Sonntag, 22. August 2010

Der Fall Jambor und die Sache mit dem Recht

Ausgerechnet wenn's so richtig hysterisch zur Sache geht im Kommentarbereich meines Blogs (siehe meinen letzten Beitrag) bin ich im Jobstreß. Nein, nicht im Urlaub, wie gemutmaßt wurde, der kommt erst hinterher. Ich werde mich daher noch ein bißchen länger rar machen, außer ich finde eine Lücke zwischendurch, wie heute abend.

Aber es scheint sich ja auch wieder von selbst beruhigt zu haben, vielleicht ist die Phase akuter geistiger Inkontinenz ja vorbei.

Ich werde allerdings demnächst noch ein Plauderstündchen mit dem Rechtsanwalt verbringen müssen, denn womöglich geht es ja darum, dem Entstehen größeren Kollateralschadens beizeiten entgegen zu wirken. Man wird es vielleicht kaum glauben, aber wenn ich sehe wie sich manche Leute im Wahn nicht nur selbst ins Knie schießen, sondern die Extremitäten gleich ganz wegsprengen, dann kommt sogar mir der Gedanke ob solche virtuellen Selbstmordattentate nicht besser zum Nutzen des Attentäters, wenn auch gegen seine Absicht, unterbunden gehören.

Im Grunde geht mir das gegen den Strich. Es wäre gewissermaßen eine Zensur zum Wohle der Zensierten. Das geht normalerweise als erzieherische Maßnahme bei Minderjährigen durch, im Erwachsenenstand geht man dagegen davon aus daß die Leute sich selber unter Kontrolle haben und so eine Bevormundung nicht mehr nötig haben.

Aber der Wahn scheint manche Leute zu Opfern ihrer selbst zu machen, zu Querschlägern ohne Impulskontrolle, die sich freiwillig selbst zur Einweg-Waffe machen wenn ihre Realitäts-Karikatur angesichts berechtigter Kritik zu zerbröseln droht.

Mein Problem dabei: Bisher war mir das recht wenn in meinem Kommentarbereich der Wahn für jeden sichtbar wird. Mit zu den Eigenheiten der audiophilen Pseudorealität gehört ja, daß man sich bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit als feinsinnig und kultiviert darstellt. Das erste, zugegeben recht einfache Problem besteht daher darin, diese Pose als Heuchelei zu entlarven. Dazu braucht man bloß ein bißchen an der sehr dünnen Oberfläche zu kratzen. Wenn dann der Irrsinn zutage tritt muß man ihn aber auch ertragen können. Viele sind da dünnhäutiger als ich, vielleicht auch weil sie überraschter davon sind was da plötzlich für ein Giftmüll zum Vorschein kommt den man dort naïverweise gar nicht vermutet hätte.

Der Versuch, diesen Giftmüll mir zur Last zu legen, bereitet mir dabei wenig Kopfzerbrechen. Man versucht den Boten für die schlechte Botschaft zu bestrafen, das ist ein alter Hut, und wer eine Mindestmenge Grütze unter der Mütze hat läßt sich davon nicht beeindrucken.

Die Sache wird ab dem Punkt allmählich zum Problem, an dem es den Glaubenskriegern gelingt, den Kollateralschaden in empfindliche Höhen zu treiben. Genau das ist ja das Problem der Selbstmordattentäter. Die sprengen sich schließlich nicht in die Luft weil sie das lustig finden. Sie wollen so viel Kollateralschaden als möglich erzeugen, und ihr Wahn läßt sie ihren eigenen, viel größeren Schaden als gerechtfertigt, heldenhaft und edelmütig erscheinen. Dabei könnte es etwas Schwachsinnigeres kaum geben.

Ich habe also zwar Interesse daran, daß der Wahn deutlich sichtbar wird, aber daß der ganze Platz hier in die Luft fliegt will ich nicht. Und siehe da: schon bin ich erpreßbar. Wenn ich signalisiere daß es Kollateralschäden gibt, die ich nicht zu akzeptieren bereit bin, dann wird damit auch automatisch klar was man tun muß um mich unter Druck zu setzen. Und wie man an Dirk Jambor sieht, gibt es Leute die verrückt genug sind, sich selbst dafür auf's Spiel zu setzen.

Ich neige nicht unbedingt dazu an der bisherigen Handhabung des Kommentarbereiches etwas zu ändern, aber ich habe angefangen darüber nachzudenken ob ich meine Linie vielleicht korrigieren muß. Was ich ganz sicher nicht tun werde ist die Einzelmoderation der Kommentare. Abgesehen von der zusätzlichen Arbeit, die ich nicht gebrauchen kann und nicht haben will, zumal sie grundsätzlich nur immer falsch sein kann, ist für mich noch weit wichtiger daß ich mit im Gegensatz zu so manchen anderen moderierenden Foristen im Klaren darüber bin daß ich als Haupt-Diskutant nicht neutral moderieren kann.

Eher schon stelle ich die Kommentare ganz ab, entweder zeitweilig oder dauernd. Was aber schade wäre, und auch gegen mein erklärtes Ziel.

Vielleicht finden sich auch andere Alternativen. Letztlich wird auch die rechtliche Problematik dabei eine Rolle spielen müssen. Wobei ich das ziemlich entspannt sehe. Diese ganze hysterische Kampagne mit Jambor an der Spitze könnte kaum lächerlicher sein, daher kann mich das ganze Getöse nicht recht davon überzeugen daß hier Gefahr für mich im Verzug ist. Im Gegenteil:
  • Jambor wirft mir genau das vor was er selber tut. Die ganzen von ihm angeführten Paragrafen könnten prima auf seine eigene Masche angewandt werden. Er bezichtigt mich genau der Vergehen die er selber begeht. Das ist eine ziemlich durchsichtige "Haltet den Dieb" Methode, um von der eigenen üblen Hetzkampagne abzulenken.
  • Jambor macht unmißverständlich klar daß er mir in der realen Welt an den Karren fahren will. Wie er da einem eventuellen Richter klar machen will daß er das Opfer ist und ich der Täter, das wird er wohl noch nicht einmal selber erklären können.
  • Wieso es mir geboten wäre auf "Existenzen" Rücksicht zu nehmen, auf die der Betroffene augenscheinlich selbst keinerlei Rücksicht nimmt, wird auch nicht so einfach plausibel zu machen sein. Zumal, wieso sollte eine Existenz Rücksicht verdienen, die auf Lug und Trug aufgebaut ist, oder auf Unfähigkeit und Inkompetenz?
  • Bei allem pseudojuristischen Wortgeklingel ist doch eines sonnenklar geworden: Jambor will zwar die Paragrafen aller angeblichen Delikte kennen, aber er denkt nicht daran damit selber zum Gericht zu gehen. Nein, die Kastanien sollen dann schon Andere aus dem Feuer holen. Wieso sonst sollte er den Kommentarbereich sämtlicher Blogbeiträge mit entsprechenden Hinweisen zuspammen? Wer beabsichtigt, die Justiz anzurufen, der möge das tun, aber Jambor gackert bloß lautstark, damit Andere die Eier legen sollen. Und derselbe Mann hat die Stirn mich der Feigheit zu bezichtigen!
  • Wenn es tatsächlich ausreichenden Anlaß für ein juristisches Vorgehen gegen mich gegeben haben sollte, dann wäre das nicht an meinem Pseudonym gescheitert. Das Pseudonym hat von Anfang an nicht den Zweck gehabt, mich vor berechtigten Klagen zu schützen. Ich habe alles Nötige dazu schon vor zwei Jahren hier im Blog geschrieben, und das gilt auch nach wie vor. Es hat aber bisher niemand eine Klage gegen mich angestrengt. Ich denke ich weiß auch wieso: Weil ich recht habe, und weil die Klage keine Chance hätte. Deswegen auch diese miese Schmierenkampagne: Die braucht es nicht weil ich im Unrecht bin, sondern weil ich im Recht bin.
  • Man braucht sich bloß vor Augen zu führen wie wenig inhaltliche und sachliche Einwände auf meine Beiträge kommen, und wie schnell die Opposition sich Angriffen an meine Person zuwendet. Wie viel Diskussion gab's eigentlich im Kommentarteil zum Thema meines letzten Beitrags? So gut wie keine, nicht wahr? Dabei sind die Kommentare ein prima Beispiel für genau die Art der Kakophonie die ich beschrieben habe, die brüllende Gehörlosigkeit mit der Jambor und ein paar Gleichgesinnte über jede Kritik hinweg walzen wollen. Wieder einmal beweist man wie recht ich habe, inmitten empörter Einsprüche dagegen.
Das ist vielleicht am Ende das Bemerkenswerteste, wie sehr durch sein Verhalten jemand wie Jambor bei allen Protesten mir letztlich recht gibt. Er bringt's sogar fertig, mir beim Versuch mich in einem ungünstigen Licht darzustellen noch ein gutes Zeugnis auszustellen, indem er mir bescheinigt zu 80% recht zu haben, und dann unfähig dazu ist zu erklären worin die fehlenden 20% bestehen. Das erklärt auch die maßlose Wut, denn wer letztlich merkt daß bei allen Versuchen, mir an den Karren zu fahren, letztlich doch der eigene Karren als Schrotthaufen endet, und an meinem kaum eine Delle ist, der läßt sich vom Frust vielleicht noch weiter in seinen Rachewahn treiben.

Wenn man in die Hitze des Gefechts verstrickt ist mag einem das Schauspiel bedrohlich und erschreckend vorkommen, aber mit ein bißchen Distanz wird es zu dem was es ist und schon immer war: Eine Farce. Einem notorischen Heuchler und Dampfplauderer ist die Fassade eingestürzt, und er hat darüber mächtig Dampf abgelassen. Wenn sich die Schwaden verzogen haben kann man wieder zur Tagesordnung zurückkehren.

Samstag, 31. Juli 2010

Brüllende Taube, oder das Ende der Kommunikation

Wir brauchen uns eigentlich über den Lautheitswahn bei Musikproduktionen und bei Radios nicht zu wundern, denn das Prinzip gilt anscheinend generell bei menschlicher Kommunikation. Oder besser "Nicht-Kommunikation", wenn man der Ansicht ist daß zur Kommunikation zwei Richtungen gehören: Nicht nur raus, sondern auch rein.

Wenn dabei ein (im übertragenen Sinn verstanden) entsprechender Lärmpegel entsteht, dann ist es mit der Kommunikation am Ende, weil bei den möglichen Empfängern schnell die Schotten dicht sind. Ein Haufen Taube brüllen sich gegenseitig an.

So einen Zustand hat offenbar die Blindtest-Diskussion inzwischen erreicht. Es scheint darum zu gehen, sich gegenseitig zu übertönen, und dazu noch bemüht man sich durch eine Kakophonie von Irrlichtern möglichst viel begriffliches Chaos zu stiften, damit auch ja keiner mehr durchblickt worum es überhaupt geht. Siehe z.B. als aktuelles Beispiel hier oder hier oder hier.

Eines dürfte schon mal klar sein: Mit diesen Protagonisten (auf beiden Seiten!) und mit diesen Vorstellungen von Blindtests hat so eine Veranstaltung nicht den geringsten Sinn. Welche Frage sollte damit auch beantwortet werden? Alle Beteiligten wollen ja schon wissen was bei "richtiger" Durchführung herauskommen wird (soll, muß), die Veranstaltung hat demzufolge einen rein demonstrativen Charakter, und es kann höchstens sein daß die Demonstration, sollte sie je stattfinden, so "mißlingt" wie etliche zuvor. An den Positionen der Beteiligten wird sich so oder so nichts ändern.

Vielleicht sollte man daher die Beteiligten daran erinnern, daß Kommunikation nur einen Sinn hat wenn es auch einen empfangsbereiten Empfänger gibt, und daß ein Test nur einen Sinn hat wenn klar ist welche Frage er beantworten soll. Ich füchte aber daß ich mit diesem Hinweis bei den Betroffenen nicht auf empfangsbereite Empfänger treffe. Vielleicht finden's aber wenigstens die Anderen interessant.

Wer sich überlegt welche Frage ein Blindtest beantworten soll merkt schnell woran die Diskussion krankt.

Blindtests sind überhaupt erst erfunden worden um individuelle Voreinstellungen und andere subjektive Einflüsse als Einflußfaktoren ausklammern zu können. Egal ob es um Arzneimittel, um Nahrungsmittel oder um Audio geht, man macht solche Tests um eine Chance zu haben subjektive Faktoren von objektiven Faktoren zu trennen. Wenn daher Leute damit daher kommen daß die Wahrnehmung ja menschlich individuell sei und jeder anders empfinde, und daß diese Wahrnehmung ja noch gar nicht engültig erforscht sei, dann sind sie in einer Blindtestdiskussion im falschen Film. Eine entsprechende Diskussion permanent mit solchen am Thema vorbei gehenden Beiträgen zu überziehen ist damit Trollerei.

Für einen Blindtest ist nicht nötig daß man über die individuelle Wahrnehmung irgend etwas weiß. Es genügt zu wissen daß es subjektive Einflüsse gibt, und wie sie sich auswirken können. Man muß nur so viel über diese Einflüsse wissen daß man sie beim Test ausschließen kann.

Es gibt auch keinerlei Notwendigkeit, daß der Blindtest "maximal" empfindlich ist. Ob er das ist oder nicht kann man sowieso nicht so einfach sagen. Man kann allenfalls den Test so gestalten daß man als Ergebnis erfährt wie empfindlich er war, aber das erfordert daß man die gesuchten Parameter kennt und quantitative Referenzen beim Test zur Verfügung hat. Aber selbst wenn man das nicht hat ist ein Blindtest immer noch ein Blindtest, man muß bloß aufpassen welche Schlüsse man aus seinem Ergebnis ziehen kann und welche nicht.

Viele der Einwände, die gegen Blindtest so penetrant und lautstark vorgetragen werden, gehen also an der Sache völlig vorbei. Diese Einwände tragen nichts zur Diskussion um Blindtests bei, sie sind aber deutlicher Ausdruck der Denkweise und Haltung der Beteiligten. Es handelt sich hier schließlich um absolute Grundlagen, die man schon nach sehr kurzer Beschäftigung mit dem Thema intus haben müßte. Angesichts dessen daß die Beteiligten schon seit Jahren beim Thema mitdiskutieren wird klar daß hier Erkenntnisverweigerung vorherrscht.

Die immer wieder heftig umstrittenen Blindtests von David (damit ich nicht die ganzen Links herauusuchen muß verweise ich einfach hierhin) werden damit meist zu unrecht angegriffen. Die Verblindung, die Auswertung und das generelle Testdesign waren im großen und ganzen in Ordnung. Wie empfindlich sie waren kann man mangels mit eingeplanter Gegenproben zwar nicht sagen, aber das macht den Test nicht zunichte.

Das Problem ist daran höchstens was für Schlüsse daraus gezogen werden. Als Beweis für die prinzipielle Unhörbarkeit von irgendwas taugt so etwas schon aus Prinzip nicht, aber sogar mit Gegenprobe wäre das so. Was man aber sehr wohl daraus folgern kann ist wie groß die Unterschiede allenfalls sein können wenn sie denn hörbar sein sollen. Und im Falle von Leuten wie Gemkow kann man zumindest schließen daß der Betreffende die Sache völlig falsch eingeschätzt hat. Das ist ein wichtiges Ergebnis angesichts der Sache um die's da ging, nämlich Gemkow's eigene Kabelprodukte.

Die Rolle und Funktion solcher Tests wie denen von David liegt also nicht darin, daß sie irgend etwas beweisen, sondern daß sie aufzeigen wie sehr auch Fachleute und selbstbewußte Audiophile mit ihrer Einschätzung daneben liegen können. Genau die gleiche Funktion haben auch die sog. Fake-Tests (die nicht-blind sind), wo Umschaltungen nur vorgetäuscht werden.

Wer dagegen wissen will wie weit seine eigenen Hörfähigkeiten wirklich gehen, oder wie weit die menschlichen Hörfähigkeiten im Allgemeinen gehen, wer also an den Grenzen interessiert ist und nicht an der Glaubwürdigkeit der Einschätzungen Anderer, der wird anders testen müssen. Das ist eine andere Frage, die deswegen auch anders angegangen werden muß. Diese Frage ist von Ansatz her wesentlich eher "wissenschaftlich".

Wer so ein wissenschaftliches Interesse hat der sollte sich auch an ein wissenschaftliches Vorgehen halten, und das fängt damit an daß man sich mit dem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnis auseinandersetzt. Da steht also erst einmal Recherche und Literaturstudium an. Davon ist gerade bei denen die schnell mit dem W-Wort bei der Hand sind rein gar nichts zu merken, und ich fürchte wenn die anfangen würden, sich die wissenschaftlichen Artikel zur Brust zu nehmen dann brächten sie es fertig, egal was da steht doch wieder ihre eigenen Hirngespinste herauszulesen.

Jedenfalls gibt es mehr als genug Erkenntnis und Erfahrung mit wissenschaftlichen Blindtests im Audiobereich, es ist geradezu lächerlich wenn da ein paar Amateure meinen es mit einem eigenen "Testdesign" besser zu können. Das was da an Testdesigns vorgestellt wird ist eher eine nicht enden wollende Reihe von Versuchen, wie man es fertig bringen kann einen Test zu erfinden den man als Blindtest verkaufen kann ohne daß er die entsprechenden Anforderungen erfüllen würde. Oder wie man wenigstens jegliche begriffliche Klarheit nachhaltig aus der Diskussion beseitigen kann wenn man schon sonst keinen Effekt damit erzielen kann.

Nun bringt es erfahrungsgemäß nichts, jemandem eine Erkenntnis vermitteln zu wollen die er nicht haben will. Für die Kombattanten selbst habe ich daher keine Hoffnung, die wollen nichts Neues herausfinden, die wollen ihre bestehenden Erfahrungen behalten, und zwar auf beiden Seiten. Und sie wollen das demonstrieren. Interessant und aufschlußreich ist aber für den distanzierten Beobachter wie sie das tun.

Die Phase der Argumentation hat man im Grunde inzwischen hinter sich gelassen. Es werden die Scheuklappen enger geschnallt und man versucht durchzubrettern. David und Dirk gleichen sich darin interessanterweise, denn bei beiden sieht man ein "jetzt erst recht weiter so" im Verhalten, egal ob einem dabei noch jemand folgen mag oder nicht. Je dunkler der Wald, desto lauter das Pfeifen.

In der Situation und Haltung wie sie sich dort darstellt haben Blindtests keinerlei Zweck mehr, die Diskussion könnte man an der Stelle also eigentlich beenden. Sie sind aber auch gar nicht mehr nötig, denn wenn diese Blindtests (die nicht-wissenschaftlichen) dazu da sind daß man sich über die Glaubwürdigkeit der Einschätzungen von bestimmten Leuten ein Bild machen kann, dann werden sie nicht mehr gebraucht. Der Auftritt der entsprechenden Leute macht es einfach, sich dieses Bild auch ganz ohne Blindtests zu machen.

Die Diskussion um den neusten von Dirk favorisierten D/A-Wandler ist dafür ein Beispiel. Man könnte natürlich einen Blindtest organisieren um herauszufinden ob der neue D/A-Wandler wirklich so deutlich anders ist als der vorige, aber wozu? Es ist eigentlich völlig egal ob das so ist oder nicht, die Art und Weise wie Dirk in dieser Sache auftritt macht ihn so oder so völlig unglaubwürdig. Kein denkbarer Ausgang so eines Blindtests würde ihn in einem guten Licht darstellen.

Man braucht dazu die beiden Geräte auch gar nicht selbst gehört zu haben, es reichen ein paar Plausibilitätsbetrachtungen. Man braucht nicht einmal zu berücksichtigen daß er den vorigen Wandler von Lavry mal als Händler vertreten hat und vielleicht ein nicht-klangliches Motiv zu so einer Einstufung hat, es ist klar daß das Gerät zu den besten am Markt verfügbaren Geräten gehört. Wenn sich ein anderes Gerät sehr deutlich klanglich davon absetzt dann muß es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit schlechter sein, denn nach oben hin gibt es einfach nicht mehr so viel Raum.

So oder so, wenn der Unterschied wirklich so groß ist dann macht er sich lächerlich weil nicht ersichtlich ist wie er dann zuvor den Lavry so loben konnte, und wenn er nicht so groß ist dann macht er sich wegen seiner maßlosen Übertreibungen lächerlich. Egal wie's nun wirklich sein mag, mit seinen Urteilen ist nichts anzufangen, die Glaubwürdigkeit im Keller.

Ebenso steht's mit der Haltung einiger Diskutanten die immer wieder mit aller Penetranz auf die Individualität der Wahrnehmung, die Unerforschbarkeit menschlicher Kognition oder die Unmeßbarkeit der Musikempfindung pochen. Das sind alles für das Thema Blindtest irrelevante Einwände, und wer darauf pocht will im Grunde von Blindtests nichts wissen. Für (oder mit, oder gegen) solche Leute einen Blindtest veranstalten zu wollen ist schon im Ansatz vergeblich, es gibt auch da kein denkbares Ergebnis das irgend einen Fortschritt zur Folge hätte. Und das ist nicht der Fehler der Blindtests.

Einen Blindtest veranstaltet man wenn man sich der subjektiven Einflüsse auf ein Hörerlebnis bewußt ist und solche Einflüsse möglichst los werden will, weil man ein objektives Urteil haben möchte. Die größten Kritiker der Blindtests wollen aber ausweislich ihrer ureigenen Argumentation gerade keine objektive Antwort haben, und pochen auf den Vorrang des subjektiven Empfindens. Schon eine Teilnahme an Blindtest-Threads ist daher im Grunde eine Verfehlung des Themas, und letztlich der Versuch die Diskussion zu torpedieren.

Der eigentliche Streitpunkt zwischen den Fraktionen hat damit auch gar nichts mehr zu tun, sondern im Grunde geht es wieder einmal darum wie man es mit der Objektivität hält. Es gibt nun einmal eine Gruppe von Leuten die damit auf Kriegsfuß stehen, und für die ihre eigene subjektive Empfindung immer sticht. Mit solchen Leuten ist nicht zu reden. Wie ich früher schon schrieb: Die stecken mit ihrem Kopf tief im eigenen Hintern. Alles was sie wahrnehmen ist letztlich ihr eigenes Inneres.

Anstatt also an der allgemeinen kommunikationslosen Kakophonie teilzunehmen könnte man sich auch einfach zurücklehnen und sich klar machen daß die Blindtestdiskussion ihren sinnvollen Effekt bereits gehabt hat, und daß man vielleicht die eigentlich wichtigen und interessanten Lehren gar nicht aus den Blindtests selbst gewinnt, sondern aus der Art wie die verschiedenen Parteien damit umgehen.

Sonntag, 18. Juli 2010

High-End Mastering

Mastering war früher mal die Tätigkeit, einen "Mix" so aufzubereiten daß man das Resultat auf einen Tonträger zum Verkauf pressen konnte. Hört sich trivial an. Schließlich ist der Mix bereits in Stereo, wenn man auf CD oder Vinyl veröffentlichen will. Man könnte also meinen es geht um wenig mehr als eine Datenkonversion. Hier das Masterband aus der Mix-Phase, dort die Preßmatritze für den Herstellungsprozeß. Zwei verschiedene Träger, die gleichen Daten. So könnte man meinen.

Als das Zielmedium die Langspielplatte war stellte sich die Lage aber deutlich komplexer dar. Das Material aus dem Mix konnte (und kann) man nicht einfach so auf Platte pressen. Das Medium Schallplatte hat so seine speziellen Eigenheiten, die nach einem Spezialisten verlangen damit bei dieser "Datenübertragung" die optimalen Ergebnisse rauskamen. Zum Beispiel muß man einen Kompromiß zwischen Lautheit, Frequenzkomponenten und Rillenbreite eingehen, um bei sicherer Abspielbarkeit die Rauschabstände und die Spielzeit optimal auszunutzen. Wenn man's übertreibt, dann kann die Nadel aus der Rille springen. Der für den Mix verantwortliche Tontechniker kümmert sich um sowas normalerweise nicht, der sorgt für die rechte klangliche Balance zwischen den Spuren bzw. Instrumenten. Deswegen hatte man den Mastering-Engineer, der aus dem Zielmedium das Beste herausholen sollte.

Das ist erst einmal keine künstlerische oder kreative Rolle, dennoch haben sich die Mastering-Engineers eine gewisse künstlerische Rolle erobert, denn sie sind vor einer Veröffentlichung der letzte, der noch in der Lage ist, am Klang des Werks korrigierend einzugreifen. Was danach kommt ist nur noch ein Fertigungsprozeß, der hoffentlich ausreichend gut beherrscht ist daß gute Qualität bei jeder Scheibe herauskommt. Zudem hat der Mastering-Engineer nochmal eine unabhängige Sicht und Meinung beizusteuern, was das werdende Produkt angeht.

Die CD als digitales Medium hat die meisten der Eigenheiten einer Schallplatte nicht. Der Mastering-Prozeß ist daher im Grunde viel einfacher, wenn man mal von den künstlerischen Aspekten absieht. Mit dem Aufkommen der Audiobearbeitung am PC gab es bald auch Software, mit denen praktisch jeder das Mastering selber machen konnte. Das Ergebnisse, die gebrannte CD-R, konnte man dem Preßwerk geben, und die vervielfältigten das ganz einfach. Bye-bye Mastering-Engineer. Oder vielmehr: Be-your-own-mastering-engineer!

Das hätte die professionellen und teuren Mastering-Engineers, die teilweise an dem Punkt im Begriff waren zu Berühmtheiten aufzusteigen, überflüssig machen können. Aber aus verschiedenen Gründen kam's nicht so. Zum Einen kommt auch beim Mastern, wie bei so vielen Dingen, Schrott heraus wenn man keine Ahnung hat, und eine PC-Software kann Ahnung letztlich nicht ersetzen. Zum Anderen gab's zunehmend neue Aufgaben für den Mastering-Engineer: Laut machen!

Mit dem laut machen haben sich auch Mix-Engineers immer wieder versucht, und selber den Kompressor auf dem Mix-Bus angeschmissen. In vielen Fällen ist das aber nicht so erfolgreich gewesen, und die Mastering-Engineers konnten sich ihre Marktlücke behaupten. Im Grunde ist das ein Segen, denn dann besteht wenigstens eine Chance daß vom Mix ein halbwegs unvermurkstes Masterband übrig bleibt, aus dem man bei passender Gelegenheit auch gut klingende Veröffentlichungen generieren kann. Wer akzeptiert daß das Lautmachen der Job des Mastering-Engineers ist, der kann sich wieder auf das konzentrieren was einen guten Mix ausmacht.

Letztlich gibt's aber immer wieder ein gewisses Konkurrenzverhalten zwischen den beiden Rollen, und der Kostendruck tut dazu sein Übriges.

Inzwischen machen Mastering-Engineers eigentlich nur noch dadurch Schlagzeilen daß sie eine besonders laute Produktion abliefern, also eine weitere Marke auf der Skala des "Loudness Wars" erreicht haben. Das scheint inzwischen ihr Existenz-Zweck zu sein.

Und es stimmt ja auch: Wenn man das noch toppen will was da inzwischen an totkomprimierten Maximal-Laut-Produktionen abgeliefert wird, dann muß man schon was drauf haben. Von einem normalen Mix-Engineer kann man nicht erwarten daß er da mithalten kann. Eine Produktion die in die Charts will braucht daher nach wie vor einen guten Mastering-Engineer, sonst kann man sich nicht gegen die Lärm-Konkurrenz durchsetzen.

Deshalb wundert's nicht daß gerade die großen Mastering-Namen hier ihre Talente einsetzen. Eine Zeit lang schien es so als sei das Lautmachen die Domäne einer neuen Generation von Mastering-Ingenieuren. Womöglich hatten die alten Platzhirsche eine Weile Skrupel, der Musik das anzutun. Aber wenn's um's Geld geht bricht der Widerstand schnell zusammen. Bob Ludwig z.B., einer der ganz großen Platzhirsche des Mastering, gehört inzwischen auch in die vordere Riege der Lautmacher.

Das führt zu einer interessanten psychologischen Situation: Die Mastering-Ingenieure haben einigen Aufwand darin investiert, sich als die Hüter audiophiler Werte darzustellen. Mehrere dieser Leute gelten als Goldohren par excellence und betreiben ziemlich effektives Selbstmarketing in diese Richtung. Das geht nicht gut zusammen mit dem tatsächlichen Output, den sie generieren.

Es fällt vielleicht nicht jedem gleich ins Auge, aber auf mich wirkt es ziemlich grotesk, wenn der gleiche Mensch auf der einen Seite über die angeblichen klanglichen Unterschiede zwischen einem 24-bit D/A-Wandler und einem 32-bit D/A-Wandler schwadroniert, und über die Unzulänglichkeit eines Mediums wie der CD, die klagenswerterweise bloß 16 Bit und 44,1 kHz bietet, und auf der anderen Seite kommen aus seiner Werkstatt Machwerke heraus die auch mit 4 Bit auskommen würden. Die oberen 4 Bit natürlich, also ironischerweise das "High-End".

Schon komisch, nicht? Wenn man den Gestehungsprozeß einer solchen Musikproduktion als Kette darstellt und sich die Stufen anhört, dann findet man daß ausgerechnet in der Stufe, wo der ausgewiesenste Audiophile sitzt, nämlich im Mastering, die Klangverschlechterung am deutlichsten ist.

Mastering ist daher heutzutage ein Job für Schizophrene. Die Realität der Arbeit und der Anspruch klaffen weit auseinander, und den Bruch muß man im Interesse der erträglichen Selbstwahrnehmung irgendwie überkleistern.

Was aber auch nicht unbedingt schwer ist:
  1. Schuld ist nämlich immer jemand Anderes. Die Mastering-Ingenieure würden ja gerne anders, dürfen aber leider nicht. Und wenn der Eine nicht täte, dann würde es halt jemand Anderes tun. Und bevor der das Geld einsackt mach's lieber ich. Allgemeines kollektives Achselzucken.
  2. Mit der demonstrativen Audiophilie kann man ebenfalls die bösen Geister abwimmeln. Wer so ein feines Gehör hat, und auf solche Winzigkeiten wert legt, der kann kein schlechter Mensch sein, oder? Der würde doch auf alle Fälle, in den Grenzen seiner Möglichkeiten natürlich, den Sound so gut machen wie's irgend geht! Das würde er doch bestimmt, oder?
  3. Mittlerweile gibt's auch keinen Mangel an Marketing gegen den Lautheitswahn, für die Popularisierung von mehr "Dynamic Range", und da kann man an vorderster Front seine rechtschaffene Gesinnung demonstrieren. Man ist selbstverständlich sehr für mehr Dynamik, und sehr gegen den Lautstärkewahn, das versteht sich als Audiophiler ja von selbst! Außer man redet mit den potentiellen Auftraggebern, da ist man der fähigste Lautmacher, denn man will ja den Auftrag haben.
  4. Zwischendurch macht man immer mal wieder auch eine wirklich gute Produktion, wenn sowieso klar ist daß das Material nicht chart-fähig ist. Bei guten Mixes braucht man dazu evtl. nur weitgehend die Finger weg zu lassen. So etwas ist ungemein gut für die audiophile Selbstdarstellung, denn man kann solche Beispiele jedem Kritiker unter die Nase reiben.
  5. Besonders witzig: Man kann wegen der erwähnten Eigenheiten der Schallplatte nicht gar so grob vorgehen wie bei der CD, außerdem ist die Schallplatte ein Nischenprodukt, das dieses aggressive Marketing nicht braucht. Also mastert man die CD beschissen und die LP deutlich besser. Und kann so gleich noch eine andere audiophile "Wahrheit" unter's Volk bringen, nämlich daß analog besser sei als digital. Es gibt Mastering-Ingenieure die deswegen ganz bewußt empfehlen die LP zu kaufen wenn man guten Klang will. Technisch gesehen ist das absurd, vom Marketing her macht's Sinn.
Ich habe leider Probleme mit dieser Art der Selbstdarstellung. Ich kann die Widersprüche und die Heuchelei nicht ausblenden. Vielleicht ist das Mastering noch nicht tot, aber es riecht ausgesprochen komisch.

Sonntag, 27. Juni 2010

Blindtest-Begriffsdiebstahl

In der Politik ist es ein altbekanntes Prinzip: Wenn man einen Gegner nicht erfolgreich diskreditieren kann, dann muß man seine Begriffe besetzen. Die Idee der Demokratie als solche zu diskreditieren ist zum Beispiel recht schwierig. Die Idee, daß das Volk selbst die Macht hat, ist einfach so verlockend daß man schon zu Gehirnwäsche greifen müßte um zu erreichen daß die Betroffenen sich de facto selbst entmündigen. Es gibt allerdings immer noch erstaunlich Viele die man dahin bringen kann, aber reichen tut's zum Glück recht selten.

Der weitaus stärker verbreitete Umgang mit diesem Problem bedient sich daher der Begriffsbesetzung. Man versucht, den Begriff so umzuerklären daß sein guter Klang nicht verloren geht, sein Inhalt aber verbogen und verwässert wird bis zu dem Punkt wo man zu den gewünschten Machtverhältnissen kommt.

So z.B. die vor 20 Jahren verblichene DDR. Das war ein angeblich demokratischer Staat in dem das Volk de facto nichts zu sagen hatte, außer es entsprach zufällig dem was die Staatsführung ohnehin gut fand. Demokratie stand auf der Schachtel drauf, innen drin war Diktatur. Eine Mogelpackung.

Ich gebe zu daß ich diese Taktik noch abstoßender finde als eine offene Diktatur. Es ist nicht nur unterdrückerisch, es ist dazu auch noch verlogen. Die positive Kehrseite der Medaille ist aber, daß es auf eine selbstbewußtere und besser informierte Masse hindeutet wenn man zu dieser Lüge zu greifen sich bemüßigt fühlt. Ein Staatswesen das sich mit solchen Lügen etikettiert ist daher schon von vorn herein schwächer als eines, das geradeheraus als Diktatur auftritt. Die Lüge zeigt im Grunde daß sich die Diktatoren über ihre relative Schwäche im Klaren sind.

Wenn man so auf der Welt herumguckt findet man problemlos weitere Beispiele dafür. Wenn z.B. die iranischen Machthaber sich ihrer Sache so sicher wären würden sie keine Wahlen veranstalten und die dann fälschen. So etwas macht man bloß weil das Volk zu gut Bescheid weiß und zu selbstbewußt ist als daß es sich direkt einer Diktatur unterwerfen würde. Man versucht also, ihm etwas zu verkaufen wo Demokratie draufsteht, aber keine drin ist. Offen entmündigen läßt sich das Volk nicht mehr, also versucht man's zu verarschen. Bloß ist's von da aus auch nicht mehr weit bis sich das Volk auch nicht mehr so einfach verarschen läßt.

Aber natürlich geht's in meinem Beitrag hier nicht eigentlich um Demokratie sondern um Blindtests, und es wird Zeit daß ich in meiner bekannt demagogischen Art nach dieser gewichtigen Einleitung den Bogen zurück zum Thema spanne. Ich finde da nämlich interessante Analogien.

Bei den Blindtests hat es eine Weile lang so ausgesehen als suchten die Gegner ihr Heil darin, Blindtests als prinzipiell untauglich für das Feststellen kleiner Details darzustellen. Oder alternativ als völlig irrelevant für das Hobby Hifi. Aber diese pauschale Verteufelung scheint nicht recht fruchten zu wollen, die Anhängerschaft solcher Fundamentalopposition scheint sich auf eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Hardcore-Audiophilen zu beschränken, und sie läßt sich nicht so einfach vergrößern.

Wie die Demokratie ist eben auch der Blindtest eine im Grunde bestechende Idee. Wer wirklich am Hören und nur am Hören interessiert ist, und dafür belastbare Erkenntnisse sucht, der muß eben störende Fremdeinflüsse ausschalten, egal ob sie durch andere Sinne, durch Psychologie oder durch ungleiche Randbedingungen verursacht sind. Da kann man nicht wirklich dagegen sein ohne sich verdächtig zu machen.

Unter diesen Umständen scheint sich ein Strategiewechsel zu vollziehen. Man setzt anscheinend vermehrt darauf, den Begriff für sich zu besetzen. Es mehren sich Leute die quasi im Vorbeigehen erwähnen, sie würden Blindtests regelmäßig, als Teil ihrer Arbeit, durchführen. Die Message dabei ist: Leute, der wirkliche Blindtest-Experte bin hier ich, ich mach das praktisch dauernd. Wenn man es nur richtig macht, dann funktionieren Blindtests auch, und die ganzen Unterschiede kommen zum Vorschein von denen die Abstreiter nichts wissen wollen.

Und wenn man dann näher untersucht was das ist was einem da als Blindtest angeboten wird, dann findet man eine groteske Karikatur eines Blindtests, die seriösen Kriterien nicht einmal ansatzweise standhält. Man baut einfach drauf daß das Publikum mit der Behauptung zufrieden ist und nicht in die Schachtel hineinguckt, auf der in großen Buchstaben steht: Der wahre Blindtest.

Letzes Jahr habe ich z.B. über die großen Drei geschrieben, wo es um drei Kommentare von Hifi-Zeitschriften ging, und die Stereoplay behauptete ja damals ausdrücklich, daß sie Blindtests Monat für Monat durchführten und auch "bestehen". Sie lassen sich über ihre Testmethoden nicht im Detail aus, aber es ist wohl auch so klar daß sie nicht annähernd den Kriterien entsprechen die an seriöse Blindtests zu stellen sind. Das wäre in dieser Form gar nicht leistbar. Ohne eine entsprechende Dokumentation kann man ja auch viel erzählen wenn der Tag lang ist.

Für Nachvollziehbarkeit zu sorgen kann dabei nicht in ihrem Interesse sein. Was nicht bekannt ist läßt sich schlecht im Detail bewerten und kritisieren. Wenn man das Feindbild passend aufgestellt hat, dann hat man damit auch den Vorwand dafür, sich dem gar nicht erst zu stellen. Das wissen auch die Politiker. Externe Wahlbeobachter z.B. werden in der Regel mit ähnlichen Argumenten abgelehnt. Die sind eben von vorn herein feindlich gesinnt, man ist denen nicht Rechenschaft schuldig, weiß selber besser wie Demokratie (oder eben ein Blindtest) funktioniert.

Ähnlich ist's auch mit einem vor kurzem veranstalteten Test, über den's im Österreichischen Hifi-Forum mehrere Threads gibt. Wieder die gleiche Masche: Jemand behauptet daß seine "Art" der Blindtests die bessere bzw. richtige Art sei, liefert gleich die passende Abgrenzungs-Rhetorik mit, mit der man sich um genauere Nachprüfungen herumdrücken kann, und kümmert sich ansonsten so gut wie gar nicht darum, was das "Blind" in einem seriösen Blindtest eigentlich bedeutet.

Es ist ein interessanter Sport: Wie weit kann ich den Begriff Blindtest demontieren bevor es zu sehr auffällt und ich zurückgepfiffen werde? Anders gefragt, welche Kriterien oder Methoden eines seriösen Blindtests stehen dem von mir gewünschten Ergebnis entgegen, und komme ich damit durch sie einfach wegzulassen oder rebelliert dann das Volk?

Bei demokratischen Wahlen steht zum Beispiel dem gewünschten Ergebnis oft entgegen daß das Volk den Falschen wählt. Dem kann man auf verschiedene Weise begegnen, ohne daß man die Wahlen als solche gleich abschafft:
  • Man läßt nur solche Parteien zur Wahl zu die einem genehm sind. Im Idealfall bloß die Eine, aber es sieht oft besser aus wenn es mehrere sind die letztlich gleichgeschaltet sind.
  • Man macht die Wahl öffentlich und sorgt für psychologischen Druck indem man seine Sympathisanten öffentlich ihre Stimme abgeben läßt.
  • Man macht die Auszählung und/oder die Auswertung geheim oder undurchsichtig, und manipuliert das Ergebnis zu seinen Gunsten.
  • Man erklärt eine Wahl für ungültig wenn sie das falsche Ergebnis gebracht hat. Dafür kann man vorsorgen indem man eine gewisse Anzahl an problematischen Vorkommnissen insgeheim während der Wahl selber provoziert.
  • Man hindert "problematische" Wähler daran, ihr Wahlrecht auszuüben. Von plumper Bedrohung bis hin zu subtilen Benachteiligungen gibt es dafür eine breite Palette an Möglichkeiten.
Bei Wahlen wie auch bei Blindtests ist es interessant, sich zu vergegenwärtigen wofür bestimmte "Regeln" da sind. Das heißt in welcher Weise der Zweck der Veranstaltung beeinträchtigt werden kann wenn man sich an eine bestimmte Regel nicht hält. Wer das im Geiste durch geht merkt sehr bald daß die Regeln alle einen praktischen Sinn haben, und daß man riskiert daß der Zweck des Ganzen in Frage gestellt wird wenn man von manchen Regeln Abstand nimmt.

Das kann man auch prägnanter sagen: Wenn man sich nicht an die Regeln hält kann man's auch gleich sein lassen. An alle Regeln!

Wie bei der Demokratie und ihren Wahlen sind die Regeln aus der Erfahrung mit Mißbrauch geboren. Sie sind eben keine Schikane um ein unerwünschtes Ergebnis zu erzwingen, sondern sie sind dazu da um den Mißbrauch so weit es geht einzudämmen. Wer diese Regeln aushebeln will, bei dem kann man davon ausgehen daß er genau diesen Mißbrauch auch im Schilde führt.

Bei Blindtests gibt es eine Anzahl geradezu "klassischer" Mißbrauchsversuche:
  • Man sorgt nicht für Transparenz bei der Auswertung, so daß niemand nachvollziehen kann wie das Endergebnis zustande kam. Man ist darauf angewiesen den Angaben zu vertrauen.
  • Man sorgt nicht für ausreichende statistische Relevanz, so daß man zufällige Ergebnisse als Erfolg verkaufen kann. Meist wird das kombiniert damit daß man unter vielen Versuchen die wenigen herauspickt die für einen Erfolg zu sprechen scheinen, und läßt die anderen unter den Tisch fallen. Besonders für den statistisch unbedarften Laien sieht so Zufall schnell aus wie ein Beweis.
  • Man sorgt nicht für ausgeglichene Versuchsbedingungen. Sei es daß man Pegel nicht ordentlich abgleicht, oder daß man verräterische Details im Material beläßt (Umschaltklicks, Zeitdifferenzen, etc.), oder daß man eine für bestimmte Kandidaten unvorteilhafte Umgebung schafft.
  • Damit zusammenhängend: Man sorgt nicht für zuverlässige Verblindung. Man muß alle Möglichkeiten ausschließen wie jemand durch "Fremdeinflüsse" eine Entscheidung treffen kann. Egal ob das durch Sehen passiert oder durch welche Informationskanäle das Vorwissen zustande kommt.
Aus diesen Gründen kann man von einem Blindtest keine endgültige Beweisführung erwarten, denn der Generalverdacht, daß ein unplausibles und überraschendes Ergebnis dadurch zustande kam daß es einen unentdeckten Fremdeinfluß gegeben hat, daß es also im Grunde gar kein Blindtest war, bleibt immer im Hintergrund bestehen. Das Einzige was hier hilft, indem es Vertrauen schafft, ist die Transparenz der Versuchsgestaltung und Auswertung. Wie bei Wahlen auch.

Wenn der Fremdeinfluß unbeabsichtigt war und im Ausmaß begrenzt, dann kann das Ergebnis trotzdem gelten. Eine Wahl wird auch nicht bei jedem kleinen Fehler für ungültig erklärt. Es muß jemand bewerten ob eine Chance gegeben ist daß der Fehler den Wählerwillen signifikant verfälscht hat. Beim Blindtest muß man bewerten ob ein Verblindungsmangel das Ergebnis signifikant verfälschen hätte können oder nicht. Wenn Regeln ganz bewußt außer Kraft gesetzt werden um so etwas zu ermöglichen, dann ist auf jeden Fall Vorsicht am Platz. Besonders wenn die begleitende Rhetorik wie in den erwähnten Fällen so eindeutig ist.

Wie bei der Demokratie auch ist es letztlich das Volk, das die Kontrolle ausübt. Mangels stringenter Beweismethoden kommt es darauf an, daß das Ergebnis plausibel ist, und daß es unter glaubwürdigen Umständen zustande gekommen ist. Man braucht nicht bei allen Auszählungen einer Wahl dabei gewesen zu sein, um ein Gefühl dafür zu kriegen ob es dabei im Großen und Ganzen mit rechten Dingen zu ging. Bei Blindtests empfehle ich die gleiche auf gesundem Menschenverstand basierende Herangehensweise. Wenn auf der Schachtel Unglaubwürdiges angepriesen wird, guckt man eben hinein.

Sonntag, 6. Juni 2010

Jitter-Verwirrungen

Der Jitter in digitalen Audiosystemen ist schon seit Langem ein Thema, aber in letzter Zeit scheint er wieder besonders Konjunktur zu haben.Das hat sicher auch damit zu tun daß man hier den Leuten besonders gut ein X für ein U vormachen kann, denn die Sache ist schwer zu verstehen, schwer zu messen (wenn die Messung seriös sein soll) und schwer in einen sinnvollen Bezug zum Gehörten zu bringen. Also mehr als genug Raum für audiophile Hirngespinste. Allein die Tatsache daß das Thema so sehr in der Diskussion ist scheint viele davon zu überzeugen daß da etwas dran sein müsse.

Es gibt eine Menge Webseiten die einem versuchen die Sachverhalte auf einfache Weise zu erklären, und es sind darunter auch etliche die zumindest das grobe Verständnis was Jitter ist und warum es ein Problem sein kann richtig wiedergeben. Wie so oft geht dann aber der Unfug los wenn der Bezug zu hörbaren Effekten hergestellt werden soll. Was da unterstellt wird ist nicht selten um den Faktor 10000 daneben, das heißt es wird ohne seriösen Nachweis unterstellt daß Jitter hörbar sei, der 10000 mal schwächer ist als er sein dürfte, bevor er nach seriösen Studien tatsächlich hörbar wird. Kaum irgendwo sonst in der sowieso schon von grandiosen Selbstüberschätzungen gepflasterten Audiophilenszene findet man eine Diskrepanz von derartigen Ausmaßen.

Gepaart ist das mit Angaben von Jitterwerten, die noch nicht einmal ansatzweise nachvollziehbar sind, weil jegliche Angaben zu Meßbedingungen und Meßverfahren fehlen. Wie Jitter im Detail gemessen wird hat aber einen dramatischen Effekt auf die erzielten Meßwerte. Es ist auch sehr leicht den Jitter auf eine Art und Weise zu messen die für das zu betrachtende Problem (also z.B. die Hörbarkeit) völlig irrelevant ist. Im Ergebnis ist die Aussagekraft vieler Jitterangaben, die man bei entsprechenden Produkten und Diskussionen findet, gleich Null. Und aus dem gleichen Grund sind die Angaben auch nicht untereinander vergleichbar, denn niemand kann sagen ob auch die Meßbedingungen vergleichbar waren.

Oberflächlich betrachtet ist die Sache einfach. Jitter ist die zeitliche Variation von Taktflanken um den idealen Zeitpunkt herum. Der zeitliche Fehler führt bei der Abtastung oder bei der Rekonstruktion von Analogsignalen (also in A/D- und D/A-Wandlern) dann zu einem Amplitudenfehler, wenn sich das Signal gerade ändert. Wer eine möglichst unverfälschte Wandlung zwischen Analog und Digital hinkriegen will, der braucht auch einen sauberen Takt für den Wandler, der möglichst wenig Jitter hat.

In erster Näherung ist also derjenige Wandler besser, dessen zeitliche Fehler durch Jitter im Taktsignal geringer sind. Ein Wandler mit 1 ns Jitter ist demnach besser als einer mit 10 ns Jitter. So weit kommt man auch als Laie noch mit. Es ist der Bereich wo man noch durch einfachen Zahlenvergleich besser und schlechter unterscheiden kann.

Der Teufel steckt aber hier im Detail. Und die Details sind teuflisch genug um diese Zahlenvergleiche nicht bloß etwas ungenau zu machen, sondern die Betrachtung wird dadurch oftmals vollkommen sinnlos. Ich rede hier also nicht von Haarspaltereien, die sich im Promillebereich abspielen, sondern von grundlegenden Dingen.

Folgende Fragen müssen bei solchen numerischen Jittervergleichen gestellt werden:
  • Sind die Jitterwerte überhaupt auf vergleichbare Weise und unter vergleichbaren Umständen gemessen worden?
  • Sind die Werte an einer vergleichbaren Stelle im Signalpfad gemessen worden?
  • Welche Relevanz haben die so gemessenen Jitterwerte für die Hörbarkeit?
Schon die erste Frage stellt sich als erstaunlich komplex heraus, denn es gibt eine für den Laien vielleicht überraschende Vielfalt an Meßmethoden und Randbedingungen, ohne deren Kenntnis man eine Jitterangabe nicht vernünftig interpretieren kann.

Woher kommt das?

Im vielleicht einfachsten Fall ist der zeitliche Fehler, also der Jitter, zufällig. Man kann dann den Jitter als ein Rauschsignal modellieren. Signaltheoretisch betrachtet ist es dann so als ob das Taktsignal durch weißes Rauschen phasenmoduliert wird. Wem solche Begriffe nichts sagen, nicht verzweifeln, ich will damit bloß ausdrücken daß die Effekte sich mathematisch und physikalisch relativ einfach erfassen und beschreiben lassen, man hat den Effekt so auf bekannte nachrichtentechnische Begriffe zurückgeführt.

Ein solches Rauschsignal hat eine mittlere Stärke, man nimmt hier den Effektivwert (auf Englisch RMS = Root Mean Square). Aber es hat auch Spitzenwerte (engl. peak-to-peak). Bei einem echten weißen Rauschsignal kann der Spitzenwert theoretisch beliebig hoch werden wenn man bloß lange genug mißt, in der Praxis kann man leicht ein Verhältnis zwischen Effektivwert zu Spitzenwert von 1:10 bekommen. Die erste wesentliche Angabe ist also beim Jitter, ob es sich um den Effektiv- oder Spitzenwert handelt. Schon diese einfache Sache wird aber meist nicht erwähnt. Schon allein dadurch kann man also ohne es zu wissen einen Fehler beim Vergleich zweier Angaben von einer Zehnerpotenz haben.

Der nächste springende Punkt kommt daher, daß die unterschiedlichen Meßmethoden auch unterschiedliche Empfindlichkeiten für bestimmte Frequenzen des Jitters haben. Wenn der Jitter rein zufällig ist, und somit weißes Rauschen darstellt, dann enthält er auch alle Frequenzen in gleichem Maß. Solcher Jitter wird dann durch die Meßmethode entsprechend gewichtet. Manche Meßmethoden bieten eine einstellbare Meßbandbreite, das heißt es wird ein Bandpaß verwendet und nur Jitterfrequenzen gemessen, die innerhalb des Frequenzbandes liegen. Je schmaler das Band, desto weniger Jitter wird man messen (immer noch vorausgesetzt daß der Jitter weißes Rauschen ist). Bei solchen Methoden muß man also zur korrekten Interpretation der Ergebnisse auch die Filtercharakteristik des verwendeten Bandpasses wissen. Es gibt im Audiobereich keine normierte Filtercharakteristik dafür, jeder entscheidet bei der Messung selbst was er hier für sinnvoll hält, abhängig davon was sein Meßgerät anbietet.

Eine andere Art der Gewichtung ergibt sich, wenn man Jitter mit dem Oszilloskop mißt. Diese vielleicht einfachste Methode funktioniert so daß man das Oszilloskop auf eine Taktflanke triggern läßt und sich die nächste (oder eine spätere) Taktflanke auf dem Schirm ansieht, und zu bestimmen versucht wie weit diese Flanke im Lauf der Zeit hin- und herzittert. Der springende Punkt hier ist daß man so den Jitter von einer Taktflanke relativ zu einer anderen mißt, und nicht den absoluten Fehler gegenüber der idealen Absolutzeit. Diese Relativmessung führt dazu, daß Jitterfrequenzen unterhalb einer bestimmten Eckfrequenz immer stärker abgeschwächt werden. Für niederfrequenten Jitter ist diese Methode daher praktisch blind. Entscheidender Faktor ist hier der zeitliche Abstand zwischen dem Triggerzeitpunkt und dem Zeitpunkt der Flanke an dem die Messung stattfindet. Dieser zeitliche Abstand bestimmt wo die genannte Eckfrequenz liegt. Für eine korrekte Interpretation des Meßergebnisses muß man diesen zeitlichen Abstand kennen.

Wie man sieht gibt's schon bei der Jittermessung als einzelne Zahl eine ganze Reihe von Dingen zu beachten. Um beurteilen können ob zwei Messungen miteinander vergleichbar sind oder nicht braucht es mehr Angaben als man in den allermeisten Fällen geliefert bekommt. Das allein schon macht die Jitterangaben von Herstellern und anderen Quellen in den meisten Fällen unbrauchbar und nichtssagend.

Mehr Information kann man aus Diagrammen bekommen, die das Jitterverhalten nicht nur als einzelne Zahl ausdrücken, sondern in Abhängigkeit einer Variablen als Graph. Im Zusammenhang mit Audio A/D- und D/A-Wandlung ist ein Diagramm besonders sinnvoll, das die Stärke des Jitters über die Jitterfrequenz aufträgt. Anders gesagt, das Jitter-Spektrum. Interessant sind dabei die hörbaren Frequenzen, und eventuell noch die Oktave darüber, um die Möglichkeit von Spiegelfrequenzen mit abzudecken. Wenn der Jitter wie oben angenommen weißes Rauschen ist, dann ist das Spektrum eine horizontale Linie. Interssant ist das Spektrum also eigentlich bloß dann, wenn der Jitter eben nicht einem weißen Rauschen entspricht, wenn also sein Spektrum nicht wie eine gerade Linie aussieht. Das ist in aller Regel der Fall, und das ist auch der Grund warum eine einfache Analyse auf der Basis von weißem Rauschen meist zu kurz greift.

Wenn wie eigentlich in allen realistischen Fällen der Jitter nicht weißes Rauschen ist, dann ist es umso wichtiger sein Spektrum zu kennen, und nochmal wichtiger die Meßbandbreite für einen angegebenen Jitterwert zu kennen. Andersherum gesagt wird dann ein einzelner Meßwert noch wertloser. Daß man aber mal eine glaubwürdige Messung eines Jitterspektrums präsentiert bekommt ist schon recht selten. Sich einen willkürlichen (unrealistisch niedrigen) Jitterwert in Pikosekunden aus den Fingern zu saugen ist da schon wesentlich einfacher.

Ein Jitterspektrum gewinnt man normalerweise dadurch daß man einen jitterarmen Referenzoszillator auf dieselbe Frequenz abstimmt wie den zu untersuchenden Takt, und beide in einem Ringmischer phasendemoduliert. Ein FFT-Spektrumanalysator kann dann das resultierende Signal als Spektrum darstellen. Ist in der Praxis nicht ganz so einfach wie es hier klingt.

So weit zur Frage der Meßmethoden und der Vergleichbarkeit. Wer weiter einsteigen will in dieses Thema kann mit einem sehr nützlichen AES-Papier dazu anfangen, leider gegen Gebühr.

Die zweite Frage betraf den Punkt an dem gemessen wird. Wenn der nicht bekannt ist, dann ist der Meßwert ebenfalls unbrauchbar. Selbst wenn er bekannt ist kann er immer noch unbrauchbar sein. Man kann zum Beispiel den Jitter am SPDIF-Eingang eines D/A-Wandlers messen und angeben, aber daraus erfährt man immer noch nichts darüber welchen Effekt das auf das Audiosignal hat. Ein SPDIF-Empfänger und damit auch jeder entsprechend ausgerüstete D/A-Wandler hat eine eigene Jitterunterdrückung bzw. Jitterimmunität, es kann also gut sein daß der Jitter den man am Eingang mißt rein gar keine negativen Effekte hat, schon meßtechnisch nicht und gehörmäßig schon gar nicht.

Wer sich für den Effekt auf das Audiosignal selbst interessiert der darf nicht am SPDIF-Eingang messen, sondern muß sich den Takt ansehen der den D/A-Wandler-Chip im engeren Sinn antreibt. Das ist ein Signal innerhalb des Gerätes, das normalerweise außen nicht zugänglich ist. Maßgeblich ist dabei derjenige Takt, der für das Abtasten des Analogsignals verantwortlich ist. Es hängt vom Funktionsprinzip des Wandlers ab welcher aus mehreren Takten hier der maßgebliche ist. Zudem reagiert nicht jeder Wandler gleich auf Jitter.

De facto macht es also am meisten Sinn wenn man bei einem DAC nicht versucht, den tatsächlichen Jitter zu messen, sondern seine Jitterempfindlichkeit. Das heißt man gibt an seinen Eingang ein Signal mit einer bekannten Menge Jitter, und untersucht das analoge Ausgangssignal auf darauf zurückzuführende Artefakte. Am besten sieht man die Artefakte wenn der Jitter ein Sinussignal im oberen Frequenzbereich des hörbaren Spektrums ist. Besonders aufschlußreich ist hier wieder ein Diagramm, in dem man den Effekt abhängig von der Jitterfrequenz aufträgt. Wen überrascht es daß solche Diagramme wiederum sehr selten zu finden sind?

Die dritte Frage ist die nach der Hörbarkeit, und hier findet man die wildesten Spekulationen und die absurdesten Überzeugungen. Dieser Frage kann man sich auf unterschiedliche Art und Weise nähern. Es gibt aber auch einige Arten mit denen man sich der Frage nicht nähern kann, denen man aber (vielleicht gerade deswegen) immer wieder begegnet. So wird beispielsweise ausgerechnet welche Menge von Jitter bei einem Sinussignal mit maximaler Frequenz und Amplitude (also z.B. 22 kHz und 0 dBFS) zu einem Fehler von einem Bit bei gegebener Wortlänge (z.B. 16 bit) führt. An diesem Punkt würde der Fehler durch Jitter größer als der Fehler durch den normalen Quantisierungsvorgang. Anders gesagt wird ab diesem Punkt der Wandler durch Jitter meßbar schlechter als ohne Jitter.

Was man durch diese Abschätzung gewinnen kann ist eine theoretische Grenze, aber kein praktischer Richtwert. Mit der Hörbarkeit hat es rein gar nichts zu tun. Zu glauben in dem Moment an dem es meßbar wird müsse es auch hörbar sein ist kompletter Unsinn. Nichtsdestotrotz sind solche Abschätzungen anscheinend attraktiv, weil man mit ihnen auf geforderte Jitterwerte im unteren Pikosekunden-Bereich oder sogar Femtosekunden-Bereich kommen kann. Genau das woraus feuchte Audiophilen-Träume entstehen.

Sinnvoll ist es dagegen wenn man Hörtests macht bei denen man künstlich verjitterte Signale verwendet, und so feststellt welche Mengen an Jitter man braucht, bis es hörbar wird, und auch feststellt welche Signale besonders empfindlich sind, also welche Testsignale man sich anhören muß um möglichst kleine Jittermengen noch heraushören zu können. Solche Tests hat es im seriösen Bereich schon einige gegeben, und wir werden unten noch davon zu reden haben.

Ebenso sinnvoll ist es wenn man psychoakustische Kenntnisse über Hörschwellen, Maskierungseffekte und dergleichen heranzieht um abzuschätzen welche Modulationsprodukte am ehesten hörbar werden könnte. Das hilft beim Finden der besten Testsignale, und beim Abschätzen wo die Ergebnisse wahrscheinlich in etwa zu erwarten sind. Schon allein als Plausibilitätskontrolle sind solche Betrachtungen wertvoll.

Schließlich sollte man sich vergegenwärtigen daß Jitter nichts ist was erst durch die Digitaltechnik entstanden ist. Das Äquivalent von Jitter im Analogen sind Gleichlaufschwankungen von analogen Aufzeichnungsmedien. Solche Effekte gibt es bekanntlich sowohl bei Schallplatte wie auch beim Tonband, und man darf erwarten daß sich Erkenntnisse über die Hörbarkeit solcher altbekannten Effekte auch mindestens teilweise auf den digitalen Fall übertragen lassen. Mit anderen Worten: Es ist nicht recht einzusehen warum eine Phasenmodulation durch Tonband-Vibrationen weniger hörbar sein soll als eine um ein Vielfaches geringere Phasenmodulation durch Taktjitter. Wenigstens die Proportionen sollten sich hier übertragen lassen.

Untersuchungen über den Effekt von Jitter bei digitalen Audiosignalen sind daher nichts Neues. So hat z.B. eine Untersuchung darüber schon 1974 in den BBC-Labors stattgefunden, also 8 Jahre vor der CD. Umfangreicher noch ist die Arbeit von Benjamin/Gannon aus dem Jahr 1998, die sich dem Thema aus verschiedenen Richtungen nähert, sowohl theoretisch als auch praktisch. Erwähnenswert sind schließlich auch noch Ashihara et.al. mit einem Artikel aus 2005.

Diese Untersuchungen sprechen eine völlig andere Sprache als es die "Erfahrungen" aus der Audiophilen-Szene vermuten lassen würden. Die dort festgestellten tatsächlichen Hörschwellen liegen derart weit von den Zahlen entfernt, die in Audiophilen-Kreisen wie selbstverständlich kursieren, daß man das nicht mit Meßunsicherheiten oder ähnlichen Fehlern erklären kann. Hier prallen zwei Welten aufeinander. Die Welt seriöser Untersuchungen und die Welt audiophiler Einbildung und Eitelkeit.

Die verschiedenen oben genannten Untersuchungen kommen zwar nicht zu übereinstimmenden Ergebnissen, die Unterschiede lassen sich aber leicht als Konsequenz unterschiedlicher Versuchsgestaltung erklären und schmälern die Aussagekraft nicht. Das soll nicht heißen daß es nicht noch offene Fragen gäbe, die weitere Forschung nötig machen. Das was bisher schon untersucht ist, läßt aber Schlüsse zu die die audiophilen Vorstellungen und Größenordnungen ziemlich klar ins Reich der Phantasie verweisen.

Wenn etwas überrascht an den Studien, dann ist es wie wenig empfindlich das Gehör auf Jitter zu sein scheint. Die Autoren sind eher überrascht daß die Hörschwellen so hoch ausgefallen sind, und hätten offenbar mit einer größeren Empfindlichkeit gerechnet. Ansonsten sind die Ergebnisse im großen und ganzen im Rahmen dessen was man aus der psychoakustischen Erkenntnislage und aus entsprechenden Überlegungen hätte vermuten können. Zum Einen wird schon aus physikalischen Gründen mit sinkender Signalfrequenz der Jittereinfluß geringer (wegen der geringeren Flankensteilheit der Signale), zum Anderen kommt bei sinkender Jitterfrequenz das störende Mischsignal immer mehr in den Einfluß von Maskierungseffekten und wird dadurch unhörbar.

Ebenfalls wenig überraschend ist, daß man speziell ausgesuchte Testsignale braucht um die maximale Empfindlichkeit zu bekommen, und daß Jittereffekte bei normaler Musik fast immer völlig untergehen und selbst dann unhörbar sind wenn sie sehr stark sind. Die Tester haben demzufolge einige Zeit dafür verwenden müssen um Musikbeispiele zu finden bei denen sich etwas feststellen läßt. Zudem hat sich wieder einmal gezeigt daß die Tester ein gewisses Training brauchen um maximal empfindliche Ergebnisse zu erzielen, auch wenn es sich bereits um erfahrene Hörer handelt.

Es wird auch nicht überraschen daß aus einzelnen Tönen (Sinus) bestehende Jittersignale viel kritischer sind als Rauschen. Rauschförmige Jittersignale sind von Ashihara et.al. untersucht worden, und mit ihnen darf der Jitter zehn mal größer sein als bei Benjamin/Gannon im Fall von sinusförmigen Signalen. Das ist einleuchtend, denn durch rauschförmigen Jitter verringert sich bloß der Rauschabstand, während bei sinusförmigem Jitter unharmonische Mischprodukte auftreten, die bei genügender Stärke eine klangliche Verfärbung bewirken können.

Diese Stärke beträgt aber selbst bei den kritischsten Fällen immer noch 10 ns RMS und mehr, außer in gewissen Ausnahmefällen wo Jitter und Nutzsignal sinusförmig sind und so beschaffen daß die Artefakte aus der Maskierung herausfallen, wo manche Tester auch noch um die 4 ns Jitter detektieren konnten. Für normales Musikmaterial kommt man im besten Fall bis zu etwa 30 ns herunter, falls man überhaupt etwas hören kann. Für die Details der Versuchsmethoden und der Ergebnisse verweise ich auf die Originaltexte.

Ich will mit dieser Diskussion nicht miserable Jitterwerte bei Geräten rechtfertigen. Ein Entwickler sollte unabhängig von solchen Untersuchungen bestrebt sein, einen Takt zu verwenden der im Rahmen der Möglichkeiten und dem Stand der Technik entsprechend sauber ist. Selbst Jitter in unhörbaren Größenordnungen kann ein Hinweis auf ein Designproblem sein das mit geringem Aufwand behoben werden kann wenn man es einmal entdeckt hat. Für den Endanwender von Geräten bedeutet es aber daß es einen Bereich von Jitterwerten gibt der weit genug von aller Hörbarkeit entfernt ist daß man sich darüber keine Gedanken zu machen braucht. Hörbar tut sich bei weiterer Verbesserung dort nichts mehr, egal was Andere auch behaupten mögen.

Für mich selbst setze ich als Faustregel die Schwelle mit etwas Sicherheitsabstand bei 1 ns RMS an, gemessen mit einem Bandpaß der mindestens bis etwa 700 Hz herunter geht, besser 100Hz. Zum Glück fallen die meisten Geräte schon von sich aus gut genug aus, auch die von denen man es vielleicht nicht erwarten würde, z.B. viele interne Notebook-Soundkarten oder billige CD-Spieler. Jitterprobleme dürften damit die absolute Ausnahme sein und nicht die Regel. Und damit entfällt auch der Nutzen eines Clock-Tuning, zumal man bei den entsprechenden Tuning-Angeboten so gut wie sicher sein kann daß die dort genannten Zahlen frei erfunden und nicht seriös nachgemessen sind.

Samstag, 29. Mai 2010

Wahrheit, ganze Wahrheit, nichts als Wahrheit

Es ist kein Zufall daß man beim Schwören vor Gericht in Großbritannien nicht bloß versprechen muß, die Wahrheit zu sagen, sondern auch die ganze Wahrheit, und nichts als die Wahrheit. Mit anderen Worten, man muß nicht bloß etwas Wahres sagen, sondern alles was man sagt muß wahr sein, und man darf auch nichts Wichtiges weglassen. The truth, the whole truth, and nothing but the truth.

Dem entspricht die Binsenweisheit daß man auch durch gezieltes Weglassen von Teilen der Wahrheit einen völlig falschen Eindruck erwecken kann. Man kann also Leute in die Irre führen ohne daß man im strengeren Sinne lügen würde. Und wenn man zwischen wahren Aussagen die eine oder andere Lüge einstreut, dann wird sie eher für wahr gehalten. So kann es passieren daß man aus einer Darstellung die völlig falschen Eindrücke und Schlußfolgerungen mitnimmt, obwohl dort nur sehr wenig Unwahres gesagt wurde.

Daran mußte ich Anfang des Monats denken als ich (dieses Jahr zum ersten Mal) die Münchner High-End besucht habe und in einem Vortrag von HMS-Chef Strassner saß. Was er da über eine ganze Stunde dargestellt hat stimmt in weiten Teilen, und doch kommt der unbedarfte Zuhörer fast zwangsläufig zu völlig falschen Schlüssen über die tatsächlichen Verhältnisse. Der Vortrag ist als Tonaufzeichnung mittlerweile online, aber man hätte sich gewünscht daß man dazu auch seine Flipchart-Zeichnungen sehen kann, das hätte das Verständnis wesentlich erleichtert.

Nun ist klar daß Strassner die Interessen seiner Firma vertritt, und die verdient ihr Geld mit dem Verkauf von überteuertem und unnötigem Zubehör, wie Netzkabel, Steckdosenleisten und dergleichen. Daß er die Sache zu seinen Gunsten darstellen würde war also zu erwarten. Die Gratwanderung bei einem solchen Vortrag liegt darin, die Werbung in eine Form zu verpacken, die so aussieht als hätte man es hier mit sachlich einwandfrei begründeten Tatsachen und Zusammenhängen zu tun. Als gehe es nicht darum, einem Kunden mit unlauteren Mitteln die Kröten aus der Tasche zu ziehen, sondern darum, ihm technische Zusammenhänge zu vermitteln, die ihn in die Lage versetzen sollen, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Strassner beherrscht das perfekt. Man merkt daß er das schon eine ganze Weile praktiziert. Seine Art mit der Wahrheit zu lügen fand ich interessant genug für einen Artikel hier im Blog. Strassner's Webseite gibt leider nichts dazu her. Nachdem Strassner im Anschluß an den Vortrag ein Papier ausgeteilt hat in dem das Thema recht ausführlich dargestellt wird, sehe ich nicht so recht warum er das nicht einfach auf der Webseite verfügbar macht. Der Link zum Papier geht zu einer ganz anderen Webseite, keine Ahnung wie die dazu gekommen sind. Ich habe irgendwie den Eindruck als stünde Strassner mit dem Internet auf Kriegsfuß. Nun ja, mein Artikel hier wird ihn davon sicher nicht abbringen...

Das Papier ist zehn Seiten lang und der Vortrag dauerte eine Stunde. Ich kann und will hier nicht auf jede Einzelheit daraus eingehen. Es geht mir mehr darum, die Methode darzustellen mit der er seine Zuhörer bzw. Leser um den Finger wickelt. Ich werde also seinen Aussagen das hinzufügen was er - ganz bestimmt absichtlich, schließlich ist er Physiker - wegläßt, zu seinem Nutzen und zum Schaden derer die darauf hereinfallen.

Er greift zu Beginn die durchaus vernünftige Frage auf, die einem angesichts überteuerter Spezial-Netzkabel für Hifi-Geräte eigentlich unmittelbar auf der Zunge liegen müßte: "Wie kann es sein, dass das letzte 1,5m Netzkabelstück den Klang meiner Anlage verbessern soll, wenn doch x-lange Meter einer Standard-1,5qmm Netzleitung in der Wand vorgeschaltet bleiben?" Seine Erklärung fußt darauf, daß die Leitung in der Wand ja für alle Hifi-Komponenten gemeinsam ist, daß es aber auf die Differenzspannung zwischen den Geräten ankomme, und für diese Differenz spielt nur eine Rolle was nach der Steckerleiste kommt, an der sich die Leitungen für die Komponenten aufteilen.

Einiges von dem was er dazu darstellt stimmt tatsächlich:
  • Wenn es wirklich Differenzspannungen zwischen den Geräten geben sollte, dann hätten die wegen der unsymmetrischen Cinch-Verbindungen auch eine Auswirkung auf das Audiosignal, das zwischen den Geräten übertragen wird.
  • Spannungsschwankungen als solche sind normal und harmlos, sie werden von den Geräten ausgeregelt.
  • Netzstörungen, besondern die niederfrequenten, dazu gehören auch Verzerrungen des Netzsinus, sind ebenfalls meist harmlos.
Der springende Punkt ist aber woher die Differenzspannung kommen soll und inwiefern das etwas mit der Stromaufnahme der Geräte zu tun hat. Mit seiner Abbildung 2 im Papier bietet er eine einfachst-mögliche Konstellation aus bloß zwei Geräten, und da geht die Irreführung schon los. Die Netzkabel bestehen je nachdem ob es schutzisolierte Geräte sind oder nicht aus zwei oder drei getrennten Adern. Deren Rolle muß man bei einer solchen Diskussion getrennt betrachten, man kann nicht so tun als handle es sich um eine einzige Leitung.

Wenn die von Strassner betrachtete Differenzspannung ∆U auf die Cinch-Verbindung wirken sollte, dann handelt es sich um eine Differenzspannung zwischen den Signalmassen beider Geräte. In keinem Fall ist diese Masse mit denjenigen Leitungen im Netzkabel verbunden, durch die der Betriebsstrom fließt (also dem Außenleiter oder dem Neutralleiter). Nur im Falle einer über Schutzleiter geerdeten Komponente besteht eine Verbindung über den Schutzleiter, aber durch den fließt kein Betriebsstrom (andernfalls liegt ein Fehler vor).

So wie Strassner die Zeichnung gestaltet suggeriert sie daß die Stromaufnahme des Gerätes wie selbstverständlich eine solche Differenzspannung hervorrufen muß, deren Höhe mit der Impedanz der Netzleitung zusammenhängt. Und genau diesen Eindruck will er auch erzeugen. Würde die Zeichnung mit den einzelnen Leitungen aus dem Netzkabel gezeichnet, dann würde sichtbar daß es diesen Zusammenhang in dieser Form nicht gibt, denn es handelt sich nicht um denselben Stromkreis.

Strassner lügt, nicht indem er offen die Unwahrheit sagt, sondern indem er einen entscheidenden Aspekt der Wahrheit verschleiert. Einen Aspekt, der ihm wohlbekannt sein muß, schließlich stellt er im weiteren Verlauf der Darstellung die Situation innerhalb der Geräte wiederum weitgehend korrekt dar. Im Grunde müßte man nur 1 und 1 zusammen zählen und die unverbunden nebeneinander stehenden Fakten passend zusammen führen, und man würde sehen daß da etwas nicht stimmen kann.

In Abbildung 3 ist nämlich die Situation eines Netzteils in einem Hifi-Gerät dargestellt. Das könnte man mit Abbildung 2 kombinieren, und bei jedem der Geräte in Abbildung 2 diese Innereien mitsamt der im Detail dargestellten Netzleitung zeigen. Im Ergebnis würde man deutlich sehen können daß der Stromkreis über den die Geräte mit Strom versorgt werden, und der Stromkreis in dem ggf. die fragliche Differenzspannung entsteht, nicht die gleichen sind.

Die Kopplung zwischen diesen Stromkreisen führt - wenn überhaupt - über parasitäre Schaltungselemente, wie z.B. die Windungskapazitäten im Netztrafo. Wenn man deren Einfluß betrachtet kommt man zum Schluß daß die Einflüsse der Leitungswiderstände im Netzkabel geradezu absurd gering sind. Die ganze Sache ist ein "roter Hering". Das eigentliche Problem hat wieder (mein altes Thema) mit der Masse zu tun, und nicht mit dem Netzkabel. Wenn das Netzkabel daran überhaupt beteiligt ist, dann über den Schutzleiter, und dazu muß das beteiligte Gerät geerdet sein, was direkte Brummschleifen-Gefahr birgt. Die Leitungswiderstände der Netzleitung sind in so einem Fall nebensächlich.

Es ist auch kein Problem, das auszuprobieren. Wenn etwas einen subtilen Effekt haben soll, dann müßte man den Effekt deutlicher machen können wenn man die Ursache verstärkt. Wer also meint, der Widerstand seiner Netzleitung hätte einen negativen Einfluß, der kann den Widerstand künstlich erhöhen und müßte dadurch das Problem verstärken. Ein Widerstand von einem Ohm ist weitaus größer als der Widerstand von jedem realen Netzkabel, und wer genug von der Sache versteht um sich der Gefahren bei einem solchen Versuch bewußt zu sein (gefährliche Netzspannung!), der kann so einen Widerstand leicht in den Stromkreis einschleifen und den Effekt beobachten. Die Chancen stehen sehr gut daß sich dadurch gar nichts verändert, und dann sollte klar sein daß sich durch ein paar Milliohm Unterschied zwischen verschiedenen Netzkabeln erst recht nichts tun wird.

Strassner berichtet von nichts dergleichen, und er untermauert seine Darstellung auch nicht mit konkreten Meßwerten aus einem praktischen Beispiel. Er hätte ja durchaus sein Beispiel mit den lediglich zwei Geräten ja einmal hinstellen können und die Differenzspannung messen können. Wenn das für den Vortrag zu kompliziert ist, dann kann man es als Video vorführen, und zwar so daß klar wird was er da eigentlich mißt. Es bleibt aber bei der suggestiven Darstellung.

Wo er tatsächlich Meßwerte anführt, bleibt es bei einem Vergleich von Widerständen und Induktivitäten, aber ohne Bezug zu den daraus resultierenden angeblichen Differenzspannungen und erst recht ohne Bezug zum angeblichen Einfluß auf das Audiosignal. Diese Schlüsse werden dem Leser überlassen, nachdem man ihn dazu gebracht hat das alles für wichtig zu halten. Unter den Zuhörern beim Vortrag in München habe ich Leute beobachtet, deren süffisantes Nicken auf mich so gewirkt hat als wollten sie sagen: Da könnten sich die ewigen Abstreiter mal eine Scheibe abschneiden! Alles Physik, und keineswegs Voodoo!

Die ganze Wahrheit ist das nicht, was Strassner da verbreitet. Es ist genau der Teil der Wahrheit aus dem er ein Kaufargument für seine Produkte machen kann. Alles andere, auch das absolut Essentielle, wird unterschlagen. Es ist durchaus alles Physik, aber man muß schon auch alle wichtigen Aspekte berücksichtigen, und nicht bloß die, die einem in den Kram passen.

Mittwoch, 12. Mai 2010

FAQ Symmetrie

Über die symmetrische Signalübertragung und die symmetrische Signalverarbeitung kursieren (besonders unter Audiophilen) eine Menge falsche Ansichten, die sich für viele Leute ganz vernünftig anhören, aber nichtsdestoweniger von den wirklichen Verhältnissen weit entfernt sind. Dabei kann's genauso gut vorkommen daß jemand aus den falschen Gründen für Symmetrie plädiert wie dagegen. Ich bilde mir zwar nicht ein daß ich mit einem Beitrag wie diesem hier die Irrtümer aus der Welt schaffen kann, schließlich kenne ich die Fähigkeiten der Audiophilen, was das Ignorieren der Realität angeht, aber es gibt hoffentlich immer noch genügend unverbohrte Leser die man mit Argumenten erreichen und vielleicht überzeugen kann.

Deshalb will ich die wichtigsten und am weitesten verbreiteten Fehler hier mal als FAQ (= Fix Abgehandelter Quatsch) zusammenfassen. Ich dachte auch kurz daran, das im Sinn von "Fix Abgekanzelte Quacksalber" zu interpretieren, aber dann wird mir bestimmt wieder vorgeworfen ich würde persönlich. Ich versuch's also lieber inhaltlich. Soll aber nicht heißen daß es keine Quacksalber zum Abkanzeln gäbe. Im Gegenteil.

1. Symmetrische Übertragung ist wenn man auf einem Draht das Signal, und auf dem anderen Draht das invertierte Signal überträgt. Die Signale müssen also gleich groß aber zueinander entgegengesetzt sein.

Falsch. Bei der Übertragung wird ja ein Spannungssignal übertragen, und da ist die Frage welchen Bezugspunkt man für diese Spannung wählt. Die Masse des Senders? Die des Empfängers? Der Mittelwert der beiden Drähte?

Im letzten Fall ist das Ganze natürlich per Definition symmetrisch, aber das ist wohl kaum gemeint. Der Empfänger bildet aber die Differenz zwischen den beiden Signaldrähten, da kommt die Masse gar nicht vor. Also gleich groß bezogen auf was?

In Wirklichkeit hängt die Symmetrie nicht an den Spannungen, sondern an den Impedanzen. Eine Verbindung ist auch dann symmetrisch wenn das Signal (bezogen auf Masse) ausschließlich auf einem Draht vorhanden ist, und der andere Draht bloß am Sender impedanzrichtig an Masse angeschlossen ist. Der ganze störunterdrückende Effekt ist so genau der Gleiche wie wenn auf beiden Drähten symmetrische Spannungen anliegen würden.

Das kann man sich auch so klar machen: Die Störunempfindlichkeit braucht man ja auch dann wenn man gar kein Signal überträgt, also bei Stille. Da ist es sogar besonders wichtig weil jede Störung mehr auffallen würde und von keinem Nutzsignal überdeckt würde. Wenn kein Signal anliegt, dann kann man aber nicht unterscheiden zwischen "einseitiger" Signalübertragung, und "beidseitiger" Signalübertragung. Es liegt ja keine Spannung an. Die Impedanzen sind aber immer noch da. Und die sind hier das Wesentliche.

Das heißt auch daß eine symmetrische Übertragung an einem Sender sehr billig bewerkstelligt werden kann, man muß bloß den zweiten Draht über einen passenden Widerstand an Masse anschließen. Man braucht nicht mehr Aktivelektronik als bei der unsymmetrischen Technik. Beim Empfänger braucht man einen Differenzverstärker, aber auch das muß nicht immer zu mehr Aktivelektronik führen, denn in vielen Fällen kann man eine bestehende Eingangsstufe auch so umgestalten daß sie Differenzverstärker wird. Nicht daß es eine Rolle spielen würde, aber viele Leute haben ja (unberechtigterweise) Angst vor klangverschlechternden Effekten zusätzlicher Verstärkerstufen.

Die symmetrische Variante wo das ganze Signal nur auf einem Draht anliegt, wird impedanzsymmetrische Übertragung genannt. Sie ist wie gesagt was Störsicherheit angeht um keinen Deut schlechter. Lediglich was die andere Richtung angeht, die Aussendung von Störungen an benachbarte Leitungen (Übersprechen), ist sie etwas ungünstiger. Das spielt aber eigentlich bloß in solchen Fällen eine Rolle wo mehrere Leitungen auf engem Raum und über längere Strecken nebeneinander verlegt sind. Einige zig Meter Kabelkanal zum Beispiel, oder ein Multicore-Kabel in der Veranstaltungstechnik.

Gerade bei Hifi kommt es aber noch immer vor daß die angeblich symmetrischen Verbindungen alles andere als symmetrische Impedanzen haben. Wer mißt das schon nach?

2. Eine unsymmetrische Übertragung kann man durch Verdrillen zweier gleicher Drähte symmetrisch machen.

Diese "pseudosymmetrische" Technik findet man öfter bei Cinch-Verbindungskabeln. Manche davon sind noch nicht einmal verdrillt, sondern flache Stegleitungen. So etwas ist aber nicht einmal pseudosymmetrisch, es ist genauso unsymmetrisch wie zuvor. Relevant sind ja die Impedanzen, daran ändert eine optisch symmetrisch aussehende Kabelgeometrie überhaupt nichts. Entsprechend kann man davon auch keine störunterdrückende Wirkung erwarten.

Solche pseudosymmetrische Verbindungen sind Augenwischerei.

3. Symmetrische Übertragung bringt nichts wenn nicht auch die Geräte selbst innen vollsymmetrisch aufgebaut sind.

Das ist nicht bloß falsch sondern sogar gefährlich falsch. Es läßt einen glauben daß die getrennt am Stecker ankommenden positiven und negativen Signale auch im Gerät getrennt weiterverarbeitet werden müßten. Daß man also in diesem Fall besser auf die Differenzbildung am Eingang verzichtet.

Das ist deswegen völlig kontraproduktiv, weil die Störunterdrückung an der möglichst genauen Differenzbildung hängt. Je ungenauer die ist, desto mehr Störung bleibt übrig. Genaue Differenzbildung läßt sich durch entsprechenden Abgleich noch recht einfach hinkriegen wenn man es nur mit einer Verstärkerstufe zu tun hat, nämlich dem Differenzverstärker am Eingang. Verarbeitet man dagegen die Zweige durch das ganze Gerät hindurch getrennt, dann müßte man die komplette Schaltung auf präzise Übereinstimmung beider Seiten abgleichen. Das ist in vielen Fällen so gut wie aussichtslos, besonders über wechselnde Temperaturen und die Alterung der Geräte hinweg. Viel zu viele Bauelemente müßten dazu exakt aufeinander abgeglichen werden.

In der Praxis ist die sofortige Differenzbildung am Eingang die mit weitem Abstand beste Lösung, weil man so die Störung am gründlichsten herauskompensiert bekommt. Ob es danach im weiteren Verlauf im Gerät symmetrisch oder unsymmetrisch weiter geht spielt dann in diesem Zusammenhang keine Rolle mehr. Das maßgebliche Kriterium ist dabei die Gleichtaktunterdrückung am Eingang.

4. Der Vorteil der symmetrischen Übertragung beruht darauf daß eine Störung gleich auf beide Drähte wirkt.

Fast richtig. Es ist ein Vorteil, aber nicht der Einzige, und im Fall von Hifi mit relativ kurzen Kabeln noch nicht einmal der Wichtigste.

Bei der Übertragung von Audio über Kabel gibt's im Grunde 4 verschiedene Mechanismen, über die ein Störsignal ins Audiosignal einkoppeln kann. Welcher Mechanismus im konkreten Fall der dominierende ist, das hängt von der Situation ab.
  • Das Kabel wirkt als Antenne für elektromagnetische Wellen (Radiosignale)
  • Die Störung koppelt über ein elektrisches Feld ein (kapazitive Kopplung)
  • Die Störung koppelt über ein Magnetfeld ein (induktive Kopplung)
  • Die Störung koppelt über eine gemeinsame Impedanz zwischen zwei Stromkreisen ein.
Gegen diese verschiedenen Mechanismen wirken verschiedene Maßnahmen, und im Hifi-Umfeld sind die auch verschieden wichtig. In der wahrscheinlich großen Mehrheit der Fälle bei Hifi ist der letzte der vier Mechanismen der dominierende, und der hat wenig mit der Symmetrie zu tun, dafür aber sehr viel mit der Massefreiheit, die letztlich bloß ein Nebeneffekt der symmetrischen Übertragung ist. Die Massefreiheit bewirkt nicht etwa eine Vermeidung von Brummschleifen, wie man oft hört, sondern eine Trennung des Strompfades einer Brummschleife von den Signalstromkreisen. Der Brummstrom läuft in der Schleife also noch immer um, aber die Kopplung ins Audiosignal wird unterbunden.

Gegen den ersten Mechanismus hilft eine gute Schirmung, und insbesondere die direkte Verbindung des Schirms mit dem Gerätegehäuse ohne Umwege. Das gilt gleichermaßen für symmetrische und für unsymmetrische Verbindungen. Beispiel ist hier das Handy neben dem Kabel.

Auch gegen kapazitive Kopplung ist die Schirmung das wichtigste Mittel. Das Prinzip ist hier der Faraday'sche Käfig.

Die Verdrillung der Drähte und die Impedanzsymmetrie ist die Hauptmaßnahme gegen die induktive Kopplung. Gegen niederfrequente Magnetfelder, wie sie von der elektrischen Verkabelung im Haus, von Trafos, oder von Hochspannungsleitungen kommen, hilft eine Schirmung nicht gut. Das ist der Grund warum man die Drähte verdrillt, und warum die Impedanzsymmetrie hilft.

Bloß: Bei Hifi ist magnetische Kopplung eher weniger das Problem. Und wenn es ein Problem ist, dann entsteht es meist schon innerhalb eines Gerätes, und externe Kabel haben damit nichts zu tun. Das Gerät, speziell der Netztrafo darin, ist die Störquelle, und sie wirkt innerhalb des Geräts auf die benachbarte Schaltung.

Für Hifi mit den kurzen Kabeln wäre es also in den meisten Fällen schon genug wenn die Verbindungen massefrei wären. Symmetrie im engeren Sinn ist gar nicht so wichtig. Cinch-Verbindungen sind aber nur selten massefrei, und das ist ihr Hauptnachteil. Nur finde ich daß wenn man der traditionellen Cinch-Verbindung den Tritt gibt, den diese überkommene Technik verdient hat, dann sollte man es gleich richtig tun. Also nicht nur massefrei, sondern auch korrekt symmetrisch. Dann hat man sämtliche Störmechanismen im Griff, auch das Handy. Daß das dann im Zweifel auch über 100 Meter Distanz funktioniert, gibt auch dann noch ein gutes Gefühl wenn man es nicht wirklich braucht.

5. Bei der symmetrischen Verbindung schließt man den Schirm an die Masse an.

Jein. Nicht alle Massen sind gleich. Man trifft immer noch zu oft den Fehler an, daß der Masseanschluß einer symmetrischen Verbindung mit der Signalmasse des Gerätes verbunden wird. Richtig wäre, die Gehäusemasse zu verwenden. Also den Massekontakt im Stecker direkt mit dem Gehäuse verbinden. Die Signalmasse hat am Stecker eigentlich nichts zu suchen, denn wegen der Differenzbildung wird sie als Referenz gar nicht gebraucht.

Das Problem dabei ist daß eine Verbindung mit der Signalmasse oft die im Schirm laufenden Störungen über die Signalmasse ins Innere eines Gerätes und in die Elektronik geleitet werden. Dort finden sie dann irgendwie ins Audiosignal. Außerdem kommen so die aus dem Antenneneffekt resultierenden Störungen ins Gerät. Zwei von vier Störmechanismen werden auf diese Weise immer noch zugelassen, darunter auch der wichtigste.

Es kommt also darauf an, mit welcher Masse der Schirm verbunden wird, oder anders gesagt auf welchem Weg diese Verbindung geschieht. Nur wenn das alles korrekt gemacht ist besteht Immunität gegenüber allen vier beschriebenen Mechanismen.

In Härtefällen ist es sogar sinnvoll, die Masseverbindung über einen Kondensator zu machen, um Gleichstrom und niederfrequente Wechselströme in Schach zu halten. Für Hifi sehr selten ein Problem, können solche Ströme bei größeren Distanzen ein Problem werden. Es gibt Fälle wo bei einer Kabelverbindung zwischen getrennten Gebäuden so große Ströme im Schirm fließen daß das Kabel merklich warm wird. In solchen Fällen braucht's aber einen Fachmann der die beste Lösung ermitteln kann.

6. Symmetrische Verbindungen haben bessere Rauschabstände

Das kann man nicht so allgemein sagen. Wenn man eine vollsymmetrische Verbindung mit einer asymmetrischen Verbindung vergleicht, wenn alle anderen Bedingungen (wie z.B. Pegel) gleich sind, dann ist auch der Rauschabstand gleich. Man kann allerdings bei gleicher Betriebsspannung mit vollsymmetrischen Verbindungen den doppelten Pegel erreichen.

Eine vollsymmetrische Verbindung braucht aber zwei Verstärker, einen für das normale Signal und eines für das invertierte. Doppelter Aufwand. Alternativ könnte man auch eine asymmetrische oder impedanzsymmetrische Verbindung mit der doppelten Betriebsspannung betreiben. Dann braucht man nur einen Verstärker, aber der muß die doppelte Betriebsspannung aushalten. Kann sein daß das günstiger ist, oder auch nicht, je nach Situation. Ein eindeutiger Vorteil für die eine oder andere Lösung ergibt sich nicht.

Für den Laien heißt das, daß man ohne genauere Kenntnis der Details nicht beurteilen kann, welche Konstellation die besten Rauschabstände bietet. Für Hifi-Situationen sind die erreichbaren Rauschabstände bei beiden Varianten locker ausreichend, um im Zweifel andere Probleme dominant erscheinen zu lassen. Die Diskussion um die Rauschabstände ist hier also verfehlt.

Schluß

Symmetrische Übertragung ist überlegen, aber nur wenn sie auch korrekt und konsequent implementiert ist. Das ist eine ziemlich alte Weisheit, aber nicht jeder hat ein Interesse daß sie allgemein bekannt wird. Symmetrische Übertragung hat auch im Hifi-Bereich Sinn, aber aus anderen Gründen als viele zu glauben scheinen.

Samstag, 1. Mai 2010

Wie gewinnt man öffentliche Debatten?

Zyniker wissen schon lange daß in öffentlichen Debatten nicht derjenige mit den besten Argumenten gewinnt, oder der mit dem anständigsten Diskussionsverhalten. Die Frage ist daher nicht ganz unbedeutend, wie man es am besten anstellt um sich in solchen Debatten durchzusetzen. Zu dieser Frage ist jetzt ganz frisch ein Papier über eine Forschungsarbeit in Frankreich erschienen, wo man sich dieser Frage mittels modellgetriebener Simulationen genähert hat. Drei Fälle öffentlicher Debatten aus der jüngeren Zeit wurden darin exemplarisch untersucht:
  1. Die Debatte zwischen Verfechtern von Evolution und Kreationismus
  2. Die Debatte um die Ursachen der globalen Erwärmung
  3. Die Debatte um die Schweinegrippe
Ein audiophiles Thema war nicht dabei, das wäre im Vergleich auch zu nebensächlich gewesen, aber ich sehe da durchaus einige interessante Parallelen, so daß sich ein Blick darauf auch hier im Blog lohnt.

Bei Simulationen gilt natürlich immer die Einschränkung daß die Simulation bloß so gut sein kann wie die Modelle auf denen sie basiert. Von daher versucht man auch die Ergebnisse der Simulation mit der tatsächlichen Situation zu vergleichen, und daraus seine Schlüsse über die Qualität der Modelle zu ziehen. Man sollte daher die Studie mit einem Körnchen Salz konsumieren, was sie aber in meinen Augen nicht weniger interessant macht.

Wenn man das Ergebnis in einem Satz zusammendampfen müßte, dann würde er wohl ungefähr so lauten:

"Wer sich eine vorsichtige, ausgewogene Haltung zulegt, die auf klaren wissenschaftlichen Fakten basiert ohne daß diese eine eindeutige Schlußfolgerung zulassen würden, der hat sich für die Verliererstraße entschieden."

Andersrum gesagt: Wer gewinnen will darf sich nicht mit kleinlichen Abers, Wenns und Vielleichts aufhalten. Auch wenn man dabei die verfügbaren wissenschaftlichen Daten überstrapaziert, ist es besser wenn man knapp und eindeutig Stellung bezieht.

Das kann man zynisch finden, aber es entspricht meiner Erfahrung in der audiophilen Debatte. Ich hab's ausprobiert. Eine ausgewogene Argumentation, bei der man versucht alle Aspekte zu berücksichtigen und vernünftig zu gewichten, bringt nichts. Kaum einer macht sich die Mühe der Argumentation zu folgen, die Mehrheit der Zuschauer scheint im Gegenteil bei dieser Art der Argumentation den Eindruck mitzunehmen, es würde Grund zum Zweifel geben, man sei sich also nicht ganz sicher. Und wenn man einen halbwegs diskussionserprobten Kontrahenden in der Diskussion hat, dann treibt er einen durch alle Kleinigkeiten und walzt diese so breit wie möglich aus, so daß der Überblick darüber welchen Stellenwert diese im Gesamtzusammenhang haben komplett verloren geht.

Ausgewogene Argumentation ist etwas für die kleine Runde, wo die Beteiligten ein ehrliches Interesse daran haben, gemeinsam weiter zu kommen. In öffentlichen Debatten kann man das vergessen. Da ist es weitaus besser mit dem breiten Pinsel zu malen. Das wird besser verstanden, und es provoziert mehr Getöse in der Debatte, was wiederum gut ist um Zuschauer anzulocken, und dadurch mehr Verbreitung zu finden.

Beispiel Kabelklang:

Vor 5 Jahren, als ich noch relativ "frisch" im Hifi-Forum war, habe ich noch verstärkt versucht, differenzierte Diskussionen zu führen, und Umstände auszuloten in denen ich selbst für möglich halte, daß Kabel einen Einfluß auf den gehörten Klang haben. Siehe dazu z.B. diesen alten Thread. Aber so eine ausführliche Argumentation schreckt eher ab. So genau wollen's die meisten dann auch nicht wissen. Und wenn's nicht einfach ignoriert wird, dann wird's mißverstanden oder mißbraucht, so ist z.B. unser bekannter Charly über längere Zeit damit hausieren gegangen, ich hätte damit quasi Kabelklang nachgewiesen. Man muß also mit ansehen wie man vor den Karren genau derjenigen Sache gespannt wird, die man eigentlich damit bekämpfen wollte.

Also ist Kabelklang eben Unfug. Das ist eine klare, knappe und leicht verständliche Position, die nicht den Nachteil hat daß irgendein Schimmer von Unsicherheit und Relativierung darin aufscheint. Wenn sich dann wirklich jemand findet, der sich für die Details interessiert, dann kann er gerne auch das Für und Wider besprochen haben, aber für die breite Masse ist das nichts.

Man braucht bei dieser Taktik auch nicht das geringste schlechte Gewissen zu haben. Kabelklang ist Unfug, jedenfalls in der Form in der er typischerweise diskutiert wird. Was da an Argumenten von Herstellern, Händlern und Audiophilen kommt ist zu 90% völliger Mist, und mit dem Rest kann man sich beschäftigen wenn man in einer Runde gelandet ist, die willens und fähig ist das auch differenziert zu sehen. Also muß die Aussage Nummer 1 die sein die auch zuerst rüber kommt. Wer nur drei Worte aufnehmen kann oder will, bei dem muß man dafür sorgen daß die ersten drei Worte die richtigen sind. Wer die Differenzierungen voran stellt spannt den Karren vor's Pferd, und wundert sich dann warum er damit nicht voran kommt.

Also: Kabelklang ist Unfug.

Differenziertere Argumente kommen dann, wenn man es mit einem Publikum zu tun hat welches damit auch etwas anfangen kann. Bei den Anderen ist es besser wenn man sie mit den einfachen Wahrheiten aus der Arena prügelt.

Es stimmt: Es ist zynisch, und es ist schade. Eine Diskussion auf hohem Niveau wäre erheblich interessanter. Aber mir zumindest ist letztlich wichtiger was hinten raus kommt. Und da kriegt eben jeder das was er verdient.

Mittwoch, 14. April 2010

Essex Zombie

Manche Dinge dürfen einfach nicht in Frieden ruhen. In der audiophilen Szene dürfen insbesondere "Beweismittel" nicht sterben, die für die audiophilen Lieblings-Glaubenswahrheiten zu sprechen scheinen. Sie mögen einen schnellen Tod verdient haben, weil sie so fehlerhaft sind, aber man läßt sie nicht sterben, und selbst Jahrzehnte nachdem klar sein könnte daß da nichts dran ist, findet sich immer wieder einer der den Zombie aus der Kiste springen läßt und damit die Vernünftigen plagt.

Ein Beispiel für so etwas ist ein Artikel des englischen Audio-Professors Malcolm Omar Hawksford aus dem Jahr 1985, in dem er ausgehend von den Maxwell'schen Gleichungen und der altbekannten Elektrodynamik ein paar Spekulationen über Kabelklang ableitet. Hawksford lehrt an der Universität von Essex in Colchester, er gehört zum Audio Research Laboratory. Er ist ein durchaus respektierter Forscher, aktiv und geehrt in der AES, und daher sicher kein Leichtgewicht. Ich habe ein paar Vorträge von ihm gehört, das ist allerdings einige Jahre her.

Der erwähnte Artikel ist allerdings etwas "speziell". Er ist damals nicht etwa in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen, sondern einer englischen Hifi-Zeitschrift, nämlich "Hi-Fi News and Record Review", abgekürzt HFN/RR, die damals noch von John Atkinson geleitet wurde. Atkinson wurde nicht lange danach von der US-amerikanischen "Stereophile" abgeworben, ging nach USA, und ist seither der Stereophile-Editor. Damit dürfte auch zusammenhängen, daß in der Stereophile 1995 eine leicht überarbeitete Version des Hawksford'schen Artikels erschien.

Bevor ich mich um die elektrodynamische Substanz kümmere, was vielleicht nicht jedermanns Sache ist, lohnt es sich, wie ich finde, noch ein bißchen bei den Umständen zu verweilen. Wer die beiden Versionen miteinander vergleicht, sieht schnell daß die ältere Version deutlich mehr polemischen Gehalt hat, während die neuere darauf weitgehend verzichtet. Die neuere Version kann daher eher für eine wissenschaftliche Abhandlung gehalten werden, wobei man sich aber dann fragen wird wieso sie in einer Hifi-Zeitschrift erschienen ist und nicht in einer wissenschaftlichen Zeitschrift, zumal die Leserschaft in der großen Mehrheit mit der Mathematik darin heillos überfordert sein dürfte.

So weit ich weiß ist seither nichts derartiges in einer wissenschaftlichen Zeitschrift erschienen. Hawksford selbst hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel geschrieben und veröffentlicht, etliche davon über die AES, aber es ist meines Wissens nichts dabei was an diese Hifi-Artikel anknüpfen würde und damit den Aussagen in diesen Artikeln die wissenschaftliche Weihe verschaffen könnte. Für eine Zeitschrift wie das "Journal of the AES" gilt das Prinzip des "peer review", das bedeutet daß die eingereichten Artikel vor einer Veröffentlichung von anderen Wissenschaftlern begutachtet werden, um sicherzustellen daß das Material nicht fehlerhaft oder von schlechter Qualität ist. Hawksford gehört seit langem selbst zum "review board" dieser Zeitschrift und weiß daher über dieses Procedere sehr gut Bescheid. Er wäre in der besten Position gewesen, einen Artikel zu schreiben der diesen Anforderungen genügt. Es ist aber in den letzten 25 Jahren nichts dergleichen von ihm erschienen.

Nebenbei: Das "peer review"-Verfahren ist anonym, und zwar mit gutem Grund. Die Reviewer sollen nicht durch falsche Loyalitäten in ihrem Urteil beeinflußt werden, und der Artikelschreiber soll keinen Anlaß kriegen um deswegen Feindseligkeiten zu den Reviewern aufzubauen. Erst die Anonymität gewährleistet neutrale und ehrliche Urteile, und hilft daher am ehesten der wissenschaftlichen Erkenntnis.

Selbst wenn Hawksfords Material zu spekulativ sein sollte für einen solchen "peer review"-Artikel, dann hätte man es immer noch auf einer Konferenz als Papier vorstellen können und sich den Kommentaren der Kollegen stellen können. Solche Papiere sind keinem "peer review" unterworfen und werden allenfalls abgelehnt wenn es sich um offensichtlichen Unsinn handelt oder unpassend für die Veranstaltung ist. Auch das ist in diesem Fall aber nicht passiert. Hawksford scheint außer den zwei Hifi-Artikeln nichts weiter in dieser Sache unternommen zu haben. Dabei wäre das vom Inhalt her wahrscheinlich seine aufsehenerregendste Arbeit geworden, und hätte ihm Ruhm weit über die Audioszene hinaus eingebracht. Jedenfalls wenn etwas dran gewesen wäre.

Offensichtlich traut Hawksford selbst seinen Erkenntnissen nicht weit genug als daß er es der wissenschaftlichen Fachöffentlichkeit zumuten wollte.

Und recht hätte er damit, denn diese Fachöffentlichkeit hätte ihn zerlegt. Ich weiß wie es auf einer AES-Convention zugeht, ich kenne etliche der Leute, die sich in so einen Vortrag setzen würden, und ich bin mir sicher daß darunter einige Leute wären die von Maxwell und der Elektrodynamik mindestens ebenso viel verstehen wie Hawksford, und die ihm seine Böcke einzeln unter die Nase gerieben hätten. Das ist auch der entscheidende Unterschied zwischen dem Publikum einer Hifi-Zeitschrift und dem Publikum bei einer wissenschaftlichen Konferenz. Bei der Hifi-Zeitschrift braucht man nicht zu fürchten daß man auf diese Weise zerlegt wird. Selbst wenn einige wenige der Leser dort ebenfalls genug wissen um den Artikel kritisieren zu können, so müssen sie immer noch an der Redaktion vorbei kommen um ihren Einwänden auch Gehör zu verschaffen. Wie schwer das sein kann dürfte im Fall der Stereoplay-Verstärkertest-Diskussion ziemlich offensichtlich geworden sein.

Was ist so faul an diesem Artikel? Man kann es besser sehen wenn man das Pferd von hinten aufzäumt, wenn man nämlich den Artikel von seinen Schlußfolgerungen her betrachtet. Vorher braucht's aber noch einen kurzen Überblick über die relevanten Aspekte der Elektrodynamik, damit man versteht worum's hier inhaltlich geht.

Die meisten Leute sehen den elektrischen Strom als den Fluß von Elektronen in einem Leiter an. Das ist die Betrachtung auf der Ebene von Teilchen, die eine elektrische Ladung tragen. Maxwell wußte aber von diesen Teilchen noch nichts. Die Elektrodynamik, wie sie sich aus den Maxwell'schen Gleichungen herleiten läßt, dreht sich um Felder und um Wellen. Beide Betrachtungsarten haben ihre Gültigkeit und beschreiben letztlich dieselbe Realität, aber es ist auch immer noch schwierig, diese scheinbar paradoxe Dualität zwischen Teilchen und Wellen im Kopf zusammenzubekommen.

Bei der Elektrodynamik geht's zum Beispiel darum wie die Energie, bzw. das Signal von einem Sender zum Empfänger kommt. Welche Rolle dabei die Drähte und die Isolatoren der Leitung spielen, die Sender und Empfänger miteinander verbindet. Weil es hier um Felder und Wellen geht, und nicht um Teilchen, stellt sich heraus daß sich diese Felder entlang der Leiter vom Sender zum Empfänger fortpflanzen, und zwar genauer gesagt im Zwischenraum zwischen zwei Leitern. Man sagt zwar salopp daß es die Leiter sind in denen der Strom fließt, aber das Signal läuft als Welle im sog. Dielektrikum, also im Isolator zwischen den Leitern. Die metallischen Drähte sind eher wie Schienen, an denen entlang die Wellen laufen.

Interessant wird so eine Betrachtungsweise vor allem dann, wenn die Distanz der Übertragung so groß wird daß sich die Welleneffekte auch bemerkbar machen, das heißt wenn die Wellenlänge kurz genug ist daß sie über die Distanz der Übertragung auch auffällt. Bei Hochfrequenz ist das üblicherweise der Fall, von daher sind solche Betrachtungen bei Rundfunk, Radar, Satellitenkommunikation und Datennetzen seit langer Zeit völlig normal und Teil des Instrumentariums der Ingenieure. Bei Audio ist das nicht so, denn die Leitungen müßten ganz schön lang werden bevor sich bei Audiofrequenzen Welleneffekte auf der Leitung zeigen. Eine definitive Grenze gibt's aber nicht, und man kann daher die elektrodynamischen Prinzipien auch auf die Situation bei NF-Kabeln anwenden, und es muß immer noch stimmen. Genau das versucht Hawksford.

Ein Supraleiter, der den elektrischen Strom ohne jeden Verlust leitet, ist in seinem Inneren völlig frei von Feldern. Es sieht so aus als würde der ganze Strom an seiner Oberfläche fließen. Ein realer Leiter mit Widerstand, wie er bei Zimmertemperatur vorliegt, bewirkt Verluste, wenn er Strom leitet. In der Elektrodynamik wird das dadurch erklärt, daß ein Teil der Felder in den Leiter eindringt und die damit verbundene Energie verloren geht, und in Wärme umgewandelt wird. Das in den Leiter dringende Feld ist das "loss field" von dem auch Hawksford redet.

Das Verlustfeld dringt senkrecht in den Leiter ein, während sich das Signal dazu senkrecht entlang des Leiters fortpflanzt. Für die Geschwindigkeit des Signals sind die Eigenschaften des Dielektrikums maßgebend, und übliche Dielektrika bremsen das Signal gegenüber der Lichtgeschwindigkeit um einige Prozent. Das Feld im Leiter kommt demgegenüber nur sehr langsam voran, was den Skineffekt zur Folge hat, der besagt daß je höher die Frequenz wird, desto dünner wird die Schicht des Leiters an seiner Oberfläche, die noch merklich zur Stromleitung beiträgt.

Aber jetzt zu Hawksford's Artikel. Wie angekündigt fange ich mit den "Conclusions" an. Die ersten Punkte geben im Grunde das wieder was ich schon dargestellt habe, und was die Elektrodynamik schon seit langer Zeit so vertritt. Wenn er im dritten Punkt erklärt daß wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei unterschiedlichen Frequenzen das Material sehr dispersiv wäre, dann muß man dabei im Hinterkopf behalten daß es um das "loss field" geht, das zur Signalübertragung ohnehin nichts beiträgt, weil es in Wärme umgewandelt wird.

Im vierten Punkt beginnen die eigentlich interessanten Aussagen, aber es beginnen auch die Spekulationen. Konkret spekuliert er über die "discontinuities", von denen er nirgends gezeigt hat daß es sie überhaupt gibt. Für den Fall daß es sie gibt schließt er daran die weitere Spekulation, das das auf den Feldverlauf im Leiter chaotische Effekte haben könnte.

Im den nächsten Punkten geht's so weiter, er spekuliert über "partielle Halbleiterdioden-Grenzschichten", deren Existenz ebenso reine Spekulation ist, wie auch der Einfluß der Kristallkörner. Nirgendwo in seinem Artikel hat er derartiges nachgewiesen, weder theoretisch noch experimentell.

Statt den Rest vollends abzuhandeln frage ich Euch selbst, guckt's Euch an und fragt Euch was er denn nun eigentlich definitiv herausgefunden hat. Was denn eigentlich nicht abhängt von Vermutungen.

So wie ich es sehe sind seine Ergebnisse entweder Dinge die man in der Elektrodynamik seit Jahrzehnten weiß, oder es sind Dinge die nur dann einen Effekt haben können wenn ein paar Spekulationen zutreffen, die er nirgends in seiner Arbeit nachweist. Genau genommen macht er also keinen Fehler, aber er sagt auch nichts Neues. Er sagt das aber auf eine solche Art und Weise daß man, besonders als Laie, in die Richtung gedrängt wird, etwas Signifikantes dahinter zu vermuten. Es ist eine Art Suggestivtaktik mit mathematischen Mitteln. Und was er da suggeriert hätte anderen Wissenschaftlern schon vor langer Zeit auffallen müssen, wenn es eine signifikante Größe gehabt hätte.

Dazu wird nirgends klar warum die unterschiedlichen Ausbreitungsgeschwindigkeiten des "loss field" auf das Signal überhaupt einen Einfluß haben sollten. Die Energie im loss field geht verloren. Damit ist der Einfluß auf das übertragene Signal ebenfalls weg.

Der Rest des Artikels enthält zwar weitgehend korrekte Mathe, aber der Mix aus Fakt und Spekulation ist durchweg ziemlich problematisch. Dazu kommen ein paar Sachen die nur dem aufmerksamen Leser auffallen, aber einen schalen Geschmack zurücklassen. So z.B. die kurz erwähnte, aber nicht weiter erklärte Verwendung von Stahldrähten in seinem Meßversuch, wo er sonst von Kupfer redet. Er tut auch wenig dafür um jemandem das Nachvollziehen seiner Versuche zu ermöglichen, und das was er an Meßergebnissen anbietet ist kein eindeutiger Beweis für seine Thesen.

Nach dem Erscheinen der zweiten Version des Artikels gab's ein "Rebuttal" im Audio Critic, eine Hifi-Postille die ebensowenig wissenschaftlich ist wie die Stereophile, bloß von "der anderen Seite" (im Artikel "Hip Boots"). Da drin findet man weitere Argumente, und ich selbst habe schon vor ein paar Jahren in einer Debatte im Hifi-Forum was dazu geschrieben, auch wenn das recht mühsam zu lesen ist zwischen den Feindseligkeiten. Das Thema springt seit Langem in den Foren immer wieder aus der Kiste, weswegen man eigentlich bloß nach Hawksford und Maxwell und Essex zu suchen braucht, wenn man weitere Diskussionen zu finden wünscht.

Der Sex-Appeal für Audiophile liegt auf der Hand: Ein anerkannter Wissenschaftler, der einen Artikel veröffentlicht hat den man aus audiophiler Sicht als wissenschaftlich durchgehen lassen kann, weil er voller Mathe ist, und der so aussieht als bestätigte er die audiophilen Überzeugungen, der in der ersten Fassung sogar die dazu passende Polemik benutzt. So etwas darf man nicht sterben lassen. Den läßt man immer wieder als Springteufel vor den Skeptikern aus der Kiste hüpfen. Wen kümmert's da schon wie viel da wirklich dran ist?