am fehlenden Training liegt.
  7. Man kann bei jedem Blindtest irgend ein Haar in der Suppe finden. Man hätte andere Kabel testen sollen, man hätte die Kabel einspielen sollen, man hätte andere Geräte nehmen sollen, man hat zu schnell, zu langsam, zu oft, zu selten, umgeschaltet, die falsche Musik benutzt, die falschen Tester gehabt, und so weiter ad nauseam infinitam. Und deswegen gilt der Test eben nicht. Und die Veranstalter hätten das wissen müssen und da sie das nicht berücksichtigt haben haben sie ihre Gegner um den Sieg betrogen.
  8. Man legt möglichst stringente "wissenschaftliche" Maßstäbe an einen Blindtest an, der gar nicht diesen hohen Anspruch hatte. Das funktioniert interessanterweise sogar dann, wenn man selber gar keine Ahnung hat was wirkliche wissenschaftliche Maßstäbe eigentlich verlangen würden. So kann man sich zum Hüter der Wissenschaftlichkeit aufschwingen, unter dessen kritischen Augen der Test nicht bestehen kann, und dabei hat man mit der Wissenschaft nicht das Geringste am Hut.
  9. Man stellt dem Test einen anderen Test entgegen der angeblich zu einem anderen Ergebnis kommt. Das kann ruhig auch ein Test sein, der völlig mangelhaft war, oder der gar nicht das behauptete Ergebnis hatte. Wichtig ist, erst ein mal einen scheinbaren Widerspruch hinzuwerfen und es dann den Anderen zu überlassen, den Fall aufzuklären. Das sollte man auch nicht zu einfach machen, zum Beispiel kann man es versäumen, für den Gegentest eine ordentliche Quelle anzugeben, oder man gibt eine an die schwer zu besorgen ist. Notfalls erfindet man eine, die halbwegs autoritativ klingt. Bewährt ist auch wenn man mehrere solche Gegentests vorweisen kann, die aufeinander verweisen. Das ist dann aufwändiger zu durchschauen.
Als Gegenseite kann man ebenfalls auf ein paar Finten zurückgreifen:
  1. Man tut so als würde ein "gescheiterter"Blindtest beweisen daß es nichts zu hören gab. Das ist zwar ein logischer Fehler, aber es wirkt bei Vielen überzeugend. Tatsächlich beweist ein gescheiterter Blindtest nichts dergleichen. Er zeigt nur daß die Tester das nicht geschafft haben was man sich erhofft hätte.
  2. Man tut so als würde ein "gescheiterter" Blindtest beweisen daß man in anderen Situationen auch nichts hören kann. Das gilt zwar noch weniger, aber auch das wird oft als überzeugend empfunden.
  3. Man kann obige Finten forcieren indem man die entsprechenden Tests selbst organisiert und durchführt. Dabei kann man die Naïvität und Selbstüberschätzung vieler Audiophiler sehr leicht nutzen, denn sie werden oft ein angemessenen Training für unnötig halten, und es ist leicht, ihnen völlig unhaltbare Behauptungen zu entlocken, die sie dann im Test nicht werden bestätigen können. Je eingebildeter sie sind, desto leichter gehen sie in die Falle. ("You can't cheat an honest man." W.C. Fields)
  4. Deswegen darf man sich auch nicht dazu bringen lassen, selbst als Tester verpflichtet zu werden. Man hätte die Arbeit, und es würde nichts dabei heraus kommen. Der Gegner behauptet eine Hörbarkeit, dann muß er sie auch belegen. Dabei muß es bleiben, und kein Spieß wird rumgedreht. Im Krieg ist es immer ratsam, den eigenen Aufwand niedrig und den des Gegners hoch zu machen.
  5. Man muß seinem Gegner so viel Freiraum im geforderten Blindtest lassen wie möglich, damit er sich nicht beschweren kann die Bedingungen würden seine Hörfähigkeiten beeinträchtigen. Er wird sowieso heftigst um Ausreden bemüht sein, dann sollte man ihm nicht noch welche auf dem Silbertablett servieren. Eine glaubwürdige Verblindung, und statistische Signifikanz, darauf muß man dringen. Der Rest ist das Problem des Gegners und sollte es bleiben. Die Testmodalitäten, Ort, Gerätschaften, Audiomaterial, ... sind allesamt potenzielle Ausreden wenn der Test nicht nach Wunsch gelaufen ist und sollten daher so weit als möglich vom Gegner bestimmt werden. Man muß ihm möglichst reichlich Seil geben damit er sich damit leichter erhängen kann.
  6. Man sollte die Eitelkeit des Gegners aufstacheln, damit er möglichst weit über das Ziel hinausschießt bei seinen Behauptungen. Audiophile haben sowieso Schwierigkeiten mit maßvollen und nüchternen Formulierungen, daher ist es leicht sie hier in die Bredouille zu bringen, zudem ihr Stolz sie daran hindert, einmal gemachte Behauptungen wieder zurückzunehmen. Eher werden sie den absichtlich Mißverstandenen spielen, und beleidigt tun. Wenn man dann eine schön hanebüchene Behauptung "im Kasten" hat kann man nach Belieben darauf herumreiten, und den Gegner in Richtung Blindtest vor sich her treiben.
Mit diesen Kriegslisten können es beide Seiten leicht so weit bringen, daß jede Klärung irgend eines Sachverhalts wirkungsvoll verhindert wird, daß sich die Gegner spinnefeind bleiben, daß die vernünftigeren Naturen daran verzweifeln und das Gleichgewicht somit nicht stören können, und daß die Übrigen dazu gezwungen werden, den Raum zwischen den Schützengräben zu verlassen.

Mit anderen Worten, man macht sich so um die Stabilisierung der Situation, um die Erhaltung der Normalität verdient, und kann es dadurch auch vermeiden, über unbequemen Gedanken Zeit zu verlieren, die man besser für wichtigere Dinge einsetzt.

Sonntag, 11. Januar 2009

Sniper Jäger

Es gibt einem ein gutes Gefühl, wenn man erleben darf wie sich immer wieder rechtschaffene, unerschrockene Männer finden, die in einer schlechten Welt wie dieser Recht und Gesetz in die eigene Hand nehmen, und den Schurken das geben was sie verdienen.

So tummelt sich nun schon viel zu lange eine dunkle Gestalt in der Hifi-Szene herum, die das Licht des Tages scheut und sich als "pelmazo" maskiert, um aus dem Hinterhalt, und aus heiterem Himmel, immer wieder ahnungslose, unschuldige und wohlmeinende Hifi-Fans zu kritisieren, zu ärgern und zu provozieren. Es liegt auf der Hand, daß diesem Unwesen Einhalt geboten werden mußte. Wie jeder vernünftige Mensch weiß ist Kritik für einen Audiophilen schlimmer als eine Ohrfeige, und wenn er seine Lächerlichkeiten öffentlich aufgedeckt sieht, dann entspricht das einer schweren Beleidigung, besonders wenn er dafür von keiner realen Person Satisfaktion fordern kann.

Um diesem Mißstand abzuhelfen hat sich nun, da der Justiz ja bekanntlich nicht zu trauen ist, ein Partisanenkommando zusammengefunden, das bereit ist, unter Einsatz des eigenen Lebens den Kampf gegen die Windmühle aufzunehmen, und nicht zu ruhen bis der Schlupfwinkel dieses Schurken ausgeräuchert ist.

Zunächst mußte die Aktion durch Auslobung eines Kopfgeldes mit einer ordentlichen Finanzierung ausgestattet werden, wie sich hier in den Kommentaren verfolgen läßt. Außerdem brauchte die Aktion ein öffentliches Portal, um die verängstigten Opfer dieses Schurken vom Fortschritt der Aktion in Kenntnis zu setzen, und ihnen die Gewißheit zu geben daß ihre Leiden nicht vergessen sind. Die Kommandozentrale der Partisanengruppe bleibt natürlich, wie auch die Identität der Mitglieder, im Verborgenen, um dem feigen und hinterhältigen Schurken keine Angriffsfläche zu geben. Der verwegenste der Partisanen, der Sniper Jäger scheut sich aber nicht, sein schweres Amt offen auszuführen. Nicht umsonst wurde er hier in diesem Blog schon einmal lobend und bewundernd erwähnt.

So hat dieser mutige Bote der Gerechtigkeit dem Schurken pelmazo aus ganz unverdienter Fairneß am 6. Januar noch ein letztes schriftliches Angebot gemacht, mit folgenden Worten:
möchtest du dich selber enttarnen, oder möchtest du, das wir diese Woche damit beginnen?
was dieser, ganz der humorlose, sture Fiesling, der er nunmal ist, folgendermaßen zurückwies:
Weder noch.

Ich werde sicher nicht auf einen derart plumpen Erpressungsversuch eingehen. Ich ersuche Dich außerdem eindringlich, diese Enttarnungskampagne auf der Stelle einzustellen. Du bist ganz knapp davor, Schaden zu verursachen der durchaus die Justiz beschäftigen könnte. Ich bezweifle stark daß das in Deinem Interesse sein kann.

Das ist meine letzte Warnung "im Guten", und das ist ab jetzt kein Spiel mehr. Ein weiterer Versuch von Dir, mich unter Druck zu setzen, und ich schalte meinen Rechtsanwalt ein.
Was soll man dazu sagen? Wer so uneinsichtig ist, und gut gemeinte Angebote in den Wind schlägt und dabei sogar noch freche Drohungen ausstößt, der hat sich damit eindeutig selbst vogelfrei gemacht, und ist für das was ihm zustößt, allein selbst verantwortlich. Unser edler Recke hatte dafür die passende Antwort, und schrieb dem Schurken was er von ihm hielt:
Anonym Serven ist gut, Internet Sniper und in speziell deiner perfiden Form, keine Chance.
Bei der Anzahl an geschädigten oder genötigten Personen und Firmen durch Pelmazo besteht ja ein öffentliches Interesse, auch im rechtlichem sinne.

Eine schöne Restwoche
Dem aufmerksamen Leser wird sofort aufgefallen sein, wie freundlich und gemessen diese Antwort im Vergleich zum Geschreibsel dieses Schurken ist, wie die rechtschaffene Gesinnung sich darin eloquent, klar und natürlich ausdrückt. Die wackere Partisanenschar kann sich wahrhaft glücklich schätzen, ein solch leuchtendes Vorbild an ihrer Spitze zu wissen.

Aber noch ist das Ziel nicht erreicht, die Ratte weigert sich noch, ihr sinkendes Schiff zu verlassen, auch wenn erste Erfolge zu verzeichnen sind. Aber nicht verzagen, der Endsieg ist nur eine Frage der Zeit, denn
Der hetzenden Meute kann Pelmazo nicht entkommen.
wie dem Feigling schon hier ins Stammbuch geschrieben wurde. Er sollte wissen daß Seinesgleichen keine Rücksicht verdient hat; ein umständliches Verteidigungsverfahren wäre an ihm verschwendet. Da macht man kurzen Prozeß, wenn man ihn hat. Dann kann man ihm endlich mal all das klipp und klar sagen, was man vorher pelmazo auch schon gesagt hat. Man kann ihm sagen was für ein arroganter Fiesling er doch ist, was für ein narzisstisch verbogener Heckenschütze, was für ein feiger und halb tauber Schisser, der langatmige Artikel von unsagbarer fachlicher Qualität und mangelhafter Rechtschreibung über die herzliche und lustige Hifi-Gemeinde schüttet. Man kann ihm endlich sagen wie bedeutungslos er ist, daß er einem so egal ist daß man ihn noch nicht einmal ignoriert. Und all das sind liebevolle Ausdrücke im Vergleich zu dem womit pelmazo seit Monaten die rechtschaffenen Hifi-Freunde quält: Zum Beispiel die unverschämte Lüge, daß Meßgeräte besser als ein Audiophilengehör sei, oder daß sich ein Audiophiler beim Hören auch täuschen könne, oder gar täuschen wolle!

Einmal enttarnt, wird er sich zweimal überlegen ob er es noch einmal wagt, die Lächerlichkeit der Audiophilen öffentlich zu machen - äh - die Audiophilen lächerlich öffentlich zu machen. Oder so ähnlich.

Es bleibt an dieser Stelle, den Helden der Partisanengruppe die Daumen zu drücken, daß sie ihr edles Werk vollenden mögen, damit die Kränkungen der audiophilen Seele endlich gerächt sind, damit der Überbringer der schlechten Nachricht endlich getötet werden kann, wie das schon bei den alten Griechen mit Erfolg angewandt wurde wenn die Realität unbequem war. Der Schisser kann dann einem Gericht was vorjammern, der rechtschaffene Hifi-Freund weiß in seinem Herzen, wer hier der Schurke, und wer der Gerechte ist. Die Gerechtigkeit ist zu wichtig als daß man sie der Justiz überlassen könnte. Die Gerechtigkeit findet man nicht vor Gericht, sondern im Herzen. Und was könnte es Gerechteres geben als das edle, blutende Herz eines rechtschaffenen Hifi-Freundes?

Montag, 29. Dezember 2008

Wahrnehmung und Wahrheit

Auseinandersetzungen zwischen den Subjektivisten und den Rationalisten in der Hifi-Szene haben ja oft einen philosophischen Hintergrund, der einem in der Hitze des Gefechts gar nicht bewußt wird. Was da aufeinander prallt ist nicht bloß eine unterschiedliche Meinung über Sinn und Unsinn von Blindtests, sondern es sind zwei unterschiedliche Weltsichten. Zwei unterschiedliche Ansichten darüber, wie man die Wahrheit rausfindet. Oder was Wahrheit überhaupt ist.

Bei so manchem Subjektivisten habe ich das Gefühl, daß er mit Wahrheit als Konzept so seine privaten Schwierigkeiten hat. Er tut so als sei für ihn das wahr was er wahrnimmt. Die Sinne sind der heiße Draht von der Welt da draußen zum Bewußtsein da drinnen, und beim Audiophilen ist dieser heiße Draht eben besonders high-fidel, besonders dick und besonders verlustarm.

Der Rationalist dagegen hält die Sinne bzw. die Wahrnehmung eher für ein Hindernis bei der Erkenntnis der Wahrheit. Zu viele Täuschungen, Irrtümer, Einbildungen und Wunschvorstellungen als daß man sich auf das Wahrgenommene verlassen könnte. Wer die Wahrheit erfahren will muß indirekt vorgehen, um die Fehler der Wahrnehmung zu umgehen. Das verlangt kritischen und kreativen Einsatz der grauen Masse, in der die Wahrnehmungen auflaufen.

Der Subjektivist: Die Welt ist so wie sie mir scheint.
Der Rationalist: Die Welt ist nicht so wie sie scheint.
Der Subjektivist spottet: Im Gegensatz zu Dir kann ich mich noch auf meine Sinne verlassen!
Der Rationalist spottet: Wenn Du den Kopf in den Sand steckst verschwindet für Dich die Welt!

Lustig zu sehen wie alt diese Auseinandersetzung ist, und wie wenig wir hier weiter gekommen zu sein scheinen. Solche Dinge waren nämlich schon Streitthema als es noch gar keine Audiophilen gab. Im antiken Griechenland z.B. gab es auch schon Subjektivisten und ihre Kritiker. Protagoras hat die Existenz einer allgemeingültigen Wahrheit abgestritten und meinte es gebe nur eine individuelle, subjektive Wahrheit. Heutzutage wäre er bestimmt Audiophiler. Sokrates hatte keine besonders vorteilhafte Meinung davon. Sein Schüler Platon hat im Theaitetos eine Diskussion niedergeschrieben (ob originalgetreu sei dahingestellt), in der sich Sokrates über Protagoras so äußert:
"Das übrige hat mir alles sehr wohl gefallen, was er sagt, daß, was jedem scheint, für ihn auch ist; nur über den Anfang seiner Rede wundere ich mich, daß er nicht gleich seine »Wahrheit« so beginnt, das Maß aller Dinge sei das Schwein oder der Affe, oder was man noch unter allem, was Wahrnehmung hat, Unvernünftigeres nennen könnte, damit er recht hochsinnig und herabwürdigend begönne zu uns zu reden, indem er zeigte, daß wir zwar ihn bewunderten als einen Gott seiner Weisheit wegen, er aber doch nichts besser wäre an Einsicht als ein halberwachsener Frosch, geschweige denn als irgend ein anderer unter den Menschen. [...] Denn wenn einem jeden wahr sein soll, was er mittelst der Wahrnehmung vorstellt, und weder einer den Zustand des andern besser beurteilen kann, noch auch die Vorstellung des einen der andere besser imstande ist in Erwägung zu ziehen, ob sie wahr oder falsch ist, sondern, wie schon oft gesagt ist, jeder nur seine eignen Vorstellungen hat und diese alle richtig und wahr sind: wie soll denn wohl, o Freund, nur Protagoras weise sein, so daß er mit Recht auch von andern zum Lehrer angenommen wird, und das um großen Lohn, wir dagegen unwissender, so daß wir bei ihm in die Schule gehn müssen, da doch jeder Mensch das Maß seiner eignen Weisheit ist? Und wie sollen wir nicht glauben, daß Protagoras dies bloß im Scherz vorbringt? [...] Denn gegenseitig einer des andern Vorstellungen und Meinungen in Betrachtung ziehen und zu widerlegen suchen, wenn sie doch alle richtig sind, – ist das nicht eine langweilige und überlaute Kinderei, wenn anders die »Wahrheit« des Protagoras wirklich wahr ist und nicht nur scherzend aus dem verborgenen Heiligtum des Buches herausgeredet hat?"
Es liest sich etwas geschraubt, aber man kann's in einfacherer Sprache zuspitzen: Wenn jeder seine eigene Wahrheit hat, wie kann dann Protagoras meinen er wisse es besser?

Oder so: Wer sagt jeder habe seine eigene Wahrheit, der vergackeiert entweder sich selbst, oder die anderen.

Ich mache keinen Hehl daraus daß ich hier auf Sokrates' Seite stehe. Ich finde er läßt den Subjektivismus ziemlich alt aussehen. 2500 Jahre alt. Da sage noch einer ich würde krass formulieren! Von den Audiophilen wäre sogar mir nicht eingefallen zu sagen, sie hätten die Einsicht von halberwachsenen Fröschen.

Was das vergackeiern angeht bin ich aber gänzlich einverstanden. Ich halte den Subjektivismus für eine Vergackeierungsmethode. Und man kann auch schön sehen daß die Einen sich selbst vergackeiern, die anderen sind eher darauf aus jemand Anderen des Geldes wegen zu vergackeiern.

Wahrheit und Wirklichkeit sind Konzepte, die überhaupt erst einen Sinn haben wenn sie nicht individuell und subjektiv sind. Wenn es eine unabhängige Wirklichkeit gibt, und wenn die Wahrnehmung davon bei unterschiedlichen Menschen verschieden ist, dann kann die Wahrnehmung allein nicht reichen, um die Wirklichkeit zu erkennen. Es braucht mehr. Was könnte das sein?

Jetzt sind wir bei der Wissenschaft. Und damit beim Wissen. Wenn Wahrnehmung allein reichen würde bräuchten wir weder Wissen noch Wissenschaft. Wir bräuchten bloß Augen und Ohren aufsperren, und die Wirklichkeit reinlassen. Das kann aber auch der halberwachsene Frosch. Wir haben ihm etwas voraus: Wir können denken. Ok, vorsichtiger formuliert: Ich vermute die meisten von uns können denken. Meistens.

Ich sage jetzt mal ganz provokativ: Der Sinn des Denkens besteht darin, seine Wahrnehmung in Frage zu stellen. Damit man hinter die Fassade der Dinge blicken kann, ihre wahre Natur erkennen kann. Vielleicht im ganz antiken Sinn auch sich selbst erkennen kann. Die Wissenschaft hat sich ein Programm und eine Methode gegeben wie man diese Wahrheit finden kann, nämlich durch eine Kombination aus Theoriebildung, Ableitung von Vorhersagen, und Überprüfen der Vorhersagen durch experimentelle, vom Experimentator unabhängige Verifikation. Dieses Programm ist geradezu spektakulär erfolgreich gewesen, wie wohl kaum jemand leugnen kann. Es kann also wohl kaum grundlegend falsch gewesen sein.

Der Rückgriff auf die eigene subjektive Wahrnehmung hätte dagegen noch nicht einmal zur Erkenntnis führen können daß die Erde um die Sonne kreist. Jeder weiß daß es so aussieht als kreiste die Sonne um die Erde, aber daß es in Wahrheit anders rum ist. Durch Wahrnehmung allein hätten wir das nie und nimmer rausgefunden. Dazu waren eine Menge tiefsinniger Überlegungen nötig, und das Vertrauen darin, daß diese Überlegungen letztlich ein besseres Bild von der Wahrheit vermitteln können als die unmittelbare Wahrnehmung.

Heute glaubt kein halbwegs aufgeklärter Mensch mehr daran daß die Sonne um die Erde kreist. Aber warum glaubt das keiner mehr? Es sieht doch immer noch so aus! Wenn die eigene Wahrnehmung bei Audio immer noch das Wichtigste ist, warum ist das bei der Sonne nicht genauso?

Auch der Audiophile akzeptiert also wissenschaftlich erworbenes Wissen, wenn es um die Sonne geht. Bei Audio aber läßt er bloß sein eigenes Gehör gelten. Wenn der wissenschaftliche Erkenntnisstand seiner Hörerfahrung widerspricht, dann hofft er auf in der Zukunft noch zu findende wissenschaftliche Ergebnisse. Das ist ungefähr so geistreich wie der Glaube, zukünftige wissenschaftliche Erkenntnisse würden irgendwann die Sonne wieder um die Erde kreisen lassen, wie es der Wahrnehmung entspricht.

Die Erkenntnis, daß die Wirklichkeit sich von unserer Wahrnehmung derselben unterscheidet, und daß es so etwas wie eine äußere Wirklichkeit gibt, die auch da bleibt wenn wir weg sind oder wegschauen, gehört zu den grundlegenden Kulturleistungen der Menschheit. Das scheinen bloß noch nicht alle in ihrer ganzen Tragweite begriffen zu haben.
"Die Wirklichkeit ist das, was nicht verschwindet wenn Du nicht mehr daran glaubst."
Bei Audio verschwindet so Einiges wenn man aufhört daran zu glauben, und daraufhin Untersuchungsmethoden anwendet, die die eigene Person ausklammern. Wenn man also anfängt, das Thema mit wissenschaftlichen Methoden zu untersuchen. Wenn man seinen Stolz runterschluckt, und anfängt aus dem zu lernen, was diejenigen in den letzten 2500 Jahren über die Wirklichkeit herausgefunden haben, deren Einsicht über die halberwachsener Frösche hinausgeht.

Samstag, 20. Dezember 2008

Einbrennen, bitte!

Versuch' Dir mal vorzustellen, Du wärst Verkäufer in einem High-End-Laden. Ein Traum-Job, man lebt nicht nur die audiophile Lebensart, sondern verhilft auch dem Mitmenschen dazu, dem Gleichgesinnten. Ein Leben, dem höchsten Klanggenuß verpflichtet!

Jetzt ist es natürlich so, daß der höchste Genuß beim Verkäufer in aller Regel mit Geld zusammenhängt, das der Kunde nach Möglichkeit zurücklassen sollte. Genauer gesagt, mit dem Teil des Geldes vom Kunden, das nach Abzug der Einkaufspreise und Unkosten noch übrig bleibt.

Zum Glück ist es jetzt in diesem Markt so, daß fast durch die Bank die besten und audiophilsten Geräte auch die sind, mit denen die größten Gewinne erzielt werden können. Es ist die fast universell akzeptierte Weisheit, die man in ihren Konsequenzen in den ganzen Testzeitschriften, und in den Meinungen der meisten Händler und auch der Kundschaft wiederfinden kann, daß von nichts eben nichts kommt, daß man also schon einiges investieren muß um zur höchsten Vollendung zu kommen, und daß daher die paar unbedeutende Miesepeter die dagegen wettern im Grunde nur neidisch sind.

Unter solchen Umständen sollte man also zwischen Händler und Kunde schnell handelseinig werden können. Der Kunde will ja viel Geld ausgeben, denn nur so kann er auch den entsprechenden Hochgenuß erreichen und gilt in seiner Bezugsgruppe etwas. Besonders bei Zubehörteilen wie Kabeln, Netzleisten, Racks etc. liegen die Händlermargen in Bereichen wo man im Bereich der Elektronik sehr selten hinkommt. Da bleiben bei den Händlern locker zwei Drittel oder mehr des Verkaufspreises, sogar schon bei vergleichsweise moderat bepreisten Teilen. Der entsprechende Einfluß auf den Genuß ist offensichtlich.

Das wäre alles wundervoll wenn es nicht immer wieder Kunden gäbe, die sehr kompliziert sein können. Diese Kunden glauben es ihrer Audiophilie schuldig zu sein, klangliche Nachteile von irgendwelchen Teilen festgestellt zu haben. Da hat man sich schon gefreut, daß man wieder ein 2000 Euro teures Lautsprecherkabel verkauft zu haben, an dem man als Händler locker 1500 verdient hätte, dann kommt der Typ zwei Tage später wieder zurück und meint, das Teil sei für ihn leider nicht spielfreudig genug und würde die Bässe zu sehr verzögern, da käme einfach kein Rhythmus auf.

Dabei hat der vorige Käufer des gleichen Teils exakt das Gegenteil berichtet. Aber als Händler muß man dazu ja gute Miene machen. Ja, selbstverständlich, es muß mit der Kette harmonieren, der Kunde hat natürlich völlig recht, die schlechte Erfahrung ist angesichts des hochwertigen Teils zwar schwer erklärbar, aber den Kunden auch nur den geringsten Zweifel an seinen Worten spüren zu lassen wäre fatal.

Was tun? Es stehen genug Kröten auf dem Spiel daß sich auch ein halber Tag schwafeln noch lohnen würde. Und siehe da, es gibt auch eine einfache Lösung!

Einspielen!

Wenn es dieses Argument nicht schon gäbe, man müßte es erfinden!

Welches andere Argument könnte einem komplizierten Audiophilen, der reklamierend vor einem steht, so sehr den Wind aus dem Segel nehmen?

Würde er etwa widersprechen: "Blödsinn, das Ding ist genug eingespielt, daran kann's nicht liegen?" Er müßte sich ja eingestehen daß er ein Teil gekauft hat, was nur 2 Tage eingespielt werden muß. Also daß er minderwertigen Ramsch gekauft hat. Nein, da nickt er lieber und nimmt das Kabel noch mal mit, diesmal für zwei Wochen. "Klar, einspielen, das kann natürlich gut sein, das werde ich probieren. Haben Sie einen guten Tip wie ich das am besten einspiele?" -- "Ja, klar, am schonendsten eingespielt wird so ein hochwertiges Kabel nach unserer Erfahrung mit dem speziellen Einbrennsignal von unserer Spezial-CD, die ich Ihnen für 49,99€ mitgeben könnte..."

Wenn er dann nach 14 Tagen wieder auf der Matte steht und das Kabel dennoch zurückgeben will, dann kann man wohl nichts machen, aber die Chancen stehen gut daß er sich an das Kabel gewöhnt hat, daß er den neuen Eindringling in seine audiophile Welt akzeptiert hat und nicht wieder hergeben will. Die Zeit heilt nicht nur Wunden, sondern auch Emotionen, und die menschliche Wahrnehmung ist sehr anpassungsfähig.

Und die Chancen stehen gut daß er darüber zum begeisterten Anhänger, Verbreiter und Verteidiger des Einbrennens wird, der dem kleinen Schwindel nachträglich die Rechtfertigung verleiht. Einbrennen funktioniert, wird er der Welt mitteilen wollen, ich hab's selbst gehört!

Und so wird eingebrannt was das Zeug hält! Nichts was nicht eingebrannt werden müßte. Und wenn 14 Tage nicht reichen, dann müssen es eben 6 Wochen sein oder ein halbes Jahr. Je länger eine Komponente eingespielt werden muß, desto besser muß sie sein, und desto teurer darf (nein, muß!) sie sein. Man munkelt, die neueste Kreation einer Komponente X müsse mehrere Jahre eingespielt werden um die maximale Klangqualität zu erreichen. Zu schade daß sie teurer als ein Neubau eines passenden Hörraums ist. Aber der neue Hörraum muß natürlich ebenfalls eingespielt werden. Ob man nicht vielleicht auch die Luft darin einspielen müßte?

Samstag, 22. November 2008

Das Normale

Bei der kürzlichen Diskussion über Mehdorn's Prämien für den Bahn-Börsengang wurde es wieder einmal deutlich: Wenn etwas üblich ist, braucht man es nicht weiter zu rechtfertigen. Wie oft wurden wir schon Zeugen davon wie sich jemand in die eigene Tasche gewirtschaftet hat mit dem Hinweis, das sei doch überall so, branchenüblich, folglich normal?

Klasse Argument, nicht? Es erspart einem jeden zusätzlichen Rechtfertigungsaufwand. Es ist üblich, folglich muß es ja wohl in Ordnung sein. Im Rechtfertigungszwang ist damit der Kritiker, der jetzt im Verdacht steht, das Selbstverständliche zu bekämpfen, was nur Spinner tun.

Doch jede Normalität hat ihre Verlierer, und je selbstverständlicher sie ist, desto weniger wird sie hinterfragt, und desto weniger Chancen haben die Verlierer, daran etwas zu ändern. Für die Gewinner ist dagegen das Postulieren und Verteidigen einer Normalität ein gutes Mittel, um sich einen Vorteil zu sichern. Das geht am besten in der Herde. Allein kann man nicht normal sein. In einer Gruppe kann man sich dagegen normal fühlen, obwohl sich die ganze Gruppe auf dem Holzweg befindet, in einem kollektiven Wahn, auf dem Kurs in den Abgrund. Der Irrsinn als Normalität.

Bei der aktuellen Finanzkrise und dem Verhalten der Banken und Spekulanten drängt sich mir genau dieses Bild auf. Obwohl es an Warnungen seit Jahren nicht gefehlt hat, ist dieser kollektive Wahn anscheinend nicht aufzuhalten gewesen. Von den beteiligten "Mitspielern", von denen die meisten davon profitiert haben dürften so lange es gut ging, hat sich der größte Teil in der Normalität anscheinend sicher genug gefühlt daß man mitgelaufen ist, bis zum großen Crash.

Typisch für diese Situation: Die Warner waren noch Wochen vor dem Crash die Außenseiter. Man hat sie - wenn überhaupt - zur Kenntnis genommen und ist zur Tagesordnung übergegangen. Keiner will aus einem Spiel zu früh aussteigen, so lange es gut läuft. Daß es immer mehr Verlierer gegeben hat wird verdrängt. Und es hat Verlierer gegeben, schon lange.

Schon lange vor dem Finanzcrash waren mir Rechtfertigungen mit Hinweis auf die Normalität suspekt. Wer meint es reiche wenn man seine eigenen Ansichten und Taten mit Hinweis auf die üblichen Gepflogenheiten rechtfertigt, der hat üblicherweise etwas zu verbergen. Auch wenn etwas normal sein sollte, braucht es dennoch einen guten Grund, denn ohne guten Grund kann auch das Normale falsch sein. Und wenn etwas einen guten Grund hat, wozu braucht es dann den Hinweis auf das Normale?

Man braucht nicht die großen Katastrophen bemühen um das zu illustrieren, das Prinzip wirkt auch im Kleinen. Mit dem Hinweis auf das Normale rechtfertigen die meisten Leute nicht nur ihre eigenen Ansichten gegenüber ihrer Umgebung, sondern insbesondere auch gegenüber sich selbst, gegenüber ihrem eigenen Gewissen. Man redet sich ein, es sei etwas in Ordnung weil's ja Alle so machen. Mit Hilfe des Normalen überleben Lebenslügen. Das Normale verklebt die Augen für die Sicht auf die Verlierer und auf die Widersprüche.

Doch wie wird etwas normal? Indem man sich in der Gruppe darauf einigt, was auch stillschweigend und langfristig geschehen kann. Oft genug ist das ansonsten völlig willkürlich. Für Kannibalen ist der Kannibalismus normal. Für die Taliban die Behandlung der Frauen als Eigentum. Für jede Religion daß sie die beste, wahrste, einzig richtige ist. Man erkennt leicht wie willkürlich das Normale der Anderen ist. Bei den eigenen Ansichten fällt einem nicht so leicht auf wenn sie ebenso willkürlich sind.

Es ist eine interessante Übung sich eine Gruppe vorzunehmen und sich zu überlegen was die normal finden, wer von dieser Normalität profitiert und sie bewahren will, wer davon benachteiligt ist und sie ändern will, und welche guten Gründe für diese Normalität sprechen. Und wie ist das mit der eigenen Gruppe?

Sonntag, 2. November 2008

Entwickler beim Bier

A: Wie geht's Dir denn mit Deinem Job beim [zensiert]? Macht das Entwickeln von Luxus-Hifi noch Spaß?

B: Naja, ich hätte mir das ehrlich gesagt anders vorgestellt.

A: Wieso? Du wolltest doch immer High-End-Geräte entwickeln, wo man nicht durch zu enge Kostenvorgaben geknebelt ist! Was ist denn jetzt das Problem?

B: Ich habe ganz einfach geglaubt, das Geschäft sei durch technische Innovation und durch kompromißlosen Drang nach Qualität bestimmt. Aber bei uns regiert das Marketing!

A: Na das ist ja mal was Neues! (lacht) Willkommen in der Realität!

B: Du hast gut lachen! Ich habe dort angefangen gerade weil ich nicht wollte daß mein Job vom Marketing vorgegeben wird. Jetzt bin ich vom Regen in die Traufe gekommen. Ich hätte es ja noch akzepiert wenn ich bloß allgemeine Produktvorgaben gekriegt hätte. Aber was jetzt läuft ist, daß ich sogar technische Details vom Marketing vorgeschrieben kriege.

A: Vom Marketing? Was verstehen die denn davon?

B: Das ist es ja eben! Nichts! Darum kriege ich völlig unsinnige Vorgaben.

A: Wie muß ich mir das vorstellen?

B: Zum Beispiel hat das Marketing kürzlich entschieden, daß sie ein neues Flagschiff in ihrer Verstärkerserie brauchen. Den ultimativen Endverstärker, mal wieder. Die haben gar nicht erst nach Ideen dafür gefragt, sondern kamen gleich selbst damit daß der eine eingebaute Stromaufbereitung braucht, die einen reinen Netzsinus erzeugt. Daneben muß er Klasse-A sein, mindestens 30 Kilo wiegen, es müssen ganz bestimmte Elkos im Netzteil drin sein, ganz bestimmte Kabel in der Innenverdrahtung, und noch ein paar mehr so Vorgaben. Sie wollen rausgefunden haben daß sowas gerade "in" ist und sich verkauft, wenn man das optische Erscheinungsbild gut hinkriegt und wenn der Preis nicht zu niedrig ist.

A: Nicht zu niedrig? (lacht) Solche Probleme möchte ich haben!

B: Da gibt's nichts zu lachen, da macht man sich als Entwickler lächerlich! Überleg Dir das mal: Ich soll erst einmal den Netzsinus in einer aktiven Regelschaltung möglichst rein nachbilden, mit wenig Störungen und Klirr, um dann nach dem Netztrafo gleich wieder in die Gleichrichtung zu gehen, wo ich den Klirr dann notgedrungen wieder in gewaltigen Mengen produziere. Unsinn wäre dafür noch ein zu gnädiges Wort! Und darauf soll man als Entwickler stolz sein?

A: Wieso? Wenn sich's doch gut verkauft und die Firma daran verdient! Das sichert immerhin Deinen Job und noch ein paar mehr. Und einer Menge Möchtegern-Audiophiler wird bei der Lektüre der Exclusiv-Tests der Sabber aus dem Mundwinkel laufen! Bei denen bist Du das Genie!

B: Bei den Ahnungslosen bin ich das Genie, und bei den Berufskollegen bin ich ein Schwachkopf!

A: (Schmunzelt) Man kann's nicht jedem recht machen.

B: Jetzt mal im Ernst: Wozu bin ich als Entwickler und ausgebildeter Ingenieur denn da? Ich dachte immer es käme da darauf an, clevere Lösungen zu finden. Lösungen, die den technischen Stand voranbringen, die die Grenzen des Machbaren weiter hinausschieben, oder die wenigstens das was man schon machen kann billiger und einfacher bewerkstelligen. Aber es kann doch nicht darum gehen, völlig unproduktiven Nippes in ein Gerät reinzubauen, weil jemand glaubt daß man das leichter verkaufen kann! Überleg mal: Die Sinusregelung kostet Geld, braucht extra Strom, und nutzt rein gar nichts. Schlimmer noch: Man könnte auf die Idee kommen ich wäre unfähig, ein vernünftiges Netzteil zu bauen, und würde versuchen, das mit dieser Schnapsidee zu kaschieren!

A: Ja, aber wer kommt den allenfalls auf so eine Idee? Doch bestimmt nicht die Leute, die das Ding kaufen sollen! Die wollen einfach etwas Besonderes haben. Man will sich von der Masse abheben. Das ist wie die Unterbodenbeleuchtung bei Autos, die bringt ja auch nichts, sieht aber cool aus.

B: Das ginge ja noch wenn's nur für's Aussehen wäre. In diesem Fall ist's aber eher wie ein Aggregat zum Straße Waschen und Fönen, damit man dahinter Slicks aufziehen kann. Solche Ideen hatte ich als Zehnjähriger!

A: Du meinst ein Aggregat unter dem Kühlergrill, vor den Vorderrädern? Das wäre allerdings wirklich völliger Unfug.

B: Eben. Beim Auto verstehen die Leute immerhin genug von der Sache um so etwas als sinnfrei zu erkennen, aber bei Hifi geht anscheinend alles. Hauptsache teuer und edel, dann findet man schon genug Leute die dem huldigen. Gerade auch bei der Presse. Die stecken doch unter einer Decke mit den Marketingabteilungen solcher Firmen wie meiner.

A: Ja aber wenn es sich so gut verkauft? Ich weiß immer noch nicht so recht was Dich eigentlich plagt. Schämst Du Dich für etwas Geld einzunehmen was Dir nicht sinnvoll erscheint? Du verzapfst doch den ganzen Marketingblödsinn nicht selbst, was machst Du Dir dann Gedanken?

B: Klar bin ich bloß der Ausführende hier, aber erstens kann ich das Gehirn nicht einfach ausschalten, zweitens habe ich auch eine Berufsehre, und drittens werden die Marketingleute ebenso behaupten sie könnten nichts dafür, denn sie würden nur verkaufen was nachgefragt wird.

A: Und die Berufsehre verlangt von Dir daß Du der Kundschaft vorschreibst was sie für gut zu halten haben?

B: Das hätte jetzt auch von den Marketingleuten kommen können! Bist Du inzwischen auch schon zu denen übergelaufen?

A: (schmunzelt) Nein, ich kann Dich ja gut verstehen, ich wollte Dich bloß ein bißchen kitzeln. Mir schon klar daß die angepeilte Kundschaft aus den Leuten besteht, die das gut finden was man ihnen erfolgreich einreden kann. Auch wenn's ein Auto mit Straßenwaschaggregat sein sollte.

B: (schmunzelt auch) Nein, die finden es gut weil sie es ausprobiert haben und eine entscheidende Verbesserung hören.

A: (grinst breit) Ja, nee, is klar!

B: Mir wär's ja noch wurscht wenn es eben ein paar Leute gäbe die auf so verrückte Sachen stehen und ihren Spaß dran haben. Ist ja schließlich ihr eigenes Geld was sie dafür ausgeben. Aber ich will eigentlich als guter Entwickler dastehen. Vor mir selbst und am besten auch vor Fachkollegen. Wie stehe ich denn da wenn ich mit solchen Konstruktionen daherkomme?

A: Wie jemand dem das verdiente Geld wichtiger ist als seine Entwicklerehre. Und? Wo ist das Problem? Ist es eine Schande einen Job für Geld zu machen?

B: Wenn man dabei Leute verarscht schon.

A: Dann wären viele Jobs eine Schande.

B: Das findest Du ok, oder wie?

A: Ok nicht gerade, aber ein Stück Normalität. Wenn Leute verarscht werden wollen wird's auch immer welche geben die sie verarschen. Und ob das immer eine Verarschung ist, ist auch nicht gesagt. Vielleicht weiß der Käufer ja daß der Verkäufer lügt, und kauft's trotzdem? Wieviele Leute kaufen wohl Haarwuchsmittel obwohl sie sich insgeheim drüber im Klaren sind daß das alles leere Versprechungen sind was da vom Hersteller kommt? Oder spielen Lotto obwohl sie wissen daß auf jeden Fall die Hälfte davon beim Staat landet? Du mußt zugeben daß es auch am Käufer liegt wenn so etwas funktioniert. Wenn der sich ein paar Gedanken machen würde bevor er kauft, dann würde er nicht so leicht seine Kröten für nutzlosen Quatsch ausgeben.

B: Woher soll er's denn besser wissen wenn ihm ein Chor aus Herstellern, Händlern und Zeitschriften unisono das gleiche Lied vorsingen? Das ist es ja gerade was ich meinte mit dem Unterschied zwischen Auto und Hifi. Beim Auto sind die meisten in der Lage den Blödsinn zu entlarven, bei Hifi nicht.

A: Vielleicht wollen sie das ja auch gar nicht. Wenn's keine halbwegs unparteiischen Zeitschriften gibt, dann gibt's daran vielleicht einfach nicht genug Interesse.

B: Kann ich schwer glauben.

A: Dann mach doch eine Zeitschrift, dann wirst Du's sehen. Ich wette mit der Wahrheit kommst Du da nicht weit.

B: Nee Du, das ist nicht mein Gebiet. Vielleicht sollte ich mir einfach weniger Gedanken machen und den Schmarrn liefern wie er verlangt wird. Pekunia non olet und so. Oder vielleicht ist es doch besser ich finde 'ne gescheite Firma, die Produkte baut die die Welt braucht.

A: (schmunzelt) So wie ich, wolltest Du sagen...

Samstag, 18. Oktober 2008

Rubidium Schwurblidium

Der wahre Audiophile schwört ja bekanntlich auf die Analogtechnik, denn da ist noch "Leben" drin, und nicht alles numerisch perfekt und mathematisch steril. Beim Abspielen von Schallplatten z.B. gibt's noch Höhen- und Seitenschlag, was zu geringen Schwankungen der Tonhöhen führen kann. Da hilft selbst der beste Plattenspieler nichts, denn der Fehler ist oft genug bei der Schallplatte. Aber solche sympathischen Eigenheiten machen ja dieses Hobby aus, nicht wahr? Sie verleihen der Musik die Wärme die man bei der Digitaltechnik vermißt. Das ist ein Unterschied wie zwischen einem Schlagzeuger und einem Drumcomputer.

Aber um die Digitaltechnik kommt man heutzutage ja nicht mehr herum, darum ist es verständlich wenn man in diesem Bereich die bestmöglichen Bedingungen schaffen will. Und bei allem Mathematischen und Numerischen bleibt doch immer noch etwas Analoges in der Digitaltechnik: Die Zeit. Oder anders gesagt der Takt. Die Signalamplitude mag abgetastet und quantifiziert und in Zahlen gewandelt werden, die Zeit bleibt kontinuierlich. Was Wunder daß man als Audiophiler nur mit der bestmöglichen Zeit zufrieden ist, und daß sich auch nur mit dieser der optimale Klang einstellen kann.

Also vereinfacht: Bei der Analogtechnik sind die Fehler gut, bei der Digitaltechnik schlecht, selbst die analogen.

Äh.

Na gut, wir wollen also die beste Zeit, die wir kriegen können. Klar, daß hier ein einfacher Quarzoszillator nicht reicht, es muß etwas teures her, und da hat die "Szene" vor einiger Zeit das Rubidium entdeckt. Abgesehen vom exotischen Klang dieses Wortes, und den Kosten eines damit arbeitenden Taktgenerators, ist noch ein weiterer Faktor wie geschaffen für den audiophilen Einsatz: Keiner hat eine Ahnung davon wie diese Dinger funktionieren, worauf's im Zusammenhang mit Audio ankommt, und was dabei "hinten rauskommt".

Ein paar Leute wissen immerhin noch daß das Rubidium in einer Röhre untergebracht ist, und auch das trägt zum audiophilen Wohlgefühl bei.

Noch besser wäre hier allerdings Cäsium, weil damit die Atomuhren arbeiten die weltweit verstreut die Zeit bestimmen, aber sowas können sich nur wenige Audiophile leisten. Da muß man schon sehr enthusiastisch sein. Aber das kommt bestimmt auch noch in Mode. Noch exotischer wäre ein aktiver Wasserstoff-Maser, aber solche Kisten bringt man besser im Keller unter, am besten präzise klimatisiert. Als Möbel im Wohnzimmer wirken sie nicht so gut.

Die Gemeinsamkeit aller dieser Taktgeber ist, daß sie zwar auf eine gewisse Art und Weise tatsächlich "besser" sind als ein normaler Quarzoszillator, und zwar zum Teil um viele Größenordnungen, daß aber die Verbesserung für Audioanwendungen völlig irrelevant ist. Das läßt die Geräte in die gleiche Kategorie fallen wie z.B. Silberkabel mit Teflonisolierung. Also etwas was man unbedingt haben muß. Außerdem müssen sie tagelang "eingespielt" werden und sollten kontinuierlich durchlaufen, um ihre beste Leistung zu erreichen.

Ungemein hilfreich ist bei diesem Thema, daß die Fehler und die Fehlerauswirkungen bei Taktgebern ein außerordentlich verzwicktes Thema sind, man aber auf der anderen Seite auch als Laie sehr schnell das intuitive Gefühl bekommt, das Grundproblem verstanden zu haben. Das ist eine Situation, wie sie für einen audiophilen Hersteller besser kaum sein könnte. Es ist hier besonders einfach, irgendeinen Schwachsinn zu erzählen, der sich auch für halbwegs informierte und kritische Zeitgenossen recht vernünftig anhört.

Eines der Probleme besteht darin, daß man die Qualität eines Taktgebers nicht in einer Zahl ausdrücken kann, außer man hat eine sehr eingeschränkte und genau umrissene Vorstellung davon, was man mit Qualität meint. Eines dieser Qualitätsmerkmale ist z.B. die Langzeitstabilität. Das heißt, wenn man eine "lange" Zeit wartet, wie viel oder wenig weicht dann die durch Zählen der erzeugten Takte gemessene Zeit von der "richtigen" Zeit ab. Eine Angabe als Zahl hat hier nur einen Sinn, wenn man auch dazu sagt wie lange man die Meßzeit macht. Anders als man vielleicht denken könnte kann man nicht von einer Meßzeit auf eine andere schließen. Konkret: Wenn man weiß daß eine vom Taktgeber angetriebene Uhr nach einem Tag um maximal 1 Sekunde abweicht, dann kann man daraus nicht schließen wie groß die Abweichung nach einem Jahr maximal wäre. Sie könnte ebensogut 1 Sekunde wie 365 Sekunden sein.

Umgekehrt funktioniert's ebenfalls nicht. Ein gutes Beispiel dafür ist die Netzfrequenz in unserem Stromnetz. Die sollte 50 Hz sein, kann aber schwanken. Man kann sie trotzdem als Taktgeber für Uhren nehmen, denn langfristig sorgen die Stromnetzbetreiber dafür, daß die Zeit stimmt. Die Langzeitstabilität ist also gut, obwohl die Kurzzeitstabilität recht bescheiden ist. Würde man aus der Langzeitstabilität auf die Kurzzeitstabilität schließen wollen, dann käme man auf viel zu optimistische Werte. (Nebenbei: Einige Hersteller von Plattenspielern fanden, daß die Netzfrequenz immer noch gut genug ist um die Geschwindigkeit des Plattentellers damit zu steuern)

Will man also die Stabilität eines Taktgebers etwas umfassender beschreiben, dann müßte man statt eines einzelnen Wertes eine ganze Serie von Werten für unterschiedliche Meßzeiten erfassen, und könnte die z.B. in einem Diagramm auftragen. Man könnte daran sehen welcher Taktgeber eher kurzzeitstabil und welcher eher langzeitstabil ist. Für eher längerfristige Stabilitätsbetrachtungen im Sekundenbereich und darüber hat sich dafür das Diagramm der Allan-Abweichung durchgesetzt (das hat entfernt etwas mit der Standardabweichung aus der Statistik zu tun). Abweichungen in solchen Zeitbereichen werden auch auf Englisch Drift oder Wander genannt.

Für Abweichungen im sehr kurzfristigen Bereich benutzt man dagegen den Begriff Jitter. Die Grenze zwischen Jitter und Wander liegt recht willkürlich bei 10 Hz bzw. 100 ms, aber abgesehen davon bezeichnen beide Begriffe letztlich dasselbe Phänomen. Auch bei Jitter reicht eine einzelne Zahl nicht, um einen Taktgeber zu charakterisieren. Anders als bei der Allan-Abweichung wird hier aber ein anderes Meßverfahren und ein anderes Diagramm benutzt. Man betrachtet die Fehler als Ergebnis einer Phasenmodulation des idealen Taktsignals und trägt im Diagramm das Spektrum des Modulationssignals auf. Jitter wird aus diesem Grund auch Phasenrauschen genannt. Das mag jetzt nicht jeder verstanden haben, macht aber nichts. Der wesentliche Unterschied für den Betrachter der Diagramme ist folgender:

Beim Allan-Diagramm ist auf der waagrechten Achse die Meßdauer aufgetragen. Links im Diagramm stehen also die Stabilitätswerte für kürzerfristige Beobachtung, rechts für längerfristige.

Beim Jitterspektrum ist auf der waagrechten Achse die Frequenz des Fehlersignals aufgetragen. Links stehen die tiefen Jitterfrequenzen und rechts die höheren.

In beiden Diagrammen wird nach oben der Fehler aufgetragen, das heißt der Taktgeber ist umso besser je tiefer die Kurve liegt.

Ein Beispiel findet sich hier, wo beide Diagramme für denselben Rubidium-Taktgeber gezeigt werden. Das Diagramm "Phase Noise Plot" zeigt das Jitterspektrum, während das Diagramm "Allan Variance Plot" sinnigerweise nicht die Allan-Varianz sondern die Allan-Abweichung zeigt, die die Wurzel aus der Allan-Varianz ist (siehe die Beschriftung der vertikalen Achse). Oft findet man in den technischen Daten der Taktgeber auch nur eine kleine Tabelle mit einzelnen Werten aus den Diagrammen, statt ein ganzes Diagramm. Daraus kann man ein grobes Diagramm zwar selbst zeichnen, aber bessere Einblicke bietet es natürlich wenn der Hersteller das Diagramm direkt liefert.

Mit diesen beiden Diagrammen hat man schon einen ziemlich guten Überblick über die Qualitäten und die Eigenheiten eines Taktgebers, und wenn man zwei Modelle miteinander vergleichen will, dann kann man die Diagramme übereinander legen und sehen in welchen Bereichen der Eine besser ist und in welchen der Andere.

Beim "Allan Variance Plot" aus obigem Beispiel hat das der Hersteller schon getan, er hat nämlich mit GPS einen weiteren Taktgeber eingezeichnet. GPS ist eigentlich zur Navigation da, kann aber auch als genaue Zeitquelle genutzt werden, und in dieser Funktion kann man auch für GPS ein Diagramm der Allan-Abweichung zeichnen. Wie man sieht ist GPS langfristig besser als der Rubidium-Oszillator. Es überschneidet sich bei ungefähr 200000 Sekunden, also bei gut 2 Tagen. Für kürzere Zeiten ist dieser Rubidium-Oszillator besser, für längere Zeiten hält man sich besser an GPS. Indem man den Rubidium-Taktgeber mit Hilfe von GPS "diszipliniert" kann man die Vorteile beider miteinander kombinieren. Dieses "Kombinieren" muß man übrigens "richtig" machen, einfach irgendwie zusammenstöpseln reicht nicht, sonst kombiniert man die Nachteile und nicht die Vorteile.

Was hat das jetzt alles mit Audio zu tun?

Für die Beantwortung dieser Frage muß man sich damit beschäftigen was die Auswirkungen der Fehler, die in den Diagrammen dargestellt sind, auf ein Audiosignal sein können. Man hört die Fehler im Takt ja nicht direkt. Dafür muß man sich zunächst ansehen was der Taktgeber überhaupt im Wiedergabesystem antreibt. Letztlich soll er den Takt liefern für einen D/A-Wandler, der den als Zahlen kodierten Schall wieder zurück in ein analoges Audiosignal wandeln soll. Dazu braucht er ein Taktsignal "guter" Qualität, doch was bedeutet in diesem Zusammenhang "gut", und wie gut muß es sein, wenn man sicher sein will daß dadurch keine Qualitätsverluste im Audiosignal bewirkt werden?

Man kann sich dieser Frage nähern indem man untersucht was denn ein schlechtes Taktsignal im D/A-Wandler bewirkt. Man kann dazu z.B. ein gutes Taktsignal nehmen und bewußt Jitter hinzufügen, um dann am Ausgang des D/A-Wandlers nachzusehen wie sich das Nutzsignal verschlechtert. Die Details hängen hier von den Einzelheiten des D/A-Wandlers ab, aber typischerweise findet man, daß eine bestimmte Jitterfrequenz als Modulationsprodukt im Ausgang des Wandlers erscheint. Wenn man sich das als Spektrum anschaut, dann sieht es aus wie wenn man das Nutzsignal (also im einfachsten Fall z.B. einen Sinuston) mit dem Jittersignal phasenmodulieren würde. Das erzeugt charakteristische "Seitenbänder" im Spektrum, was darauf hindeutet daß Summen- und Differenz-Frequenzen gebildet werden zwischen dem Nutzsignal und dem Jittersignal.

Jetzt sind wir also nolens volens wieder bei der Modulation, was uns oben beim "Phase Noise Plot" bzw. dem Jitterspektrum schon begegnet ist. Das ist keine zufällige Ähnlichkeit. In der Tat ist es das Jitterspektrum, welches direkt relevant dafür ist welche Konsequenzen der Jitter für das Ergebnis einer D/A-Wandlung hat. Es geht also um die kurzfristigen Schwankungen und nicht um die längerfristige Stabilität, und demzufolge interessiert der "Allan Variance Plot" hier überhaupt nicht, sondern wir müssen uns mit dem "Phase Noise Plot" beschäftigen. Und hier sind es hauptsächlich die Audiofrequenzen, die uns interessieren, weil die als Modulationsprodukt auch wieder im hörbaren Bereich des Wandlungsergebnisses enden.

Außerdem ist das Gehör offenbar nicht für jede solche Modulationsfrequenz gleich empfindlich. Tiefe Frequenzen unterhalb von ein paar Hundert Hertz scheinen recht harmlos zu sein, während im Bereich der einstelligen kHz die Empfindlichkeit wesentlich höher ist. Für einen Taktgeber eines D/A-Wandlers brauchen wir also ein Exemplar, das speziell im Bereich von - sagen wir - 200 Hz bis 20 kHz niedrige Werte im Jitterspektrum hat. Dabei ist ein gleichmäßiger "Rauschteppich", in dem alle Frequenzen vertreten sind, besser als wenn es einzelne Frequenzen im Jitterspektrum gibt, die besonders herausstechen.

Bei unserem Rubidiumoszillator sehen wir, daß er zwar generell recht niedrige Jitterwerte hat (-150dBc/Hz bei 100 Hz ist schon ausgesprochen gut, und weit sauberer als auch ein sehr guter D/A-Wandler brauchen würde), aber es gibt da ein paar dubiose Einzelfrequenzen, die deutlich hervorstechen. Möglicherweise sieht man da die amerikanische Netzfrequenz und ihre Oberwellen, vielleicht ist es auch etwas anderes. Für unsere D/A-Wandler-Zwecke würde ich einen Oszillator bevorzugen, der satte 20 dB schlechteren "Rauschteppich" hat, dafür aber keine herausstechenden Einzelfrequenzen.

Da erkennt man letzlich auch, daß der Rubidiumoszillator für einen anderen Zweck gemacht ist. Der Bereich wo man vom Rubidium was merkt ist nämlich auf dem Allan Variance Plot zu sehen und nicht dem Phase Noise Plot. Der Sinn des Rubidium-Oszillators liegt in seiner Langzeitstabilität. Das kann man mit etwas Sachverstand auch auf dem Blockschaltbild erkennen, das auf der Webseite über den beiden Diagrammen zu sehen ist.

In diesem Blockschaltbild sieht man, daß der 10 MHz-Taktausgang direkt aus einem ofengeheizten Quarzoszillator kommt. Das Rubidium-Gedöns in der "Physics Package" hat damit nur indirekt was zu tun. Letztlich ist es nämlich so daß das Ganze schon in sich eine Kombination aus zwei Oszillatoren ist, ähnlich wie oben bei GPS beschrieben. Der eigentliche Oszillator, dessen Signal man am Ausgang bekommt, ist der Quarzoszillator, und der wird nur über das Rubidium-System diszipliniert. Wenn man für diese beiden Oszillatoren jeweils eine eigene Kurve im Allan Variance Plot zeichnen würde, dann würde das wieder so ähnlich wie bei GPS sein, mit einem Kreuzungspunkt zwischen den Kurven, wobei für kürzere Zeiten der Quarzoszillator besser ist und für längere der Rubidium-Oszillator. Der Kreuzungspunkt läge allerdings deutlich links vom oben behandelten Kreuzungspunkt mit der GPS-Kurve.

Mit anderen Worten: Bei der Kurzzeitstabilität sehen wir praktisch ausschließlich die Eigenschaften des Quarzoszillators. Erst bei längeren Zeiten macht sich dann der Rubidium-Teil bemerkbar, und bei noch längeren Zeiten kann man dann ggf. noch mit GPS "nachhelfen".

Der Phase Noise Plot ist für die besonders kurzfristige Stabilität, und da macht sich erst recht nur der Quarzoszillator bemerkbar. Das bedeutet daß für unseren Zweck der Takterzeugung für den D/A-Wandler der Rubidium-Teil keinerlei Nutzen bringt. Man könnte ihn genausogut weglassen und den Quarzoszillator frei (undiszipliniert) laufen lassen, das Ergebnis für das Audiosignal wäre das gleiche.

Den Rubidium-Teil wegzulassen, das bedeutet daß nur noch der Quarzoszillator samt Ofen und Netzteil übrig bleibt. Damit wäre man schon mal bei unter 10% der Kosten. Wenn man sich jetzt noch die Situation beim Quarzoszillator selbst anschaut, dann führen ähnliche Überlegungen zur Erkenntnis, daß der Ofen ebenfalls der Langzeitstabilität hilft und auf den Phase Noise Plot praktisch keine Auswirkungen hat. Das könnte man nachmessen, aber genauso kann man es sich auch plausibel machen indem man sich klar macht daß der Ofen lediglich Temperaturschwankungen ausgleicht, und dadurch den Takt stabilisiert. Temperaturschwankungen gehen aber nicht so schnell vonstatten daß sie auf so kurzzeitige Schwankungen wie bei Jitter noch eine Auswirkung haben könnten.

Das heißt wir können auch den Ofen weglassen. Was bleibt dann noch übrig? Ein stinknormaler Quarzoszillator. Langweilig, nicht?

Das ist Ingenieurskunst! Wir haben ein Bauteil für $1500 durch ein Bauteil für $1,50 ersetzt, ohne daß dadurch ein Nachteil entstehen würde. Zusätzlich gewonnen haben wir schnellere Einsatzbereitschaft, geringeren Energieverbrauch, geringeres Gewicht und geringeren Platzbedarf. Ich würde meinem Arbeitgeber vorschlagen er solle das Gerät für den gleichen Preis verkaufen, und die Einsparung in den Bauteilekosten geht auf mein Konto. Alternativ könnte man gebrauchte, defekte oder Ausschußware des Rubidiumoszillators einbauen (die Rubidiumröhre hat eh keine unbegrenzte Lebensdauer), denn ob das Rubidium-Dingens funktioniert merkt sowieso keiner. Welcher Audiophile mißt schon Allan-Varianzen?

Wobei ich jetzt nicht damit sagen will daß irgendein Quarzoszillator gut genug wäre. Das Phasenrauschen bzw. der Jitter kann sich von Quarzoszillator zu Quarzoszillator sehr deutlich unterscheiden, und wegen der Einflüsse der Schaltungsumgebung hat es nur einen Sinn wenn man das in der endgültigen Umgebung mißt. Falls der Hersteller hier Angaben macht sagen die nur was man günstigstenfalls erreichen kann, wenn man die Schaltung drum herum optimal auslegt. Es nutzt also z.B. wenig, einen per Datenblatt jitterarmen Oszillator in eine beliebige Schaltung einzusetzen. Ob der gewünschte Jitterwert dabei rauskommt weiß man so überhaupt nicht. Das an die Adresse der "Tuner".

Aber noch ein weiterer Faktor kommt hier ins Spiel. Ich habe bisher so getan als würde der Takt aus dem 10 MHz-Ausgang des Oszillators direkt den D/A-Wandler antreiben. Das ist aber nicht so, denn dazwischen befindet sich noch eine nichttriviale Elektronik, die ihrerseits ihre Auswirkungen auf die Jittersituation hat. 10 MHz ist kein binäres Vielfaches der Audio-Abtastfrequenzen, die so gemeinhin in Verwendung sind. Diese Frequenz ist zwar der Standard für Zeitnormale, wie es Rubidiumoszillatoren sind, aber nicht für Audio-D/A-Wandler. Man muß die Frequenz also umsetzen auf eine, die für D/A-Wandler genehm ist. Die gängigen Verfahren dafür laufen darauf hinaus daß das Jitterspektrum des erzeugten Taktes nicht mehr dem entspricht, was am 10 MHz-Eingang vorhanden war. Stattdessen kommt ein großer Teil des Jitters vom Frequenzumsetzer selbst. Wer zum Beispiel einen Master-Taktgenerator für Audio oder Audio/Video einsetzt (z.B. Mutec iClock), und diesen mit der Rubidium-Referenz antreibt, der sieht an seinen Ausgängen typischerweise im gesamten interessierenden Frequenzbereich des Jitterspektrums den Eigenjitter des Master-Taktgenerators, und nicht den der Rubidium-Referenz. Was den Jitter angeht könnte man also hier die ganze Referenz auch weglassen und den Master-Taktgenerator frei laufen lassen. Auch hier ist es wieder so daß eine Rubidium-Referenz lediglich die Langzeitstabilität verbessert, was für die Qualität der D/A-Wandlung völlig irrelevant ist.

Ist die Langzeitstabilität für gar nix gut? Wozu gibt's dann überhaupt Rubidium-Generatoren?

Die Langzeitstabilität braucht man für die genaue Zeitmessung, und dafür, zwei unabhängige Takte über längere Zeit hinweg miteinander synchron zu halten. Das sind Bereiche die bei Audio in den allermeisten Fällen keine Rolle spielen, schon gar nicht bei der Anwendung an einer Hifi-Anlage. Im Professionellen Bereich kann es manchmal nützlich sein, z.B. um zwei räumlich getrennte Sender miteinander synchron zu halten, auch für eine Überbrückungszeit wenn GPS gerade nicht funktioniert. Das ist auch beim Mobilfunk so.

Mit audiophiler Wiedergabe hat das aber nichts zu tun. Da ist es reiner Voodoo.

Ach ja, und da war dann noch das Ding mit der Präzision.

Oft findet man Angaben bei solchen Taktgebern in ppm (parts per million) oder gar ppb (parts per billion). Bei Letzterem ist die Milliarde gemeint, die ja bei den Amerikanern "billion" heißt. Diese beiden Angaben sind geistesverwandt mit dem Prozent und dem Promille. Wenn man im gleichen System bleiben wollte dann müßte das Prozent pph (parts per hundred) heißen und das Promille ppt (parts per thousand).

Was damit angegeben wird ist in aller Regel die Genauigkeit eines Taktgebers relativ zum Sollwert. Da kommt also überhaupt keine zeitliche Variation rein, wie Jitter oder Wander. Es geht darum um wieviel die Taktfrequenz "statisch", also dauerhaft, daneben liegt. Dafür ist weder der "phase noise plot" noch der "Allan variance plot" zuständig.

Das bedeutet - und das ist wichtig - daß die Präzision mit dem Jitter und mit der Stabilität des Taktgebers rein gar nichts zu tun hat. Nichts, nada, nothing, niente. Wer also von ppm und Jitter im gleichen Zusammenhang redet, der hat entweder keine Ahnung oder er will jemanden hinter's Licht führen.

Es ist auch nicht so daß ein besonders genauer Oszillator in der Regel auch besonders stabil bzw. jitterarm wäre, oder umgekehrt. Es könnte zwar sein daß ein Hersteller sowohl die Genauigkeit als auch die Stabilität besonders optimiert hat, aber das muß er dann gewollt haben, zufällig bekommt er das nicht. Diese Kriterien sind schlicht unabhängig voneinander. Viele Anbieter, die sich im Audiobereich tummeln und Taktgeneratoren verkaufen wollen, verwechseln oder vermischen diese Dinge, ob aus Mangel an Sachverstand oder Mangel an Gewissen lasse ich mal dahingestellt.

Im Zusammenhang mit Audio und der D/A-Wandlung ist die Auswirkung eines statischen Fehlers in der Taktfrequenz eine falsche Tonhöhe. Ein ganz normaler Quarzoszillator könnte z.B. 10 ppm Genauigkeit haben, das ist ein Tausendstel Prozent. Das bedeutet daß ein D/A-Wandler, der von diesem Quarzoszillator gespeist wird, die Töne um eben dieses Tausendstel Prozent zu tief oder zu hoch wiedergibt. Alle Töne gleich, das heißt die Harmonie untereinander stimmt nach wie vor.

Hört man das? Keine Chance. Selbst 1% Abweichung, also das Tausendfache, bleibt in der Regel unerkannt. Schon ein ganz normaler Quarzoszillator ist also Tausend mal genauer als er für Audio sein müßte. Ofen, Rubidium und dergleichen ergeben zwar noch wesentlich mehr Genauigkeit, aber wofür?

Es gibt einen anderen Grund warum ein Oszillator unter Umständen genauer sein muß. Das ist wenn zwei verschiedene Oszillatoren miteinander synchronisiert werden müssen. So etwas tritt typischerweise bei der digitalen Übertragung von einem auf ein anderes Gerät auf. Das sendende Gerät hat z.B. seinen Oszillator frei laufen, während das empfangende Gerät seinen Oszillator so verstellen muß daß die Frequenz mit der im sendenden Gerät übereinstimmt. Eine Art Uhrenabgleich also. Das Problem ist hier, daß der Empfänger den eigenen Oszillator nur innerhalb eines begrenzten Frequenzbereiches verstellen kann. Liegt die geforderte Frequenz außerhalb dieses Bereichs, dann klappt die Synchronisation nicht. Daraus ergeben sich für die Toleranzen in der Frequenzgenauigkeit gewisse Einschränkungen, die je nach Situation schon auch mal wesentlich strenger sein können als das für Audio eigentlich nötig wäre. Aber das hat keinen Zusammenhang mit dem Klang, sondern daran hängt ob die Datenübertragung funktioniert oder nicht.